Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Montag, 20. Juni 2011

Filmtipp: Die WWF-Lüge am Mittwoch in der ARD!

Was man schon lange ahnen konnte hat der WDR-Autor Wilfried Huismann nun endlich zur bitteren Gewissheit gemacht: der WWF richtet vermutlich mehr Schaden an als er durch Kampagnen und Öko-Projekte wieder repariert. Am Mittwoch, 22. Juni, sendet die ARD um 23.30 Uhr Huismanns Film "Der Pakt mit dem Panda. Was uns der WWF verschweigt". Huismann und Arno Schumann haben 2010 den erschütternden Film "Lachsfieber" gedreht, in dem es um das schmutzige Geschäft mit Zuchtlachs geht. Der Film nahm vor allem den multinationalen, in Norwegen ansässigen Konzern Marine Harvest unter die Lupe, der mit seine Zuchtstationen in Chile nachhaltig die Fjorde zerstört. Für eine Jahresspende von 100 000 Euro, so heißt es im Film, darf der Konzern das Pandabärchen auf seine Produkte kleben und sich mit Kooperationen mit dem WWF Norwegen grün waschen. Eine Win-Win-Situation für Wirtschaft und WWF, die, wie immer, für Mensch, Tier und Natur eine Lose-Situation darstellen.

Während der Recherchen für Lachsfieber ist Huismann auf die zweifelhaften Kooperatione des WWF aufmerksam geworden und ist diesen nachgegangen. Der WWF, so ist mir zu Ohren gekommen, habe sogar versucht, die Ausstrahlung des Films zu verhindern. Kein Wunder: Keine andere Umweltorganisation arbeitet so eng mit der Industrie zusammen wie der WWF - und verschafft damit vor allem jenen Konzernen ein grünes Image, deren Kerngeschäft besonders dreckig ist.

Während der WWF etwa zeitgleich mit niedlichen Orang-Utan-Babies für Spenden wirbt, sorgt er Hand in Hand mit der Palmölindustrie vor allem dafür, dass der Lebensraum der Tiere für immer verschwindet: der WWF ist Mitbegründer des Round Table on Sustainable Palmoil, der das Greenwashing-Siegel RSPO verleiht - vor allem an die Verschwender des Rohstoffs wie Unilever, Henkel, Ikea. Dazu gesellt sich das FSC-Siegel für Holz, das ebenos umstritten ist, wie RSPO: Menschrechtsverletzungen, ja sogar Mord, gab es bereits auf FSC-Plantagen, ebenso Vetreibung von indigenen Völkern sowie Kahlschlag.

Ebenso umstritten: das MSC-Siegel für "nachhaltige Fischerei": das Siegel, mit dem Verbraucher meinen, nun guten Gewissens die Meere leerfuttern zu dürfen, wir an ganz und gar nicht nachhaltige Großfischereien mit ungenügenden Umweltstandards vergeben, auch Fisch aus überfischten Gewässern erhält das Siegel, ebenso überfischet Arten wie der Nordsee-Hering und Alaska-Seelachs (Fischstäbchen!). Weitehin erlaubt MSC Treib- und Grundschleppnetze (hohe Beifangquote) sowie Langleinen, an denen sich Seevögel und Meeressäuger strangulieren. Kein Wunder, dass MSC - lustiges Motto: "Machen Sie mit beim Meeresschutz auf dem Teller" - keine messbare Verbesserung bewirkt.

Aber weil's so schön ist, gesellt sich zum MSC künftig auch noch ASC, das Siegel für Aquakulturen von Schrimps, Lachs, Pangasius und Forelle. Das Problem ist aber nur: es gibt keine nachhaltige Aquakultur, schon gleich nicht für derart gigantische Mengen - und eine Alternative zum Seefang ist Aquakultur auch nicht, ganz im Gegenteil: für ein Kilo Lachs braucht es fünf Kilo Lebenfutter aus dem Meer. Interessant aber vor allem ist wieder einmal die Teilnehmerliste: Im Hauptausschuss des "Dialogs" sitzen Vertreter etwa von Marine Harvest und Skretting (Weltmarktführer für Farmfischfutter).

Einen schönen Beitrag zur neuen WWF-Kinderfang-Großkampagne bei REWE hat übrigens Toralf Staud im Klimalügendetektor geschrieben.


Kommentare

#1 - trixie 22.06.2011 10:22 - (Antwort)

es gibt biozertifizierte aquakultur, die genau diese kritikpunkte aufnimmt. da kostet der fisch halt eben auch mehr.

#2 - Pia F. Bichsel 23.06.2011 17:56 - (Antwort)

Link zum Film: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7495082 Besonders bezeichnend finde ich die beiden Interview-Sequenzen mit Dörte Bieler, WWF Deutschland - insbesondere dann, wenn man sie der erbosten Reaktion des WWF auf den Film gegenüberstellt, denn Frau Bieler widerspricht ihrem eigenen Arbeitgeber bzgl. dessen Haltung zur Gentechnik in der Landwirtschaft. Beides zusammen macht den WWF nicht glaubwürdiger. Gruezi, Pia

#3 - Ingo Ballmann said:
01.07.2011 17:06 - (Antwort)

Danke für Ihre recherchen. Gerne würde ich mich einmal mit IHnen unterhalten, da ich noch einige Einblicke habe in die Welt der Industrie und der Grossaktionäre. Ebenfalls aufgrund eines Projektes im Regenwald einges zum Thema GTZ/WWF usw sagen kann. Herzliche Grüsse und weiterhin viel Erfolg ! Die Welt braucht menschen wie Sie. Danke !


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