Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Donnerstag, 26. Januar 2012

Eine kleine Fairtrade-Anekdote...

... die ich hier doch noch zum Besten geben muss: gerade habe ich zwei Päckchen voll korrekten mexikanischen Rebellen-Kaffee erhalten, die ich online bestellt habe. Geliefert wurde mir das Paket ausgerechnet von DPD - einem Paketzusteller mit miesen Arbeitsbedingungen und katastrophalen Löhnen für Kurierfahrer. Das bringt jetzt meine Hauptthese ziemlich genau auf den Punkt: Es gibt kein richtiges Einkaufen im falschen Weltwirtschaftssytem. Denn unsere Konsumgesellschaft ist ohne Ausbeutung und Armut schlicht nicht denkbar. Und Ausbeutung gibt es nicht in gut.

Montag, 16. Januar 2012

Die Wahrheit hinter Fairtrade

Fairtrade dient eher den Händlern als den Kleinbauern im Süden. Richtig Profit mit gutem Gewissen machen die Supermärkte - während die Fairtrade-Bauern von ihrem Lohn gerade einmal leben können. Nur 25 Euro mehr im Monat bekommt zum Beispiel eine Kaffeebäuerin in Nicaragua, die sich trotz Fairem Handel aber kein gescheites Essen leisten kann. Das erzählt die Frau dem ORF-Redakteur Patrick Hafner, der einen fantastisch kritischen Film zum Thema Faitrade für die Sendung Weltjournal gemacht hat.

Er besucht eine Rosenplantage in Tansania, wo die Bauern knapp über dem staatlichen Mindestlohn bezahlt werden. Dafür bekommen sie Fußballtrikots und auch die Frauen können jetzt endlich bolzen! Hafner besucht in Costa Rica die größte Fairtrade-Bio-Ananas-Plantage der Welt. Auf der in riesigen Monokulturen arbeiten 400 Menschen. Sie klagen über Diskriminierung - und darüber, dass die Überprüfungen nur im Interesse des Unternehmens gemacht werde, nicht aber in dem der Arbeiter. Den Unternehmen, so sagt der Gewerkschaftsführer, ginge es nur um die Verbesserung des Image und die Markterweiterung. Auch hier bekommen die Arbeiter nur den staatlichen Mindestlohn. Gewerkschaftsmitglieder würden diskriminiert.

Also: Business as usual. Wer nicht nicht selbstbestimmt anbauen und vermarkten kann, wer nur Rohstoffe liefert, verliert: denn der höhere Supermarktpreis kommt nicht bei den Produzenten an, sondern bei Zwischenhändlern, Werbeagenturen, Vertrieb. Je größer der Faire Handel wird, je größer die Handelsketten und Konzerne, die sich mit dem Siegel schmücken - desto unfairer wird er. Während Rebellen und kleine Inititaiven, die die üblichen Verkaufsstrukturen umgehen, nur einen kleinen Markt bedienen und höhere Preise verlangen mussen.

Schön übrigens ist auch, dass Hafner außerdem das Fairtrade-Ersatzsiegel von Starbucks unter die Lupe nimmt: und wie ich schon lange vermutet habe, geht das natürlich nicht im geringsten weiter als der Faire Handel: Das hat mir Hans van Bochove, Ex-Director Public Affairs von Starbucks und jetzt bei Coca Cola, in einem Interview für Enorm versichert. Aber schauen Sie doch selbst den herrlichen Film Fairtrade: Das Geschäft mit dem guten Gewissen in der ORF-TV-Thek an. Und jetzt, wo ich ihn endlich selber gesehen habe, bin ich noch stolzer darauf, dass ich im Film zwei Mal meinen Senf dazu geben durfte!


Donnerstag, 12. Januar 2012

Hurra, ich bin nochmal im Fernsehen!

Leider hab ich gestern meinen eigenen Fernseh-Auftritt verpasst: ich war zu sehen im ORF Weltjournal zum Thema Fairtrade: das Geschäft mit dem guten Gewissen . Die Sendung wird am Freitag, 13. Januar, um 12.20 Uhr in ORF 2 wiederholt.

