Donnerstag, 14. Januar 2010
Auto fahren mit Claudia Langer: Weltrettung im Langermobil
Heute mal was Lustiges: In einem zweifelhaften Arte-Beitrag am Dienstag zum Thema Nachhaltige Wirtschaft (oder Konsum? Man weiß es nicht genau...), deren Weltrettungs-Protagonisten ("Öko-Revolutionäre") hauptsächlich auf Automessen, Flughäfen (!) und auf den Rücksitzen von wiederum Autos zu sehen waren, hatte auch Claudia Langer eine schönen Auftritt. Sie testete für den Lohas-Sender einen 100 000 Euro teuren Elektro-Sportwagen. Neben sehr viel „ich“ sagte sie unter anderem diesen schönen Satz: „Es ist das deutlich bessere Produkt, es macht unglaublich Spaß, und die Leute sind stolz darauf, das zu fahren. Das ist wie ein Ikone, ein Statussymbol. Ich kann beim Nachbarn angeben und tue etwas Gutes.“ Ja genau. Neid auf Besserverdienende – das ist ganz bestimmt der (Elektro-)Motor zur Verbesserung der Welt. Den Beitrag über die „Öko-Revolutionäre“ kann man hier anschauen, das Langermobil taucht in den letzten ca. vier Minuten auf.
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#1 - genova said:
14.01.2010 19:07 - (Antwort)
Es ist bei arte (zumindest in den letzten vier Minuten des Films) auch niemand auf die Idee gekommen zu fragen, wo der Strom für E-Autos eigentlich herkommen soll. Und wie man dann noch von Null-Emission-Auto sprechen kann. Wobei ich die letzte Bemerkung von Claudia Langer für überlegenswert halte: Mit reinem Verzicht wird das nichts. Das Auto ist ein Spielzeug, wenn man den Leuten das wegnimmt, muss man ihnen was anderes geben, sonst werden sie bockig.
#1.1 - Kathrin Hartmann 15.01.2010 12:57 - (Antwort)
Ja, das fand ich auch bemerkenswert - aber Strom kommt doch aus der Steckdose! Nein, mit Verzicht wird das nichts - genauso wie mit jeder anderen Form der Freiwilligkeit. Und dennoch würde sich jemand, der lieber eine Porsche hat, diesen Porsche kaufen und nicht ein Elektroauto.
#1.1.1 - DoJo said:
15.01.2010 23:06 - (Antwort)
und was nun? Den Porsche verbieten nehme ich an?!
#1.1.1.1 - Kathrin Hartmann 16.01.2010 14:04 - (Antwort)
Da ich auch noch das sehr große Vergnügen habe, nahe eines Porsche-Händlers zu wohnen, die Dinger also mit ihrem ekelhaften Röhren und Dröhnen an meinen Nerven zerren und die Fahrer sicher nicht zu denen gehören, die sich für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit einsetzen bzw. ein Verständnis von Rücksicht haben, würde ich ganz spontan sagen: ja, bitte, sofort! Da ein Porsche-Verbot aber ziemlich unrealistisch ist, würde die Lösung wohl eher in sehr, sehr hohen Umweltauflagen und niedrigen Abgashöchstgrenzen liegen und/oder auch in sehr hohen Abgaben für das Fahren solcher Benzinschlucker. Und hohen Benzinpreisen. M.a.W: Wer derart das Klima schädigt und die Umwelt verschmutzt , soll dafür auch kräftig zahlen. So dass sich weder das Produzieren noch Fahren solcher Drecksschleudern lohnt. Aber freiwillig wird niemand, sich eine Porsche kaufen willl, stattdessen ein Elektro-Auto kaufen wollen. Wer Porsche will, kauft Porsche.
#1.1.1.1.1 - DoJo said:
16.01.2010 15:56 - (Antwort)
Dann kommt in diesem Jahr der neue der Porsche Cayenne Hybrid heraus...der wahrscheinlich immer noch "ekelhaft röhrt"! Ich glaube in diesem Falle geht es Ihnen vermutlich eher um das wofür Porsche steht, als um das was Prosche wirklich macht?! Denn welches Auto in seinem Lebenszyklus mehr CO2 verbraucht (Ihr Vergleich mit dem Pius und dem Hummer!!) ein Toyota sonst was bei der Produktion oder ein Porsche, der als Zweitwagen oft in der Garage steht, muss dann wohl eine breit angelegte, mit Steuergeldern finanzierte Studie zu jedem Automodell zeigen...damit dann auch die "Richtigen" Marken verboten werden (den Sarkasmus hört man hoffentlich aus dem Kommentar heraus)...Verbote sind nicht das Mittel in einer globalisierten Welt...Das sah sogar Habermas Ende der 90er ein...
