Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Montag, 8. März 2010

Termine im März

Am Mittwoch, 24. März, lese ich im Staddteilzentrum Vauban in Freinurg. Die anschließende Diskussion dreht sich um die Frage: Kann man mit Konsum die Welt verändern? Beginn ist um 20 Uhr im Großen Saal im Haus 37, Alfred Döblin-Platz 1, 79100 Freiburg.

 

Sonntag, 7. März 2010

Starbucks: alles andere als 100 Prozent fair!

Freudig erregt klangen wieder mal die Überschriften der letzten Tage: "Starbucks stellt auf Fairtrade um" schrieb etwa Der Standard, "Gutes Tun zahlt sich aus", der Tagesspiegel, "Nur mehr faire Bohne in Europa" der Glocalist und selbstverständlich Utopia (in Kooperation mit Natur und Kosmos): "Kaffee mit Fairwohn-Aroma".  Die US-amerikanische Kaffeehauskette, die im vergangenen Jahr die eingekaufte Menge an fair gehandeltem Kaffee von neun auf 18 Millionen Kilo erhöht hat, ließ vor wenigen Tagen verlauten, in Europa ausschließlich 100 Prozent Fairtrade zertifizierte Espressogetränke zu verkaufen. Hinterfragt hat diese gute Nachricht allerdings niemand - die magische Ansage "100 Prozent" klingt so, als würde Starbucks nur noch fair gehandelten Kaffee verkaufen. Und ja, das wäre absolut wünschenswert - ist aber ganz und gar nicht der Fall. Zwar gilt Starbucks als größter Abnehmer fair gehandelten Kaffees weltweit (nach eigener Aussage kauft der Konzern 20 Prozent des weltweit verfügbaren fairen Kaffees), was auch der Tatsache geschuldet ist, dass Starbucks der größte Kaffeekonzern der Welt ist.

ABER: Fairtrade-Kaffee stellt bei Starbucks nur einen Anteil von etwa fünf Prozent dar. 95 Prozent des Kaffees von Starbucks sind also nicht fair gehandelt, sondern nur nach den selbst auferlegten Mindeststandards des Starbucks-Programms "Shared Planet". Innerhalb dessen wird "nachhaltiger" und "gerecht gehandelter" Kaffe angebaut. So genannte "Pemium Preise" würden darin gezahlt, "um Kaffeebauern zu helfen, Gewinn zu machen und ihre Familien zu unterstützen" (Wieso machen sie denn keinen Gewinn mit den Premium-Preisen? Weil die vielleicht nicht ausreichen?). Weiterhin werde Kaffeebauern Zugang zu erschwinglichen Krediten ermöglicht, um in "zukünftigen Erfolg" zu investieren - und schließlich gebe es "Anreize", Abholzung vermeiden.

"Gerecht" bzw. "sozialverträglich" ist nicht fair gehandelt, "nachhaltig" bzw. "umweltverträglich" ist nicht ökologisch angebaut. Man kann das nicht oft genug erwähnen, denn schön langsam vermischen sich die Begriffe. Selbst seriöse Medien wollen den Unterschied nicht mehr erkennen, da geht die Rechnung der Konzerne leider voll auf. So veröffentlichte das Wirtschaftsmagazin "Der Handel" vergangene Woche einen DPA-Bericht, in dem Tchibo für seine umwelt- und sozialverträglichen Kaffee gelobt wird: "Tchibo schenkt in seinen Bars täglich rund 55 000 Tassen Kaffee aus. Alle in den Bars verwendeten Kaffee-Sorten tragen eines oder zwei der anerkannten Prüfsiegel, entweder ‚Rainforest Alliance', ‚Bio' oder ‚Fairtrade'. Die Bedingungen dieser Siegel unterscheiden sich leicht voneinander; ihnen ist aber gemeinsam, dass sie auf sozial- und umweltverträglichen Kaffeeanbau achten und nur nach strenger Prüfung vergeben werden." Und nein, nein, nein: die Siegel unterscheiden sich nicht leicht voneinander, sondern fundamental: Die Rainforest Alliance ist eine industrienahe, höchst umstrittene US-Umweltvereinigung, das RA-Siegel gilt bei seriösen Umweltschutzorganisationen als Greenwashing, von strenger Prüfung kann nicht im geringsten die Rede sein. Nur Bio hat gesetzliche und Fairtrade internationale streng überprüfte Richtlinien. Alles andere folgt selbst auferlegten, kaum überprüften Minimalstandards, die den Konzernen maximalen Imagegewinn bei minimalen Kosten ermöglichen.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Termine