Wer wissen möchte, wie es bei mir daheim aussieht, kann sich das in der Dokumentation Faszination Wissen: Wir Menschen machen die Erde kaputt - kann ich die Welt davor retten? anschauen. Dort trete ich wie üblich als LOHAS-Kritikerin auf und zeige, weshalb Bio nicht zwingend öko ist und wieso man die Weltrettung nicht selber machen kann, sofern man regelmäßig nach Südafrika fliegt und wie einem der Vermieter den kleinsten CO2-Fußabdruck vergrößern kann.

Dienstag, 10. Januar 2012

Die Mikrokreditlüge

Ein herrliches neues Jahr wünsche ich uns allen! Lang hab ich hier nicht gewettert, denn ich war damit beschäftigt, mein neues Buch fertig zu schreiben. Voilà, hier ist es: "Wir müssen leider draußen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft". Das heißt, noch nicht ganz, es erscheint am 12. März.

Heute in der FR gibt es jedoch einen kleinen Vorgeschmack. In meinem neuen Buch beschäftige ich mich nicht nur mit Armut in Deutschland, sondern auch mit den globalen Strukturen von Armut, wie die Verbreitung der Konsumgesellschaft Armut und Ausschluss vorantreibt, wer von Armut profitiert und warum Konzerne und Wirtschaftselite ein Interesse haben, Armut zu halten. Darin beschäftige ich mich auch mit der Quatsch-Idee ökonomischer Weltrettung via Social Business und Mikrokrediten. Über letztere habe ich in der Frankfurter Rundschau heute eine Analyse geschrieben.

Wer noch mehr zum Thema Mikrokredite wissen möchte, dem will ich hier das fabelhafte Buch "Die Mikrofinanzindustrie. Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut" von Gerhard Klas ans Herz legen. Der Journalist, der bereits in der grandiosen Radio-Reportage "Ein Märchen aus Bangladesch" den Mythos der Mikrokredite zerpflückt hat, hat mit diesem Buch die erste umfassende und fundamentale Kritik der Mikrokredite auf Deutsch vorgelegt. Sein Fazit: Mikrokredite machen die Armen noch ärmer. Er ist nach Indien und Bangaldesch gereist und hat dort mit den Opfern gesprochen, mit Kritikern, Wissenschaftlern und Ex-Bankern. Er hat Studien untersucht und verglichen, den Mythos um den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus beleuchtet und analysiert, warum Großbanken und NGO gleichermaßen begeistert von der Idee sind - obwohl es bis heute keinen Beleg dafür gibt, dass sich die soziale Situation der Menschen durch die Kredite verbessert hätte. Das belegte jüngst auch die groß angelegte Studie „What is the evidence of the impact of microfinance on the well-being of poor people?“britischer Wissenschaftler um Maren Duvendack. Danach gibt es keine Belege dafür, dass Mikrokredite den Armen nützen. Die positiven Studien gründeten auf zu weichen Untersuchungsmethoden und unzureichendem Datenmaterial. Der Mythos vom Erfolg der Mikrokredit werde allenfalls durch Anekdoten und begeisterte Geschichten aufrechterhalten, die die Mikrokredit-Industrie in Umlauf brächte.

Wer immer noch glaubt, Mikrokredite hätten "Millionen Menschen aus der Armut befreit", wie permanent behauptet wird, wer immer noch denkt, die Selbstmordwelle der hoch verschuldeten indischen Mikrokreditnehmerinnen sei lediglich ein Sonderfall, ein Ausrutscher gewesen, wer meint, Mikrokredite seien allenfalls kein Allheil- aber ein dennoch probates Mittel zur Armutsbekämpfung, wer denkt, Schulden seien ein Menschenrecht, wer denkt, Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus habe in irgendeiner Form zur Herstellung irgendeines Friedens beigetragen - der wird in diesem Buch klare Belege für das Gegenteil finden.