Dienstag, 23. April 2013
20 Jahre Tafeln: FR-Essay und Enorm-Interview
Dieser Essay von mir ist am 23. Februar 2013, also 20 Jahre nach der Gründung der Berliner Tafel, im Feuilleton der Frankfurter Rundschau erschienen. Für die Ausgabe 1/2013 von Enorm habe ich in meiner Serie Hartmann! mit Gerd Häuser, dem Vorsitzenden des Tafel-Bundesverbands dieses Interview gemacht.
Solange der Vorrat reicht
Überschuss für die Überflüssigen: Vor 20 Jahren eröffnete die erste Tafel in Berlin. Doch Almosen-Ökonomie etabliert Armut, anstatt sie abzuschaffen
Von Kathrin Hartmann
Menschen in Lumpen, die durch riesige dunstige Müllkippen an den Rändern der Städte pflügen und sich dort ihre Existenz zusammenklauben: Solche beklemmenden Bilder kennt man nur aus Entwicklungsländern. Aber auch im reichen Land Deutschland ernährt sich eine zunehmende Zahl Menschen von den Müllbergen der Wohlhabenden. Doch hier ist dieses Bild retuschiert, die störenden Teile sind entfernt: Die Abfallhaufen sind überdacht, geordnet und verwaltet, der verzweifelt wühlende Müllsucher ist verschwunden. An den Tafeln, die überschüssige Lebensmittel an Bedürftige verteilen, ist Armut ist kein Skandal mehr, sondern gut aufgehoben.
Am 23. Februar 1993 eröffnete in Berlin die erste Tafel nach dem Vorbild der US-amerikanischen Foodbanks. Was damals als Nothilfe für Menschen gedacht war, die aus allen sozialen Netzen gefallen waren, etwa Drogenkranke oder Obdachlose, hat sich zum parallelen Versorgungssystem für Menschen entwickelt, die durch zu niedrige Grundsicherung, Hartz IV und prekäre Arbeitsverhältnisse so tief in die Armut gerutscht sind, dass sie auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Mehr als 900 Tafeln gibt es heute in Deutschland. An den bundesweit 3000 Ausgabestellen und Tafelläden holen 1,5 Millionen Menschen Essen ab.
Die Idee der Tafel ist so einfach wie faszinierend: Ehrenamtliche sammeln bei Supermärkten übrig gebliebene, aber verzehrfähige Lebensmittel ein und verteilen diesen Überschuss, der sonst vernichtet werden würde, an Bedürftige. Damit wollen die Tafeln zwei der größten Probleme unserer Zeit in einem Aufwasch beseitigen: die Verschwendung von Lebensmitteln und die wachsende Armut. Fast 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jedes Jahr weggeschmissen, während 15 Millionen Menschen nahe oder unterhalb der Armutsgrenze leben. Ein Gedanke, der auch in der Überflussgesellschaft schwer zu ertragen ist.
"Essen, wo es hingehört" lautet das Motto des Bundesverbands der Tafeln in Deutschland - und dieser moralisch verbrämte Pragmatismus verschafft den Tafeln ein hohes Ansehen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, ja selbst bei Umweltverbänden. Die Tafeln suggerieren, mit dem Verteilen des "zu viel" an diejenigen, die "zu wenig" haben, die tiefe Kluft zwischen arm und reich zu überbrücken. Doch diese Inszenierung der Armut ist affirmativ und primitiv: Sie reduziert die Situation der Bedürftigen allein darauf, nicht genügend zu Essen zu haben. "In Deutschland muss niemand hungern" - diese beruhigende Behauptung findet an den Tafeln ihre praktische Umsetzung.
Doch sowohl Überschuss als auch Armut haben andere Ursachen und bedürfen anderer Lösungen als die Tafeln mit ihrem demonstrativen Verteilen suggerieren. Was beides miteinander verbindet, ist die kapitalistische Wachstumslogik.
Verschwendung ist der Motor der Konsumgesellschaft: Nur wenn viel weggeworfen wird, wird auch viel gekauft. Und weil die Wahlfreiheit des Konsumenten im Supermarkt wie ein Menschenrecht gehandelt wird, wachsen die Müllberge. Die neuen Armen wiederum sind das Ergebnis der Arbeitsmarkt- und Sozialstaatsreform. Es sind diejenigen, für die es keine Verwendung mehr gibt auf dem Arbeitsmarkt - oder die in prekären Arbeitsverhältnissen für wachsenden Profit der Unternehmen sorgen.
Kein Wunder, dass zu den Tafelsponsoren und -spendern ausgerechnet die Konzerne gehören, die von der Überproduktion und Verschwendung von Lebensmitteln profitieren: Rewe, Lidl, Aldi, Metro Group, Edeka. Ihre Spende an die Tafeln lenkt davon ab, wie groß ihr Anteil an der Verschwendung ist, verschafft ihnen ein "nachhaltiges" Image und spart ihnen Entsorgungskosten. "Wer von uns Lebensmittel erhält, ist kein Almosenempfänger, sondern leistet etwas für den Klima- und Ressourcenschutz. Das ist eine gesellschaftliche Leistung, die wir anerkennen müssen", sagt Gerhard Häuser, der Vorsitzende des Bundesverbands der Tafeln. Sie seien "Rädchen in der Lebensmittelindustrie". Das also können Tafelkunden immerhin bieten: Sie entsorgen den Wohlstandsmüll und en passant das schlechte Gewissen der Konsumgesellschaft. Hier wird nicht nur die Struktur ausgeblendet, die zu Armut führt. Sie wird in kapitalistischen Verwertungszusammenhängen gedacht. "Ökonomische Effektivität und Prosperität trifft hier auf die still gelegte Unproduktivität. Das ökonomische Kalkül scheint sich mit dem selbstlosen Mitgefühl zusammen führen zu lassen", schreibt der Jenaer Soziologe Stephan Lorenz in seinem Buch "Tafeln im flexiblen Überfluss".
"Mitgefühl" ist die dritte Säule im System Tafel: Doch im Mittelpunkt stehen nicht die Armen selbst, sondern ihre Versorger, die Ehrenamtlichen. Die "praktisch gelebte Solidarität" heben die Tafeln, die sich als "größte soziale Bewegung aller Zeiten" verstehen, besonders in den Vordergrund. In ihrer Außendarstellung, in Broschüren, auf Fotos und in den Medien dominieren die Spender mit riesigen Pappschecks, die Mengen tatkräftig eingesammelter Lebensmittel und strahlende Freiwillige vor Gemüsebergen. Die Armen selbst sind meist nur Statisten im großen Ehrenamtsblockbuster - anonyme "Objekte der Fürsorge", wie es der Soziologe Georg Simmel beschreibt, an dem die Besitzenden Großzügigkeit und Mildtätigkeit demonstrieren können.
Tafeln sind keine soziale Bewegung, sie sind Charity. Aber Charity beleuchtet nicht die Ursachen von Armut, sondern stellt die Hilfe in den Vordergrund. Es geht um Linderung der Armut, nicht um ihre Abschaffung.
Die Armutsverwaltung an den Tafeln gleicht der Armenspeisung im späten Mittelalter. Diese frühe Form der Fürsorge zählte zu den sieben "Werken der Barmherzigkeit". Arme galten als "Kinder Gottes", zur Rettung ihres Seelenheils versorgten sie die Reichen mit Almosen. Zunächst waren es Kirchen und Klöster, die Armenspeisungen vornahmen (und noch heute sind die größte Träger der Tafeln in Deutschland kirchliche Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Diakonie), später gaben Zünfte Essen aus, und schließlich entstanden in den großen Städten als weltliches Pendant im 18. Jahrhundert Suppenküchen, bei der Arbeiterfamilien, Arbeitslose und Arme zu essen bekamen. Erst die Systeme zur sozialen Sicherung, die am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden und schließlich im Sozialstaat mündeten, machten Suppenküchen obsolet.
Heute erleben wir die umgekehrte Entwicklung: Armutsbekämpfung wandelt sich von der öffentlichen politischen Aufgabe zur privat organisierten Wohlfahrt wohlhabender Bürger. Stefan Selke, Soziologe an der Universität Furthwangen, erforscht seit vielen Jahren Funktion und Auswirkungen der Tafeln in Deutschland. Er gilt als größter Tafelkritiker in Deutschland und hat außerdem das "Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln" ins Leben gerufen. Er sagt: "Tafeln sind Prototypen der neuen Freiwilligengesellschaft". In dieser würden verbindliche soziale Rechte gegen eine unverbindliche Almosenökonomie ersetzt.
Das Problem freiwilliger Hilfe ist jedoch: Es gibt keinen Anspruch darauf. So haben nur zehn Prozent der Bedürftigen in Deutschland Zugang zu den Tafeln, es gibt Wartelisten. Wer zur Tafel kommen darf und wer nicht, das bestimmen die Organisatoren örtlicher Tafeln. Und darauf verlassen, dass die Tüte bei der Tafel voll wird, kann man sich nicht. Es gibt ja nur, was andere nicht haben wollten. Und das nur solange der Vorrat reicht. Wo nur der Überschuss verteilt wird, sind nicht nur die Waren endlich, sondern auch die Gerechtigkeit. So wiederholen und zementieren die Tafeln die gesellschaftlichen Zustände von drinnen und draußen und oben und unten.
Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet diejenigen, die den Abbau des Sozialstaats am lautesten fordern, besonderen Gefallen an den Tafeln finden: Die Unternehmensberatung McKinsey hat den Tafel-Bundesverband beraten und ein "Handbuch zur Gründung einer Tafel" entwickelt. Die neoliberale Bertelsmann-Stiftung, die großen Einfluss auf die Entwicklung und Umsetzung der Agenda 2010 hatte, lobt die Tafeln als gelingendes Beispiel, wie gut freiwillige Wohlfahrtsinitiativen mit der Wirtschaft kooperieren können. Die Initiative "Deutschland, Land der Ideen", zu der federführend der Bundesverband der Deutschen Industrie gehört, der Mindestlöhne und eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze ablehnt, aber Lohnnebenkostensenkung und Leiharbeit begrüßt, hat den Tafeln unlängst für ein Projekt einen "Innovationspreis" verliehen.
Die meisten Tafeln in Deutschland gibt es nicht etwa dort, wo die Not besonders groß, sondern da, wo die Kluft zwischen arm und reich besonders tief ist - nämlich in reichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg. Zu den lokalen Spendern der Tafeln gehören dort nicht nur die Supermärkte und die ansässige Industrie. Sondern auch Golfclubs und Elite-Zirkel wir Rotari- und Lions-Club, deren Symbole dann auf den gespendeten Lieferwagen prangen, die die Hilfsgüter in die Krisengebiete fahren. Mit der selbst formulierten Pflicht zur Mildtätigkeit legitimieren nicht zuletzt die Reichen ihren Status, schließlich "geben sie ja etwas zurück". "Zu den Vorzügen des Reichtums gehört, dass man damit viel gegen Armut tun kann", das schrieb unlängst sogar Heriber Prantl in der Süddeutschen Zeitung.
An der Tafel hat alles seinen richtigen Platz: Überschuss, Reichtum und Armut bekommen dort einen Sinn. Wenn Armut, wie Stefan Selke beschreibt, "normalisiert" wird, bedeutet das, dass sich die Gesellschaft mit Armut abgefunden hat. Arme sind halt "einfach da", genau wie Reiche. Aber Armut ist kein Schicksal, es ist die Kehrseite des Reichtums. Laut dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hat zwischen 2007 und 2012 das private Nettovermögen der Deutschen um 1,4 Billionen Euro zugenommen. Mehr als die Hälfte dieses Vermögens besitzen die reichsten zehn Prozent der Haushalte. Die untere Hälfte der deutschen Haushalte verfügt nur über ein Prozent des gesamten Netto-Vermögens, 15 Millionen Menschen gelten in Deutschland als arm.
Umverteilung und Gerechtigkeit kann nur politisch und solidarisch erkämpft werden. Doch dazu muss man den Zusammenhang von Armut und Reichtum als genau den Skandal betrachten, der er ist. Solidarität ist nicht, wenn Reiche Arme mit Müll abfüttern. Sondern gemeinsam zum Wohle aller für Gerechtigkeit zu kämpfen.
Mittwoch, 3. April 2013
H&M: Nachhaltigeres Greenwashing

Die Plakatwände sind vollgepflastert mit Vanessa Paradis und die Modemagazine kriegen sich nicht mehr ein: H&M hat eine neue "Conscious Collection" herausgebracht, die aus nachhaltigeren Materialen (ein bisschen Bio-Baumwolle, ein bisschen recyceltes Polyester) besteht. Jawohl, nachhaltiger, von nachhaltig ist schon gar nicht mehr die Rede, womöglich klingt dieser Rückschritt hinters nichts sogar noch glaubwürdiger. Schließlich sollen, so H&M-Boss Karl-Johan Persson alle Kunden "vertrauen können, dass alles, was sie von uns kaufen, mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt hergestellt wird."
Die "Rücksicht auf Mensch und Umwelt" sieht bei H&M so aus: Allein in den kambodschanischen Zuliefererfabriken von H&M sind zwischen 2011 und August 2012 fast 3000 Arbeiterinnen und Arbeiter aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen und Mangelernährung kollabiert. Weil sich H&M wie alle großen Bekleidungskonzerne beharrlich weigert, einen existenzsichernden Lohn zu zahlen, können sich die Arbeiterinnen und Arbeiter in Kambodscha (und nicht nur dort) nicht ausreichend ernähren.
Dafür aber streicht der Multi H&M bei einem Umsatz von 16,3 Milliarden Euro zwei Milliarden Euro Gewinn ein. Im März kämpften die kambodschanischen Gewerkschaften um die Anhebung des staatlichen Mindestlohns von 61 auf 150 US-Dollar. Sie erreichten gerade einemal die Hälfte, 75 Dollar. Doch laut der Asiatischen Grundlohnkampagne braucht eine kambodschanische Näherin einen fast vier Mal so hohen Lohn, um mit ihrer Familie davon leben zu können.
Umso zynischer ist der Begriff "Conscious Collection": "H&M kann nicht von einer bewussten (engl: conscious) Modelinie sprechen, wenn die ArbeiterInnen, die die Kleidung fertigen, in den Textilfabriken reihenweise bewusstlos (engl: unconscious) werden", sagt Kirsten Clodius von der Christlichen Initiative Romero (CIR).
"No more Excuses" heißt die Aktion von CIR, Kampagne Saubere Kleidung (die auch den tollen Adbust oben gemacht haben) und die Erklärung von Bern. Denn die zehn Top-Ausreden der Bekleidungskonzerne, weshalb sie keine existenzsichernden Löhne zahlen wollen, sind natürlich Quatsch. Hier geht es zur Unterzeichnung der Petition.
Sonntag, 17. Februar 2013
Die absolute Lächerlichkeit des "Pferdefleischskandals"
Menschen, die regelmäßig das Fleisch von Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen, Hasen, Rehen, Hirschen, Elchen und ihren Babys essen, von Puten, Hühnern, Enten, Straußen, Fischen, Krebsen, Octopussen und Muscheln, regen sich darüber auf, dass sie Fleisch vom Pferd gegessen haben.
Deutsche, die im Schnitt jedes Jahr 89 Kilo Fleisch und im Lauf ihres Lebens 661 so genannter Nutztiere verspeisen und deshalb vollkommen einverstanden damit sind, dass in Deutschland jedes Jahr 700 Millionen Tiere (u.a. 3,6 Millionen Rinder, 60 Millionen Schweine, 450 Millionen Hühner) umgebracht werden, halten es für einen "Skandal", dass auf dem Leichenberg auch 12 000 geschlachtete Pferde zu finden sind.
Menschen, die kein Problem damit haben, sich mit der Haut von toten Rindern, Pferden und Schweinen zu bekleiden, die das Fell brutal getöteter Hasen, Nerze, Füchse, Waschbären, Marderhunde, Nutria, Chinchillas, Hunde und Katzen als Pelzmütze auf dem Kopf und Pelzkragen um den Hals tragen, halten es für ein Tabu, Pferde zu essen.
Diesen Rassismus gegenüber Tieren, also deren Entwertung zum Zwecke ihrer Ausbeutung, Unterdrückung und Tötung aufgrund willkürlich ausgedachter Kriterien, nennt man Speziesmus. Melanie Joy, Professorin für Psychologie und Soziologie an der Massachusetts-Universität in Boston, hat dafür den Begriff Karnismus geprägt. Im aktuellen Greenpeace-Magazin sagt sie dazu:
"Stellen Sie sich vor, Sie essen bei Freunden zu Abend. Die Gastgeberin serviert Ihnen ein hervorragendes Geschnetzeltes. Sie fragen nach Ihrem Rezept und sie antwortet, dass das Geheimnis im Fleisch liege: ‚Man nehme drei Pfund extra mageren Golden Retriever.' Ihre Reaktion ist höchstwahrscheinlich Abscheu und zeigt, was Karnismus ist: es ist das unsichtbare Glaubenssystem, das uns konditioniert, das Fleisch bestimmter Tiere zu essen. (...) Der Karnismus lehrt uns, unser Mitgefühl auszuschalten, wenn es um Tiere geht, von denen wir gelernt haben, dass sie essbar sind."
Das kennt jeder Vegetarier oder Veganer, der sich vor den Fleischessern verteidigen muss (wie das Oliver Nagel sehr lustig in seinem Buch "101 Dinge, die Sie sich sparen können" beschreibt). "Nicht mal Fisch?" lautet die entsetzte Frage, die zeigt, dass die meisten noch nicht mal der Meinung sind, dass Fische und andere Meeresbewohner ("Meeresfrüchte"!) Tiere sind (Übrigens auch nicht wenige, die sich Vegetarier nennen, obwohl sie Fisch essen). Wenn man dann zum Beispiel sagt: "Doch, ein schönes Katzenschnitzel würd' ich essen, Katzen kann ich nämlich nicht ausstehen" - herrje, das gibt vielleicht lange Gesichter!
Zurück zu den Pferden. Welche Pferde werden in Europa eigentlich geschlachtet? Genau, Renn- und "Freizeit"pferde. Welche Pferde sind randvoll mit Medikamenten? Richtig, Rennpferde. Wo werden Pferde bis zum Äußersten gequält, so dass man sie wegen gebrochener Beine und sonstiger schwerer Verletzungen "notschlachten" muss? Wofür sterben allein 1000 Pferde jedes Jahr? Ganz genau: für Pferderennen. Und wo gehören Pferdewetten und Pferderennen zur nationalen Identität, wo ist der ganze Scheiß erfunden worden? Haargenau! In England! Da wo es absolut tabu ist, Pferde zu essen. Ich lach mich kaputt.
