Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Montag, 16. August 2010

Heute in der FR...

...meine Rezension über Jonathan Safran Foers Tiere essen. Leider hat die Redaktion das zentrale Zitat gekürzt, ärgerlich, richtig muss es natürlich heißen: Foer stellt vor die Wahl: "Ist solches Leiden das Allerwichtigste auf der Welt? Ganz bestimmt nicht. Aber das ist auch nicht die Frage. Die Frage ist: Ist es wichtiger als Sushi, Schinken oder Chicken McNuggets?

Mittwoch, 28. Juli 2010

Seminar zum Klimawandel/Vortrag

Ich war ein Weilchen im Urlaub, jetzt bin ich wieder da. Bei nächster Gelegenheit werde ich dann berichten, welche schönen Greenwashings mir in England über den Weg gelaufen sind. Zunächst aber ein Programmhinweis. Am Wochende findet im Seminarhaus Labenbachhof in Ruhpolding das Seminar des Netzwerks BN 2.0 des Bund Naturschutz Bayern mit dem Titel "Warum tut denn keiner was? Fragen und Antworten aus Politik und Wissenschaft. Ideen für Aktionen zum Klimaschutz" statt.  Zu Gast sind der Klimaforscher Hartmut Graßl (der als einer der ersten Wissenschaftler auf den Klimawandel aufmerksam gemacht hat!), Nina Katzemich von Lobbycontrol und Tobi Hofreiter, MdB der Grünen
Mein Vortrag zum Thema ethischer Konsum mit anschließender Diskussion beginnt am  Samstag, 31. Juli, um 10 Uhr. Am Sonntag gibt es eine Bergtour mit Hartmut Graßl, der am Samstag Abend um 19 Uhr dazu einen Einführungsvortrag hält. Am Samstag Nachmittag wird im Workshop "Was machen wir jetzt?" sollen Handlungsansätze und Aktionen entwickelt werden.

Samstag, 3. Juli 2010

Aktion der Kampagne Saubere Kleidung

Die Kampagne Saubere Kleidung (CCC) ruft anlässlich der Berliner Fashion Week zu einem Flashmob auf, die auf die Schattenseiten der Modewelt aufmerksam machen soll: Ausbeutung, Umweltverschmutzing und tödliche Arbeitsrisiken. Damit will die CCC auch in Erinnerung rufen, dass bio nicht gleich fair ist und sich hinter dem Trende "grüner Mode" auch einfach Greenwashing verbegen kann. Der Flashmob "We die für Fashion" findet am Dienstag, 6. Juli 2010,  17:30 Uhr am Bebelplatz, Berlin gegenüber dem Hauptgebäude der HU statt.

Selbst geschrieben

In der Frankfurter Rundschau habe ich den Globalisierungskritiker, Autor und Clown Klaus Werner-Lobo porträtiert, im Magazin Quality eine Essay zu Greenwashing.

 

Danone-Interview in Enorm

In der aktuellen Ausgabe des neuen Wirtschaftsmagazins Enorm habe ich in meiner Interview-Kolumne "Hartmann!" Ramin Khabirpour, Chef von Danone Deutschland zu dem Social Business in Bangladesch interviewt, in dem lokale Bauern einen angereicherten Joghurt produzieren, der für teures Geld (sechs Cent) von Haus zu Haus an die Ärmsten (Tagesumsatz einer armen Bauernfamilie: ca. 50 Cent) verkauft wird. Danone macht, wie alle anderen Lebensmittelkonzerne bereits 30 Prozent des Gewinns in Schwellen- und Entwicklungsländern. Dass sie aber im von Analysten als "Hot Spot" eingeschätzten Land Bangladesh  einen neuen Absatzmarkt für ihre Produkte entwickeln wollen, leugnet Danon natürlich. Nein, man wolle ein "Mission" erfüllen, so vielen Menschen wie möglich "Gesundheit" zu bringen. Genau. Wie "gesund" solche angereicherten Produkte sind, kann man hier nachlesen.  