Am Mittwoch, 24. Februar diskutiere ich mit dem Bundesbeauftragten Reimund Acker über Konsumabhängigkeit und bedingungsloses Grundeinkommen. Acker ist zur Bundestagswahl parteilos mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen angetreten. Die Diskussion wird von den Grünen in Eichenau verantaltet und beginnt um 19 Uhr in der Aula der Josef-Dering-Schule, Schulstraße 38, 82223 Eichenau

Anlässlich des Internationalen Frauentags diskutiere ich am Samstag, 6. März, in Salzburg mit Michaela Königshofer (Kampagne Saubere Kleidung), Edeltraut Noy (Fair Trade) und Lisa Muhr (Göttin des Glücks) über Ökofeminismus, Fairen Handel und Konsum. Beginn ist um 17 Uhr in St. Virgil, Ernst-Grein-Straße 14, A-5026 Salzburg


Mittwoch, 10. Februar 2010

Nein sowas aber auch! Mc Donald’s wird gar nicht grün!

Im November erzählte Mc Donald’s das wunderbare Märchen seiner Grünwerdung. Der Konzern kündigte an, die Hintergrundfarbe seines Logos von Rot nach Grün zu ändern, „als Bekenntnis zur und Respekt vor der Umwelt“, so der stellvertretende Deutschlandchef Holger Beeck. Im Wirtschaftsteil der gestrigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung nimmt nun McDonald’s-Deutschland-Chef Bane Knezevic dieses Bekenntnis zurück. Die Umstellung sei nur eine Frage des Designs und solle keinesfalls ein stärkeres Umweltbewusstsein signalisieren: „Das war nie Teil der Strategie. Wir sind kein grünes Unternehmen.“ Das sei von den Medien falsch interpretiert worden. Ja genau! Alles nur ein Missverständnis! Aber warum hat Mc-Donald’s dem Presse-Jubel dann nicht Einhalt geboten? „Wir haben keinen Anlass gesehen, diesen falschen Eindruck zu korrigieren“, sagt Knezevic, schließlich habe McDonald’s dadurch viel Publicity erhalten. Genau das ist ein beliebtes Mittel der Konzerne: erst eine riesige PR-Welle machen - und wenn dann ein bisschen später mal jemand nachfragt, sagen: oh, also nein, da hat man uns aber missverstanden, war nicht so gemeint. Und wie nennt man das jetzt nochmal? Na? Genau: Greenwashing. Beim nächsten bizarren Öko-Versprechen der Konzerne, liebe Menschen, liebe Medien: nicht jubeln sondern laut und herzlich lachen! Die Konzerne lachen ja auch - über uns.


Donnerstag, 21. Januar 2010

Nachtrag Pelz

Danke Sebastian für den Hinweis: hier der "Pelz und Jagd mit gutem Gewissen"-Beitrag vom Industriefernsehen Galileo.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Einfach dahinbehauptet (1): "Kaum einer traut sich noch mit Pelz auf die Straße"

Weil ich mich immer wieder darüber ärgere, dass Lohas nur das Gute betonen und das Schlechte verschweigen – und dabei im Übereifer des positiven Denkens mitunter Dinge schlicht behaupten, die aber gar nicht stimmen, werde ich solche Beispiele nun in der Rubrik „Einfach dahinbehauptet“ sammeln.


Den Anfang macht ein vorweihnachtlicher Eintrag im Stern-Blog „Saubere Sachen“. „Faux-Pas mit Pelz“ heißt er und darin steht, dass Pelz heute so verpönt sei, dass sich ein Verbot von selbst erledige: „Pelz ist so weit unten in der Hölle der gesellschaftlichen Ächtung angekommen, dass Menschen das Verkaufen von Pelzen für gesetzlich verboten halten. Dass edle Modemarken wie Prada und Dolce&Gabbana in der aktuellen Herbst-Winterkollektion Nerztaschen und Breitschwanz-Jacken mit Chincilla-Kragen zeigen, ändert daran gar nichts! Kaum noch jemand traut sich mit Pelz auf die Straße. Anders gesagt: Pelze müssen nicht verboten werden, weil sie sich von selbst verbieten“, schreibt Kirsten Brodde, Autorin des Buchs „Saubere Sachen“. Dies zeige, so Brodde, „dass nicht wirklich alle nötigen Konsumveränderungen per Ordre mufti verordnet werden müssen.“ Dass es auch ohne funktioniere, weil es der Verbraucher es aktiv selbst regle, das zeige das Beispiel Pelz.