Dienstag, 12. Februar 2013
Wie die Medien den Reichen ihren Vorteil sichern
Mein Beitrag zum Thema Elite und Journalismus (ausführlicher in meinem Buch "Wir müssen leider draußen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft", Kapitel 5 "Endlich sagt's mal einer! Wie das Feuilleton die Rechte der Etablierten verteidigt")
"Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten"
Paul Sethe, FAZ-Mitbegründer
Bei der Verleihung des Henri Nannen Preises 2012 ereignet sich etwas Ungewöhnliches. Für die Enthüllung der Wulff-Affäre wurde zum ersten Mal ausgerechnet die Bildzeitung mit dem renommierten Preis ausgezeichnet, den üblicherweise die Edelfedern des Landes unter sich austauschen. Die SZ-Redakteure Hans Leyendecker und seine Kollegen Klaus Ott und Nicolas Richter, die für ihre Enthüllungsreportage über die Formel-1-Äffare der BayernLB ebenfalls geehrt werden sollten, lehnten den Preis ab. Man wolle, so die Begründung, nicht gemeinsam mit der Bildzeitung ausgezeichnet werden. Dies sei, so die SZ-Autoren, "ein Kulturbruch", während der Auszeichnung an Bild soll es vereinzelte Buhrufe gegeben haben. Diese moralische Empörung über die offizielle Gleichstellung von Qualitätsjournalismus und Boulevard hat mitunter etwas scheinheiliges: denn der wahre Kulturbruch findet seit ein paar Jahren bei den seriösen Medien statt. Angriffe gegen Arme, bislang Domäne der Bildzeitung und andere Krachmedien, sind auch dort salonfähig geworden.
Das belegt unter anderem der historische Umstand, dass die Bildzeitung, das Hetzblatt der Nation, einen Text aus der Zeit, dem Herzblatt der Bildungsbürger, auf Seite eins zustimmend zitierte: "ZEIT-Chef Giovanni di Lorenzo stößt heikle Debatte an: Warum kriegen Migranten häufiger Hartz IV als Deutsche?" Tags zuvor hatte die Lorenzo auf der Titelseite der Zeit die ausländerfeindliche These verbreitet, dass "unser in Deutschland so angefeindetes Sozialsystem immer noch attraktiv genug ist, dass es eine massenhafte Einwanderung in die sozialen Netze auslöst - was das Prinzip der Einwanderung, in einem fremden Land durch eigener Hände Arbeit sein Glück zu finden, auf den Kopf stellte."
"Eine derartig Allianz hat es zuvor nicht gegeben. Sie drückt aus, dass die Zeiten härter werden und der Ton rauer", beschreibt der Elitenforscher Michael Hartmann diesen "Schulterschluss mit den Stammtischen der Republik". Wenn man sie nur gedrechselt genug formuliert, dann finden derartige Ressentiments auch bei bildungsbürgerlichen Lesern seriöser Medien Gehör. Zwar belegte der Freitag kurz darauf, dass die von di Lorenzo konstatierte "massenhafte Einwanderung in soziale Netze" so nicht möglich ist. Dafür hat die Reform des Familiennachzugs im Ausländerrecht längst gesorgt. Heute muss jeder Migrant, der seine Familie nach Deutschland holen will, nachweisen, dass er ihren Unterhalt bezahlen kann.
Doch die schlichte Botschaft "Sozialschmarotzer" leben auf Kosten der "Leistungsträger" lässt sich in vielen Artikeln beobachten. So nahm im Januar 2010 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung die "Hätschelkinder der Nation" auf den Titel. Ausgerechnet alleinerziehenden Hartz-IV-Empfängern wurde dort ein Luxusleben unterstellt: "Alleinerziehende werden umsorgt: 40 Prozent von ihnen erhalten Hartz IV - zu besseren Konditionen als Bedürftige. Arbeit lohnt sich da kaum. Ein neuer Partner auch nicht". In Zeit warb Ulrich Greiner dafür, Ungleichheit als gesellschaftliche Tatsache zu akzeptieren. In seinem Essay mit dem bemerkenswerten Titel "Die Würde der Armut. Warum wir nicht mehr von Gleichheit reden sollten" schreibt er: "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass seine [des Staates, Anm.d.Verf.] Fürsorge, deren Ausmaß, historisch gesehen, einzigartig ist, Armut und Deprivation zwar gemildert, aber niemals beseitigt hat."
Und nicht einmal hochdekorierten Akademikern sind derartige Gedanken zu schlicht: "Tatsächlich besteht derzeit gut die Hälfte jeder Population moderner Nationen aus Beziehern von Null-Einkommen oder niederen Einkünften, die von Abgaben befreit sind und deren Subsistenz weitgehend von den Leistungen der steueraktiven Hälfte abhängt." Das schrieb der Karlsruher Philosoph und Uni-Professor Peter Slotedijks in seinem verquasten Aufruf zur "Revolution der gebenden Hand" in der FAZ.
Seine Klage über die angeblich hohe Steuerlast der "Leistungsträger" lässt sich leicht widerlegen. Nie zuvor gab es so viele steuerliche Privilegien für Reiche: bei den 45 reichsten Deutschen sank die Steuerlast sank die Steuerlast um ein Viertel. Und bei den reichsten zehn Prozent bleiben 80 Prozent ihrer Einnahmen aus Vermögen unversteuert. Deutsche Steuerbetrüger haben mindestens 250 Milliarden Euro in Steueroasen gebunkert. Seit der Abschaffung der Vermögenssteuer 1997 hat der Staat, den Sloterdijk als "geldsaugendes Ungeheuer" und dessen Steuerpolitik "Kleptokratie" bezeichnete, 100 Milliarden Euro weniger Steuern eingenommen. Und trotzdem ermutigte der staatlich alimentierte Großdenker die Elite, zu der er sich selbstredend zählt, ihre angebliche "Selbstverachtung", geschürt durch Neid und Ressentiments der Schlechtergestellten, zu überwinden und in einen "fiskalischen Bürgerkrieg" zu treten, um ihr rechtmäßig verdientes Eigentum zu verteidigen.
In Wahrheit aber sind die Vermögen der Reichen dieser Welt nach der Finanzkrise um zehn Prozent gestiegen - und in Deutschland wuchs die Zahl der Millionäre um sieben Prozent. Welchen Zweck verfolgen also Medien wie Akademiker? "Aus einsamer Höhe verkündet Sloterdijk die lang ersehnten Parolen zur politischen Gestaltung der Zukunft, Parolen, in denen dem rührseligen Traum vom Sozialstaat endlich der Garaus gemacht wird", schrieb der Frankfurter Habermas-Schüler und Sozialphilosoph Axel Honneth in einer Gegenrede zu Sloterdijks "unausgegorenen Überlegungen" in der Zeit.
Dort nannte er dessen Ausführungen eine "intellektuelle Ausgeburt eines Klassenkampfs von oben". Dem "befreienden Lachen, das eine solche Kampfparole aufgrund ihres Aberwitzes, ihres geradezu atemberaubenden Leichtsinns auslösen könnte", schrieb Honneth, stünde nur "der Gedanke entgegen, dass es sich dabei um die Sätze eines von den Medien geliebten, von der politischen Öffentlichkeit verehrten und von den Akademien hochdekorierten Intellektuellen handelt." Ein schönes Schlusswort wäre das gewesen, das der Zeit gut zu Gesicht gestanden hätte. Aber die überließ dieses lieber Sloterdijk und räumte ihm nach der Veröffentlichung von Honneths Gegenrede gleich mehrere Seiten frei, auf der Sloterdijk unter dem hochnotpeinlichen Titel "Warum ich doch recht habe" seine Thesen abermals ausbreiten durfte. Endlich sagt's mal einer! Aber wem?
Eliteforscher Hartmann sagt: "Es geht in der Kontroverse um eine einzige Frage, nämlich die, wer die enormen Kosten der Finanzkrise in den nächsten Jahren tragen soll: ihre Verursacher und Profiteure oder die breite Bevölkerung und die Schwachen der Gesellschaft."
Tatsächlich glaubt mehr als die Hälfte der Deutschen, dass die Ursache der Finanzkrise diejenigen seien, die den Sozialstaat ausnutzen. Das ist das Ergebnis der Langezeitstudie "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" des Bielefelder Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmayer. Seit 2007 hat der Forscher Langzeitarbeitslose als eine neue Gruppe von Diskriminierungsopfern ausgemacht. Mehr als die Hälfte der Deutschen hat eine abwertende Haltung ihnen gegenüber - als hätten ausgerechnet die HartzIV-Empfänger ihren Regelsatz für Schuhe an der Börse verzockt und damit den Finanzmarkt zum Kollabieren gebracht. "In Zeiten der Wirtschaftskrise können wir uns nicht mehr leisten, allen Menschen gleiche Rechte zu garantieren" - dieser Aussage stimmte in Heitmeyers Untersuchung ein Drittel der Befragten zu. Neu ist, dass derartige Überzeugungen vor allem in der gehobenen Mittel- und Oberschicht verbreitet sind.
Ausgerechnet die Reichen, das fand Heitmeyer zum Abschluss der zehnjährigen Studie heraus, fühlten sich um ihren gerechten Anteil betrogen. Sie werten Langzeitarbeitslose am stärksten ab. Um ein solches verzerrtes Bild in der Gesellschaft zu etablieren, reichen die Reden der Politiker und Wirtschaftsmächtigen von der "sozialen Hängematte" und der angeblich "spätrömischen Dekadenz" (Westerwelle) Bedürftiger nicht aus - sie brauchen die Medien als Verlautbarungsinstanz. So dürfen "Experten" wie der Ex-McKinsey-Manager Utz Claasen, Arnulf Baring, Hans-Olaf Henkel und der Ex-McKinsey-Chef Herbert Henzler nicht nur in ihren Büchern die "Grenzen sozialer Gerechtigkeit" (Baring) aufweisen und, wie etwa Claasen, Deutschland attestieren, "über die Verhältnisse" zu leben (sich selbst natürlich ausgenommen). Sie dominieren auch die Polittalkshows und finden als Interviewpartner und Gastkommentatoren auch in seriösen Printmedien Gehör.
