Gated Community: Bill Gates und die Macht seiner Milliarden-Stiftung

Bill Gates, der Oligarch der Weltrettung, wird heute 60.  Und während die Journaille Presse jubelt, will ich der blinden Milliardärs-Verehrung gern mal ein paar Fakten gegenüberstellen.

Der Mythos Bill Gates speist sich aus den Märchen, die der Kapitalismus so schön erzählt:

Das uramerikanische Märchen vom Aufstieg des Tellerwäschers zum Millionär.

Das Märchen des Genies, dessen brillante Idee die Welt verändert.

Das Märchen des Zweitausendsassas, der in der Garage seiner Eltern Computer gebastelt und schon als Jugendlicher seine erste Firma gründet hat.

Das Märchen des Selfmade-Milliardärs, der die Ärmel hochgekrempelt und es aus eigener Kraft ganz nach oben schafft.

Das Märchen vom verantwortungsbewussten Philantropen, der der Gesellschaft etwas „zurückgibt“. Das Märchen von den Reichen, die den Armen helfen.

Das Märchen, dass Reiche ihren Reichtum nicht nur erworben, sondern auch verdient haben.

Aber Gates hat nie in einer Garage getüftelt. Seine reichen Eltern haben ihn auf eine Privatschule geschickt, um sein mathematisches Talent und sein Computer-Interesse zu fördern. Das Programmieren begann er mit Paul Allen und Monte Davidoff an der privaten Elite-Universität Harvard, mit Allen gründete er Microsoft. Sein grotesk hohes und stetig wachsendes Vermögen hat Gates nicht mit harter Arbeit und brillanten Ideen angehäuft – sondern mit der aggressiven Geschäftspolitik seines Unternehmens, das sich über Jahrzehnte am Rande der Legalität bewegte und damit zum Software-Monopolisten aufstieg: wegen Verstößen gegen das Kartell- und Wettbewerbsrecht war Microsoft in mehr als ein Dutzend Prozesse weltweit verwickelt und musste insgesamt fünf Milliarden Dollar Strafen und Entschädigung bezahlen. Ende der Neunziger Jahre stand das Unternehmen deshalb kurz vor der Zerschlagung. Selbstredend lässt Microsoft seine Produkte unter miserablen Bedingungen in chinesischen Zulieferfabriken wie Foxconn herstellen, wo sich 14 Arbeiter das Leben genommen und weitere 300 Arbeiter wegen der Hungerlöhne mit Massensuizid gedroht haben.

2008 stieg Bill Gates aus seiner Firma aus, um sich nur noch um seine wohltätige Stiftung kümmern zu können. Insgesamt 28 Milliarden Dollar hat er zwischen 2007 und 2013 der Bill&Melinda Gates-Foundation überlassen. Mit einem Stiftungskapital von 42,3 Milliarden US-Dollar ist sie die größte, vermögendste und einflussreichste Privatstiftung der Welt. Gates’ großzügige Spende ist die Blaupause der von ihm und dem amerikanischen Großinvestor Warren Buffet lancierten Kampagne „The Giving Pledge“, mit der sie andere Superreiche dazu anstiften wollten, ebenfalls einen Teil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Wenn Reiche behaupten, sie würden der Gesellschaft „etwas zurückgeben“ – sollte man, anstatt zu applaudieren, nicht eher fragen: Was haben sie ihr denn vorher weggenommen?

Denn nicht nur, dass Bill Gates seine Milliarden-Spende an die Stiftung von der Steuer abschreiben konnte. Sein Konzern Microsoft praktiziert seit Jahren Steuervermeidung auf ausländische Gewinne und parkt knapp 93 Milliarden Dollar in Steueroasen. Damit entzieht das Unternehmen den USA Steuereinnahmen von fast 30 Milliarden Dollar. Geld, über das demokratisch bestimmt und das zum Wohl der Allgemeinheit investiert werden könnte. 30 Milliarden Dollar sind etwa ein Drittel dessen, was US-Präsident Barack Obamas Gesundheitsreform bis 2020 pro Jahr kostet. Nach wie vor profitiert Gates von diesem legalen Steuerbetrug: Er ist bis heute der zweitgrößte Aktionär von Microsoft und hält 330 Millionen Aktien, das entspricht einem Börsenwert von rund 13,1 Milliarden Dollar. Seine Mega-Schenkung hat Gates’ Vermögen nicht einmal geschmälert. Im Gegenteil: Es hat sich zwischen 2011 und 2015 von 51 auf 85 Milliarden Dollar beinahe verdoppelt.

Die Privatisierung der Gesundheit

„Manchmal sage ich meinen Studenten, sie sollen sich eine Welt ohne Bill Gates vorstellen. Würden wir dann Laptops haben, Textverarbeitungsprogramme und das Internet? Es dauert nicht lange, bis sie sich fragen, wie es sein kann, dass eine einzige Person ein derart großes Privatvermögen mit Entwicklungen angehäuft hat, die ohnehin passiert wären und die Gates auf dem Rücken vieler Leute ausgetragen hat, die ihm vorangegangen waren. Gates’ Vermögen beruht nicht so sehr auf seiner Intelligenz oder seiner Genialität, sondern auf seinem rücksichtslosen Geschäftssinn, mit dem es ihm gelungen ist, einen Markt zu monopolisieren und Steuervermeidung zu maximieren“, sagt David McCoy. Er fügt grinsend an: „Wer weiß ob wir ohne ihn nicht vielleicht sogar bessere Software und günstigere Computer hätten.“An einem verregneten Tag im April 2014 sitzen wir in einem Café im Osten von London und essen Bohnensuppe. „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, dass ich heute im Zentrum des Finanzkapitals lebe, das war ein Unfall“, sagt McCoy und lacht, „denn mein Herz gehört so sehr dem Süden.“ Der malaysische Mediziner hat 15 Jahre als Arzt praktiziert, die meiste Zeit davon in Südafrika, wo er nach dem Ende des Apartheidsregimes half, das öffentliche Gesundheitssystem aufzubauen. Er war Direktor für Öffentliche Gesundheit beim National Health Service (NHS) in London und lehrt heute an der Fakultät für Medizinische Grundversorgung und Öffentliche Gesundheit an der Londoner Queen Mary-Universität.