Das wäre zwar wunderschön. Aber leider stimmt es ganz und gar nicht, dass sich kaum einer mit Pelz auf die Straße traut. Das Gegenteil ist leider wahr: Seit Mitte der 90er Jahre ist der Umsatz von Pelzen um elf Prozent gestiegen: 2007 vermeldete das Deutsche Pelzinstitut einen Umsatz von einer Milliarde Euro, weltweit lag der Umsatz der Pelzindustrie bei 15 Milliarden Dollar (zum Vergleich: McDonalds macht eine Umsatz von 22,78 Milliarden Dollar)! Die Kürschner jubeln aktuell über eine hervorragend Auftragslage und rechnen mit einer Umsatzsteigerung von einem Prozent in 2009. Alle großen Designer haben wieder Pelze im Programm – selbst Benetton und Hallhuber verkaufen Winterjacken mit Echtpelzkragen und Echtfellwesten. Innerhalb der EU gibt es etwa 6000 Pelzfarmen. Pelz erlebt seit Jahren ein Comeback – gerade bei jüngeren Menschen, die eben KEINE moralischen Bedenken mehr haben. Dazu muss man aber noch nicht mal die Zahlen kennen, es reicht eigentlich schon, mit offenen Augen durch den Winter zu laufen (oder die Kommentare unter dem Pelz-Blog eintrage lesen): die Fußgängerzonen sind voll von Menschen, die Pelz tragen. Und weil ich mich so wahnsinnig geärgert habe über den Beitrag, habe ich mir den „Spaß“ erlaubt, mal zu zählen, wie viele Pelzträger mir über den Weg laufen. Dazu bin ich nur sehr kurz aus dem Haus und eine Station S-Bahn gefahren. Das Ergebnis in etwa 15 Minuten: 23 Pelze! Krägen, Mäntel, Mützen! Wahrlich und wahrhaftig! Und das war nicht in der Maximilanstraße oder am Marienplatz, sondern rund um den Münchner Ostbahnhof!

Ein Verbot von Pelzfarmen ist nicht nur dringend nötig, sondern auch möglich: in der Schweiz sind Pelztierfarmen seit 1991 verboten, in Österreich seit 1998, in Großbritannien seit 2003, ein EU-weites Verbot ist im Gespräch. In Deutschland gibt es immer noch Pelzfarmen - und die haben sich deshalb von 170 auf  26 reduziert, weil (sehr laxe) Auflagen und Gesetze dazu geführt haben, dass sich die unvorstellbar grausame und quälende Pelztierzucht nicht mehr so richtig lohnt. Leider gelten solche Gesetze weder in Russland noch in China, woher aber ein nicht geringer Teil der Pelze kommt, die hier wieder verstärkt nachgefragt werden.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Auto fahren mit Claudia Langer: Weltrettung im Langermobil

Heute mal was Lustiges: In einem zweifelhaften Arte-Beitrag am Dienstag zum Thema Nachhaltige Wirtschaft (oder Konsum? Man weiß es nicht genau...), deren Weltrettungs-Protagonisten ("Öko-Revolutionäre") hauptsächlich auf Automessen, Flughäfen (!) und auf den Rücksitzen von wiederum Autos zu sehen waren, hatte auch Claudia Langer eine schönen Auftritt. Sie testete für den Lohas-Sender einen 100 000 Euro teuren Elektro-Sportwagen. Neben sehr viel „ich“ sagte sie unter anderem diesen schönen Satz: „Es ist das deutlich bessere Produkt, es macht unglaublich Spaß, und die Leute sind stolz darauf, das zu fahren. Das ist wie ein Ikone, ein Statussymbol. Ich kann beim Nachbarn angeben und tue etwas Gutes.“ Ja genau. Neid auf Besserverdienende – das ist ganz bestimmt der (Elektro-)Motor zur Verbesserung der Welt. Den Beitrag über die „Öko-Revolutionäre“ kann man hier anschauen, das Langermobil taucht in den letzten ca. vier Minuten auf.

