Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Donnerstag, 21. Januar 2010

Nachtrag Pelz

Danke Sebastian für den Hinweis: hier der "Pelz und Jagd mit gutem Gewissen"-Beitrag vom Industriefernsehen Galileo.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Einfach dahinbehauptet (1): "Kaum einer traut sich noch mit Pelz auf die Straße"

Weil ich mich immer wieder darüber ärgere, dass Lohas nur das Gute betonen und das Schlechte verschweigen – und dabei im Übereifer des positiven Denkens mitunter Dinge schlicht behaupten, die aber gar nicht stimmen, werde ich solche Beispiele nun in der Rubrik „Einfach dahinbehauptet“ sammeln.


Den Anfang macht ein vorweihnachtlicher Eintrag im Stern-Blog „Saubere Sachen“. „Faux-Pas mit Pelz“ heißt er und darin steht, dass Pelz heute so verpönt sei, dass sich ein Verbot von selbst erledige: „Pelz ist so weit unten in der Hölle der gesellschaftlichen Ächtung angekommen, dass Menschen das Verkaufen von Pelzen für gesetzlich verboten halten. Dass edle Modemarken wie Prada und Dolce&Gabbana in der aktuellen Herbst-Winterkollektion Nerztaschen und Breitschwanz-Jacken mit Chincilla-Kragen zeigen, ändert daran gar nichts! Kaum noch jemand traut sich mit Pelz auf die Straße. Anders gesagt: Pelze müssen nicht verboten werden, weil sie sich von selbst verbieten“, schreibt Kirsten Brodde, Autorin des Buchs „Saubere Sachen“. Dies zeige, so Brodde, „dass nicht wirklich alle nötigen Konsumveränderungen per Ordre mufti verordnet werden müssen.“ Dass es auch ohne funktioniere, weil es der Verbraucher es aktiv selbst regle, das zeige das Beispiel Pelz.

Das wäre zwar wunderschön. Aber leider stimmt es ganz und gar nicht, dass sich kaum einer mit Pelz auf die Straße traut. Das Gegenteil ist leider wahr: Seit Mitte der 90er Jahre ist der Umsatz von Pelzen um elf Prozent gestiegen: 2007 vermeldete das Deutsche Pelzinstitut einen Umsatz von einer Milliarde Euro, weltweit lag der Umsatz der Pelzindustrie bei 15 Milliarden Dollar (zum Vergleich: McDonalds macht eine Umsatz von 22,78 Milliarden Dollar)! Die Kürschner jubeln aktuell über eine hervorragend Auftragslage und rechnen mit einer Umsatzsteigerung von einem Prozent in 2009. Alle großen Designer haben wieder Pelze im Programm – selbst Benetton und Hallhuber verkaufen Winterjacken mit Echtpelzkragen und Echtfellwesten. Innerhalb der EU gibt es etwa 6000 Pelzfarmen. Pelz erlebt seit Jahren ein Comeback – gerade bei jüngeren Menschen, die eben KEINE moralischen Bedenken mehr haben. Dazu muss man aber noch nicht mal die Zahlen kennen, es reicht eigentlich schon, mit offenen Augen durch den Winter zu laufen (oder die Kommentare unter dem Pelz-Blog eintrage lesen): die Fußgängerzonen sind voll von Menschen, die Pelz tragen. Und weil ich mich so wahnsinnig geärgert habe über den Beitrag, habe ich mir den „Spaß“ erlaubt, mal zu zählen, wie viele Pelzträger mir über den Weg laufen. Dazu bin ich nur sehr kurz aus dem Haus und eine Station S-Bahn gefahren. Das Ergebnis in etwa 15 Minuten: 23 Pelze! Krägen, Mäntel, Mützen! Wahrlich und wahrhaftig! Und das war nicht in der Maximilanstraße oder am Marienplatz, sondern rund um den Münchner Ostbahnhof!