David McCoy ist außerdem einer der ersten und wenigen Mediziner, die die Bill&Melinda Foundation und ihre Gesundheitsprogramme öffentlich kritisieren. „Ich hatte bemerkt, dass die Gates-Stiftung einen großen Einfluss auf die globale Gesundheitspolitik und die Forschung hat. Aber niemand hatte jemals systematisch untersucht, was diese Stiftung eigentlich genau macht – wem sie Geld gibt und wofür.“ Das tat David McCoy. 2009 veröffentlichte die medizinische Fachzeitschrift The Lancet seine Studie „The Bill&Melinda Gates Foundation’s Grant-making Programme For Global Health“. Darin hatten McCoy und sein Team erstmals 1000 Förderungen für Gesundheitsprogramme von fast neun Milliarden Dollar untersucht, die die Stiftung zwischen 1998 und 2007 gewährt hat. Dabei kam heraus, dass mehr als zwei Drittel der Förderungen an nur 20 verschiedene Organisationen gingen, darunter die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO), große Public Private Partnerships wie der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (Global Fund), die Globale Allianz für Impfstoffe (GAVI), die Weltbank, internationale große NGO sowie Forschungsinstitute und führende Universitäten in den USA und Europa. Mehr als ein Drittel des Geldes der Stiftung ging in die Forschung und Entwicklung, vor allem für Impfstoffe. Kurz: „Die Stiftung konzentriert ihren Einfluss und ihr Geld auf wenige ausgewählte Technologien und Krankheiten, insbesondere HIV, Tuberkulose, Malaria und solche, gegen die man impfen kann.“ Daran kritisiert McCoy, dass das meiste Geld nicht an Empfänger in Entwicklungsländern geht, die selber darüber entscheiden könnten, wofür sie es einsetzen, sondern in globale oder US-Organisationen fließt. Die dringend nötige Stärkung lokaler Gesundheitssysteme, durch die arme Länder langfristig unabhängig von fremder Hilfe würden, ist nicht würdig, gefördert zu werden.

„Als ich anfing, zu Gates zu forschen, warnten mich Kollegen, dass das meiner Karriere als Mediziner schaden könnte. Allein dass es die Auffassung gibt, dass Kritik an der Gates-Foundation oder auch nur die Auseinandersetzung mit ihr Karrieren beschädigen könnte, ist schon bemerkenswert“, sagt McCoy. Doch angesichts leerer öffentlicher Kassen würden Forschungseinrichtungen und Institutionen für Gesundheit immer abhängiger von den Milliarden privater Stiftungen und orientierten sich an deren Vorgaben. Kritische Mediziner nennen das „Gateability“: Wenn jeder nur noch macht, was Bill Gates für richtig hält, um an das Geld seiner Stiftung zu kommen, nehmen Selbstzensur und Gruppendenken zu. Das verschlechtert die Qualität der Forschung, statt sie zu verbessern. Deshalb hat McCoy auch viel Zustimmung von Kollegen erhalten, die ihm – streng vertraulich – bestätigten, „dass die Stiftung einen zu großen Einfluss hat und ein Klima schafft, in dem sich Gesundheitsexperten weigern, ihr zu widersprechen“.

Ein Beispiel für die Macht der Stiftung ist ihr Einfluss auf die Weltgesundheitsorganisation. Die Gates Foundation ist der zweitgrößte Einzelspender der WHO. Mittlerweile gehen 80 Prozent des Budgets der chronisch unterfinanzierten UN-Institution auf freiwillige Spenden zurück – etwa von der Gates-Foundation, deren Vermögen zehn Mal so hoch ist. Aber es ist keinesfalls so, dass die WHO mit den Gates-Millionen machen könnte, was sie für richtig hält. Für jeden Zuschuss schreiben die Stifter vor, wofür er verwendet werden muss. So stand zum Beispiel Ebola die längste Zeit nicht auf dem Weltrettungszettel von Bill Gates – was unter anderem dazu führte, dass der WHO das Geld fehlte, die Verbreitung des Ebola-Virus’ wirksam zu bekämpfen. Als Gates salbungsvoll in den Medien verkündete, 50 Millionen Dollar für die Bekämpfung von Ebola zu spenden, hatte sich die Krankheit schon längst in mehreren westafrikanischen Ländern ausgebreitet.

Die Stiftung konnte nur deshalb so viel Macht und Einfluss auf die WHO gewinnen, weil in den vergangenen 20 Jahren die 194 Mitgliedsstaaten wegen klammer öffentlicher Kassen ihre Beiträge immer weiter gesenkt haben. Hier schließt sich ein Kreis: Die desolate Haushaltslage der Staaten ist nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass Reiche und Superreiche nicht oder zu wenig per Vermögenssteuer zur Kasse gebeten und darüber hinaus nicht daran gehindert werden, ihr Vermögen in Steueroasen zu schaffen, und dass große Konzerne wie Microsoft maximale Steuervermeidung betreiben. Auch die Steuerbegünstigung der Spender und der Stiftung selbst schmälert das öffentliche Budget. Und schwächt so die Demokratie.

Ihren Hass auf den Sozialstaat und ihre Weigerung, Steuern zu zahlen, über deren Verwendung die Allgemeinheit frei und zu ihrem Nutzen (und nicht dem der Reichen) entscheiden könnte, verbergen Superreiche wie Gates hinter dem Argument, dass Unternehmer wie sie besser in der Lage seien, Geld effizient einzusetzen. Das ist auch die Überzeugung der Gates-Foundation, die nach unternehmerischen Grundsätzen funktioniert. Allen Förderprogrammen der Stiftung liegt eine Kosten-Nutzen-Analyse und eine Zielvorgabe zugrunde, sie müssen messbare Ergebnisse liefern. Die „maximale Rendite“ der „Investitionen“ wird nicht in Dollar gezählt, sondern in der Anzahl „geretteter Leben“. „Every life matters“ – jedes Leben zählt – ist das Motto der Stiftung. Doch hinter der pathetischen Formel verbirgt sich nur die Forderung, dass sich Hilfe unternehmerischer Effizienz unterordnen muss. Das ist in höchstem Maße selektiv.