Selbst biopolitische Gedankengut, wie es sich in Thilo Sarrazins Hetzwerk "Deutschland schafft sich ab" zum ökonomischen Rassismus verdichtete, findet bereits Eingang in seriöse Medien: Der umstrittene Sozialpädagoge Gunnar Heinsohn, Autor des rechtspopulistischen Propaganda-Netzwerks "Achse des Guten" spielte in der FAZ mit einer gefährlichen und die längste Zeit verpönten Idee: Mit seiner Forderung, die Sozialleistungen auf fünf Jahre zu begrenzen, um die "Belohnung" in Form einer "Quasiverbeamtung für immer mehr bildungsferne Kinder" zu beenden, sprach Heinsohn offen aus, es vermehrten sich zu viele von den "Falschen"- und gab damit zu Protokoll, dass Kinder von Armen weniger wert sind.
Die Wahrheit über die angeblich kaninchenartige Vermehrung der Unterschicht zum Zwecke des Geldeinstreichens ist die: Hartz-VI-Empfängerinnen müssen Verhütungsmittel aus dem Regelsatz selbst zahlen - während sie eine Abtreibung kostenlos bekommen. In einer Untersuchung von Pro Familia Köln aus dem Jahr 2007 gaben 80 Prozent der befragten ungewollt schwangeren Frauen aus der sogenannten Unterschicht an, dass sie sichere, aber teure Verhütungsmittel wie Pille oder Spirale nicht bezahlen können. Gleichzeitig gab mehr als ein Drittel der Frauen an, seit dem Bezug von ALG II besser als vorher zu verhüten - aus Angst, dass sich ihre Situation durch ein Kind noch weiter finanziell und sozial verschlechtern würde, wie es bei 80 Prozent der befragten Frauen der Fall ist, die ungewollt schwanger wurden.
Doch um Wahrheit geht es gar nicht in dieser Scheindebatte. Sondern um die Verteilung von Rechten und Vermögen. Dabei dienen sich auch Journalisten gern den Wertvorstellungen der Elite an und wiederholen uralte Denkmuster. Mit allzu viel Sozialkritik schafft man kein anzeigenfreundliches Umfeld und keine Auflage. Axel Honneth bezeichnet derartige Feuilletonisten als "normalisierte Intellektuelle": fern jeglicher gesellschaftswissenschaftlicher Theorien würden sie nur noch Meinungen innerhalb ohnehin anerkannter Prinzipien äußern. Sie müssten anschlussfähig sein, während wahre Gesellschaftskritik die Aufgabe hätte, genau diese gängigen Prinzipien zu hinterfragen. Man kann Giovanni di Lorenzo fast als Protoyp des normalisierten Intellektuellen sehen. Während er mit seinen Zuwanderungsthesen nach unten tritt, sucht er den Schulterschluss nach oben - etwa in seiner Endlos-Serie "Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt". Und jüngst mit seiner PR-Aktion für den ehemaligen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg. Di Lorenzo - zu Guttenberg, da findet zusammen, was zusammen gehört: Geldadel und trifft Schreibadel. So kann man die beiden auf dem Autorenbild des Interview-Buchs "Vorerst gescheitert" schon kaum mehr unterscheiden: beide tragen eine dünnen dunklen Pullover über dem Hemd, zwischen ihnen das Aufnahmegerät, hinter ihnen der weiß getünchte Kamin im Zimmer des Luxushotels in London. Das Interview wurde in Auszügen auch in der Zeit veröffentlich und auf dem Titel beworben. Abermals schaffte es einen Zeit-Titelgeschichte auf die Titelseite der Bild. Zwar gab es entrüstete Leser-Reaktionen und Häme von den schreibenden Kollegen. Immerhin aber half der Zeit-Titel di Lorenzos Buch auf den ersten Platz der Bestseller-Liste - und das milde kritisch geführte Interview, das nur schwammig die Einsicht des Doktorarbeitsabschreibers erkennen lässt, befördert zu Guttenbergs Rehabilitation. Schließlich kann der sich der Adelige gut vorstellen, wieder in die Politik zu gehen.
Eliteforscher Hartman ist diese "bemerkenswerte Entwicklung" in den Medien schon lange aufgefallen. Schon allein deshalb, weil er als Elitenexperte selbst ein gefragter Interviewpartner ist. Denn er sagt Dinge, die zumindest konservative Redakteure, die am Elite-Modell festhalten, nicht gern hören wollten. "Die ärgert das richtig, dass ich als Kritiker der Eliten diese Position habe, und nicht einer aus ihren Reihen, der für die Elite eintritt", sagt Hartmann. Er habe schon erlebt, dass er FAZ-Redakteuren ausführliche Interviews gegeben habe, die zum Thema Elite recherchierten, und dass diese Redakteure ihn dann immer wieder dazu bringen wollten, sich für eine Elitenbildung auszusprechen. Seine Argumente aber seien in die Texte gar nicht eingeflossen. Er sieht darin eine bewusste Verschiebung von Gewichten in eine von Anfang an gewünschte Richtung. Denn daran, dass das Vermögen zugunsten der Allgemeinheit verteilt werden könnte, hat die Elite kein Interesse. Zunehmend werden auch Journalisten aus diesem Milieu rekrutiert: In ihrer Dissertation "Habitus, Herkunft und Positionierung: Die Logik des journalistischen Feldes" hat Hartmanns Doktorandin Klarissa Lueg anhand von drei führenden deutschen Journalistenschulen die Herkunft von Journalisten und die Auswirkung dieser Abstammung auf ihren Beruf untersucht. Sie fand eine geschlossene Herkunftsgruppe. Ihre Ergebnisse lassen auf entsprechend homogene Denkschemata schließen. 68 Prozent der Journalistenschüler, so Lueg, stammen aus gehobenen mittleren Schichten, ihre Eltern sind Akademiker, Unternehmer oder Ärzte, während Kinder von Facharbeitern oder ungelernten Arbeitern dort überhaupt nicht zu finden sind. Eine gesellschaftliches Entwicklungsmuster, das sich in allen relevanten Bereichen der Gesellschaft breit macht: auch an den Universitäten sind überwiegend Akademikerkinder zu finden.
Während von 100 Akademikerkindern 83 eine Universität besuchen schaffen es nur 23 von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition. Spitzenpositionen in Wirtschaft, Justiz und Politik werden zu einem überwältigendem Anteil von Kindern des gehobenen oder Großbürgertums besetzt. 85 Prozent der Topmanager, 65 Prozent der in der Justiz Angestellten und 70 Prozent der Politiker entstammen höheren Schichten, die aber nur 3,5 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Dieser winzige Anteil bestimmt die gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland - und zwar nach den eigenen Interessen.
Journalistenschulen gelten als exklusivste Kader der journalistischen Ausbildung. "Wer es geschafft hat, auf eine Journalistenschule zu kommen, hat es im Grunde genommen in diesem Beruf bereits geschafft", zitiert Lueg einen Schulleiter. Entsprechend nähmen sie ihre Journalistenschüler als berufliche Elite wahr. Tatsächlich schaffen diese es doppelt so häufig in relevante Positionen bei großen Zeitschriften und Leitmeiden wie Journalisten mit anderer Ausbildung. Darüber hinaus interessieren sich die Schüler aus den oberen Schichten fast gar nicht für eine Position als Chefredakteur, sondern streben eher an, "Edelfedern" zu werden - also Meinungsführer wie Kolumnisten, Leitartikler, Kommentatoren, Magazinjournalisten oder Auslandskorrespondenten. Genau genommen bedeutet das, dass die gehobene Mittelschicht im Journalismus den Ton angibt, Themen entsprechend aussucht und aufbereitet - wobei sie sich an ihrer Zielgruppe orientieren. Aber wenn sich die Elite in Wirtschaft, Verwaltung, Justiz und selbst im Journalismus bündelt - wer repräsentiert dann noch die Belange der Allgemeinheit? Und wie nah sind die Vertreter am Alltag und der Lebenswirklichkeit der Kleinbürger und Bedürftigen?
Hartmann erkennt im Journalismus ein selbsterhaltendes System: "Die Journalisten stammen ja überwiegend aus der Mittelschicht. Man hinterfragt dann Voraussetzungen nicht mehr, sondern vergewissert sich im wechselseitigen Gespräch." Vor allem sei es viel einfacher, nach unten zu treten, als das komplizierte Geflecht von Wirtschaft und Macht zu entwirren: "Im Vergleich dazu erscheint Hartz IV simpel - davon hat man ein Bild, da hat man das Gefühl, was zu durchblicken." Noch dazu ist es viel riskanter, sich mit den Mächtigen und dem herrschenden Mainstream anzulegen: "Das befördert keine Karriere." So ist es wesentlich einfacher und dient auch der eigene Bestätigung, den Mythos der Leistungsgerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Dabei ist es fast unmöglich, über die Reichen zu berichten. Es gibt keine Vermögensstatistik, durch den Wegfall der Vermögenssteuer bleibt ihr Besitz und dessen Mehrung im Dunklen - während andersherum die Bedürftigkeit von Hartz-IV-Empfängern haargenau dokumentiert ist. Allenfalls Spekulationen werden über die geheimnisvollen Reichen angestellt, die sich von der Gesellschaft immer weiter entfernen. "Eliten-Bashing" nannte der Spiegel in der Serie "Deutschland, Deine Reichen" die Debatten über die Verteilung von unten nach oben: "Denn seien wir ehrlich: Sobald hierzulande von Reichtum die Rede ist, fühlen sich viele Journalisten bemüßigt, ihn misstrauisch bis höhnisch einzubetten. (...) Weil es ziemlich leicht geworden ist, auf Wohlhabenden herumzukloppen. Sie wehren sich kaum noch."