Montag, 11. Januar 2010

Umfrage: Greenwashing funktioniert bestens

Dass Greenwashing ganz fantastisch funktioniert, belegt eine aktuelle Umfrage, die der Bundesverband der Verbraucherzentrale in Auftrag gegeben hat. Danach glaubt fast ein Viertel (23,5 Prozent) der Befragten, dass ein Produkt, auf dem „klimaneutral“ steht, das Klima nicht belastet. 40,8 Prozent sind überzeugt, dass es für das Klima weniger schädlich ist und jeder Zehnte ist der Meinung, dass auch eine "klimafreundliche" Ware das Klima gar nicht belastet. Dabei wird bei den meisten Produkten, die diese nicht geschützte Kennzeichnung tragen, CO2 nicht vermieden, sondern allenfalls kompensiert. Besonders verblüffend ist dabei aber, wie sehr sich Verbraucher täuschen lassen: Elf Prozent der Befragten denken bei dem Wort „klimafreundlich“ an neue Autos. Insbesondere die Autoindustrie und die Energieriesen bedienen sich des Greenwashings. Dass es mit der Aufgeklärtheit und Mündigkeit des Verbrauchers womöglich gar nicht so weit her ist, belegen die Antworten auf die Frage, welche Dinge sie für explizit nicht klimafreundlich halten: nur vier Prozent halten die Flugzeuge für nicht klimafreundlich, obwohl fliegen das klimaschädlichste überhaupt ist. Und nur sieben Prozent halten Klimakiller Kohlekraft für nicht klimafreundlich. Die Verbraucherzentrale hat deshalb die Website Verbraucher fürs Klima geschaltet, auf der jeder (auch anonym) Werbung mit zweifelhaften oder irreführenden Klima- oder Ökoversprechen melden kann. Die VBZ wird diese Wrbung prüfen und juristische Schritte einleiten. Die schönsten Fälle werden außerdem auf der überaus empfehlenswerten Seite Klima-Lügendetektor vorgestellt, auf der man sich anschauen kann, wie Greenwashing funktioniert und welche Konzeren (va. Energie-, Flug- und Autokonzerne) dieses betreiben.

Sonntag, 10. Januar 2010

Nachtrag SZ-Wochenende

Der Essay "Nicht Fisch! Nicht Fleisch!" von Petra Steinberger ist jetzt online. Und ein Nachtrag zum Nachtrag: auch das Magazin des Schweizer Tagesanzeigers hat sich des Themas Fleisch und Ethik angenommen: "Schau mir in die Augen, bevor Du mich tötest" heißt Birgit Schmids toller Essay übers Fleisch essen. Und jetzt bin ich doch so eitel und verweise auf meine Reportage über die Internationale Fleisch- und Wurstwarenmesse in Frankfurt und denn Irrsinn des industrialierten Tötens, die ich für das Magazin Neon geschrieben habe.

 

Samstag, 9. Januar 2010

Heute Lesen: SZ-Wochenende, Seite1!

Welche katastrophalen Folgen für Armut und Klima der Fleischverzehr hat, wie ethisch verheerend Massentierhaltung und industrialisiertes Töten sind: all das ist längst bekannt. Zwar sorgt der Klimawandel dafür, dass der Fleischverzehr endlich ein wenig in Misskredit gerät: selbst Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner rät zu weniger Fleisch (leider ohne politische Taten folgen zu lassen). Und doch sind die Bemühungen seitens Industrie und Gesellschaft, am Fleischkonsum festzuhalten, ungebrochen. Seit Sommer gibt es die angeblich klimaneutrale „Superwurst“, die aus Bio-Schweinfleisch besteht und die Welt retten soll. McDonald’s Grünwerdung wird gelobt, obwohl der Fastfoodkonzern allein in Deutschland täglich (!!!) 100 000 Kilo Rindfleisch verarbeitet. Im Herbst erschien mit Beef eine archaische Männer-Kochzeitschrift, die über Seiten hinweg Steakrezepte veröffentlicht – und auch die modernsten Kochbücher, Bio-Restaurants, Lifestyle-Magazine orientieren sich überwiegend am Fleischgenuss. Am beliebtesten sind technische Innovationen, die dazu beitragen sollen, dass alles so bleiben soll, wie es ist: etwa die Idee der Uni Hohenheim, das Methan-Problem bei Kühen durch eine besondere Diät, andere Fütterungszeiten und einem Vormagen-Bolus in den Griff zu bekommen. Dass der Fischkonsum nicht weniger verheerend ist, ist, obwohl die Meere fast leergefischt sind, ist offenbar noch gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen (der Fischverzehr ist mit 22 Kilo pro Kopf sogar noch angestiegen) – und wird es auch nicht, so lange das zweifelhafte MSC-Siegel das Verbrauchgewissen beruhigt, Aquakulturen als Alternative gefeiert werden und sich nicht einmal Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF einig werden darüber, welcher Fisch nun überfischt ist oder nicht.  Wie wunderbar deutlich wird in der heutigen Ausgabe des SZ-Wochenendes Petra Steinberger in ihrem Essay „Nicht Fisch! Nicht Fleisch!“, in dem die Autorin nicht nur zusammenfasst, was der Fleisch- und Fischkonsum anrichtet auf der Welt, sondern auch die ethische Kompenente miteinbezieht – und zu dem Schluss kommt, dass wir uns diesen Irrsinn nicht mehr leisten können. Ihr schönes Fazit lautet: „Gelüste bleiben. Aber ihre Akzeptanz kann verändert werden. Wir brauchen neue Tabus.“