Wenn man nur eine beschränkte Menge von Ergebnissen misst und damit demonstriert, wie effizient man ist, mag das gut klingen. Aber was ist mit Befunden, die man nicht misst? Was, wenn einiges von dem, was man erreicht hat, anderswo Probleme verursacht? Was ist mit den Dingen, die man nicht messen kann? Mit welchen Auswirkungen kann man erst in 20 oder 30 Jahren rechnen? Wenn man eingeschränkte und kurzzeitige Messungen überbetont, die nur einer einzigen Organisation zuzuschreiben sind, gelangt man zu einem Entwicklungsprozess, der mangelhaft, ineffizient und nicht nachhaltig ist“, kritisiert McCoy. Zwar würde Geld auch für Impfungen und zur Bekämpfung von Krankheiten benötigt. Aber Gesundheitssysteme in armen Ländern, die ohnehin schon durch den Spar- und Privatisierungszwang der Strukturanpassungsprogramme massiv geschwächt sind, müssen sich um viele Dinge gleichzeitig kümmern: Die Behandlung und Vermeidung von Krankheiten, die Bekämpfung von Mangelernährung, den Zugang zu sauberem Wasser, die Ausbildung von Ärzten und Krankenpflegern, die Verbesserung von Informationssystemen. Diese wieder instand zu setzen und eine funktionierende öffentliche Verwaltung aufzubauen, sei dringend nötig, sagt McCoy. Doch Bill Gates lehnt das nicht nur so rigoros ab wie Vermögenssteuern – er versucht sogar, sie zu verhindern: „[Die Stiftung] war eine sehr laute Stimme, die sagte, wir [die Impfinitiative GAVI] glauben nicht an die Stärkung von Gesundheitssystemen.“ So zitiert Katerini Storeng in ihrer Arbeit zum Einfluss von Gates’ technokratischer Ideologie auf GAVI einen an GAVI beteiligten anonymen Befürworter einer solchen Unterstützung lokaler Systeme. „Er hat im Prinzip gesagt: Es ist reine Geldverschwendung, es gibt keinen Beleg, dass sie funktioniert, also werde nicht ein Dollar oder Cent seines Geldes in die Stärkung von Gesundheitssystemen gehen.“

Dass sich ein Software-Tycoon und Multimilliardär, der auf öffentliche Gesundheitssysteme nicht einmal angewiesen ist, anmaßt, diese als „reine Geldverschwendung“ zu bezeichnen, ist das eine. Aber dass der reichste Mensch der Welt mit seiner Milliarden-Stiftung, die weder demokratisch legitimiert ist noch irgendeiner Kontrolle unterliegt, die Macht hat, solche Systeme ausgerechnet in den ärmsten Ländern der Welt zu zerstören, ist hingegen ein Skandal. Doch den weiß die Stiftung geschickt zu kaschieren – mit der Zählung angeblich geretteter Menschenleben.

Bono von U2 sitzt auf einem Stuhl und blickt betroffen zu Boden. Die Kamera hält auf sein nachdenkliches Gesicht. „Geben Sie mir einen Moment und lassen Sie mich nachdenken. Seit zehn Jahre dabei.“ Jetzt denkt Bono von U2 ganz scharf nach. Dann zeigt er auf die linke Ecke des Bildschirms, auf dem eine Zahl erscheint: 7,7 Millionen. Zehn Jahre. „7,7 Millionen Menschen sind heute am Leben – wegen des Global Fund.“ Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria wurde 2002 als privat-öffentliche Partnerschaft gegründet, die Gates-Foundation gehört zu ihren Partnern. Bono von U2 ist auch dabei. Es sei ein „Unfall der Geographie“, sagt Bono von U2, „dass der Ort, an dem du geboren wirst, darüber entscheidet, ob du am Leben bleibst oder sterben wirst.“ Tja, die armen Afrikaner. Was für ein Pech, dass sie Afrikaner sind, ausgerechnet! Der siebenminütige Werbefilm zum zehnjährigen Bestehen des Global Fund ist untermalt von Gitarrengezupfe, man sieht schöne Fotos von afrikanischen Krankenschwestern und strahlenden Armen. Sie bilden das schmückende Ornament für die guten, reichen, weißen Männer, die sich als ihre Retter inszenieren: Bono von U2, Bill Clinton, Bill Gates.

Diese Werbung ist Teil der Konstruktion eines Bildes, das sagt, dass die Reichen den Armen helfen. Die Menschen, die trotz Aids, Tuberkulose und Malaria gerettet wurden, sind aber viel mehr das Ergebnis vieler Leute im Gesundheitswesen, die unter harten Bedingungen arbeiten, die in keinem Verhältnis zu denen der Reichen und Mächtigen stehen. Demgegenüber steht die Tatsache, dass das Vermögen aus illegalen Finanzströmen, die aus Afrika herausgehen, um ein Vielfaches höher ist als die Summe der Hilfsgelder, die Afrika erhält. Ein Großteil des illegalen Geldes landet auf Firmen- oder Privatkonten der Elite, oft genug in Steueroasen“, sagt McCoy. Er hat in einer weiteren Studie untersucht, was hinter dieser Zahl der geretteten Leben des Global Fund steckt und zweifelt sie an: denn viele Programme zur Behandlung dieser Krankheiten bereits gelaufen seien, als der Global Fund erst gegründet wurde. McCoy gelangt zu dem Ergebnis, dass der Global Fund alleine im besten Fall fünf und im schlechtesten Fall nur drei Millionen „Leben gerettet“ hat. Die Narration von den „geretteten Leben“ und die Messung von Ergebnissen trivialisiere Krankheit und Hilfe und rechtfertige damit den rein technokratischen und unternehmerischen Ansatz. „’Leben retten’, das ist ein mächtiges rhetorisches Instrument, um Probleme zu entpolitisieren: ‚Wir retten hier Leben. Stört uns nicht mit politischen Fragen oder euren Bedenken zu Gerechtigkeit, ökonomischen Entwicklungen, Selbstbestimmung oder Umweltverträglichkeit.’“

Die Bilanz der Hilfe, die David McCoy zieht, ist hingegen eher ernüchternd: „Wir sind heute besser in der Lage, Menschen unter Armutsbedingungen am Leben zu halten. Aber der Klimawandel, Ressourcenkonflikte und Resistenzen gegen Antibiotika können die Verbesserungen, die in den vergangenen 15 Jahren in armen Ländern erreicht wurden, schnell wieder rückgängig machen. Ja, wir haben eine höhere Lebenserwartung von Menschen mit HIV in Afrika. Die Lehre daraus sollte aber nicht sein, dass wir immer neue Medikamente für neue Krankheiten finden, sondern dass Menschen vor neuen Bedrohungen geschützt werden müssen. Durch Ernährungssicherheit, Bildung, sauberes Wasser, Beschäftigung und demokratische Institutionen. Aber Bill Gates’ Fokus auf Charity und Technologie enthält kein Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung. Er stellt auch nicht das Wirtschaftssystem in Frage, das Vermögen von unten nach oben verteilt.“