Ein Verbot von Pelzfarmen ist nicht nur dringend nötig, sondern auch möglich: in der Schweiz sind Pelztierfarmen seit 1991 verboten, in Österreich seit 1998, in Großbritannien seit 2003, ein EU-weites Verbot ist im Gespräch. In Deutschland gibt es immer noch Pelzfarmen - und die haben sich deshalb von 170 auf  26 reduziert, weil (sehr laxe) Auflagen und Gesetze dazu geführt haben, dass sich die unvorstellbar grausame und quälende Pelztierzucht nicht mehr so richtig lohnt. Leider gelten solche Gesetze weder in Russland noch in China, woher aber ein nicht geringer Teil der Pelze kommt, die hier wieder verstärkt nachgefragt werden.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Auto fahren mit Claudia Langer: Weltrettung im Langermobil

Heute mal was Lustiges: In einem zweifelhaften Arte-Beitrag am Dienstag zum Thema Nachhaltige Wirtschaft (oder Konsum? Man weiß es nicht genau...), deren Weltrettungs-Protagonisten ("Öko-Revolutionäre") hauptsächlich auf Automessen, Flughäfen (!) und auf den Rücksitzen von wiederum Autos zu sehen waren, hatte auch Claudia Langer eine schönen Auftritt. Sie testete für den Lohas-Sender einen 100 000 Euro teuren Elektro-Sportwagen. Neben sehr viel „ich“ sagte sie unter anderem diesen schönen Satz: „Es ist das deutlich bessere Produkt, es macht unglaublich Spaß, und die Leute sind stolz darauf, das zu fahren. Das ist wie ein Ikone, ein Statussymbol. Ich kann beim Nachbarn angeben und tue etwas Gutes.“ Ja genau. Neid auf Besserverdienende – das ist ganz bestimmt der (Elektro-)Motor zur Verbesserung der Welt. Den Beitrag über die „Öko-Revolutionäre“ kann man hier anschauen, das Langermobil taucht in den letzten ca. vier Minuten auf.

Montag, 11. Januar 2010

Umfrage: Greenwashing funktioniert bestens

Dass Greenwashing ganz fantastisch funktioniert, belegt eine aktuelle Umfrage, die der Bundesverband der Verbraucherzentrale in Auftrag gegeben hat. Danach glaubt fast ein Viertel (23,5 Prozent) der Befragten, dass ein Produkt, auf dem „klimaneutral“ steht, das Klima nicht belastet. 40,8 Prozent sind überzeugt, dass es für das Klima weniger schädlich ist und jeder Zehnte ist der Meinung, dass auch eine "klimafreundliche" Ware das Klima gar nicht belastet. Dabei wird bei den meisten Produkten, die diese nicht geschützte Kennzeichnung tragen, CO2 nicht vermieden, sondern allenfalls kompensiert. Besonders verblüffend ist dabei aber, wie sehr sich Verbraucher täuschen lassen: Elf Prozent der Befragten denken bei dem Wort „klimafreundlich“ an neue Autos. Insbesondere die Autoindustrie und die Energieriesen bedienen sich des Greenwashings. Dass es mit der Aufgeklärtheit und Mündigkeit des Verbrauchers womöglich gar nicht so weit her ist, belegen die Antworten auf die Frage, welche Dinge sie für explizit nicht klimafreundlich halten: nur vier Prozent halten die Flugzeuge für nicht klimafreundlich, obwohl fliegen das klimaschädlichste überhaupt ist. Und nur sieben Prozent halten Klimakiller Kohlekraft für nicht klimafreundlich. Die Verbraucherzentrale hat deshalb die Website Verbraucher fürs Klima geschaltet, auf der jeder (auch anonym) Werbung mit zweifelhaften oder irreführenden Klima- oder Ökoversprechen melden kann. Die VBZ wird diese Wrbung prüfen und juristische Schritte einleiten. Die schönsten Fälle werden außerdem auf der überaus empfehlenswerten Seite Klima-Lügendetektor vorgestellt, auf der man sich anschauen kann, wie Greenwashing funktioniert und welche Konzeren (va. Energie-, Flug- und Autokonzerne) dieses betreiben.

