Herrjesus: Spiegel TV-Beitrag „Warum Hitler Vegetarier war“

Die ganze Medienwelt, so scheint es, hat sich auf den Vegetarismus eingeschworen – sonnenklar, dass das Krachmagazin Spiegel TV da auch was in die Welt zu blöken hat, was die Luft ordentlich zum Scheppern bringt: „Die vegetarische Fangemeinde lässt es gern unter den Tisch fallen, doch es ist wahr: Adolf Hitler aß zu Lebzeiten kaum Fleisch. Die Tatsache, dass sich der Führer vegetarisch ernährte, passt einfach nicht ins Bild. Weder in das der Vegetarier noch in das des Massenmörders.“

Ja, das stimmt. Und warum? Weil Hitler nämlich gar kein Vegetarier war. Aber nun, die vermeintlich „unbequemen Wahrheiten“ sind ja grundsätzlich die bequemsten. Denn „kaum“ oder „wenig“ Fleisch“ ist nicht vegetarisch – genauso gut könnte man behaupten, Hitler sei Pazifist gewesen, weil er im 2. Weltkrieg nicht selber an der Front stand. Die Wahrheit ist: Hitler liebte Schweinswürste, Geflügel, Schinken, Leberknödel und Hummer, das ist in zahlreichen Quellen belegt. Von der zeitweise fleischarmen Diät erhoffte er sich nur, dass die ewige Furzerei aufhört – „doch Hitlers Blähungen verschwinden nicht.“ (Spiegel-TV). Und auch der Hirnfurz der Spiegel-TV-Redaktion poltert ungebrochen weiter: „Diese Speisekarte von 1937 belegt: am Führertisch gab es neben tierischen Gerichten auch vegetarische zu Auswahl.“Zu einem Filmausschnitt aus „Der Untergang“, der Hitler bei seinem letzten Mittagessen zeigt, raunt die Moderatorin schließlich betroffen: „Ohne Reue schießt sich die Inkarnation des Bösen mit dem fleischlosen Essen im Magen kurz darauf eine Kugel in den Kopf.“ Das ist in etwa so realistisch wie Bruno Ganzens Kasperltheater-Darstellung von Hitler.

Denn das schlimmste ist, dass der Fernseh-Ableger des Spiegel (Hobbys: Busen, Hitler) blöd genug ist, auf NS-Propaganda reinzufallen: die Nazis haben Hitlers Diät dazu benutzt, das Bild eines asketischen Diktators in der Bevölkerung zu verbreiten, der nicht raucht, nicht trinkt und nicht einmal Fleisch isst. Laut der Biografie „The life and death of Adolf Hitler“ von Robert Payne hat sich Propaganda-Minister Goebbels die Vegetarier-Saga ausgedacht. Echten Vegetariern wiederum machte das Nazi-Regime das Leben zur Hölle: bereits zu seinem Amtsantritt 1933 verbot Hitler alle Vegetarier-Organisationen, ließ ihre Leiter verhaften und die bedeutendste vegetarische Zeitung schließen. Im Krieg schließlich verbot Hitler auch die vegetarischen Organisationen in den besetzten Gebieten. Vegetarier wurden gezwungen, in den Untergrunds zu gehen oder aus dem Land zu flüchten. Der Vegetarier und Pazifist Edgar Kupfer-Koberwitz floh nach Frankreich und später Italien, wo er festgenommen und ins KZ Dachau deportiert wurde.

Vor allem aber basierte die Rassenhygiene auf Tierzucht-Ideen, die KZ-Transporte erfolgten in Viehwaggons, die KZ-Barracken wurden nach Plänen von Pferdeställen erbaut, die Wege zu den Gaskammern glichen Treibergängen in Schlachthöfen. Die Degradierung des Tiers nutzten die Nazis für die Entmenschlichung und Degradierung der Menschen, um das Massentöten zu rechtfertigen. Diese Entwicklungen beschreibt der Holocaust-Forscher und Historiker Charles Patterson in seinem erschütternden und aufschlussreichen Buch „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka“. Über die Ursprünge des industrialisierten Tötens“.  Das Zitat stammt übrigens von dem jüdischen Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, der 1935 in die USA emigrierte. Er war tatsächlich Vegetarier und Tierrechtler  – wie im übrigen viele Menschen, die den Holocaust überlebt haben.

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