Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Dienstag, 10. Januar 2012

Die Mikrokreditlüge

Ein herrliches neues Jahr wünsche ich uns allen! Lang hab ich hier nicht gewettert, denn ich war damit beschäftigt, mein neues Buch fertig zu schreiben. Voilà, hier ist es: "Wir müssen leider draußen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft". Das heißt, noch nicht ganz, es erscheint am 12. März.

Heute in der FR gibt es jedoch einen kleinen Vorgeschmack. In meinem neuen Buch beschäftige ich mich nicht nur mit Armut in Deutschland, sondern auch mit den globalen Strukturen von Armut, wie die Verbreitung der Konsumgesellschaft Armut und Ausschluss vorantreibt, wer von Armut profitiert und warum Konzerne und Wirtschaftselite ein Interesse haben, Armut zu halten. Darin beschäftige ich mich auch mit der Quatsch-Idee ökonomischer Weltrettung via Social Business und Mikrokrediten. Über letztere habe ich in der Frankfurter Rundschau heute eine Analyse geschrieben.

Wer noch mehr zum Thema Mikrokredite wissen möchte, dem will ich hier das fabelhafte Buch "Die Mikrofinanzindustrie. Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut" von Gerhard Klas ans Herz legen. Der Journalist, der bereits in der grandiosen Radio-Reportage "Ein Märchen aus Bangladesch" den Mythos der Mikrokredite zerpflückt hat, hat mit diesem Buch die erste umfassende und fundamentale Kritik der Mikrokredite auf Deutsch vorgelegt. Sein Fazit: Mikrokredite machen die Armen noch ärmer. Er ist nach Indien und Bangaldesch gereist und hat dort mit den Opfern gesprochen, mit Kritikern, Wissenschaftlern und Ex-Bankern. Er hat Studien untersucht und verglichen, den Mythos um den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus beleuchtet und analysiert, warum Großbanken und NGO gleichermaßen begeistert von der Idee sind - obwohl es bis heute keinen Beleg dafür gibt, dass sich die soziale Situation der Menschen durch die Kredite verbessert hätte. Das belegte jüngst auch die groß angelegte Studie „What is the evidence of the impact of microfinance on the well-being of poor people?“britischer Wissenschaftler um Maren Duvendack. Danach gibt es keine Belege dafür, dass Mikrokredite den Armen nützen. Die positiven Studien gründeten auf zu weichen Untersuchungsmethoden und unzureichendem Datenmaterial. Der Mythos vom Erfolg der Mikrokredit werde allenfalls durch Anekdoten und begeisterte Geschichten aufrechterhalten, die die Mikrokredit-Industrie in Umlauf brächte.

Wer immer noch glaubt, Mikrokredite hätten "Millionen Menschen aus der Armut befreit", wie permanent behauptet wird, wer immer noch denkt, die Selbstmordwelle der hoch verschuldeten indischen Mikrokreditnehmerinnen sei lediglich ein Sonderfall, ein Ausrutscher gewesen, wer meint, Mikrokredite seien allenfalls kein Allheil- aber ein dennoch probates Mittel zur Armutsbekämpfung, wer denkt, Schulden seien ein Menschenrecht, wer denkt, Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus habe in irgendeiner Form zur Herstellung irgendeines Friedens beigetragen - der wird in diesem Buch klare Belege für das Gegenteil finden.


Kommentare

#1 - Mika Latuschek said:
26.01.2012 18:28 - (Antwort)

Tolles Blog, warum habe ich das erst jetzt entdeckt? Bitte aber nicht zum Monopolisten Amazon verlinken, sondern z.B. zu http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=9783862414017 oder http://www.bookzilla.de/shop/action/productDetails/14528338/_3862414019 oder http://www.assoziation-a.de/gesamt/Mikrofinanz-Industrie.htm Danke!

#1.1 - Kathrin Hartmann 26.01.2012 18:54 - (Antwort)

Danke! Und schon passiert!

#2 - Stefan 09.07.2012 13:24 - (Antwort)

Aktuell ein weiteres Buch bzw. hier ein Artikel zu dem Thema: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mikrokredite-hugh-sinclair-rechnet-in-seinem-buch-mit-der-branche-ab-a-841303.html


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