Sonntag, 10. Januar 2010

Nachtrag SZ-Wochenende

Der Essay "Nicht Fisch! Nicht Fleisch!" von Petra Steinberger ist jetzt online. Und ein Nachtrag zum Nachtrag: auch das Magazin des Schweizer Tagesanzeigers hat sich des Themas Fleisch und Ethik angenommen: "Schau mir in die Augen, bevor Du mich tötest" heißt Birgit Schmids toller Essay übers Fleisch essen. Und jetzt bin ich doch so eitel und verweise auf meine Reportage über die Internationale Fleisch- und Wurstwarenmesse in Frankfurt und denn Irrsinn des industrialierten Tötens, die ich für das Magazin Neon geschrieben habe.

 

Samstag, 9. Januar 2010

Heute Lesen: SZ-Wochenende, Seite1!

Welche katastrophalen Folgen für Armut und Klima der Fleischverzehr hat, wie ethisch verheerend Massentierhaltung und industrialisiertes Töten sind: all das ist längst bekannt. Zwar sorgt der Klimawandel dafür, dass der Fleischverzehr endlich ein wenig in Misskredit gerät: selbst Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner rät zu weniger Fleisch (leider ohne politische Taten folgen zu lassen). Und doch sind die Bemühungen seitens Industrie und Gesellschaft, am Fleischkonsum festzuhalten, ungebrochen. Seit Sommer gibt es die angeblich klimaneutrale „Superwurst“, die aus Bio-Schweinfleisch besteht und die Welt retten soll. McDonald’s Grünwerdung wird gelobt, obwohl der Fastfoodkonzern allein in Deutschland täglich (!!!) 100 000 Kilo Rindfleisch verarbeitet. Im Herbst erschien mit Beef eine archaische Männer-Kochzeitschrift, die über Seiten hinweg Steakrezepte veröffentlicht – und auch die modernsten Kochbücher, Bio-Restaurants, Lifestyle-Magazine orientieren sich überwiegend am Fleischgenuss. Am beliebtesten sind technische Innovationen, die dazu beitragen sollen, dass alles so bleiben soll, wie es ist: etwa die Idee der Uni Hohenheim, das Methan-Problem bei Kühen durch eine besondere Diät, andere Fütterungszeiten und einem Vormagen-Bolus in den Griff zu bekommen. Dass der Fischkonsum nicht weniger verheerend ist, ist, obwohl die Meere fast leergefischt sind, ist offenbar noch gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen (der Fischverzehr ist mit 22 Kilo pro Kopf sogar noch angestiegen) – und wird es auch nicht, so lange das zweifelhafte MSC-Siegel das Verbrauchgewissen beruhigt, Aquakulturen als Alternative gefeiert werden und sich nicht einmal Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF einig werden darüber, welcher Fisch nun überfischt ist oder nicht.  Wie wunderbar deutlich wird in der heutigen Ausgabe des SZ-Wochenendes Petra Steinberger in ihrem Essay „Nicht Fisch! Nicht Fleisch!“, in dem die Autorin nicht nur zusammenfasst, was der Fleisch- und Fischkonsum anrichtet auf der Welt, sondern auch die ethische Kompenente miteinbezieht – und zu dem Schluss kommt, dass wir uns diesen Irrsinn nicht mehr leisten können. Ihr schönes Fazit lautet: „Gelüste bleiben. Aber ihre Akzeptanz kann verändert werden. Wir brauchen neue Tabus.“

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Südwind untersucht kleine ökosoziale Modelabels