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Südwind untersucht kleine ökosoziale Modelabels

Junge ökosoziale Modelabels schießen wie Pilze aus dem Boden, die Magazine und Einkaufsratgeber sind voll von schicker korrekter Mode, Modemessen und -schauen suggerieren, das Ethik genauso trendtauglich ist, wie Rocklängen, Stoffmuster oder Farben und ökosoziale Mode kleiner schick klingender Labels gilt den Lohas als Beweis, dass ethischer korrekter Konsum vor allem sexy und lustig ist. Dabei gibt nicht nur die Textilindustrie, sondern vor allem NGOs wie die Kampagne für Saubere Kleidung zu bedenken, dass die globale Textilkette kaum zu 100 Prozent zurückzuverfolgen ist: wo die Baumwolle wächst, gewoben, gefärbt und zu Kleidern genäht wird, geschieht bei hunderten unterschiedlicher Zulieferer – und selbst ein Öko-T-Shirt kann unter verheerenden Bedingungen in Sweatshops genäht worden sein. Denn gerade in der Bekleidungsindustrie gilt: bio ist nicht fair – und fair ist nicht bio. Einmal diese kleinen Labels nach Anspruch und Wirklichkeit zu überprüfen, war also längst fällig – die NGO Südwind hat dies mit der Studie „Sozial-ökologische Mode auf dem Prüfstand“ nun erstmals getan und ganz bewusst nur kleine Unternehmen untersucht. Im Gegensatz zu den Einkaufstratgebern, die entweder den ökologischen oder den sozialen Aspekt berücksichtigen, nicht aber die gesamte Lieferkette, untersucht die Südwind-Studie, beide Aspekte. Das Ergebnis ist leider ernüchternd. Nicht nur, dass nur 23 von 204 angefragten Modelabels (63 davon aus Deutschland), die sich den Anspruch geben, ökosoziale Produkte herzustellen oder zu verkaufen, überhaupt an der Befreigung teilgenommen haben: mit nur wenigen Ausnahmen fallen die ökologischen aber vor allem die sozialen Anforderungen der meisten Anbieter hinter etablierte internationale Standards zurück.

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Presseschau und Termine im Januar

In der Sendung "Marktplatz" zum Thema Fairer Handel - Einkaufen mit gutem Gewissen im Deutschlandfunk hat mich Peter Kowalkowski interviewt. Ein Interview darüber, warum der Konsument gar keine so großen Einfluss hat, gab es bei Deutschlandradio Kultur in der Sendung Neonlicht, die sich mit den so genannten "Locavores" beschäftigte, den "Nahessern", einer kleinen, wohlhabende Gruppe in New York, die versucht, ausschließlich regional einzukaufen. In der Zeit hat Matthias Daum ein ausführlichen Report über die Bemühungen des Nestlé-Tochterunternehmens Nespresso, nachhaltig zu werden, geschrieben und mich darin zitiert. Das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung widmete gestern seine Seite eins dem gescheiterten Klimagipfel: Alex Rühle beschäftigfte sich in seinem Essay damit, dass auf das Engagement das Einzelnen, das Renate Künast verzweifelt gefordert hatte, nicht zu setzen ist. Und warum auch der Konsum die Welt nicht rette, habe ich aufgeschrieben.