Helfen mit Blutgeld

Die Gates Foundation ist eng mit der Industrie verzahnt. Die neue Vorstandsvorsitzende Sue Desmond-Hellman ist gleichzeitig Vorstandsmitglied von Procter&Gamble. Der ehemalige Vize-Präsident von Monsanto, Robert Horsch, ist seit 2006 bei der Gates Foundation und dort stellvertretender Direktor für Landwirtschaftliche Entwicklung. Trevor Mundel, der Präsident des Programms für Globale Gesundheit, war zuvor Leiter der Entwicklung bei Novartis. Der stellvertretende Direktor des Gesundheitsprogramms, Ken Duncan, arbeitete zuvor beim Pharma-Riesen Glaxo Smith Klein. Mit jenem Pharmakonzern arbeitet die Stiftung in einer Partnerschaft für die Entwicklung von Impfstoffen zusammen. Das britische Unternehmen ist höchst umstritten: Es stand mehrfach vor Gericht, weil es verfälschte Medikamente in Umlauf gebracht, mehrere Medikamente illegal vermarktet, Ärzte bestochen, Nebenwirkungen verschwiegen und durch Preismanipulation Sozialkassen betrogen hat. Weiters musste sich Glaxo Smith Kline wegen illegaler Menschenversuche vor Gericht verantworten: 2012 starben 14 Babys bei Impfversuchen in Argentinien, von denen die Eltern nichts gewusst haben sollen.

In Nigeria förderte die Gates Foundation 2007 ein Impfprogramm, das die Kinder dort gegen Polio und Masern immunisierte. Zum Beispiel in Ebocha im Niger-Delta. Den Kindern dort geht es wirklich miserabel: Sie leiden an schweren Atemwegserkrankungen, an Asthma und Augenkrankheiten. Tagtäglich atmen sie hochgiftige Rußschwaden ein, weil die Ölfirmen dort das Gas einfach abfackeln. Konzerne wie BP, Chevron, Eni, Exxon und Shell, denen außerdem vorgeworfen wird, das gesamte Niger-Delta mit durchlöcherten Öl-Pipelines ruiniert und Krankheit, Armut und Tod gebracht zu haben. Doch genau diese Konzerne gehörten jahrelang zum Anlagenportfolio der Bill&Melinda Gates Foundation. 2007 investierte die Stiftung 218 Millionen Dollar in Impfungen weltweit sowie in Forschung gegen Masern und Polio. Aber fast doppelt so viel, nämlich 423 Millionen Dollar, hat die Gates-Stiftung im selben Jahr in Aktien der Ölgiganten BP, Chevron, Eni, Exxon und Shell investiert. Das fanden Journalisten der New York Times heraus, die 2007 die Aktien der Stiftung analysiert und in Nigeria und Südafrika die Auswirkungen der Firmen auf die Menschen dort untersucht haben. Demnach investierte die Stiftung einen großen Teil ihres Vermögens in so rücksichtslose wie hochprofitable Konzerne, deren Kerngeschäft massiv gegen Arbeits-, Kinder- und Menschenrechte sowie gegen Umweltstandards verstößt. Beinahe die Hälfte, 41 Prozent der Anlagen, widersprachen fundamental der Philosophie und dem Ziel der wohltätigen Stiftung, die dafür sorgen will, dass jeder Mensch auf der Welt „ein gesundes und produktives Leben führen“ kann. 2005 hatte die Gates Foundation insgesamt 1,4 Milliarden Dollar in 69 der 100 größten Umweltverschmutzer der USA investiert, die die Universität Massachusetts in der Liste der Toxic 100-Liste führt. Darunter der Chemiekonzern Dow Chemical. Eine Explosion bei dessen Tochterfirma Union Carbide im indischen Bophal sorgte 1984 für den schwersten Chemieunfall in der Geschichte: 20 000 Menschen starben, mehr als eine halbe Million Menschen leidet noch an den Folgen. Seit 30 Jahren warten die Menschen vergeblich auf Entschädigung. Stattdessen mehrt das Vermögen des Konzerns das Vermögen der Gates Foundation, die zunehmend alleine darüber entscheidet, wem in der Welt weswegen und womit geholfen werden soll.

Aber nicht nur die Abgase machen die Menschen in Nigeria krank und anfällig für jene Infektionskrankheiten, die die Stiftung so medienwirksam bekämpft. Das Wasser, das sich in den Bohrlöchern sammelt, zieht Mücken an, die Malaria verbreiten. Rund um das schmutzige Ölgeschäft hat sich die Prostitution etabliert, die für einen Anstieg der HIV-Infektionen sorgt – beides Krankheiten, deren Bekämpfung sich die Stiftung auf die Fahnen schreibt.

2005 hatte die Stiftung laut  Times rund 1,5 Milliarden Dollar in Pharmakonzerne investiert, die schwer umstritten sind, weil sie verhinderten, dass Menschen in armen Ländern Zugang zu wichtigen Medikamenten bekamen. Der Wert dieser Aktien war damals um 54 Prozent gegenüber 2002 gestiegen. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass die Gates Foundation hunderte Millionen Dollar mit Investments in Konzerne gemacht hat, deren Kerngeschäft Leid, Armut, Krankheit und Tod zur Folge hat. Bis 2014 hatte die Stiftung außerdem Aktien im Wert von 110 Millionen Pfund (damals 166 Millionen Dollar) bei der britischen Firma G4S, einem der größten Sicherheitsunternehmen der Welt, gekauft. G4S hat Verträge mit israelischen Gefängnissen im Westjordanland, in denen angeblich Palästinenser gefoltert werden. Außerdem wurden der Firma schwere Misshandlungen von Häftlingen in einem von ihr geleiteten Gefängnis in Südafrika nachgewiesen. G4S-Sicherheitsleute waren es auch, denen vorgeworfen wurde, den Angolaner Jimmy Mubenga bei seiner Abschiebung aus Großbritannien so gewaltsam niedergedrückt zu haben, dass er erstickte.