Junge ökosoziale Modelabels schießen wie Pilze aus dem Boden, die Magazine und Einkaufsratgeber sind voll von schicker korrekter Mode, Modemessen und -schauen suggerieren, das Ethik genauso trendtauglich ist, wie Rocklängen, Stoffmuster oder Farben und ökosoziale Mode kleiner schick klingender Labels gilt den Lohas als Beweis, dass ethischer korrekter Konsum vor allem sexy und lustig ist. Dabei gibt nicht nur die Textilindustrie, sondern vor allem NGOs wie die Kampagne für Saubere Kleidung zu bedenken, dass die globale Textilkette kaum zu 100 Prozent zurückzuverfolgen ist: wo die Baumwolle wächst, gewoben, gefärbt und zu Kleidern genäht wird, geschieht bei hunderten unterschiedlicher Zulieferer – und selbst ein Öko-T-Shirt kann unter verheerenden Bedingungen in Sweatshops genäht worden sein. Denn gerade in der Bekleidungsindustrie gilt: bio ist nicht fair – und fair ist nicht bio. Einmal diese kleinen Labels nach Anspruch und Wirklichkeit zu überprüfen, war also längst fällig – die NGO Südwind hat dies mit der Studie „Sozial-ökologische Mode auf dem Prüfstand“ nun erstmals getan und ganz bewusst nur kleine Unternehmen untersucht. Im Gegensatz zu den Einkaufstratgebern, die entweder den ökologischen oder den sozialen Aspekt berücksichtigen, nicht aber die gesamte Lieferkette, untersucht die Südwind-Studie, beide Aspekte. Das Ergebnis ist leider ernüchternd. Nicht nur, dass nur 23 von 204 angefragten Modelabels (63 davon aus Deutschland), die sich den Anspruch geben, ökosoziale Produkte herzustellen oder zu verkaufen, überhaupt an der Befreigung teilgenommen haben: mit nur wenigen Ausnahmen fallen die ökologischen aber vor allem die sozialen Anforderungen der meisten Anbieter hinter etablierte internationale Standards zurück.

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Presseschau und Termine im Januar

In der Sendung "Marktplatz" zum Thema Fairer Handel - Einkaufen mit gutem Gewissen im Deutschlandfunk hat mich Peter Kowalkowski interviewt. Ein Interview darüber, warum der Konsument gar keine so großen Einfluss hat, gab es bei Deutschlandradio Kultur in der Sendung Neonlicht, die sich mit den so genannten "Locavores" beschäftigte, den "Nahessern", einer kleinen, wohlhabende Gruppe in New York, die versucht, ausschließlich regional einzukaufen. In der Zeit hat Matthias Daum ein ausführlichen Report über die Bemühungen des Nestlé-Tochterunternehmens Nespresso, nachhaltig zu werden, geschrieben und mich darin zitiert. Das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung widmete gestern seine Seite eins dem gescheiterten Klimagipfel: Alex Rühle beschäftigfte sich in seinem Essay damit, dass auf das Engagement das Einzelnen, das Renate Künast verzweifelt gefordert hatte, nicht zu setzen ist. Und warum auch der Konsum die Welt nicht rette, habe ich aufgeschrieben.

Und noch ein Termin: Am Montag, 25. Januar, lese ich in Frankfurt in der Gaststätte Klabunt, Berger Straße 228 (Bornheim). Beginn: 21 Uhr, Reservierungen unter 069/94598140

Dienstag, 22. Dezember 2009

Interviews, Rezensione und Termine

Christian Schlüter hat mein Buch für die FR gelobt, In der Sendung „Der Tag“ im Hessischen Rundfunk wurde ich zum Thema  „Wir sind Klima - Kopenhagen und der innere Schweinehund“ interviewt. Zu Gast war ich auch in der Sendung „Fragen an den Autor“ und habe ich mich mit Jürgen Albers und den Hörern des Saarländischen Rundfunk über ethischen Konsum unterhalten. Eine Besprechung im Notizbuch auf Bayern 2 gibt es hier. Das Online-Magazin Econitor hat ebenfalls mein Buch gelesen, der Blog der Gesellschaft für bedrohte Völker bespricht mein Buch ausführlich und empfiehlt es als „hervorragendes Weihnachtsgeschenk für Menschen, die Lust auf Selbst-Erkenntnis und kritisches Hinterfragen ihres Denkens und Handelns haben“.
Der Blog Exportabel kritisiert die wehleidigen Öko-Bekenntnisse der Autoren der „grünen Zeit“, wie ich es nicht besser hätte tun können, und zitiert mein Buch. Anlässlich meiner Lesung in Nürnberg vergangene Woche haben sich die Nürnberger Nachrichten (ich bin übrigens 37, nicht 39!) und die Nürnberger Zeitung mit meinem Buch beschäftigt. Außerdem war ich im Studio von Radio Z zum Interview, das die Lesung präsentiert und dafür sogar eine hübschen Jingle produziert. Am 25. Dezember sendet Radio Z die Lesung im Nürnberger K4 zwischen 16 und 17 Uhr.

