Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 13. Juli 2011

Bundesnetzagentur will Atomeinstieg und Energiekonzerne wollen Kohle für Kohle

Dass dem schwarz-gelben Atomausstieg nicht recht zu trauen ist, hätte man sich denken können. Dass die hoch privilegierten Stromkonzerne nicht locker lassen werden, Staatsknete einzufordern, auch. Nun plant die Bundesregierung im Ernst, neue Kohlekraftwerke mit Geld aus dem staatlichen Klimafonds zu subventionieren, der eigentlich für die Förderung von Ökostrom eingerichtet wird. "Das Geld stammt aus dem CO2-Zertifikatehandel und wird offenbar von den Töpfen für „Energieeffizienz“ abgezweigt, in die laut Haushaltsentwurf von 2013 an rund 400 Millionen Euro pro Jahr fließen sollen. Dadurch werden die Subventionen dort fehlen, wo Wirtschaft und Verbraucher bei der echten Umstellung auf moderne und energiesparende Maschinen und Geräte unterstützt werden könnten", schreibt Steven Geyer heute in der Frankfurter Rundschau. Die Stromkonzerne dürfen sich zusätzlich über Geld aus der EU freuen: "Wie das Wirtschaftsministerium den Grünen ebenfalls mitteilte, will die EU-Kommission „spätestens bis Anfang nächsten Jahres“ erläutern, wie sie aus ihrem 2008 beschlossenen Energie- und Klimapaket ein „Kraftwerksförderprogramm in den Jahren 2013–2016“ finanzieren will. Geplant sei die Förderung von bis zu 15 Prozent der Investitionskosten pro Anlage. Allein für das geplante Braunkohlekraftwerk in Bergheim (NRW) könnte RWE so bis zu 330 Millionen Euro Baukostenzuschuss aus Öko-Fördertöpfen kassieren."

Zu allem Überfluss macht auch noch die Bundesnetzagentur die Deutschen wieder mal mit dem Panik-Märchen der Stromlücke, auch bekannt unter "Blackout"(klingt so schön nach einem Roland-Emmerich-Katastrophenfilm) bzw. "Versorgungslücke" (Lieblingswort von RWE-Boss Jürgen Großmann) verrückt. In den(!) kommenden Wintern, so ließ die Bundesnetzagentur verlauten, könne die Gefahr von Stromausfällen nur dann abgefangen werden, wenn eines der sieben bereits abgeschalteten ältesten und gefährlichsten Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen würde. Und natürlich "warnt" (wenn man "Jürgen Großmann warnt" bei Google eingibt, kriegt man 13700 Treffer!) auch wieder Jürgen Großmann vor Stromausfällen im Winter, denn so leicht wollen sich die Stromkonzerne natürlich nicht die täglich Million Euro wegnehmen lassen, die sie pro AKW netto Gewinn machen. In Frage kommen dafür: Neckarwestheim I (EnBW, 417 meldepflichtige Ereignisse), Philippsburg I (EnBW,337 meldepflichtige Ereigniss), Biblis A und B (RWE, zusammen mehr als 800 meldepflichtige Ereignisse) oder Isar I (E.on, 279 meldepflichtige Ereignisse). Das ist natürlich ein riesiger Blödsinn: Im ersten Quartal 2010 wurden 6,7 Prozent mehr Strom erzeugt als verbraucht, obwohl Krümmel und Brunsbüttel keinen Strom produzierten. Laut taz hätte Deutschland in diesem Quartal auf acht AKW verzichten können. 2007 waren sogar knapp die Hälfte der AKW wegen Zwischenfällen oder Wartungsarbeiten abgeschaltet, ohne dass es Versorgungsprobleme gegeben hätte. Hier geht es zum A-Z Atomausstieg, das ich einmal für Neon geschrieben habe.