#1.1.1.1.1.1 - Kathrin Hartmann 16.01.2010 17:38 - (Antwort)
Wenn Sie meine Antwort auf das Porsche-Verbot richtig gelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass ich das mit dem Röhren ironisch gemeint habe (ich wusste, dass mir das sofort als persönliche Neigung ausgelegt werden würde...) und zweitens, dass ich gesagt habe, dass ein Porsche-Verbot Unsinn ist (und es ein solches auch niemals geben wird), sondern dass es auf Rahmenbedingungen ankommt. Den Rest verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz - was meinen Sie denn mit der groß angelegten Studie, von Steuern finanziert? Immerhin ist ja von unserem Geld die Abwrackpprämie finanziert worden. Aber erst einmal dazu, was Porsche wirklich macht: das neueste Modell, der Porsche Panamera, verbraucht zwischen 11 und 12, 5 Liter auf 100 km, er stößt 286 g CO2/km aus, das ist doppelt so viel, wie die EU-Abgsverordnung festlegt. Der Porsche Cayenne Hybrid soll übrigens 8,9 Liter (!!!!!) auf 100 km verbrauchen und "nur"(!) 211g/km Co2 ausstoßen - und liegt damit ebenfalls über den 130 g/km der Abgasverordnung. Wo ist jetzt da der Fortschritt? Und zum Verbot: man kann doch nicht grundsätzlich sagen, dass Verbote nichts bringen! Sind ein Teil von Regeln und Gesetzen - und haben eine Schutzfunktion. Denken Sie mal an das Käfigverbot, das Kastrationsverbot bei Ferkeln, das Verbot von Tierversuchen bei Kosmetik, das FCKW-Verbot in Sprays, das Gentechnikverbot bei Bio-Lebensmitteln, das Verbot von Elfenbein-Handel, das Rauchverbot usw. Natürlich muss man über den Sinn eines Verbots verhandeln, natürlich ist nicht jedes Verbot sinnvoll, das muss man abwägen und diskutieren. Aber sich grundsätzlich gegen Verbote auszusprechen - dann kann man ja gleich alle Ampeln abschaffen und es den Leuten überlassen, ob sie bremsen möchten oder nicht (Sarkasmus!). Es den Autoherstellern zu überlassen, freiwillig umweltfreundliche Autos zu entwickeln, hat jedenfalls nicht funktioniert (eine Idee Gerhard Schröders, der 1998 das Gesetzesvorhaben, eine Abgasobergrenze einzuführen, kippte). Die freiwillige Verpflichtung der Autoindustrie, bis 2008 den Ausstoß auf 140 g zu senken, hielt sie ja nicht ein. Und auf Druck der Autoindustrie wurde unlängst die EU-Obergrenze auf 130 statt auf 120 Gramm nach oben korrigiert.
#1.1.1.1.1.2 - genova said:
18.01.2010 19:08 - (Antwort)
Ohne jetzt über Sinn und Unsinn von Verboten und über den ideologischen Aspekt von Porsche zu diskutieren: Wer 300 PS haben will, um bei Bedarf 250 zu fahren, macht alle Umweltanstrengungen zunichte. Ähnlich wie bei BMW, die auf den niedrigen Verbrauch eines 320er Diesels hinweisen, der 4,1 Liter mit 163 PS braucht. Das ist sicher eine tolle Leistung der Ingenieure, aber graue Theorie, denn wer die Leistung nutzt, braucht das Doppelte oder Dreifache. Und wer kauft sich einen BMW, um 120 zu fahren? Auch BMW kann die Physik nicht überlisten, der Verbrauch steigt mit der Geschwindigkeit überproportional. Auf Tempo 200 zu pochen und gleichzeitig einen niedrigen Verbrauch durch bessere Technologie erreichen zu wollen, ist Augenwischerei. Da wäre der Verzicht (aufs Tempo) wesentlich effektiver. Aber das ist diese moderne Logik: Wachstum, Geschwindigkeit, immer mehr. Und spätestens hier sind wir bei der Frage nach dem ökonomischen und gesellschaftlichen System.