Warum sollten sie auch, wenn ohnehin jede Diskussion um eine ungerechte Verteilung als "Neiddebatte" abgetan wird?
Hartman sagt, es gebe solche Journalisten, die tatsächlich überzeugt seien von dem, was sie schreiben - weil sie sich eben auch in elitären Kreisen bewegen. Und andere, die zumindest ein ungutes Gefühl hätten angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung. "Die wollen aber einfach, dass es so ist, wie sie schreiben." Sie klammerten sich dabei stets an ihren Glauben: "Kein Land ist so gut durch die Krise gekommen wie Deutschland." Damit würde auch Hartz IV gerechtfertigt und nicht mehr hinterfragt: Ist nicht schön, geht aber nicht anders. Leider, leider! Nur allzu gern wird das als "unbequeme Wahrheit" verkauft - doch solche "unbequemen Wahrheiten" sind immer die denkbar bequemsten Ausflüchte der herrschenden Klasse.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Schon wieder Menschen für KiK verbrannt
Es ist gerade einmal drei Monate her, dass 112 Menschen in der Tazreen Fabrik in Bangladesch im Feuer für den Profit westlicher Großkonzerne starben. Am Samstag, 26. Januar, brach in der Fabrik Smart Export Garments schon wieder ein Feuer aus - sieben Arbeiterinnen starben in den Flammen, darunter drei Teenager, die jünger als 17 Jahre waren. Auch in dieser Fabrik wurden Label von KiK gefunden. Denn offenbar interessiert es KiK einen Scheißdreck, dass Menschen brutal zu Tode kommen, Hauptsache, die Kohle stimmt.
Dass ein Konzern wie KiK, dem ein Menschenleben wohl keinen Pfifferling wert ist, den Hinterbliebenen in Bangladesch bis heute keine Entschädigung bezahlt, ist so brutal wie logisch. Dasselbe gilt für C&A: der Konzern, der auch noch den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhielt (was über diese unsäglich zynische Lobbyisten-Sause mit dem Segen der ebenso unsäglichen Bundesregierung eine ganze Menge aussagt), hat ebenfalls bis heute keine Entschädigung bezahlt - und obwohl beiden Konzernen nachgewiesen wurde, dass in ihren Zulieferfabriken Menschen verbrannt sind, weigern sich diese, ein Brandschutzabkommen zu unterzeichnen. Darin nämlich würden sich alle Beteiligten bereit erklären, ein Zwei-Jahres-Programm aufzulegen, das sowohl Schulungen zum Brandschutz als auch die Bildung von betrieblichen Arbeitsschutzkomitees und ein umfassendes unabhängiges Kontrollsystem umfasst, an dem sich die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft aktiv einbringen können. Bitte nochmal auf der Zunge zergehen lassen: Unternehmen, in deren Zulieferfabriken Menschen verbrannt sind, weigern sich, ein Abkommen zu unterzeichnen, das die Arbeiterinnen und Arbeiter vor dem Feuertod bewahrt! Und nicht nur KiK und C&A geht das Leben der Menschen offenbar am Arsch vorbei - auch H&M, Zara, Metro und Lidl weigern sich. Das einzige Unternehmen, das bislang unterzeichnet hat, ist Tchibo.
Wenn ich mir dann den Imagefilm anschaue, den C&A zur Volksberuhigung ins Netz gestellt hat, muss ich erst recht kotzen: Man stehe den Opfern nahe, heißt es da - und als Unterstützung der Opfer würde man deren Kindern "Bildungsförderung" zukommen lassen. Und man würde Audits und Prüfungen "intensivieren". Das ist ziemlich lustig, denn solche "Prüfungen", die fast immer angemeldet sind, ergeben so gut wie immer, dass in der Fabrik alles in Ordnung ist. Noch zynischer ist nur noch die Behauptung, in Bangladesch müsste "dass Bewusstsein für Brandschutzmaßnahmen gestärkt werden". Ha! Dabei wurde das Brandschutzabkommen von bangladeschischen und internationalen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen gemeinsam entwickelt.
Das schrieb mir mein bangladeschischer Freund Badrul Alam nach der Tazreen-Katastrophe - und aus diesen Worten kann man erahnen, welches Leid und welche Demütigung die Menschen tagtäglich in den Ländern erfahren, die zum Profit des Westens untejocht, geplündert und unterdrückt werden:
"They are just burned to ash. It is a great human disaster. The outcry of their families made the sky heavy. We are extremely
concerned for the irresponsibility of the bourgeoisie society for which the life of working people is nothing but ash."
Sonntag, 13. Januar 2013
Ein Hilferuf aus Bangladesch
Dass Bangladesch eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder der Welt ist, ist bekannt. Dass dies aber nicht nur bedeutet, dass das Land regelmäßig von Wirbelstürmen und Überschwemmungen heimgesucht wird, sondern auch von Kältewellen, weniger. Eine solche ereignet sich gerade im Norden des Landes. Normalerweise liegen die Temperaturen zu dieser Jahreszeit bei zehn bis 20 Grad, jetzt herrscht dort eine Eiseskälte von unter drei Grad Celsius - so kalt war es zuletzt 1968. Mehr als hundert Menschen sind an den Folgen der Kältewelle bereits gestorben, etwa an Lungenentzündung. Die Kältewelle hält womöglich bis Februar an.
Die bangladeschische Kleinbäuerinnen- und Kleinbauernorganisation Bangladesch Krishok Federation and Kishani Sabha, deren tolle Arbeit ich selbst in Bangladesch kennengelernt habe und die mich auf Reisen begleitet haben, bitte dringend um Unterstützung. Eine Delegation will im Norden des Landes Decken und Kleider kaufen, um die ärmsten vor der Kälte zu schützen. Etwa 2000 Decken werden benötigt, eine Decke kostet umgerechnet drei Euro. Wer die Organisation unterstützen möchte, kann sich mit ihr selbst in Verbindung setzen (pathaklal@yahoo.com) oder über dieses Blog bzw. meine Facebookseite mit mir. Herzlichen Dank!
Das ist der Aufruf im Wortlaut:
Terrible cold wave claims lives in the north of Bangladesh
Need humanitarian assistance urgently
Recently the cold wave turns terrible form in Bangladesh. The temperature reached at 2.7 degree centigrade which is the lowest in the country in memory. Bangladeshi people are not set for such a low temperature. They are used to modest temperature in the winter which is between 15 and 20 degree centigrade. As a result, the people are suffering a lot due to this staggering cod spell this year. So far, more than 100 people in northern districts died and thousands of people became sick who encounter no treatment with lack of food. The assistance form the government is insufficient. Adequate response is required anyway. Very few NGOs are active meanwhile but their effort is far behind the need.
The reason of this cold wave is basically the impact of climate change which is getting recognition slowly.
The Weather Forecasting Department predicted that the present situation would continue until the first week of February 2013.
In these circumstances massive response to the situation is needed from different corners. That is why Bangladesh Krishok Federation (BKF) and its associate Bangladesh Kishani Sabha(BKS) cannot sit idle as its huge number of members is living in the northern part of Bangladesh where the situational is deteriorating almost every day.
We had a meeting yesterday in our Dhaka office and formed a team of 10 members that will approach to the solvent middle class families in the city for the contribution with their second hand warm cloths. For this purpose, a hand bill urging the people for the material support is published for distribution during collection.
For sure, as we know that the efforts made on our side within the country not be enough to address and stand by the cold affected people we decided to make an appeal to our outside sympathizers for their kind support in this crucial period of our people.
We decided to give away a blanket to each people who dire needs in the north of the country, especially in the worst affected district called Karigram. We estimated to provide 2,000 blankets costing Tk.300/- each among 2,000 people. The total estimate stands at Tk. 600,000/-. In Euros: Approximately 6000 Euros.
Therefore I request all of our friends and well-wishers abroad to respond with as much humanitarian support as they can to overcoming the awesome situation which the poor people of Bangladesh facing at this moment in the north of Bangladesh.
We would be extremely grateful to all of you for any co-operation and assistance.
Looking forward to hearing from you soon.
