Hahahah: Lohas-Erfinder schreibt Anti-Lohas-Manifest

Grad hab ich aber doch ziemlich mit den Ohren geschlackert, denn die taz hat kürzlich ein Anti-Lohas-Manifest veröffentlicht. Ich kann mir nicht helfen, aber die Thesen darin kommen mir irgendwie wahnsinnig bekannt vor. Aber woher denn bloß?

„Nie war es so einfach, ein besserer Mensch zu sein: Wir trinken für den guten Zweck, wir essen Brot für die Dritte Welt, veranlassen die eigene Krötenwanderung zur nächstgelegenen Sozialbank. Wir sind fair, leben bio, fahren öko. Doch das neue Bewusstsein ist nur eine Fassade, hinter der die alte, schmutzige Konsumwirtschaft quicklebendig ist.“

oder

„Weder sie (die Unternehmen) noch ihre Kunden glauben noch an Ideologien, wie es die 68er taten, aber dieser Relativismus speist sich aus der fast kompletten Negierung von Komplexität: Tut dieses, kauft jenes, und die Welt wird ein Stückchen besser. Ökologische Neuerung ist kinderleicht.“

oder

„Berufsbetroffene ersetzen Geist durch Moral. Der einst als alternativ konzipierte Lebensstil der Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) ist zur oberflächlichen hippen Modeerscheinung avanciert. Es gibt ein ganzes Heer von Beratern und Unternehmen, das – als moralische Avantgarde und neoökologischer Jetset – den ethisch-ökologisch korrekten Lebenswandel konsumierbar macht.“

oder

„Sie haben keine Inhalte und keine Themen, die über das Bedienen einer diffusen Sehnsucht hinausgehen. Konzeptionelles Nirwana. Ein bisschen Askese hier, ein bisschen Hedonismus da, ein bisschen links-alternativ, ein bisschen werteverbunden. Die selbst ernannten grünen Vorreiter sind nicht mehr als Zeitgeist-Opportunisten, die auf subtile Weise das postindustrielle Produkt Gesinnung verkaufen.“

beziehungsweise

„Wem es gelingt, Megatrends rechtzeitig und möglichst präzise zu analysieren und zu verstehen, der hält das Ticket für die Zukunft auf den weltweiten Märkten in der Hand.“

und

„Ein Unternehmen, das nicht über seine Corporate Social Responsibility nachdenkt, wird in Zukunft mit Sicherheit an dem vielversprechenden LOHAs-Markt vorbeiproduzieren.“

und

„Konsum und Kunst, Kommerz und Kultur rücken für die Lohas auf die gleiche Stufe, denn sie haben allesamt die gleiche Aufgabe: Lebensqualität zu steigern.“

 und

„Sie (die Lohas) haben gelernt, dass nur im Sowohl-als-Auch Entwicklung und Selbstbestimmung möglich ist und das Entweder-oder in den Kalten Krieg der Ideologien zurückführt. (…) Am Ende der Ideologien steht eine neu Lebenslust, Unvoreingenommenheit und Spontaneität“ 

sowie

„Wir misstrauen den Apokalyptikern, die mit Schaum vor dem Mund den nächsten Untergang verkünden. Wir wissen nicht, wie es dem Wald geht. So richtig weiß das niemand. Der deutsche Wald ist immer noch nicht tot.“

Aua, da hab ich mich jetzt vertan, die letzten fünf Zitate stammen ja gar nicht aus dem Anti-Lohas-Manifest in der taz, sondern aus dem durch und durch neoliberalen Pro-Lohas-Manifest Lohas. Bewusst grün -alles über die neuen grünen Lebenswelten“! Denn der Autor des Anti-Lohas-Manifests ist niemand anderes als Eike Wenzel, ja genau, DER Eike Wenzel, der mit seiner damals mehr als 200 Euro teuren Studie „Zielgruppe Lohas – Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert“ die Lohas und deren Kaufkraft für den deutschen Markt erst interessant gemacht und die Kommerzialisierung der Weltrettung überhaupt mitangestoßen hat.

Macht ja nichts! Jeder kann sich mal täuschen! Umso mehr freut mich, dass Eike Wenzel mein Buch jetzt ein bisschen aufmerksamer gelesen hat als damals –  da hat er das „Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereeinnahmt“ gar als „Zyniker-Feuilleton“, „stylisher Glaubenskrieg“, „Bohlenisierung der Bücher“ und „Salon-Antikapitalismus“ beschimpft. Dabei bin ich doch allerhöchstens Dreieinhalbzimmerwohnungs-Sozialistin!

PS: „Ehrlichkeit: Mehr brauchen wir nicht“, schreibt Wenzel in der taz. Drum ganz echt, ehrlich und extra für Eike Wenzel: der aktuelle Waldschadensbericht.

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