 

Oxfam und FIAN analysieren Folgen der Exportförderung

"Grenzenlos billig" heißt die gemeinsame Studie von Oxfam und FIAN (Food International Action Network), in der die beiden NGOs die Positionen der Ernährungsindustrie nach der anhrungsmittlekrise untersuchen. Betrachtet wird der Einfluss der multinationalen Lebensmittelkonzerne, Gentechnik, Agragindusstrie, Liberealistrung des Welthandels und der EU auf die Nahrungsmittelsicherheit weltweit untersucht. Sie widerlegt die von deren Seite gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, dass nur Armut und Hunger nur mittels Gentechnik beizukommen sei. Denn diese führt zu Abhängigkeit und Verschuldung der Kleinbauern - sie machen die Hälfte der Hungernden weltweit aus. Die Lösung liegt weder in Gentechnik und schon gar nicht in Exporten in arme Länder - sondern in einer verstärkten, weltmarktunabhängigen Nahrungsmittelprouktion in den armen Ländern selbst. Auf der neuen Seite Agrardebatte informieren und kommentieren Uwe Hoering, Peter Clasing Benny Haerlin, Marita Wiggerthale  und Silke Helfrich zu diesem Thema. Marita Wiggerthale von Oxfam betribt auch eine eigenes Blog zum Thema Agrarhandel.

Dienstag, 8. Juni 2010

ABER JETZT:Bio-Diskussionsrunde im SWR2 auf heute verschoben

Der SWR 2 sendet heute von 17:05 bis 17:50 Uhr die Diskussionsrunde mit dem Thema Wachstum über alles - wieviel bio verträgt die Natur? Darin diskutiere ich mit Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und Detlef Stoffel, Mitbegründer der Naturkostbewegung in Deutschland. Geplant war die Sendung für den 31. Mai und wurde wegen des Rücktritts von Horst Köhler verschoben.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Debattenbeitrag

Auf der heute gestarteten Internet-Plattform "Mehr wissen, mehr tun!", ein Projekt des deutschen Unesco-Kommitees innerhalb der Inititative "Bildung für nachhaltige Entwicklung", ist mein Beitrag "Weltretter aus der Wirtschaft" erschienen.

Dienstag, 1. Juni 2010

Kleine Lesereise im Juni

Am Dienstag, 8. Juni, lese ich im Café Chaos in Fulda, Marquardstraße 3. Beginn: 19.30 Uhr.

Am  Mittwoch, 9. Juni, lese ich im Haus III&3, Schulterblatt 73 in Hamburg. Beginn: 20 Uhr im Saal.

Am Donnerstag, 10. Juni lese ich in Marburg im KFZ, Schulstr. 6, innerhalb der Reihe "Green New Deal vor Ort: Konsum und/oder Ethik. Was macht Konsum nachhaltig?". Beginn ist um 20 Uhr.



Montag, 31. Mai 2010

ACHTUNG!

Die Disukussionsrunde "Wachstum über alles - wieviel Bio verträgt die Natur?" ist aus aktuellem Anlass verschoben (Danke, Herr Bundespräsident!), der neue Termin folgt in Kürze.

Rezension: Ende der Märchenstunde im Handelsblatt

Das Handelsblatt besprach am Samstag mein Buch im Artikel "Wenn das Wachstum seine Grenzen erreicht"

.

Heute im Radio: Wieviel Bio verträgt die Natur?

SWR 2 sendet heute von 17:05 bis 17:50 Uhr eine Diskussionsrunde mit dem Thema Wachstum über alles - wieviel bio verträgt die Natur? Darin diskutiere ich mit Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und Detlef Stoffel, Mitbegründer der Naturkostbewegung in Deutschland.