Kommentare

#1 - Thomas Finger said:
15.10.2011 19:54 - (Antwort)

Hi Kathrin, offenbar sind auch Klimaschützer-Webseiten von Greenwashing betroffen: leider wird Lichtblick immer wieder als "Ökostrom-Anbieter" angepriesen, auch von Umweltaktivisten. Lichtblick investiert nicht in Neuanlagen und macht mit dem WWF- OK-Powerlabel Werbung, die Gründer von Lichtblick haben mit ihrem "Engagement" und ihrer früheren Firma VASA-Energy die Grundlage für die Ausbreitung von Vattenfall auf dem deutschen Strommarkt gesorgt. Links siehe unten... "So ziemlich alle anderen Umweltverbände empfehlen Strom von jenen vier Anbietern, die nichts anderes als Ökostrom liefern und den Gewinn in die Energiewende auch wieder reinvestieren. Das ?ok-power?-Label lehnen sie als Greenwashing ab." Quelle: http://www.klima-luegendetektor.de/2011/06/21/tetra-pak-bloss-3-klasse-beim-werben Es wird immer von 4 Ökostromanbietern geredet, obwohl es nur 3 gibt: EWS, Naturstrom, Greenpeace-Energy... http://www.klimaretter.info/index.php?option=com_content&view=article&id=56&Itemid=160 Kein Wort von Investitionen in Neuanlagen, dafür aber : "EnergieVision e. V., getragen vom Öko-Institut e. V., WWF Deutschland und von der Verbraucherzentrale NRW e. V., zeichnete LichtBlick seit 2001 jedes Jahr mit dem okpower- Label fu?r Umweltverträglichkeit und Verbraucherfreundlichkeit aus." Seite 5: http://www.lichtblick.de/pdf/strom/ar/strom_broschuere_pk.pdf Der Lichtblick-Gründer Michael Saalfeld tritt gegen die Marktmacht der Konzerne an und arbeitet gleichzeitig für Vattenfall ?!!! Ist doch etwas absurd oder ?... Im Jahr 1998 liberalisiert Deutschland die Energiemärkte. Noch im gleichen Jahr gründen Heiko von Tschischwitz und Michael Saalfeld den unabhängigen Energieversorger LichtBlick. Das neue Unternehmen tritt gegen die Marktmacht der großen Konzerne an, um erstmals ?sauberen Strom zum sauberen Preis? - ohne Atom und Kohle ? für den Massenmarkt anzubieten. Quelle: http://www.lichtblick.de/h/erfolgsgeschichte_370.php 13.04.2000 Wirbel bei Vasa Energy: Drei Geschäftsführer warfen hin Die Manager haben mit sofortiger Wirkung ihre Tätigkeit beendet - Offenbar Krach über die künftige Ausrichtung des Unternehmens Riesenwirbel bei dem Hamburger Energiedienstleister Vasa Enegery: Drei der vier Geschäftsführer des Unternehmens haben überraschend ihr Ausscheiden aus dem Unternehmen bekannt gegeben. Auf einer Informationsveranstaltung für die rund 70 Beschäftigten teilten Michael Saalfeld, Herbert Aly und Josef Wolf mit, dass sie mit sofortiger Wirkung ihre Tätigkeit beenden. Am Mittwoch hatten die Manager bereits ihre Büros geräumt. Firmeninsider vermuten hinter der spektakulären Aktion einen handfesten Krach über die zukünftigen Aufgaben und die Ausrichtung des Unternehmens. Hintergrund der Maßnahmen ist die 100-prozentige Übernahme des Konkurrenten durch die HEW. "Ein entsprechender Vertrag ist am 7. April mit dem bisherigen Mehrheitsgesellschafter Vattenfall in Stockholm unterzeichnet worden", sagte HEW-Sprecher Johannes Altmeppen am Mittwoch. ... Vasa Energy war am 21. November 1996 gegründet worden. Hauptgesellschafter neben Saalfeld war mit 75 Prozent der schwedische Energiekonzern Vattenfall, der im November 1999 für 1,7 Milliarden Mark von der Hansestadt einen Anteil von 25,1 Prozent an den Hamburgischen Electricitäts-Werken übernommen hatte. Quelle: http://www.welt.de/print-welt/article544182/Wirbel_bei_Vasa_Energy_Drei_Geschaeftsfuehrer_warfen_hin.html Hier gibt es weiteres aufschlussreiches Material zu Lichtblick: http://www.gruene-uni.org/mach_mit/gruene-uni.org/mach_mit/indexb3a3.html?id=110 Lichtblick ist das Paradebeispiel für Greenwashing! Mitherausgeber von http://www.klimaretter.info/herausgeber ist Gero Lücking, Vorstand beim "Ökostrom-Anbieter" Lichtblick Der Link "ZUM BUCH" auf deiner Seite geht übrigens nicht richtig. grünerGruß Thomas


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