All the best regards,
Badrul Alam
President
Bangladesh Krishok Federation
Mittwoch, 5. Dezember 2012
Zu Gast bei ZDF Info Log In
Heute um 22.20 Uhr bin ich Diskussionsgast bei Log In auf ZDF Info. Und alle können mitmachen und mitdiskutieren! Außer mir ist zu Gast der "Schnäppchenkönig" Thomas Tankley - der Prototyp des Krisengewinners. Denn er verdient mit Armut richtig Geld. Erstens, weil er Massenware, die unter verheerende Bedingungen in armen Ländern hergestellt wurde, massenhaft verschleudert, zweitens von der Armut in Deutschland, die Menschen dazu treibt, ihr letztes Geld für Konsummist auszugeben, um in der Konsumgesellschaft halbwegs mithalten zu können. Diskutiert werden außerdem die mahnenden Worte des Bundespräsidenten Gauck: "Mit dem Kassenbon kann man schlimme Zustände zementieren." Der Satz ist so zynisch und verlogen wie die ganze verheerende Bundespolitik, die der neoliberale Grüßaugust vertritt und mit seine Durchhalteparolen rechtfertigt. Nicht die Kunden zementieren diese Zustände, sondern die Politik - denn es ist zualleresrt die deutsche Bundesregierung, die auf EU-Ebene die Offenlegungspflichten der Unternehmen verhindert. Diese nämlich wäre wirklich wesentliche Grundlage dafür, das Konzerne, die in armen Ländern tagtäglich Umwelt- und Menschrechtsverbrechen begehen, zur Rechenschaft gezogen werden können. Merke: Wann immer jemand behauptet (und es sind immer Politik und Wirtschaft), der Kunde sei schuld oder habe "die Macht", hat er ein Interesse daran, dass die Zustände bleiben, wie sie sind.
Montag, 19. November 2012
Khorshed Alam gestorben
Es ist erschütternd, dass der neue Eintrag in diesem Blog schon wieder ein Nachruf sein muss. Denn schon wieder haben mich entsetzliche Nachrichten aus Bangladesch erreicht: Khorshed Alam, der Arbeitsforscher, Aktivist und Kämpfer für die Rechte der Textilarbeiterinnen, ist vor zwei Tagen völlig unerwartet im Alter von 46 in einem Krankenhaus in Dhaka gestorben. Eine Kieferoperation hatte zu einer sich rasch ausbreitenden Entzündung geführt, die sein Herz zum Stillstand brachte.
Khorshed Alam, Gründer des Alternative Movement for Resources and Freedom Society war ein unverzichtbarer Partner und Unterstützer der internationalen NGO wie etwa der Kampagne Saubere Kleidung oder die britischen NGO War on Want, die gegen die verheerenden Bedingungen in den Sweatshops Bangladeschs kämpfen. Die Aufdeckung von Missständen und Skandalen in den dortigen Fabriken wäre ohne ihn kaum möglich gewesen, Khorshed verfasste zahlreiche Untersuchungen zu den verheerenden Arbeitsbedingungen und der Beteiligung transnationaler Konzerne am Elend der Näherinnen - zuletzt etwa die Studie Race to the Bottom anlässlich der Olympiade in London. Auch war es Khorshed, mit dessen Hilfe Lidl medienwirksam des unlauteren Wettbewerbs angeklagt werden konnte: der Discounter hatte in einem Prospekt behauptet, dass die Textilien sozialverträglich produziert worden seien - das Gegenteil war der Fall, wie Khorshed ein weiteres Mal herausgefunden hatte. Khorshed war, aller Widerstände und harter Gegner zum Trotz, ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit. Er war es auch, der dafür sorgte, dass die Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen, die jeden Tag und jede Sekunde in den Sweatshops Bangladeshs geschehen, in die Weltöffentlichkeit gelangten, denn er war ein wichtiger Ansprechpartner für die Medien. Er stellte Kontakte zu ausgebeuteten und geschundenen Näherinnen her und schleuste Journalisten in Sweatshops. Die vielbeachtete NDR-Reportage "Die Kik-Story" etwa hätte es ohne seine Hilfe nicht gegeben.
Auch ich habe Khorshed in Bangladesch kennen lernen dürfen. Auch meine Recherchen hat Khorshed unterstützt, wo er nur konnte. Er war einer der tollsten, klügsten, herzlichsten, verbindlichsten und hilfsbereitesten Menschen, denen ich auf meiner Reise begegnet bin. Sein Büro war ein wunderbarer, heiterer und warmer Ort, an dem ich interessante Menschen traf, tolle Gespräche führte und, trotz voller Schreibtische und nie enden wollender Arbeit, immer herzlich willkommen war. Ich habe die Zeit dort sehr genossen und ich hatte mich darauf gefreut, Khorshed dort wiederzutreffen. Dass dies nie mehr passieren wird, das macht mich sehr traurig.
Mein Beileid gilt seiner Familie, seinen Freunden, den NGO, mit denen er arbeitete - und den Millionen Textilarbeiterinnen und -arbeitern Bangladeschs und ihren Familien, die einen unendlich mutigen und leidenschaftlichen Kämpfer verloren haben.
Montag, 8. Oktober 2012
Landlosen-Aktivist Abdul Karim in Bangladesch ermordet
Abdul Karim, in Armut geboren, kämpfte für die Landrechte der Armen in Kurigram. In dieser Region im Nordosten Bangladeschs, die zu den ärmsten des Landes gehört, besetzen Kleinbauern um Abdul Karim unter Führung der Krishok Federations seit 2004 Brachland auf einer ehemaligen Bahnlinie, die die britischen Kolonialherren 1947 verlassen hatten. Das besetzte Land ist seit acht Jahren Lebensgrundlage und Heimat für 3000 Landlosen-Familien. Zuvor hatte Abdul Karim Protestmärsche organisiert und in Briefen die lokalen Behörden vergeblich dazu aufgefordert, das freistehende Land an die Landlosen zu verteilen. Jetzt erreichten mich entsetzliche Nachrichten von der bangladeschischen Kleinbauernbewegung Krishok Federation and Kishani Sabha (BKFS):
Karim Abdul, BKFS-Präsident in Bhurungamari und Mitglied des
BKFS-Zentralkomitees wurde am Samstag ermordet. Addur Rahim, ein Vertreter lokaler Eliten, die Interesse an jenem Boden haben, tötete Abdul Karim, als der Landkonflikt eskalierte.
Ich habe Abdul Karim bei meiner Reise nach Bangladesch im vergangenen Jahr kennen lernen dürfen und war beeindruckt von einem klugen, inspirierenden, warmherzigen und mutigen Mann und seinem Kampf für Gerechtigkeit. Er und seine Familie waren mir großzügige und herzliche Gastgeber. In seinem Dorf Joymonirhat, das ich in meinem Buch beschreibe, haben Sie ihr Essen mit mir geteilt und ich durfte in ihrer Hütte schlafen. Die Zeit mit ihnen werde ich nie vergessen. Meine aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Familie, seinen ungezählten Freunden und der Krishok Federation and Kishani Saba.
Von Links: Abdul Karim, ich, Badrul Alam
"Karim is survived by his wife and three children, along with lots of relatives and colleagues. He came from a very poor yet simple family. His struggle for the interest of the exploited people in our society will remain with us. We are extremely shocked of his killing, who was our comrade in the tough struggle for a genuine agrarian reform and food sovereignty in Bangladesh. We will remember him forever and his death will inspire us more to continue our struggle. Although he is not alive physically his work will be remembered among us for ever and inspired the people in the world who are fighting for the land rights, food sovereignty and their very existence. We expect that the people who are engaged with his sincere work will translate the condolence into power for the benefit of the common people. And may his bereaved family have much strength to carry the sudden blow on them."
Aus dem Nachruf von Badrul Alam, Präsident der BKFS
Abdul Karim vor seinem Haus in Joymonirhat
Donnerstag, 13. September 2012
Stanford-Anti-Bio-Studie: Propaganda für Agro-Konzerne
Schon erstaunlich, wie die einschlägige Journaille überschnappt vor Glück, wenn sie, gefühlt einmal im Jahr, verkünden darf: "Bio ist gar nicht gesünder!" Ätschbätsch! Der Vorwurf, Bio habe nicht mehr Nährstoffe als konventionelles Obst und Gemüse, ist so alt wie dumm, schon seit Jahren trompeten die Anti-Bio-Propagandisten und Achse-des-Guten-Provokateure Dirk Maxeiner und Michael Miersch diese scheinbar "unbequeme Wahrheit" in die Welt. Aktuell sorgt aber eine haarsträubende Studie der US-amerikanischen Elite-Universität Stanford mit exakt dieser Botschaft für Aufsehen in den Mainstream-Medien. Großdenker des Springer-Blatts "Die Welt" erklärten Bio gar zum "kulturellen Placebo". Dabei ist völlig klar: Ein Bio-Apfel hat nicht mehr Vitamine oder Mineralstoffe, es ist ja immer noch ein Apfel. Bio ist gesünder für Mensch und Welt, weil es keine Gentechnik enthält, keine Pestizide und keine Antibiotika. Pestizide und Mineraldünger vergiften Böden und Wasser, zerstören die Biodiversität und tragen zum Klimawandel bei. 40 000 Menschen sterben jedes Jahr an Pestizidvergiftung. Gerne führen Bio-Kritiker (so auch die Wissenschaftler von Stanford) an, dass die Pestizidrückstände auf Obst und Gemüse rückläufig seien. Stimmt. Doch dafür hat die Mehrfachbelastung zugenommen: um gesetzliche Grenzwerte zu unterschreiten, setzen Hersteller viele verschiedene Wirkstoffe ein. Welche Wirkung diese Giftcocktails haben weiß kein Mensch.
Was treibt also Stanford-Wissenschaftler an, derartige Propaganda in die Welt zu setzen und den positiven Einfluss von Bio herunterzuspielen? Anders gefragt: wer könnte Interesse daran haben, den Ruf von Bio mittels der Forschung einer Universität mit Weltruf zu diskreditieren?