Und noch ein Termin: Am Montag, 25. Januar, lese ich in Frankfurt in der Gaststätte Klabunt, Berger Straße 228 (Bornheim). Beginn: 21 Uhr, Reservierungen unter 069/94598140

Dienstag, 22. Dezember 2009

Interviews, Rezensione und Termine

Christian Schlüter hat mein Buch für die FR gelobt, In der Sendung „Der Tag“ im Hessischen Rundfunk wurde ich zum Thema  „Wir sind Klima - Kopenhagen und der innere Schweinehund“ interviewt. Zu Gast war ich auch in der Sendung „Fragen an den Autor“ und habe ich mich mit Jürgen Albers und den Hörern des Saarländischen Rundfunk über ethischen Konsum unterhalten. Eine Besprechung im Notizbuch auf Bayern 2 gibt es hier. Das Online-Magazin Econitor hat ebenfalls mein Buch gelesen, der Blog der Gesellschaft für bedrohte Völker bespricht mein Buch ausführlich und empfiehlt es als „hervorragendes Weihnachtsgeschenk für Menschen, die Lust auf Selbst-Erkenntnis und kritisches Hinterfragen ihres Denkens und Handelns haben“.
Der Blog Exportabel kritisiert die wehleidigen Öko-Bekenntnisse der Autoren der „grünen Zeit“, wie ich es nicht besser hätte tun können, und zitiert mein Buch. Anlässlich meiner Lesung in Nürnberg vergangene Woche haben sich die Nürnberger Nachrichten (ich bin übrigens 37, nicht 39!) und die Nürnberger Zeitung mit meinem Buch beschäftigt. Außerdem war ich im Studio von Radio Z zum Interview, das die Lesung präsentiert und dafür sogar eine hübschen Jingle produziert. Am 25. Dezember sendet Radio Z die Lesung im Nürnberger K4 zwischen 16 und 17 Uhr.

Triumph setzt Näherinnen in Thailand und auf den Philippinen vor die Tür

Ist das nicht schön? Für jedes verkaufte Dessous-Set der X-Mas-Collection spendet der Schweizer Unterwäsche-Fabrikant Triumph an die Kampagne Tribute to Bambi, die hilfsbedürftige Kinder unterstützt. Im Spätsommer aber schickte das Unternehmen 3660 Textilarbeiter und –arbeiterinnen in die Armut: Triumph hat die Beschäftigen aus den Zulieferer-Fabriken in Thailand und den Philippinen entlassen, angeblich aus Gründen der Wirtschaftskrise. Darunter vor allem Behinderte, Kranke und Gewerkschaftsmitglieder. Das Netzwerk Inkota, zu der auch die Kampagne Saubere Kleidung gehört (CCC) geht davon aus, dass Triumph gezielt gegen Gewerkschaften vorgeht. Laut Inkota und CCC ist Triumph immer noch nicht bereit, mit Gewerkschaften zu verhandeln. Inkota und CCC rufen deshalb zu einer Online-Protesaktion auf. Weiters verkauft Inkota so genante Protestunterwäsche: die Unterhosen haben die Arbeiterinnen in ihrem Protestcamp genäht, sie tragen den Namen „Try Arm“ als Symbol des Widerstands. Der Verkauf der Unterwäsche sichert den Arbeiterinne und Arbeitern zumindest ein kleines Einkommen.


 

Dienstag, 15. Dezember 2009

Max Planck-Institut: Freiwilligkeit im Klimaschutz bringt nichts

Die Forscher des Max-Planck-Instituts haben untersucht, ob Freiwilligkeit tatsächlich etwas für den Klimaschutz bringt. Dazu haben sie ein interaktives Computerspiel entwickelt, das sie von 30 Teams mit sechs Studenten haben spielen lassen. Beim Spiel Public Goods Game ging es darum, Geld von einem persönlichen Konto (40 Euro) für den Klimaschutz zu spenden. Das gemeinsame Klimaschutzziel war erreicht, wenn eine Gruppe in zehn Spielrunden anonym insgesamt 120 Euro gesammelt hatte. Der Anreiz: Bekam ein Team die notwendige Summe zusammen, erhielt jeder Mitspieler das Restgeld von seinem persönlichen Konto ausgezahlt. Wurde das Spendenziel nicht erreicht, waren das Spiel und damit auch das persönliche Guthaben verloren. Die Spiel-Teams erreichten nur dann ein Klimaschutzziel, wenn jeder einzelne überzeugt war, dass ein kollektives Versagen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch persönliche Folgen haben würde.
„Es wird deutlich, dass man die Menschen und Nationen noch von den zu erwarteten, dramatischen Auswirkungen des Klimawandels überzeugen und vor allem an ihre eigenen Interessen appellieren muss“, sagt Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Nur wenn sie sichere persönliche Nachteile fürchten, engagieren sie sich beim gemeinsamen Klimaschutz.