Im März 2015 analysierte die britische Tageszeitung The Guradian abermals die Anlagenpolitik Stiftung und enthüllte, dass diese laut deren Steuerbericht von 2013 immer noch 1,4 Milliarden Dollar in Öl-, Kohle-, Chemie- und Bergbau Giganten wie Anglo American, BASF, BHP Billiton, BP, Chevron Exxon, Glencore Xstrata ConocoPhillips, Petrobas, Rio Tinto, Shell und Vale investiert hat. Und zusammen mit den eigenen 21,1 Millionen Aktien von Coca Cola und den Anteilen an Berkshire Hathaway war die für ihr Gesundheitsengagement so viel gelobte Gates Foundation zeitweilig sogar der größte einzelne Anteilseigner des größten Herstellers gezuckerter Getränke der Welt.

Noch nie in der Geschichte hatte eine einzige sogenannte Wohltätigkeitsorganisation so viel globale Macht wie die Bill&Melinda Gates Foundation. Wie ein Krebsgeschwür wächst ihr Einfluss in alle gesellschaftlich relevanten Bereiche hinein und beansprucht dort zunehmend Deutungshoheit und Kontrolle über Gesundheit, Bildung, Klima, Landwirtschaft und Welternährung. Mehr zu Bill&Melinda Gates-Foundation, ihre Verwicklungen mit Coca Cola und Monsanto, ihr Kampf für die Ausbreitung von Gentechnik und wie die Stiftung dazu beiträgt, die Lebensgrundlage von Kleinbauern zu vernichten und das alles als „Armutsbekämpfung“ feiert, ist in meinem Buch „Aus kontrolliertem Raubbau. Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren“ (Blessing) nachzulesen.

26 Gedanken zu „Gated Community: Bill Gates und die Macht seiner Milliarden-Stiftung“

  1. Das ist ja ein wunderbares Fleißwerk. Aber der Text hat ein Problem: Die Kollegin hat nicht einmal die bösen Gates angefragt. Jedenfalls lese ich nichts dazu. So bleibt es eine fade, mit leichtem Geifer geschriebene Ansammlung von sehr vagen Kapitalismus-Kritikpunkten („Sein grotesk hohes und stetig wachsendes Vermögen hat Gates nicht mit harter Arbeit und brillanten Ideen angehäuft – sondern mit der aggressiven Geschäftspolitik seines Unternehmens, das sich über Jahrzehnte am Rande der Legalität bewegte und damit zum Software-Monopolisten aufstieg“), raunenden Verknüpfungen ohne konkreten Bezug („Die Gates Foundation ist eng mit der Industrie verzahnt. Die neue Vorstandsvorsitzende….“) und sprachlichen Unzulänglichkeiten („Journaille“, „wie ein Krebsgeschwür“). Das ist wirklich schlecht. Ich hatte mich auf einen journalistischen, gut recherchierten Text gefreut. Dann kommt halt doch nur Pro Seminar Geschwurbel

      1. Wie kann etwas gut herausgearbeitet sein, wenn schlicht der Angegriffene nicht einmal gefragt wurde, die Möglichkeit einer Stellungnahme erhalten hat? Einer der großen Schwächen linker Argumentationslinien ist, dass sie nur den eigenen Thesen Futter geben will. Hier ist ein Paradebeispiel. Sie werden zum Engagement von Gates von durchaus erfahrenen, dem Thema sehr verbundenen Personen und Orgas eine weitaus differenzierte Analyse als diesen Agitprop-Aufsatz erhalten. Ich will Gates und sein Wirken nicht für einen Deut verteidigen. Mir geht es um journalistisch saubere Arbeit. Dazu gehört im Übrigen auch das Bewusstsein, Wörter wie „Journaille mit Vorsicht zu genießen.

        1. Lieber Herr Calsow!

          Sie haben recht, der Begriff „Journaille“ ist wirklich zweifelhaft, ich habe das geändert.
          Aber Sie müssen schon zugeben, dass es nicht einer gewissen Ironie entbehrt, dass Sie mir an verschiedenen Stellen schlechte und unsaubere Arbeit vorwerfen, weil ich den „Angegriffenen“ nicht um Stellungnahme gebeten hätte – und mich aber selbst nicht einmal direkt ansprechen…
          Richtig, ich habe die Stiftung nicht gesprochen.
          Das halte ich für legitim – nicht (nur), weil ich überzeugt davon bin, dass ich entweder keine oder nur eine unbefriedigende Antwort erhalten hätte (weder die im Text erwähnten „The Lancet“, noch Dr. David MccCoy, noch die Times, noch der Guardian haben von der Stiftung eine Antwort auf die Bitte nach einer Stellungnahme bekommen – oder sie wurde abgelehnt).
          Denn Deutungshoheit, Wortanteil und Meinungsmacht der Stiftung und ihr uneingeschränkt positives Bild in den Medien haben ein riesiges Übergewicht gegenüber den kritischen Stimmen (und insbesondere den Stimmen derer, die in den Ländern des Südens gegen Gates‘ „Hilfe“ kämpfen). Sowohl, was die eigenen Auftritte auf deren Homepage als auch ihre Präsenz in den Medien betrifft. Die Haltung und Begründung der Stiftung, warum sie wie und wo handelt, sind für jedermann einsehbar – da ist die Stiftung und auch Bill Gates selbst konsequent transparent.
          Mir ist mit meiner Arbeit daran gelegen, diesem Meinungsungleichgewicht etwas entgegen zu setzen und genau hinter jene Kulissen zu schauen, die weitgehend unhinterfragt bejubelt werden.
          Dazu berufe ich mich bei meiner Kritik auf Fakten aus Studien, Gespräche mit NGO, Recherchen von Journalisten, Erfahrungen von Menschen wie McCoy, Besuche von Kongressen, Kontakt mit sozialen Bewegungen auch aus den Ländern des Südens.
          Der Text in meinem Blog ist ein Auszug aus meinem Buch, in dem Bill Gates und der Gates Foundation ein Kapitel gewidmet ist. Darin habe ich alles mit Quellenangaben belegt.
          Eine meiner Recherchen habe ich außerdem in Bangladesch zu den Auswirkungen des Anbaus der gentechnisch veränderten Aubergine Bt Brinjal gemacht. Ein Projekt, an dem die von der Bill&Melinda Gates Foundation mit vielen Spenden versehene Cornell University arbeitet. Jene hat weitere 5,6 Millionen Dollar für ein PR-Programm („Alliance for Science“) von der Gates Foundation erhalten, das die Akzeptanz für Gentechnik verbessern soll, auch das Ansehen der gescheiteren GMO-Aubergine in Bangladesch. Was dahinter in Wahrheit steckt, habe ich vor Ort recherchiert und manche Überraschung erlebt.
          Wenn Sie das Buch interessiert, schickt Ihnen die Presseabteilung des Blessing-Verlags gern ein Rezensionsexemplar, da Sie mich als „Kollegin“ bezeichnen, nehme ich an, Sie sind auch Journalist.
          Eine Frage noch: Sie erwähnen eine „weitaus differenzierte Analyse“ von „dem Thema sehr verbundenen Personen und Orgas als diesen Agitprop-Aufsatz erhalten“. Mich würde interessieren, welche Personen und Organisationen Sie meinen. Wenn Sie selbst dazu publiziert haben, würde ich mich über einen Link oder Hinweis sehr freuen.