Die Antwort ist ganz klar: 100 Prozent! Dass eine ökologische Landwirtschaft die Welt ernähren kann, ist von dutzenden Studien belegt, man kann sie in der ausführlichen Broschüre des BÖLW nachlesen. Es ist die konventionelle Landwirtschaft, die Natur und Klima zerstört, Armut und Hunger vorantreibt und die Gesundheit des Menschen zerstört:  Ressourcenverbrauch vor allem fossiler Energien (Stickstoffdünger!), Ausstoß klimaschädlicher Gase, brutaleste Ausbeutung von Tieren, Monokultur und Pestizideinsatz, die Böden, Wasser (deren  Aufbereitung und Sanierung wir mit unseren Steuern bezahlen - nur deshalb sind konventionelle Lebensmittel billiger!!!) und Artenvielfalt zerstören. Und ein gigantischer Flächenverbrauch: weil der Fleischverzehr in den Industrieländern gigantisch hoch ist, wird das Tierfutter auf Böden in Entwicklungsländern geerntet, wo Essen für Menschen wachsen kann: 70 Prozent des Tierfutters wird importiert, 30 Prozent der eisfreien Flächen wird für Tierzucht verschwendet. Und weil die konventionelle Landwirtschaft wie alle Industrien ihre Profite auch durch Export macht, werden Milchpulver, Fleischabfälle, Tomatenmark und anderer Überschuss teils hochsubventioniert auf die Märkte der Entwicklungsländer gebracht, wo sie die lokalen Märkte zerstören und die Armut weiter vorantreiben. Was also die konventionelle Landwirtschaft anrichtet, lässt sich auch im Weltagrarbericht nachlesen: Die industrielle Überproduktion hat den Hunger nicht beseitigt, sondern verstärkt. Eine Milliarde Menschen hungert, eine Milliarde Menschen ist fehlernährt - und eine weitere leidet an krankhaften Übergewicht.
Dass konservative Autoren wie etwa das Propagandisten-Duo Dirk Maxeiner und Michael Miersch Bio mit noch so absurden und falschen Behauptungen diskreditieren, hat dem Ruf arg geschadet. Dass immer wieder Berichte oder Studien auftauchen, die belegen wollen,  dass Bio ja gar nicht gesünder ist oder gar nicht besser schmeckt oder gar nicht mehr Vitamine hat, wie die jüngste Untersuchung der Stiftung Warentest, ist fatal. Dass der Ruf von Bio derart beschädigt ist, daran sind die Lohas leider nicht unschuldig: ihnen war Bio NUR durch Ego-Aspekte wie Genuss, Glamour und (eigene) Gesundheit zu verkaufen, NICHT durch die Idee des ökologischen Landbaus. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass selbst Erdbeeren, Pfirsiche und Spargel im Winter in Bioqualität zu haben sein müssen, Verzicht ist ja nicht angesagt bei Lohas, egal, wie sehr solche Produkte (Wasserverbrauch, Transport) trotz bio der Umwelt schaden. Die Glamour-Bio-Idee hat leider auch dazu geführt, dass Bio einen Ruf des Elitären bekommen hat - obwohl der ökologische Landbau ein solidarischer Ansatz ist und große gesellschaftliche Leistungen zu erbringen vermag. Die Umsetzung und Verbreitung von Bio bedarf politischer Entscheidungen, die wir als Bürger vorantreiben müssen, nicht als Konsumenten an der Einkaufskasse!





Mittwoch, 19. Mai 2010

Protest gegen die FIFA und Puma

Und noch eine Protestaktion: die letzten fußballfreien Abend sind bald gezählt und auf die FIFA, die Sportartikelhersteller und viele Investoren warten gigantische Gewinne bei der Fußball-WM in Südafrika. Die FIFA darf mit einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro rechnen, Südafrika investierte umgerechnet drei Milliarden Euro in die Infrastruktur. Unter anderem Stadien wurden mit riesigen Investitionen - zu Löhnen weit unter dem Existenzminimum. Mit anderen Worten: die 20 Millionen Menschen, die in Südafrika in Armut leben (beinahe die Hälfte der 47 Millionen Einwohner des Landes) haben leider gar nichts von dem Monster-Event. Im Gegenteil: die Innenstädte wurden aufgehübscht und Straßenhändler vertrieben, Bauerabeiter haben die Stadien zu Hungerlöhnen gebaut und Armenviertel wurden einfach plattgewalzt. Desweiteren versucht die FIFA in Südafrika, die Pressefreiheit einzuschränken - Journalisten soll verboten werden, über Vorfälle zu berichten, die "die Reputation der Weltmeisterschaft beschädigen". Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH ruft zu einer Protestaktion an die FIFA auf.