Stanford ist die reichste Universität der Welt, sie steht an der Spitze der Fundraising-Aktivitäten US-amerikanischer Universitäten. Allein in der fünfjährigen Kampagne "The Stanford Challenge" hat die kalifornische Elite-Uni 6,2 Milliarden Dollar Spenden eingesammelt. Diese Spenden stammen auch aus der Industrie oder von industrienahen Stiftungen. Stanford ist mit der Industrie eng verbandelt. Besonders innig verbunden ist Stanford mit dem umstrittenen Agrar-Konzern Cargill, weltgrößter Getriedehändler, Gentechnik-Befüworter (Cargill arbeitete mit Monsanto am umstrittenen Gen-Mais), Großimporteur von Futtersoja aus Brasilien und Palmöl aus Sumatra. Seit 25 Jahren ist Cargill Partner der Universität und hat während der vergangen zehn Jahre mindestens fünf Millionen US-Dollar an das Standford Center of Food Security and Environment Program (FSE) gespendet. Das FSE gehört zum (konzern-)spendenfinanzierten Freeman Spogli Institute for International Studies at Stanford Universtity (FSI), zu dem auch das Center for Health Policy gehört, das die Bio-Studie durchgeführt hat. Die Bill & Melinda Gates-Stiftung, die sich für konventionelle Landwirtschaft und Gentechnik stark macht und in die Konzerne Monsanto und Cargill investiert, unterstützt ein Programm des FSE und steht als Spender auf der FSI-Liste (Kategorie 5 Millione US-Dollar und mehr). Darüber hinaus gehört Jeffrey Raikes, CEO der Bill & Melinda Gates-Stiftung zum Board of Trustees der Stanford University. George H. Post wiederum, angehöriger des Board of Directors von Monsanto, ist "Distinguished Fellow" im Stanford-Thinktank "Hoover Institution", das großen Einfluss auf die US-amerikanische Politik hat.
Warum eigentlich schreiben Mainstreammedien (die wenigen kritischen Stimmen zur Bio-Studie einmal ausgenommen) einfach nur noch krawallige Pressemitteilungen ab, anstatt hergottnochmal ihren Job zu machen und Hintergründe zu recherchieren?
In den USA haben sich zumindest konzernkritische Blogs des Themas angenommen. Mike Adams (naturalnews.com) und Anthony Gucciardi (naturalsociety.com), die die ganze Stanford-Studie als "scientific hoax" bezeichnen, haben dabei sogar noch viel unglaublicheres herausgefunden: nämlich dass Ingram Olkin, emeritierter Standford-Professor für Statistik und Co-Autor der Bio-Studie, in den 70er-Jahren wohlwollende Statistiken für die Tabak-Industrie (ua. Philipp Morris) erstellt haben soll, die nahe legen sollten, dass Rauchen gar nicht ungesund ist. Wahrscheinlich sogar viel gesünder viel als Bio!
Mittwoch, 12. September 2012
Regierung zensiert Greenwashing-Kritik
Man ist ja einiges gewohnt von unserer korrupt-konzernfreundlichen Bundesregierung. Insbesondere, wenn Entwicklungsminister Dirk Niebels lustiger Industrie-Förderverein, der sich offiziell Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nennt, im Spiel ist. Schließlich liegen dem BMZ die wirtschaftlichen Interessen deutscher Unternehmen meist mehr am Herzen, als die Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern. Dass das BMZ nun aber so weit geht, Greenwashing-Kritiker zu zensieren, ist neu - und eben geschehen beim Südlink-Dossier des Netzwerks INKOTA, unter anderem Mitglied bei der Kampagne Saubere Kleidung (CCC), Attac, VENRO und Supermarkt-Initiative. Die aktuelle Ausgabe des Magazins beschäftigt sich mit Unternehmensverantwortung (CSR). Doch zwei Seiten darin sind unbedruckt geblieben. Der Grund: das BMZ bezuschusst das Magazin (!) - unter der Bedingung (!!), dass ihm diese vor Veröffentlichung zur Prüfung vorgelegt wird (!!!). Und siehe da: in dieser Ausgabe passte dem BMZ der Artikel "Virtuose Ablenkmannöver" über Greenwashing der Südlink-Redakteurin Christina Felschen nicht. Denn er würde "Unternehmen einseitig kritisieren und an den Pranger stellen".
Felschen kritisiert darin den brasilianischen Bergbaukonzern Vale, dem ungezählte Menschrechtsverletzungen und Umweltvergehen vorgeworfen werden - aktuell beim Bau des Belo-Monte-Staudamms. Auch der Surfhersteller Quicksilver, der zwar für hübsche Schildkrötenprojekte spendet, aber nichts unternimmt gegen die verheerenden Arbeitsbedingungen in den Zulieferfabriken, kommt darin vor. Selbst das Vorzeige-Unternehmen DM, Liebling aller CSR-Fans, bekommt sein Fett weg - schließlich enthält ein Großteil der Produkte Palmöl. Die Vernichtung des Regenwaldes zugunsten von Ölpalmen gehört zu den schlimmsten menschengemachten Umweltkatastrophen der Welt, Vertreibung bis Mord inklusive.
Den Artikel von Christiane Felschen kann man online nachlesen, er liegt außerdem dem Südlink als extra Papier bei.
Wenn daran etwas einseitig ist, dann die strikte Weigerung der Konzerne, an den profitbringenden und schädlichen Produktionsbedingungen und Einkaufspraktiken auch nur irgendetwas relevantes zu ändern. Ändern können das nur Gesetze und Regulierungen, nicht aber freiwilliges Engagement der Konzerne. Ein guter erster Schritt wäre da etwa die Transparenz-Richtlinie der EU: die soll Konzerne dazu verpflichten, regelmäßig über die Auswirkung ihrer Tätigkeit auf Mensch und Umwelt in der gesamten Lieferkette zu berichten. Dazu gehören auch Hungerlöhne, Gewerkschaftsbehinderung, Arbeitssicherheit, Umweltvergehen, Rohstoffbeschaffung, die Zahlung von Steuern in Herstellerländern, Korruption und so weiter. All das würde dadurch öffentlich und die Unternehmen könnten dafür zur Verantwortung gezogen und bestraft werden. Und wer sträubte sich dagegen? Der Bund der deutschen Industrie (BDI), schon klar - aber schlimmer noch: die Deutsche Bundesregierung.
"Die Bundesregierung spricht sich ausdrücklich gegen neue gesetzliche Berichtspflichten zu sozialen und ökologischen Informationen im Rahmen von CSR aus". Federführend bei der Blockade: das Arbeitsministerium unter Ursula von der Leyen. Involviert: BMZ und Wirtschaftsministerium.
Jetzt aber lobt die Bundesregierung, die ja in Wahrheit verhindern will, dass Umwelt- und Menschrechtsverbrechen ein Ende bereitet werden könnte, einen CSR-Preis aus. Schirmherrin: Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Initiiert wird die Sause vom CSR-Forum, das so illustre Mitglieder hat wie BASF, BDI, Bertelsmann Stiftung und die Otto Group. Dass Deutschland zugunsten der Wirtschaft wiederholt sinnvolle Vorschläge der EU blockiert, zum Beispiel die EU-Agrarreform für mehr Ökologie in der Landwirtschaft, ist das eine. Das andere ist, dass die Regierung zur Vertuschung und zum Volks-Beschiss zum selben Mittel greift, wie die von ihr beschützten Konzerne: nämlich Greenwashing.
Mittwoch, 11. Juli 2012
Jetzt in Enorm: Adidas im "Hartmann!"-Interview
Was waren das für große Worte, als Adidas der Welt verkündete, mit Unterstützung von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus in Bangladesch in einem "Social Business" den "Turnschuh für die Armen" herstellen zu wollen - nämlich den berühmten "One Dollar Trainer" (der aber gar kein Turnschuh ist, sondern bloß eine Schlappe). "Niemand soll mehr barfuß laufen in Bangladesch" verkündete Yunus, der Messias des Kapitals. Mit großer Begeisterung haben die Medien über den Weltkonzern berichtet, der ein Schlappe herstellen und für rund einen Dollar an die Armen in Bangladesch verkaufen wollte. Sogar der Kinderfunk warb bei den Kleinsten für die Idee. Daraus wird nichts, denn - Riesenüberraschung - die Herstellungskosten sind Adidas zu hoch (dabei lagen sie bei nur drei Dollar pro Paar!). Dass Adidas mit seinem "Social" Business in Bangladesch gescheitert ist, fand allerdings kein Echo in den Medien - schlechte Nachrichten aus der Weltretter-Wirtschaft machen sich halt leider nicht so gut.
Dabei ist die Idee ja grundsätzlich fragwürdig: Wie sollen sich Arme einen solchen Schuh leisten können, die kaum Geld für Essen haben? Und was ist sozial daran, den Abertausenden Schuhmachern Bangladeschs, die in bitterer Armut leben, auch noch Konkurrenz zu machen?
In Bangladesch leben 70 Millionen Menschen, beinahe die Hälfte der Bevölkerung, unter der Armutsgrenze. In einem Land, wo der staatliche Mindestlohn in den Fabriken 3000 Taka beträgt (= 35 US-Dollar), ist ein "One Dollar Trainer" genauso teuer wie ein teurer Turnschuh bei uns.
