Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Samstag, 7. November 2009

Öko-Putzmittel killt Regenwald: Protest gegen Henkel

Vor etwa einem Jahr brachte der Chemiekonzern Henkel seine Öko-Putzmittel-Serie Terra Activ auf den Markt, um damit die Zielgruppe der Lohas anzusprechen. Die Produkte der Terra-Activ-Serie bestehen aus 85 Prozent nachwachsenden Rohstoffen – und für die Konsumplattform Utopia.de war dies Grund genug, Henkel zum „strategischen Partner“ zu machen: „Ausgezeichnete Produktleistung mit hoher Umweltverträglichkeit zu verbinden, ist seit jeher der Anspruch von Henkel“, heißt es in der Pressemitteilung von Utopia.de, und das ist leider glatt gelogen: Henkel gehört, neben Unilever und Nestlé, zu den drei weltgrößten Verbrauchern von Palmöl: allein Henkel verbraucht pro Jahr rund 400 000 Tonnen des Rohstoffs, der Grundlage von Süßigkeiten, Ptzmitteln, Fertiggerichten und Kosmetik ist. Für die Ölpalmenplantagen werden in Malaysia und Indonesien gigantischen Flächen von Regenwald gerodet. Weltweit wachsen Ölpalmen auf 12 Millionen Hektar, allein Henkel beansprucht 100 000 Hektar. Die Terra-Activ-Serie besteht ebenfalls aus Palmöl und trägt das RSPO-Siegel für „nachhaltigen“ Palmölanbau. Das Siegel ist aber nichts als Greenwashing.

Auf Druck der Umweltorganisationen, etwa dem WWF, haben die Konzerne 2003 anerkannt (!), „dass die indonesischen Regenwälder und die dort heimischen Elefanten, Tiger und Orang-Utans durch den Anbau von Ölpalmen bedroht sind.“ Sie erklärten ihre Bereitschaft zur Teilnahme an „internationalen Verhandlungen mit anderen Großunternehmen, um Standards für die ökologische und sozial gerechte Produktion von Palmöl zu entwickeln und danach auf Basis dieser Ergebnisse geeignete Maßnahmen einzuleiten“.
Eine freiwillige Entscheidung der Konzerne, die darauf hin mit anderen Firmen, Investoren, Bankern, sämtlichen Ölproduzenten, -anbauern, -verkäufern vor Ort und dem WWF dem 2001 gegründeten Roundtable on Sustainable Palmoil (RSPO) zum nachhaltigen Anbau von Palmöl beitraten. Präsident ist ausgerechent Unilever-Manager Jan Kees, dessen Konzern mit 1,6 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr der weltgrößte Verbraucher dieses Rohstoffs ist.  Sechs Jahre stritten die 340 Mitglieder der „einzigartigen Plattform für pragmatische Zusammenarbeit“ über die Standards zur Zertifizierung. Das Ergebnis: Wald darf weiter gerodet werden, nur nicht „besonders erhaltenswerte Wälder“. Werden diese aber etwa von einem Holzproduzenten gerodet, darf ein Ölplantagenbetreiber diese kaufen oder pachten und Ölpalmen darauf anbauen, das auf solchen Flächen gewonnene Palmöl erhält ebenfalls ein Unbedenklichkeitssiegel. Die Einhaltung der kaum vorhandenen, weil selbst gewählten Standards ist nicht überprüfbar, Umweltschutzgruppen machten immer wieder Verstöße selbst gegen diese Minimalauflagen aus. In einer Erklärung vom Herbst 2008 stellten 250 Umwelt- und Sozialorganisationen, darunter Greenpeace und der BUND, fest, dass das RSPO-Siegel dem Raubbau am Regenwald nur einen grünen Anstrich verpasse. Der Verein Rettet den Regenwald ruft zur Protestaktion gegen Henkel auf.


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