          Herzliche Grüße, Kathrin Hartmann

          1. Liebe Frau Hartmann,

            Sie haben recht. Ich hätte Sie direkt ansprechen können. Aber das ist eher eine Stil- als eine Standardfrage. Sie sagen: „Richtig, ich habe die Stiftung nicht gesprochen.
            Das halte ich für legitim – nicht (nur), weil ich überzeugt davon bin, dass ich entweder keine oder nur eine unbefriedigende Antwort erhalten hätte (weder die im Text erwähnten „The Lancet“, noch Dr. David MccCoy, noch die Times, noch der Guardian haben von der Stiftung eine Antwort auf die Bitte nach einer Stellungnahme bekommen – oder sie wurde abgelehnt).“
            Es ist ein Muss, den Anderen zu fragen. Völlig egal, wie groß, mächtig oder präsent er/sie/es ist. Ich will darauf nicht oberlehrerhaft herumtrampeln. Aber wir müssen diese Standards einhalten. Die andere Seite macht das nicht. Nur: Wenn wir (und jetzt benutze ich die 1. Person Plural, um die Positionen anzudeuten) uns weniger angreifbar machen, ist die Wirkung größer. Zudem gilt: Je mehr Menschen/Redaktionen die STIFTUNG (klingt schon sehr düster) anfragen, desto mehr Wirkung hat das intern. Wenn Sie den Text als Blog verkürzen, bleibt die Kritik der Einseitigkeit. Das ist mein Hauptkritikpunkt an Ihren sonst sehr wichtigen, erhellenden Analysen. Mein böser Ton war überzogen. Pro Seminar ist verletzend. Muß nicht sein.
            Wenn ich ein Buch rezensiere, wo auch immer, kaufe ich es. Sie wollen leben. Ich will leben. Es gibt, wie ich finde, einen Aspekt Ihres Werks, der extrem wichtig ist: Das ist das amerikanische Verständnis von Philanthropie und deren Einfluss auf Kultur, Forschung und Politik. Wir haben das in der Form bereits in Deutschland. Ein schönes Beispiel ist die Bertelsmann Stiftung. Ihr Einfluss auf politische Diskurse und Entscheidungen ist wenig besprochen. Randnotiz: Der Blessing Verlag gehört zu Bertelsmann. Warum in die Ferne schweifen…

    1. „Pro Seminar Geschwurbel“: Naja, ganz so schlimm ist es dann doch nicht, und dass der Text nicht gut recherchiert ist, kann man wohl auch nicht behaupten. Aber ich hätte mir auch hier und da einen sachlicheren Ton und präzisere Argumentation gewünscht. Nicht weil ich Gates so toll finde sondern weil eine nüchterne Analyse viel überzeugender wäre.

      Nur ein Beispiel: es mag ja sein, dass Gates nichts vom öffentlichen Gesundheitswesen hält und seine Stiftung diese nicht unterstützt, aber das heißt noch nicht, dass sie die Macht oder auch nur die Absicht hätte, diese zu „zerstören“. Letzteres zu suggerieren ohne es zu belegen schießt mE. über das Ziel hinaus und schadet dem Artikel insgesamt.

      Trotzdem bin ich natürlich dankbar für diesen Beitrag, der sicher zum Weiterleben, -denken und recherchieren anregt.

      1. Lieber Chris,
        das Böse versteckt sich immer hinter der Maske des Guten, ein Ellenbogenmensch ist kein Gutmensch, er ist nur nicht bereit Macht zu teilen . Wie das funktioniert kannst Du bei den kritischen Psychologen der FU-Berlin „Neoliberale Denkgifte“ nachlesen.
        Grüße

    2. Aber, aber, Herr Calson! Sie schreiben:“Der Text hat ein Problem: Die Kollegin hat nicht einmal die bösen Gates angefragt.“: Na, so was Dreistes! Fast so frech wie Theodor Mommsen, der eine“Römische Geschichte“ geschrieben hat, ohne je bei Caius Julius „angefragt“zu haben,
      „Ansammlung von sehr vagen Kapitalismus-Kritikpunkten“: Die arme Kathrin! Da rackert sie sich ab gemäß den Anweisungen, die der Markwort einst seinen Lohnschreibern erteilt hat, und liefert einen Text ab, der, übern Daumen gepeilt, zu 90 Pro deskriptive Aussagen enthält, und dann kommen Sie Herzloser mit so einer Beurteilung! Haben Sie den Text überhaupt gelesen? Ich denke schon, und Ihre Beurteilung zeigt, wie sehr verkratzt Sie sind darob, dass Ihr Säulenheiliger entweiht wurde. Aber solch ruchlose Taten müssen mal sein, damit die fatale Prognose des Kapitalismus-Kritikers Max „Bis zum letzten Zentner fossilen Brennstoff“ Weber nicht in Erfüllung gehe.
      Eine andere Welt ist möglich und die vom Billy ist keine andere!

