Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Donnerstag, 13. September 2012

Stanford-Anti-Bio-Studie: Propaganda für Agro-Konzerne

Schon erstaunlich, wie die einschlägige Journaille überschnappt vor Glück, wenn sie, gefühlt einmal im Jahr, verkünden darf: "Bio ist gar nicht gesünder!" Ätschbätsch! Der Vorwurf, Bio habe nicht mehr Nährstoffe als konventionelles Obst und Gemüse, ist so alt wie dumm, schon seit Jahren trompeten die Anti-Bio-Propagandisten und Achse-des-Guten-Provokateure Dirk Maxeiner und Michael Miersch diese scheinbar "unbequeme Wahrheit" in die Welt. Aktuell sorgt aber eine haarsträubende Studie der US-amerikanischen Elite-Universität Stanford mit exakt dieser Botschaft für Aufsehen in den Mainstream-Medien. Großdenker des Springer-Blatts "Die Welt" erklärten Bio gar zum "kulturellen Placebo". Dabei ist völlig klar: Ein Bio-Apfel hat nicht mehr Vitamine oder Mineralstoffe, es ist ja immer noch ein Apfel. Bio ist gesünder für Mensch und Welt, weil es keine Gentechnik enthält, keine Pestizide und keine Antibiotika. Pestizide und Mineraldünger vergiften Böden und Wasser, zerstören die Biodiversität und tragen zum Klimawandel bei. 40 000 Menschen sterben jedes Jahr an Pestizidvergiftung. Gerne führen Bio-Kritiker (so auch die Wissenschaftler von Stanford) an, dass die Pestizidrückstände auf Obst und Gemüse rückläufig seien. Stimmt. Doch dafür hat die Mehrfachbelastung zugenommen: um gesetzliche Grenzwerte zu unterschreiten, setzen Hersteller viele verschiedene Wirkstoffe ein. Welche Wirkung diese Giftcocktails haben weiß kein Mensch.

Was treibt also Stanford-Wissenschaftler an, derartige Propaganda in die Welt zu setzen und den positiven Einfluss von Bio herunterzuspielen? Anders gefragt: wer könnte Interesse daran haben, den Ruf von Bio mittels der Forschung einer Universität mit Weltruf zu diskreditieren?
Stanford ist die reichste Universität der Welt, sie steht an der Spitze der Fundraising-Aktivitäten US-amerikanischer Universitäten. Allein in der fünfjährigen Kampagne "The Stanford Challenge" hat die kalifornische Elite-Uni 6,2 Milliarden Dollar Spenden eingesammelt. Diese Spenden stammen auch aus der Industrie oder von industrienahen Stiftungen. Stanford ist mit der Industrie eng verbandelt. Besonders innig verbunden ist Stanford mit dem umstrittenen Agrar-Konzern Cargill, weltgrößter Getriedehändler, Gentechnik-Befüworter (Cargill arbeitete mit Monsanto am umstrittenen Gen-Mais), Großimporteur von Futtersoja aus Brasilien und Palmöl aus Sumatra. Seit 25 Jahren ist Cargill Partner der Universität und hat während der vergangen zehn Jahre mindestens fünf Millionen US-Dollar an das Standford Center of Food Security and Environment Program (FSE) gespendet. Das FSE gehört zum (konzern-)spendenfinanzierten Freeman Spogli Institute for International Studies at Stanford Universtity (FSI), zu dem auch das Center for Health Policy gehört, das die Bio-Studie durchgeführt hat. Die Bill & Melinda Gates-Stiftung, die sich für konventionelle Landwirtschaft und Gentechnik stark macht und in die Konzerne Monsanto und Cargill investiert, unterstützt ein Programm des FSE und steht als Spender auf der FSI-Liste (Kategorie 5 Millione US-Dollar und mehr). Darüber hinaus gehört Jeffrey Raikes, CEO der Bill & Melinda Gates-Stiftung zum Board of Trustees der Stanford University. George H. Post wiederum, angehöriger des Board of Directors von Monsanto, ist "Distinguished Fellow" im Stanford-Thinktank "Hoover Institution", das großen Einfluss auf die US-amerikanische Politik hat.