Triumph setzt Näherinnen in Thailand und auf den Philippinen vor die Tür

Ist das nicht schön? Für jedes verkaufte Dessous-Set der X-Mas-Collection spendet der Schweizer Unterwäsche-Fabrikant Triumph an die Kampagne Tribute to Bambi, die hilfsbedürftige Kinder unterstützt. Im Spätsommer aber schickte das Unternehmen 3660 Textilarbeiter und –arbeiterinnen in die Armut: Triumph hat die Beschäftigen aus den Zulieferer-Fabriken in Thailand und den Philippinen entlassen, angeblich aus Gründen der Wirtschaftskrise. Darunter vor allem Behinderte, Kranke und Gewerkschaftsmitglieder. Das Netzwerk Inkota, zu der auch die Kampagne Saubere Kleidung gehört (CCC) geht davon aus, dass Triumph gezielt gegen Gewerkschaften vorgeht. Laut Inkota und CCC ist Triumph immer noch nicht bereit, mit Gewerkschaften zu verhandeln. Inkota und CCC rufen deshalb zu einer Online-Protesaktion auf. Weiters verkauft Inkota so genante Protestunterwäsche: die Unterhosen haben die Arbeiterinnen in ihrem Protestcamp genäht, sie tragen den Namen „Try Arm“ als Symbol des Widerstands. Der Verkauf der Unterwäsche sichert den Arbeiterinne und Arbeitern zumindest ein kleines Einkommen.


 

Dienstag, 15. Dezember 2009

Max Planck-Institut: Freiwilligkeit im Klimaschutz bringt nichts

Die Forscher des Max-Planck-Instituts haben untersucht, ob Freiwilligkeit tatsächlich etwas für den Klimaschutz bringt. Dazu haben sie ein interaktives Computerspiel entwickelt, das sie von 30 Teams mit sechs Studenten haben spielen lassen. Beim Spiel Public Goods Game ging es darum, Geld von einem persönlichen Konto (40 Euro) für den Klimaschutz zu spenden. Das gemeinsame Klimaschutzziel war erreicht, wenn eine Gruppe in zehn Spielrunden anonym insgesamt 120 Euro gesammelt hatte. Der Anreiz: Bekam ein Team die notwendige Summe zusammen, erhielt jeder Mitspieler das Restgeld von seinem persönlichen Konto ausgezahlt. Wurde das Spendenziel nicht erreicht, waren das Spiel und damit auch das persönliche Guthaben verloren. Die Spiel-Teams erreichten nur dann ein Klimaschutzziel, wenn jeder einzelne überzeugt war, dass ein kollektives Versagen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch persönliche Folgen haben würde.
„Es wird deutlich, dass man die Menschen und Nationen noch von den zu erwarteten, dramatischen Auswirkungen des Klimawandels überzeugen und vor allem an ihre eigenen Interessen appellieren muss“, sagt Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Nur wenn sie sichere persönliche Nachteile fürchten, engagieren sie sich beim gemeinsamen Klimaschutz.


Selbst geschrieben

Für das Magazin der Frankfurter Rundschau habe ich Felix Finkbeiner, den Gründer der Kinder-NGO Plant for the Planet porträtiert, die mit Unterstützung von Toyota von Kindern Bäume pflanzen lässt. Ebenfalls in der Frankfurter Rundschau heute eine Porträt von Nikolas Gleber, der "Friendly Fur" herstellt und Fuchsfelle zu Accessoires verarbeitet, die man angeblich mit gutem Gewissen kaufen kann. Für Vorwärts habe ich in der Rubrik "Das Letzte" einen Kommentar zum Shoppen fürs Weltklima geschrieben, ebenso für die Schweizer Sonntagszeitung.