  2. Hallo?
    Wo ist der Lösungsansatz?
    Meckern kann jeder.
    Falls nur ein Mensch mehr überlebt hat die Stiftung eine daseins Berichtigung…

    Bitte Nicht immer alles gute schlecht reden ohne echte Beweise. Nicht jeder Kapitalist ist ein Monster, schon gemerkt?
    Grüße
    Fred

    1. Lieber Fred,
      wenn ich an den Krankheiten mitverdiene, anstatt ihre Ursachen zu bekämpfen (siehe Kants Kategorischen Imperativ) bin ich ein Monster: wie das funktioniert wurde im Text dargestellt! Das Geld wird dem Gemeinwohl/Staat entzogen, um die Kartelle (welche die Krankheiten durch Umweltverschmutzung und Armut verursachen und anschließend an ihnen durch Steuergelder finanzierte Impfungen zu verdienen) und die private MACHT zu stärken. Ergo wird der „arme“ Steuerzahler zweimal beschissen und dazu entmachtet. Die Außendarstellung dieser Stiftungen ist kein Selbstbetrug narzisstischer Hybris , sondern eiskalte Berechnung versteinerter Herzen.
      Sozialistische Grüße

      1. Ich verfolge die Kommentare weiter und finde es auch sehr interessant, ich werde mich aber aus der Diskussion ausblenden da ich dann doch nicht das spezifische Wissen habe. Es ist aber trotzdem sehr interessant weiter zu lesen.
        Viele Grüße
        Fred

  3. Ich denke es bringt nichts andere anzugreifen. Man muss selbst entscheiden.
    Das destruktive System zu kritisieren, selbst darin wie ein Fisch im Wasser zu schwimmen, was soll das geben?
    Ich kann nur für mich selbst sprechen – ich finde Freiheit nur in der Verweigerung, da ich ohne Opportunismus nicht mitspielen darf, doch diesen Kompromiss vermag ich nicht einzugehen.
    Im Grunde also, bin ich ein klassischer Fall für die Psychiatrie, da ich extreme Anpassungsprobleme habe.

    Ich passe mich hingegen meiner Umwelt so gut es geht an.
    Ich ernähre mich von dem was mir der Wald, mein Garten und die anderen natürlichen Quellen bieten – mitten in der “Zivilisation” –
    zwei Äpfel am Tag sind schon ca. 25 g. Zucker – dazu noch ein wenig Milch – von einer mir persönlich bekannten Kuh, die praktisch täglich auf der Weide steht und per Hand gemolken wird – von einer Frau die 78jährig ebenso einsam wie ich auf einem kleinen Anwesen lebt – mit zwei Eseln, der Kuh und einer unbekannten Anzahl von Katzen, sowie zwei Hunden.

    Die alte Dame dürfte belesener sein als unsere Kanzlerin, sie dürfte – meiner Meinung nach sogar um einiges schärfer denken, allerdings, was nutzt einem ein scharfer Verstand inmitten der Dummheit – man könnte die Idioten ausnutzen, doch dann würde man selber zum Idioten!

    So nutzt sie den Ihren, um zu überleben, um zu träumen und sich durch ihre Gedanken täglich neue Räume zu öffnen.

    Das Leben teilt sie in jenen Raum, der dazu dient sie gesund zu ernähren, sie als lebendiges Wesen inmitten dieser Natur zu erhalten, solange sie dazu Lust und Freud verspürt, sowie jenen, wo sie ihren Intellekt auf einem Divan liegend in kontemplativer Aura fliegen lässt.

    So gibt es jenes Wissen, dass die Natur als erlebbare Sphäre betrifft und jene Gedanken, die nichts mit Wissen, nur mit dem eigenen Kosmos, der eigenen Träumerei, der ganz persönlichen Metaphysik zu tun haben.

    Ich bin ihr um einige Leben hinterher – versuche auch gesund zu leben, frei zu sein, doch ich bin noch so naiv zu hoffen, die Menschen würden sich besinnen – darauf hofft Sie schon seit ihrem 30. Geburtstag nicht mehr – damals verließ sie ihre Familie und fand – zu meinem großen Glück, hier in meiner Nähe ihren Ort der Emigration von den Menschen, eine große Ehre für mich, dass ich Einlass in ihre Welt erhalte.

    Es ist das größte Glück, mit ihr gemeinsam Dinge zu erleben – es ist beinahe das größte Unglück für die Menschen völlig alleine sein zu müssen, doch für uns beide gäbe es ein noch größeres – inmitten von Ihnen das destruktive Tagwerk zu vollbringen, welches jeder – unserer Meinung nach vollbringt, indem er feige den täglichen Kompromiss der Teilhabe eingeht!

    Ich kann nur sagen, es ist ein Tagwerk für seine gesunde Ernährung zu sorgen, sich eine warme Unterkunft zu erhalten und dabei möglichst jeglichen Kontakt zur Zivilisation zu meiden.

    Das I-Net als wundervolle Lesequelle, als Möglichkeit z.B., hier zu tippen, sich Musik zu gönnen, die Museen der Welt und die Welt selbst zu bestaunen, das erlaube ich mir –
    doch sonst dürfte es sehr wenig geben, was ich freiwillig nutze – (ja ich gehe nicht im Feld, wenn es einen Weg gibt – wobei ich lieber querfeldein durch Wald und Flur gehe, soweit es möglich ist, ohne den Unmut von Feldindustriellen zu erregen.

    In den letzten Tagen konnte ich über 2000 Walnüsse erbeuten – Äpfel bis ins Frühjahr, Wasserkresse, ich ernte auch die Samen des asiatischen Springkrauts (das heimische wächst hier nirgends mehr….) – obwohl ein Neophyt, doch nun ist er eben da.

    Das Leben ist täglich spannend und neu, kaum ein Tag wie der vorherige, doch leider – die Kraft der Gruppe bleibt mir verwehrt, da ich keine Menschen außer der alten Dame – die jedoch wirklich keine Lust, da keinerlei Hoffnung, auf eine symbiotische Gesellschaft hegt – wesentlich auf meinem Weg erfahre.

    Ich sah viele wunderbare Menschen, doch sie haben sich alle dem System geopfert, sie konnten meine Art zu leben und zu hoffen, nicht teilen.

    Ja, ich hoffe, denn ich bin überzeugt, würden die Menschen miteinander wirken und nicht gegen sich und vor allem auch gegen die Natur, wäre weder Ideologie noch Glaube ein Thema.

    Es gäbe keine Politik, es gäbe nur die Vernunft und die Kraft der Phantasie, die daraus eine überaus spannende und wohl sehr, sehr fröhliche Gesellschaft zaubern würde.

    Vernunft hat in meinen Augen nichts damit zu tun, sich Dingen auszuliefern, die man als falsch erkannt hat. Wer lamentiert, aber dennoch mitmacht, der wird nie etwas verändern.
    Dass man das System nicht von Innen her grundlegend ändern kann, haben die letzten Jahrtausende bewiesen!
    Es ist ein System der menschlichen, sozialen Hierarchien, ein System der Ausbeutung und des Raubs, ein System der Zerstörung und des Mordens.
    Dort wo die Kraft des menschlichen Geistes den Fortschritt gebracht hat, ist es nicht minder grausam und gnadenlos, als in jenen Zonen wo man noch wie vor x-tausend Jahren schuftet – auch die wenigen Naturvölker profitieren nicht von der Brillanz des Intellekts, sie sind allerdings Wissende in Bezug auf die Natur und achten diese.