#1.1.2 - Lennart Hennig 18.01.2010 16:23 - (Antwort)
Schade dass hier wieder soviel Inkompetenz zum Thema Elektromobilität in einem Artikel über eben solche zum Ausdruck kommt. Ein Elektromotor ist mit einer Energieeffizienz von 90-95% IMMER sauberer als ein Verbrennungsmotor, der bei ca. 25% liegt. Da moderne KWK Kohlekraftwerke eben auch eine sehr hohe Effizienz haben liegen die Gesamtemissionen deutlich unter denen eines Autos mit Verbrennungsmotor. Um bei dem Beispiel mit dem Elektrosportwagen aus dem Beitrag zu bleiben. Ich selber fahre eben jenes Auto. Natürlich ist es Sinn und Zweck dieses Modells Vorbehalte und Vorurteile gegenüber der Elektromobilität abzubauen um dann später "vernünftigere" Modelle anbieten zu können. Aber selbst mit diesen exorbitanten Fahrleistungen die jene eines Porsche Turbo übertreffen habe ich auf 100km Emissionen von ca. 9102g. Ein Smart ForTwo hat auf 100km 10300g. Mein unvernünftiger Sportwagen ist also bei normalem Strommix aus der Dose jetzt schon CO2 ärmer als ein smart. Jetzt stelle man sich einen steigenden Anteil von regenerativen Energien und ein venünftiges Fahrzeug mit Elektromotor vor. Aber ich weiß dass ist hier gegen eine Wand rede. Diese ganze Seite samt seinen neunmalklugen Kommentatoren hat nur den Sinn das Ego von Frau Hartmann zu liebkosen und ewiggestrige Sprüche wie "wo kommt denn der Strom her" zum 100sten mal zu rezitieren. Fakt ist das jeder LOHAS-Anhänger in der Gesamtbilanz umweltfreundlicher konsumiert und handelt als Nörgler die sich hier versammeln und auf Probleme mit Waschnüssen aus Indien oder blöde Kommentare von Frau Langer hinweisen anstatt etwas zu tun.
#1.1.2.1 - Kathrin Hartmann 19.01.2010 14:31 - (Antwort)
Danke für ihren Kommentar. Ganz ehrlich: die stereotypen Lohas-Antworten und -Vorwürfe („Schwarz-Weiß-Denken“, „ewiggestrig“, „destruktive Gedanken“, „nur nörgeln“, „zu negativ“, „jammern statt anpacken“ usw., usw.), sie langweilen mich. Nicht nur, weil sie inhaltsleer sind, sondern weil sie so durchschaubar sind: im Grunde sind sie nichts weiter als beleidigte Kritikverbote, die Diskussionen mehr unterbinden als fördern. Das Thema Elektromobilität ist aber sehr diskussionswürdig – schon deshalb, weil die Bundesregierung deren Entwicklung mit 700 Millionen Euro (http://www.bmbf.de/de/13886.php) fördert. Und dabei ist es ganz zentral, woher der Strom kommt. Das ist leider keine „ewiggestrige“ Frage, sondern ein höchst aktuelle, denn etwa 40 Prozent der Energie in Deutschland stammen aus der klimaschädlichsten Energiegewinnung, der Kohlekraft. Die bläst pro Jahr rund 350 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Die deutschen Energieriesen planen darüber hinaus 29 neue Kohlekraftwerke in Deutschland, damit kämen noch 189 Millionen Tonnen pro Jahr dazu. Übrigens: Laut WWF stehen zehn der 30 dreckigsten Kohlekraftwerke in Deutschland. Dass Elektromotoren effizienter sind und sauberer als ein Verbrennungsmotor ist hier gar nicht in Abrede gestellt worden. Und ja, Elektromotoren können ganz wesentlich zum Klimaschutz beitragen. Vorausgesetzt, sie werden mit Erneuerbarer Energie betrieben und sorgen dafür, dass noch mehr Anlagen erneuerbarer Energie dadurch gebaut werden. Auch wenn sie weniger Strom brauchen – solange es Strom aus Kohlekraft und Atomtrom ist, ist der Klimaschutzeffekt schon nicht mehr so toll. Nicht umsonst stürzen