Montag, 7. Dezember 2009

Interviews und Rezensionen

Daniel Blum hat Ende der Märchenstunde für das Deutschlandradio gelesen, die Rezension in der Sendung "Andruck" gibt es als Podcast . Tobias Becker zitiert mein Buch im sehr gelungenen Essay „Das konsumistische Manifest“ im Kulturspiegel. Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur, lobt mein Buch als "ernst und wichtig". Die NZZ am Sonntag nimmt sich der Doppelmoral von Adidas’ Turnschuh-Projekt in Bangladesh an und zitiert mein Blog. FM4 erwähnt mein Buch im Zuge der lustigen Sendung "Science Busters" mit dem supertollen österreichischen Kabarettisten Martin Puntigam, Professor Heinz Oberhummer und Univ.-Lekt. Werner Gruber. In der Sendung dreht sich alles um „Saufen für den Regenwald“. Daniel Friedrich Sturm hat für die Welt ebenfalls mein Buch gelesen und wirft mir „Gesinnungsethik“ vor – vielen Dank für das Kompliment, vom ethisch flexiblen Medienhaus Springer lass ich mich gern Gesinnungsethikerin schimpfen - und außerdem, dass ich "jedes Interesse an Ökologie und fairem Handel als bigott" entlarve. Dass ist natürlich genauso Quatsch, wie die Behauptung, ich würde Fairtrade "geißeln". Aber wenn es halt so gut zur eigenen Meinung passt ...

Sonntag, 29. November 2009

Car2go: Mehr Autos gegen den Klimawandel

Car-Sharing ist ein feines Prinzip. Es wird genutzt von Menschen, die kein eigenes Auto haben und nur dann eines mieten, wenn es dringend nötig ist. Als mindestens genauso umweltfreundliches Konzept verkauft Daimler nun sein „Mobilitätsprojekt“ car2go, das in Ulm erstmals an den Start ging und international umgesetzt werden soll. Nach dem Bahnfahrradprinzip stellt der Autokonzern 200 Smart fortwo cdi zur Verfügung, die sich jeder, der einen Führerschein besitzt, ohne Grundgebühr und Kaution und für einen Minutenpreis von 19 Cent (Tagessatz: 49 Euro) ausleihen kann. Erforderlich ist nur eine Anmeldung, mit einem Chip auf dem Führerschein lassen sich die Smarts öffnen. Man kann sich eine Smart entweder reservieren – oder einfach in einen einsteigen, der gerade auf einem normalen Parkplatz oder einem car2go-Parkspot steht, die flächendeckend vorhanden sind. Man muss noch nicht einmal das Benzin selber bezahlen – eine Tankkarte, mit der man auf Daimler Kosten bei Shell (!) tanken kann, liegt im Handschuhfach. Noch einfacher kann man es dem fuß- und fahhradfaulen Autofahrer kaum machen. Aber genau dies soll laut Daimler dazu führen, dass das Verkehrsaufkommen abnehme und die car2go-Mitglieder ihr Verkehrsverhalten ändern, weniger Auto fahren und ihre eigenen Fahrzeuge nach und nach abschaffen werden. Das Projekt sei außerdem eine „Ergänzung“ zum Öffentlichen Nahverkehr, denn durch den Gebrauch der Smarts werde die Zahl der Bus- und Bahnfahrer steigen. Ähhhh … what? Wieso soll man denn auf Bus und Bahn umsteigen, wenn man die absolut bequeme Möglichkeit hat, sich für fast kein Geld (unter Umständen sogar weniger, als eine Busfahrkarte) und an fast jedem Ort ein schickes neues Auto für jede Minimalstrecke leihen zu können? Wieso sollen 200 zusätzliche Autos das Verkehrsaufkommen verringern? Und warum sollte jemand seinen Privat-PKW verkaufen, wo der Smart doch ein absolut unpraktisches und überflüssiges Auto ist, dass als Zweitwagen und für kürzeste Strecken konzipiert ist? Und warum sollte sich ein Autokonzern wünschen, dass die Leute weniger Autos kaufen?

 

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Dienstag, 24. November 2009

Termine im Dezember

Am Sonntag, 13. Dezember, bin ich zu Gast in der Sachbuchsendung Fragen an den Autor des Saarländischen Rundfunks. Von 11 bis 12 Uhr beantworte ich dort Hörerfragen, die unter der Rufnummer 0681/65100 gestellt werden können.  Am Mittwoch, 16. Dezember, lese ich in Nürnberg im Zentralcafé/ Künstlerhaus K4, Königstraße 9, 90402 Nürnberg. Beginn: 20 Uhr.