    So bleibt jedem von uns die täglich freie Entscheidung, welchen Weg er wählt.

    Jene, die die Zivilisation schon zu gebrechlichen Wesen gemacht hat, sind wohl keine freien Menschen mehr, da sie der Hilfe des Systems bedürfen, da sie selber gar nicht mehr in der Lage sind alleine zu überleben – nur – sie sollten sich fragen, was sie krank gemacht hat.

    In den seltensten Fällen, wird der Mensch krank geboren, meist sorgt er durch sein Verhalten, seine Ernährung, seine Gedankenlosigkeit und nicht selten durch die verrückten Bedürfnisse der Konsumgesellschaft nach diversen “Kick´s” dafür, dass er zum gebrechlichen Wesen wurde.
    Das System goutiert dies, ein Industriezweig lebt davon – man könnte sogar so weit gehen, dass das System die Menschen am liebsten krank und gebrechlich sieht, da sie so zur perfekten Geisel werden.

    Wenn man die transhumanistischen Visionen studiert, könnte man gar glauben, der Mensch sehnt sich danach, eines Tages zu einem gigantischem Aggregat zu verschmelzen – jedoch nicht einem, in dem jedes Individuum die maximale Freiheit genießt, sondern einem in dem jedes Wesen die maximale Abhängigkeit erleidet.

    Im Grunde kann man es schon seit einigen Jahrtausenden in Facetten erkennen – doch noch ist es Zeit, noch kann ein jeder dieses Myzelium um sich herum zerfetzen, noch könnte man ein freies, gütiges Leben wählen.

    Nur im Wurzelgeflecht des Systems fließt der hedonistische Saft des Konsums, der die Sinne und den Geist, den Körper des einzelnen und nicht zuletzt die ganze Erde vergiftet.

    Ich kann nur raten sich aus diesem Geflecht zu lösen.

    Kein eigenes Automobil, gesunde Ernährung, keine Flugreisen, viel Wandern, täglich morgens und abends den Körper pflegen und sich dehnen, recken, strecken, täglich studieren, die Natur, Sprachen, Literatur, Musik, – gestalten, malen, bauen, werken, – schreiben, sprechen, so man Partner findet – mit denen man sprechen kann, nicht sinnlos lügenlabern, prahlen oder sonstige Blasen absondern.

    Schlafen, träumen, dösen, zur Lust lesen, lauschen, fühlen, jeden Schritt kann man erleben, beim Essen schmecken, die Dinge öffnen, kauen, zergehen lassen.

    Feste feiern, ab und an einen edlen Tropfen ergatten – ja – man soll genießen, doch ein besonderer Genuss soll eben etwas auserwähltes – seltenes bleiben – Fleisch, Wein, Bier, Käse – das sind Festgenüsse!

    Wer sein Bewusstsein wiedererlangt, der hat den ersten Schritt getan!

    Mehr kann ich euch nicht raten – entscheidet Euch selbst – ihr wisst es ohnehin selbst!

    1. Danke für Ihre Antwort. Sicher ist es ein Muss, die Gegenseite zu fragen, wenn Vorwürfe erhoben werden, die neu sind und zu denen sich die Betreffenden nicht geäußert haben. Aber zu diesen Vorwürfen ist die Stiftung mehrfach und von verschiedener um Stellungnahme gebeten worden und hat dies stets abgelehnt. Wiederum an anderen Bespielen habe ich in meinem Buch beschrieben, wie angefragte Unternehmen bzw. Institutionen bzw. Organisationen reagieren (bzw. genau nicht). Darauf will auch ich nicht weiter herumreiten – stattdessen wollte ich aber noch erwähnen, dass in der aktuellen Ausgabe des Freitag Stiftungen und insbesondere die Bertelsmann-Stiftung Titelthema sind. Klingt sehr interessant, ich hab es noch nicht gelesen. (Ja, der Blessing Verlag gehört zu Randomhouse, die wiederum zu Bertelsmann – was aber auf meine inahltliche Arbeit keinen Einfluss hat, ich habe ein großartiges Lektorat und inhaltliche Freiheit, zum Beispiel die, kritisch über die Bertelsmann-Stiftung zu schreiben wie in meinem letzten Buch…). Herzliche Grüße und einen schönen Abend! Kathrin Hartmann

  4. Mehmen wir mal an Bill Gates liedt heute deinen Artikel und findet, dass di recht hast, schließt die Stiftung und hört auf Geld zu geben. Was sollte er stattdessen jetzt von heute an machen?

    Bzgl Foxconn: Suizude sine schlimm und es sollte alles getan werden, damit Menschen nicht in eine Situation geraten, aus der sie keinen Ausweg sehen. In Deutschland gab es 2013 12,5 Selbstmorde pro 100.000 Einwohner (Männer 18,9 und Frauen 6,4). Foxconn hat mehr als 1.000.000 Mitarbeiter. Da sind 14 Selbstmordversuche wesentlich weniger als der Durchschnitt des Landes (1,4 pro 100.000). Würde Foxconn morgen schließen müssten Leute in der Region zurück in niedriger bezahlte Jobs.

    1. Antwort: Steuern zahlen und z.B. Larry Lessing unterstützen, anstatt die Demokratie in einen globalen Neofeudalismus umzubauen und sich als neue Könige aufzuspielen.

  5. Hi Kathrin, ich bin heute über die Nachdenkseiten auf diesen Artikel gestoßen. Bin ein echter Fan und werde die nächsten Tage bestimmt ein bißchen rumstöbern in deinem Archiv.
    Nicht entmutigen lassen von blöden Kommentaren! Die sind nur genervt von deiner sorgfältigen Arbeit.
    Vielen Dank und viele Grüße
    Joachim

  6. Vorstellen eine Welt ohne Bill Gates Entwicklugen .. hmm, paradiesisch, dann hätten wir jetzt alle ein Betriebssystem statt Windows: wer weiss OS2, wo er es geklaut hat oder natürlich Linux oder die Variante in schön MAC OSX 🙂

    Hach wäre das schöööööön 🙂

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