Die Kampagne Saubere Kleidung ruft zum Protest gegen den Sportartikelhersteller Puma auf. Denn während sportlicher Großereignisse wie der WM steigt in vielen Produktionsstätten der großen Sportartikelunternehmen die Nachfrage – bei gleichzeitig extrem kurzen Lieferfristen. Während dieser Auftragsspitzen prägen exzessive Überstunden den Arbeitsalltag in den Fabriken. Die Arbeiterinnen müssen dann bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiten. Dafür erhalten sie von Puma einen Bruttolohn von 122 Euro im Monat - obwohl zur Existenzischerung mindestens das dreifache nötig wäre.

Protest gegen Triumph - Eilaktion!

Im Sommer 2009 hatte der Dessoushersteller Triumph 3660 Arbeiterinnen und Arbeiter in Thailand und auf den Philippinen - angeblich aus Gründen der Wirtschaftskrise - entlassen, ohne Gewerkschaften einzubeziehen oder Sozialpläne auszuhandeln. Auffällig war, dass sich unter den Entlassenen viele Kranke, Behinderte und Gewerkschaftsmitglieder befanden. Die ehemaligen Triumph-Beschäftigten legten bei der OECD Beschwerde gegen das Vorgehen ein und protestierten in Camps unweit des Triumph-Geländes ein. Nun ist eine Mahnwache der Triumph-Arbeiterinnen und -arbeiter auf den Philippinen gewaltsam aufgelöst worden. Mehr als 200 Sicherheitskräfte schüchterten die Protestierenden ein, zerstörten Zelte und Protestmaterial und verletzten mehrere Frauen. Die Gruppen von Sicherheitskräfte setzte sich aus Polizisten der "Philippine National Police", Sicherheitspersonal der Zonenverwaltung "Food Terminal Incorporated" sowie aus Mitarbeitern einer nationalen Sicherheitsagentur zusammen. Sie beriefen sich auf eine einstweilige Verfügung gegen die Arbeiterinnen der Triumph-Gewerkschaft, die am 23. April 2010 durch das Amtsgericht der Taguig City, Philippinen ausgestellt wurde. Obwohl die protestierenden Arbeiterinnen erneute Einschüchterungen und Angriffe befürchten, haben sie sich zu einer neuen Mahnwache unweit der ehemaligen Triumph-Fabrik zusammengefunden. Triumph International lehnt Verhandlungen weiterhin ab. Die NGO Inkota ruft zu einer Protestaktion auf. 

 

Sonntag, 16. Mai 2010

Utopia: Jagd als Umweltschutz

Einfach, weil es so schön ist: in der aktuellen "Top Ten der beliebtesten Umweltschutzverbände" findet sich bei Utopia auf Platz sechs der Deutsche Jagschutzverband: "Auch Jagdschutz ist Naturschutz. Im Rahmen des Jagdrechts widmen sich zirka 250.000 Jäger dem Schutz und der Erhaltung einer artenreichen und gesunden freilebenden Tierwelt sowie der Sicherung ihrer Lebensgrundlagen." Was Jäger von lebenden Tier hält, weiß man. Aber wenn ein Öko-Putzmittel wie Terra Activ von Henkel, für das der Regenwald gerodet wird, und der Ölkonzern BP, der die Weltmeere und die Lebensgrundlagen von Menschen in Entwicklungsländern zerstört, laut Utopia zu den Umweltschutzern gehören - dann ist das Abknallen von Tieren ja auch Naturschutz. Irgendwie.