Warum eigentlich schreiben Mainstreammedien (die wenigen kritischen Stimmen zur Bio-Studie einmal ausgenommen) einfach nur noch krawallige Pressemitteilungen ab, anstatt hergottnochmal ihren Job zu machen und Hintergründe zu recherchieren?
In den USA haben sich zumindest konzernkritische Blogs des Themas angenommen. Mike Adams (naturalnews.com) und Anthony Gucciardi (naturalsociety.com), die die ganze Stanford-Studie als "scientific hoax" bezeichnen, haben dabei sogar noch viel unglaublicheres herausgefunden: nämlich dass Ingram Olkin, emeritierter Standford-Professor für Statistik und Co-Autor der Bio-Studie, in den 70er-Jahren wohlwollende Statistiken für die Tabak-Industrie (ua. Philipp Morris) erstellt haben soll, die nahe legen sollten, dass Rauchen gar nicht ungesund ist. Wahrscheinlich sogar viel gesünder viel als Bio!


Kommentare

#1 - JW 13.09.2012 18:43 - (Antwort)

Kurze Suche im Web zur Mehrfachbelastung, ergibt diese aktuelle Studie von Greenpeace: http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/Mfb.pdf Soll ja niemand sagen, das es da keine Beweise gibt...

#2 - c 14.09.2012 09:24 - (Antwort)

Ich fand es auch überraschend und polemisch, wie die Medien in die Welt geschrien haben, dass Bio nun doch nicht gesünder sei. Krawallig, wie es hier in diesem Blog kritisiert wird. Leider ist der obere Blogpost überhaupt nicht anders. Halt nur für die Gegenseite. Auch hier wird marktschreierisch agiert, man stellt Verschwörtungstheorien an und baut stumpfsinnig alte Feindbilder auf. ("Die sind für Gentechnik, das müssen böse Menschen sein".) Schade, dass man sich nirgendwo weitgehend ideologiefrei dem Thema widmet. Jeder möchte seine Lobbyarbeit betreiben.

#3 - Tomm Duhlittell said:
26.09.2012 19:18 - (Antwort)

Ne, Gentech ist gewiss besser, weil allein die Ratten viel schneller zulegen. Ok, dass es Geschwüre sind, das wird noch. Und dass der Mensch immer mehr zu Pesitizid-Fabrik wird, hey, ist doch gut! http://stopesm.blogspot.de/2012/09/monsanto-wie-korrupte-und-heuchlerische.html

#4 - Herr Gottszeiten said:
28.09.2012 18:02 - (Antwort)

#2 sollte vielleicht besser aufwachen, bevor SEIN System auch ihn verschlingt oder er demnächst Gewerbesteuerzahlen muss - als Pestizid-Fabrik!

#5 - klaus said:
12.12.2012 21:53 - (Antwort)

Rauchen nicht ungesund? Kann sein, warum nicht. Doch wie wird Tabak angebaut? Welche Sorten? Es gibt Tabakmosaikvirus. Tabak ist empfindlich. Wie wird gespritzt? Mit welchen Fungiziden? Vielleicht sollte man Tabak mal anders betrachten. Wie sieht der Aufwand für den Anbau aus? Die Klimaverhältnisse. Sind diese optimal oder fördern sie Tabakkrankheiten und Schädlingsaufkommen? Und in wieweit hat man mit Selektion und Gentechnik die Pflanze vom Ursprünglichen gesunden Pflänzchen verändert? War der Tabak früher gesünder? Alles kleine Anregungen. Gibt es gesunden Tabak nur noch in den letzten Ressorts wie Kuba, wo die Produktion nicht so geldorientiert ist? Kann man die Betrachtung auf alle Bio-Produkte anwenden? Und dann, warum spricht man nur von Pestiziden ( Tierchenkillern ) und nicht von Fungiziden ( Pilzkillern )? Das geht bereits bei den Kartoffeln los. Aber offensichtlich ist die halbe Welt verdummt und kennt nicht die Hälfte der Pflanzenschutzmaßnahmen. Ich hoffe das reicht für ein paar Anregungen. Gruß klaus


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