Die absolute Lächerlichkeit des „Pferdefleischskandals“

Menschen, die regelmäßig das Fleisch von Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen, Hasen, Rehen, Hirschen, Elchen und ihren Babys essen, von Puten, Hühnern, Enten, Straußen, Fischen, Krebsen, Octopussen und Muscheln, regen sich darüber auf, dass sie Fleisch vom Pferd gegessen haben.

Deutsche, die im Schnitt jedes Jahr 89 Kilo Fleisch und im Lauf ihres Lebens 661 so genannter Nutztiere verspeisen und deshalb vollkommen einverstanden damit sind, dass in Deutschland jedes Jahr 700 Millionen Tiere (u.a. 3,6 Millionen Rinder, 60 Millionen Schweine, 450 Millionen Hühner) umgebracht werden, halten es für einen „Skandal“, dass auf dem Leichenberg auch 12 000 geschlachtete Pferde zu finden sind.

Menschen, die kein Problem damit haben, sich mit der Haut von toten Rindern, Pferden und Schweinen zu bekleiden, die das Fell brutal getöteter Hasen, Nerze, Füchse, Waschbären, Marderhunde, Nutria, Chinchillas, Hunde und Katzen als Pelzmütze auf dem Kopf und Pelzkragen um den Hals tragen, halten es für ein Tabu, Pferde zu essen.

Die Entwertung der Tiere zum Zwecke ihrer Ausbeutung, Unterdrückung und Tötung aufgrund willkürlich ausgedachter Kriterien, nennt man Speziesmus. Melanie Joy, Professorin für Psychologie und Soziologie an der Massachusetts-Universität in Boston, hat dafür den Begriff Karnismus geprägt. Im aktuellen Greenpeace-Magazin sagt sie dazu:

„Stellen Sie sich vor, Sie essen bei Freunden zu Abend. Die Gastgeberin serviert Ihnen ein hervorragendes Geschnetzeltes. Sie fragen nach Ihrem Rezept und sie antwortet, dass das Geheimnis im Fleisch liege: ‚Man nehme drei Pfund extra mageren Golden Retriever.‘ Ihre Reaktion ist höchstwahrscheinlich Abscheu und zeigt, was Karnismus ist: es ist das unsichtbare Glaubenssystem, das uns konditioniert, das Fleisch bestimmter Tiere zu essen. (…) Der Karnismus lehrt uns, unser Mitgefühl auszuschalten, wenn es um Tiere geht, von denen wir gelernt haben, dass sie essbar sind.“

Das kennt jeder Vegetarier oder Veganer, der sich vor den Fleischessern verteidigen muss (wie das Oliver Nagel sehr lustig in seinem Buch „101 Dinge, die Sie sich sparen können“ beschreibt). „Nicht mal Fisch?“ lautet die entsetzte Frage, die zeigt, dass die meisten noch nicht mal der Meinung sind, dass Fische und andere Meeresbewohner („Meeresfrüchte“!) Tiere sind (Übrigens auch nicht wenige, die sich Vegetarier nennen, obwohl sie Fisch essen). Wenn man dann zum Beispiel sagt: „Doch, ein schönes Katzenschnitzel würd‘ ich essen, Katzen kann ich nämlich nicht ausstehen“ – herrje, das gibt vielleicht lange Gesichter!

Zurück zu den Pferden. Welche Pferde werden in Europa eigentlich geschlachtet? Genau, Renn- und „Freizeit“pferde. Welche Pferde sind randvoll mit Medikamenten? Richtig, Rennpferde.  Wo werden Pferde bis zum Äußersten gequält, so dass man sie wegen gebrochener Beine und sonstiger schwerer Verletzungen „notschlachten“ muss? Beim Pferderennen. Und wo gehören Pferdewetten und Pferderennen zur nationalen Identität, wo ist der ganze Scheiß erfunden worden? Haargenau! In England! Da wo es absolut tabu ist, Pferde zu essen. Ich lach mich kaputt.

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