Adidas ließ den Schlappen, der in Bangladesch nur testweise verkauft wurde, in seinen Zulieferfabriken in Indonesien herstellen - unter welchen Bedingungen und zu welchem Lohn, bleibt unbekannt. Bekannt ist nur, dass die Kampagne Saubere Kleidung und die Christliche Initiative Romero Adidas schon seit vielen Jahren wegen der verheerenden Arbeitsbedingungen in den Fabriken in Indonesien und El Salvador kritisieren. Kurz vor den beiden Sportgroßereignissen Fußball-EM und Olympia, die Adidas einen Milliardenumsatz bescheren dürften, wurden zwei neue Untersuchungen veröffentlicht: Die Studien "Fair Games?" der Kampagne Play Fair sowie "Race to the bottom" der britischen NGO War on Want berichten über Hungerlöhne unter der Armutsgrenze, Überstunden, Gewerkschaftsbehinderung und Diskriminierung.
Ein Turnschuh für Arme, der von anderen Armen im Sweatshop genäht wird? Zynisch, aber logisch. Adidas konnte 2011 Rekordgewinne verbuchen: der Umsatz wuchs um elf Prozent auf 13,3 Milliarden Euro, bis 2015 möchte der Konzern 17 Milliarden Euro umsetzen. So viel Umsatz macht man nur, wenn man für die Herstellung fast nichts bezahlen muss - und Produkte trotzdem teuer verkaufen kann.
Und auch bei "Social" Business geht es nicht um existenzsichernde Löhne und die Abschaffung der Armut. Daran könnte nun wirklich kein Konzern Interesse haben. Armut macht
erpressbar - und nur wer erpressbar ist, den kann man ausbeuten und
ausnehmen bis aufs Letzte.
Sondern, wie Andreas Henke im Enorm-Interview mit mir sagt: "Es geht darum, ein Produkt zu entwickeln, das auch von den Ärmsten nachgefragt werden kann."
Etwas weniger gediegen ausgedrückt: es geht darum, dass Arme das Geld, das kaum zum Überleben reicht, auch noch für Markenmist ausgeben. Die ökonomische Verwertbarkeit der Ärmsten ist gleich ein dreifach profitables Geschäft für die Konzerne: sie erobern einen neuen Absatzmarkt in armen Ländern (die Kaufkraft der Ärmsten am Botton of the Pyramide beträgt angeblich weltweit 5 Billionen US-Dollar), sie pflegen ihr soziales Image im reichen Westen - und die Armen bleiben arm genug, um sich als Sklaven der westlichen Welt in den Zulieferfabriken für Hungerlöhne halb tot malochen zu müssen. Deswegen ist "Social" Business mit Muhammad Yunus, Befürworter neoliberaler Entwicklungshilfe, für große Konzerne so interessant. Und deswegen gibt Adidas den Plan auch nicht auf - sondern will den Ein-Dollar-Schuh jetzt in Indien herstellen und verkaufen.
Also nochmal: was ist daran sozial?
Dazu sagte mir Adidas CSR-Chef Andreas Henke im Enorm-Interview diesen schönen Satz: "Social Business kann auch bedeuten, dass man den Menschen vor Ort die Fertigkeiten der Schuhherstellung vermittelt." Momentan mal - den Leuten in armen Ländern das Schuhe machen beibringen? Abgesehen davon, dass die Menschheit die "Fertigkeiten der Schuherstellung" bereits in der Steinzeit beherrschte: Sind es nicht gerade die Menschen in armen Ländern, die ganz besonders gut Schuhe nähen können? Nämlich für Adidas & Co in den Zulieferfabriken? Das einzige aber, was sie wirklich nicht können, ist: davon leben.
Weiterlesen zu Social Business in Bangladesch: Im Buch "Mythos CSR. Unternehmensverantwortung und Regulierungslücken", herausgegeben von Gisela Burckhardt, habe ich einen Text dazu geschrieben (S. 173 bis 178). Eine ausführliche Reportage vor Ort in Bangladesch steht in meinem neuen Buch "Wir müssen leider draußen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft".
Donnerstag, 16. Februar 2012
Fleisch essen für's Karma - eine Gute-Schlacht-Geschichte
"Wer auf anonymes Massenfleisch verzichtet und stattdessen nur ab und zu Fleisch mit Gesicht von glücklichen Schweinen kauft, der bringt gutes Karma für sich, die Tiere und den Rest der Welt."
So steht das auf der Internetseite Meine kleine Farm, dem Online-Schlachthaus für Lifestyle-Ökos (Motto: "Wir geben Fleisch ein Gesicht"). Ich stelle hier mal die kühne Behauptung auf, dass Schweine auf gutes Karma scheißen, sofern es bedeutet, dass sie dafür abgestochen und zu Wurst vermatscht werden, ja, selbst wenn die dann als "Meat on a Mission" verkauft wird. Der Schnitzelfresser 2.0 kann sich aus einer Fotogalerie auf dieser Seite aussuchen, welchem der dort abgebildeten Schweine als nächstes der Garaus gemacht werden soll. Schlachten per Mausklick! Das ist für den natursehnsüchtigen Großstadt-Lohas bestimmt ein noch viel authentischeres Gefühl als nur den Basilikumtopf in der Designer-Küche zu gießen.
Das Tötungs-Casting klingt jedenfalls so:
"Deutschland sucht das Superschwein 2. Über den neuen Online-Shop kannst Du schon jetzt leckere Wurst von Schwein 2 vorbestellen (...). Aber noch ist gar nicht klar, welches Schwein sein Gesicht für die nächste Wurst hergeben soll. Deshalb kannst Du aus einem von fünf Schweinen wählen (die aber ohnehin alle geschlachtet werden)."
Zynisch? Ach wo! Sowas nennt man heute "unideologisch". Der Wurstverkäufer Dennis Buchmann, so heißt es in einem begeisterten Report bei Spiegel Online, "ermöglicht seinen Käufern ökologischen Konsum ohne das Pathos der völligen Korrektheit." Denn schließlich soll das Ganze, "BeWurstsein schaffen" und den "Respekt" vor dem Tier fördern, wenn man ihm "in die Augen sehen", es in Videos ein Leben lang (im Falle der Schweine: acht bis neun Monate) begleiten und in Gute-Schlacht-Geschichten schließlich lesen kann, wie schön ruhig, ja praktischfreiwillig, es für den Brotaufstrich gestorben ist:
"Bernd (der Bauer, Anm.) erzählt später, dass Schwein 1 ein wirklich unbeschwertes, ein wirklich glückliches Schwein gewesen sein muss: 'Es ist gleich zum Anhänger gelaufen und von ganz alleine eingestiegen'. (...) Auch dort (auf dem Schlachthof, Anm.) war Schwein 1 'sehr entspannt', wie Bernd berichtet. Es hat ein wenig rumgeschnüffelt, sich hingelegt und sich ruhig abduschen lassen. "Nicht ein Grunzen oder Quieken", sagt Bernd. Und dann hat der Schlachter die Stromzange angesetzt und Schwein 1 unter Hochspannung betäubt."
Genau. Und wenn es nicht gestorben wäre, lebte es noch heute.
Wenn ich also dem Tier in die Augen schaue und ein Bewusstsein dafür bekomme, dass da ein Lebewesen vor mir steht, dem ich auch noch solche Gefühle wie "Glück" zugestehe (womit Lebenswille, Bewusstsein und die Fähigkeit zu Trauer untrennbar verbunden wären) und TROTZDEM bestimme, dass es geschlachtet wird - was genau ist daran jetzt gut fürs Karma? Das ich mich ganz bewusst fürs Töten entschieden habe? Ist das nicht genauso scheinheilig, wie im Supermarkt zum anonymen Fleisch zu greifen, weil man die Wahrheit dahinter nicht wissen will? Und was ist das denn für Moral, nach der das Tier nur deshalb als Individuum ("Wurst mit Gesicht") anerkannt wird, damit man es guten Gewissens umbringen darf? Dass es nicht für sich selbst glücklich sein soll, sondern nur für's Karma des Wurstkäufers? Ist das als das "BeWurstsein"?
PS: Bezeichnenderweise fehlen auf der Seite die Bilder, die zeigen, wie aus
dem Tier Wurst wird:"Aus verschiedenen Gründen (Respekt vorm Schwein
beim Sterben,
Jugendschutz, Krassheit) stelle ich die Fotos von der Schlachtung hier
nicht öffentlich aus." Krass? Womöglich so krass, dass sie
beim Anblick Entsetzen auslösen und den Appetit auf Wurst
verderben würden? Das kann ja nun wirklich keiner wollen!
Montag, 13. Februar 2012
Jetzt neu bei Facebook!
Nur noch 28 Mal schlafen, dann erscheint mein neues Buch "Wir müssen leider draußen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft" (Blessing). Aus diesem Anlass hab ich mir eine schöne Seite bei Facebook eingerichtet - mit Fotos, Terminen und pipapo. Mir gefällt das. Und euch?
Donnerstag, 26. Januar 2012
Eine kleine Fairtrade-Anekdote...
... die ich hier doch noch zum Besten geben muss: gerade habe ich zwei Päckchen voll korrekten mexikanischen Rebellen-Kaffee erhalten, die ich online bestellt habe. Geliefert wurde mir das Paket ausgerechnet von DPD - einem Paketzusteller mit miesen Arbeitsbedingungen und katastrophalen Löhnen für Kurierfahrer. Das bringt jetzt meine Hauptthese ziemlich genau auf den Punkt: Es gibt kein richtiges Einkaufen im falschen Weltwirtschaftssytem. Denn unsere Konsumgesellschaft ist ohne Ausbeutung und Armut schlicht nicht denkbar. Und Ausbeutung gibt es nicht in gut.
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Termine zu Lesungen und Diskussions-
veranstaltungen mit Kathrin Hartmann finden sie hier.


