Freitag, 12. März 2010
Studie: Bio-Kunden sind nicht die besseren Menschen
Lohas glauben, moralisch verbrämter (Luxus-)Konsum sei ein gesellschaftlicher Beitrag, ja, gar eine ethische Handlung - auch wenn diese nicht zur Rettung der Welt, sondern allenfalls zum privaten guten Gewissen taugt. Die besseren Menschen sind sie nicht - auch wenn sie das selber allzu gern glauben wollen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute über eine Studie, die zeigt, dass alles noch viel schlimmer ist. In ihrer Untersuchung mit dem Titel "Green products and ethical behavior: do green products make us better people?" haben die Psychologen Nina Mazar und Chen-Bo Zhong von der Universität Toronto das moralische Verhalten von Bio-Käufern untersucht. Und herausgefunden: Probanden, die Bio-Produkte gekauft hatten, behandelten ihre Mitmenschen anschließend schlechter, als es Käufer konventioneller Lebensmittel taten. Öko-Produkte wurden von den Probanden der Studie durchweg als positiv wahrgenommen, sie selbst bewerteten sich als verantwortungsbewusst und sozial eingestellt - Öko-Produkte zu kaufen empfanden sie als sozial wünschenswert, sich selbst unterstellten sie beim Öko-Einkauf entsprechend edle Motive. Nach dem Shopping bei einem Öko-Online-Portal bekamen die Teilnehmer die Aufgabe, Geld zu teilen. Wer zuvor ethisch konsumiert hatte, erwies sich als geiziger als diejenigen, die gewöhnliche Lebensmittel gekauft hatten. (Schon klar, wer all sein Geld ins gute Gewissen investiert, hat nicht mehr viel übrig für das Gemeinwohl.) In einem weitern Test klauten und logen Öko-Käufer sogar mehr als die Versuchpersonen, die normale Sachen kauften. Die Forscher leiten daraus folgendes Muster ab: wer moralisch handelt, nimmt oft das Recht für sich in Anspruch, anderweitig gegen Normen zu verstoßen. Wer Gutes tut, darf sich auch mal was schlechtes erlauben, dieses Verhalten bestätigen auch andere Wissenschaftler. Man kann das auch Ablasshandel nennen - eine weitere Grundeigenschaft der Lohas.
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#1 - Jan 12.03.2010 16:07 - (Antwort)
Freilich beziehen sich weder die Studie noch der Artikel in der SZ auf die LOHAS. Untersucht werden Bio-Käufer, also auch Altökos, Globalisierungskritiker, Veganer, normale Menschen, sogar SPR-Wähler. Ablasshandel - also eine Eigenschaft von der Müslifraktion bis zum Steinewerfer.
#1.1 - Kathrin Hartmann 12.03.2010 18:15 - (Antwort)
Hab ich ja auch nicht behauptet. Entschuldigung, wenn ich klugscheißen muss: die von Ihnen genannten Gruppen wurden jedenfalls nicht untersucht. Die Probanden sind Studenten - dass man die Ergebnisse auf alle anderen Öko-Käufer übertragen kann, ist ein Ergebnis. Ja, auch auf Lohas (Hui! Ironie!), die ja ethischen Konsum am meisten propagieren und sich über ihn identifiziern. Aber wer ist die SPR?
#1.1.1 - Jan 15.03.2010 09:41 - (Antwort)
Sie behauptet, die Studie bzw. den SZArtikel nicht aus die LOHAS zu beziehen? Dann möchte ich gerne wissen, wie Sie solche Aussagen anders lesen können: "Die besseren Menschen sind (LOHAS) nicht - auch wenn sie das selber allzu gern glauben wollen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute über eine Studie, die zeigt, dass alles noch viel schlimmer ist..." Sollten Sie dem geneigten Leser einen anderen Eindruck vermitteln wollen, dann müssen Sie nachhaltig präziser Formulieren. Die von mir genannten Gruppen wurden ebensowenig untersucht wie die LOHAS und damit stehen sie mit gleichem Recht da. SPR ist übrigens SPD und meine Schlamperei.
#2 - Pia F. Bichsel 16.03.2010 18:00 - (Antwort)
Wohl dieselbe Studie fuehrte auch zu diesem Artikel: http://www.heise.de/tp/blogs/3/147263. Viele Gruesse, Pia F. Bichsel.
#3 - Pia F. Bichsel 17.03.2010 16:03 - (Antwort)
Dazu passt auch entfernt Brenda Laurels Artikelchen http://www.tauzero.com/Brenda_Laurel/Rants/TodaysRant33.html. Herzlich, Pia F. Bichsel.