sich die großen Energiekonzerne E.on, Vattenfall und RWE, die sich dem Klimaschutz konsequent verweigern, auf das Thema Elektromobilität und kooperieren mit der Autoindustrie. Für sie dient diese „Engagement“ zur Sicherung der eigenen Kraftwerke. So ist ein Großteil der Ladesäulen in Deutschland von Vattenfall, E.on und RWE – und was lädt man damit in sein Auto? Kohle- und Atomstrom. RWE zum Beispiel hat 100 Ladesäulen in Deutschland – und 60 Prozent des Stroms, den RWE ins Netz einspeist, stammt aus Stein- und Braunkohle. RWE kooperiert mit dem Elektro-Smart. Und bei der RWE Autostrom Roadshow in acht deutschen Städten konnte auch der Tesla Roadster getestet werden. Schon klar, der Tesla Roadster soll Vorurteile abbauen. Aber wichtig ist doch der gesamtgesellschaftliche Nutzen der Elektromobilität. Und den sehe ich jetzt ehrlich gesagt nicht so sehr bei einem superschnellen Sportwagen, der nur zwei Personen befördert und so teuer ist, dass ihn sich nur wenige leisten können. Wenn dieser dann noch für einige nur als Drittwagen (und davon ist in vielen Auto-Foren die Rede) und zusätzliche Spielerei (Stichwort: „Nachbarn beeindrucken“) in Frage kommt, ist es mit der Umweltbilanz Essig. Und bei der Mobilität der Zukunft kommt es ja nicht nur auf die Vermeidung von Emissionen an, sondern um die Reduzierung von Verkehr allgemein (aus Gründen der Ressourcenschonung, der Sicherheit und der Begrenzung bebauter Flächen) und deren Verlagerung auf Bahn, öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad. Öffentlicher Nahverkehr mit Elektromotor, betrieben aus ZUSÄTZLICHER erneuerbarerer Energie, das ist doch ein sehr viel nachhaltigeres Zukunftsmodell als einfach nur der Austausch von Autos und damit das Festhalten am Individualverkehr und sogar noch dessen Förderung. Der BUND hat dazu ein sehr interessantes Papier und, wie ich finde, sehr gute Vorschläge: http://www.bund.net/index.php?id=4174 Aber nochmal zurück zu ihren Vorwürfen. Wenn sie, anstatt hier Beleidigungen und Vorurteile zu streuen, sich die Seite einmal angeschaut hätten, hätten Sie vielleicht festgestellt, dass unter den „neunmalklugen Kommentatoren“ einige sind, die die Seite kritisch kommentieren – und dass man hier nicht „gegen eine Wand“ redet, sondern ich fast immer auf Kommentare antworte. Einen Kommentar zum „Ego liebkosen“ spare ich mir lieber, aber nun, sie arbeiten für Tesla (http://www.greenadvertising.de/2009/02/27/roadster/) und sind sauer, geschenkt. Wenn es aber „Fakt“ ist, dass „jeder LOHAS-Anhänger umweltfreundlicher konsumiert als die Nörgler, die sich hier versammeln“, womit sie mich vermutlich hinzuzählen: dann möchte ich doch sehr um Nachweise bitten. Haben sie konkrete Zahlen? Echte Belege? Oder fällt das nur wieder in die Kategorie selbstgefällige Lohas-Behauptungen?
#2 - André Henze said:
16.01.2010 22:51 - (Antwort)
Neben dem kuriosen Auftritt bei arte, hat Frau Langer auch im Bildungskanal »alpha« mit Aussagen wie »Wir alle waren kurzzeitig verunsichert ob wir Atomstrom vielleicht doch gut finden sollen.« brilliert. Die Sendung wird wiederholt und ist auch noch online zu sehen. Eine Rezension zu diesem neuerlichen Beitrag an Einfältigkeit findet sich hier (mit downloadbarem Script zur Sendung): http://www.andre-henze.de/wissenswertes/republica/utopia-watchblog/der-utopistische-pressespiegel.html#Claudia-Langer-im-Gespräch