Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Mars will Kakao aus „nachhaltigem Anbau“ verwenden

Der Lebensmittelkonzern Mars Incorporated will bis 2020 nur noch Kakao aus „verantwortungsvollem“ und „nachhaltigem“ Anbau für seine Schoko-Produkte verwenden. Das klingt mal wieder toll, denn als einer der weltgrößten Nahrungsmittel- und Süßwaren-Hersteller unterhält Mars (Mars, Twix, Bounty, Milky Way, Snickers) einen Anteil von 17 Prozent am weltweiten Umsatz von Schokolade und kakaohaltigen Süßigkeiten. Und nicht zuletzt sind es die sechs großen Lebensmittel- und Süßwarenkonzerne (Mars, Nestlé, Hershey's, Kraft Foods, Cadbury, Ferrero), die mit ihrem Preisdruck die Kakao-Kleinbauern der Südhalbkugel in die Armut getrieben haben. Gerade der Kakao ist größten Weltmarktpreisschwankungen ausgesetzt. Mit fairem Handel, der sich durch einen garantierten Mindestpreis auszeichnet, von dem die Bauern leben können, einer Abnahmegarantie und einer Vorfinanzierung von Saatgut, hat diese freiwillige Selbstverpflichtung von Mars leider nichts zu tun.

Ein Teil des „nachhaltigen“ Anbaus stammt aus Plantagen, die von der Rainforest Alliance zertifiziert wird, ein anderer trägt das UTZ-Siegel. Die Rainforest Alliance ist eine umstrittene industrienahe Umweltorganisation, die so zweifelhaften Konzerne wie Chiquita, Tchibo, Nestlé, Kraft Foods und McDonalds mit RA-Siegeln schmückt. Auf den von ihr zertifzierten Anbauflächen ist lediglich die Abholzung von Regenwald verboten, festgeschrieben ist der Schutz von Wildtieren. Erlaubt sind Mono-Kultur, Gentechnik und Pestizide. Der Arbeitnehmerschutz orientiert sich an den ILO-Kernarbeitsnormen, deren Einhaltung nicht unabhängig kontrolliert wird. Einen garantierten Mindestpreis oder eine Abnahmegarantie gibt es nicht. Ähnlich verhält es sich mit dem UTZ-Siegel, das auch der Kaffee bei Ikea trägt: hier wird ebenfalls nicht fair, sondern „verantwortungsvoll“ produziert. Plantagenarbeiter erhalten Schulungen, Gesundheitsvorsorge, Zugang zu „angemessenen Unterkünften“, Kinder werden in Schulen unterrichtet. UTZ verschreibt sich ebenfalls den ILO-Kernarbeitsnormen. Es soll Wasser gespart werden, Pestizide („so wenig wie möglich“) sind erlaubt, Waldabholzung verboten. Mindestpreis, Abnahmegarantie oder Vorfinanzierung gibt es auch hier nicht. Wann immer ein Unternehmen ein anderes Unbedenklichkeitssiegel als ein Fairtrade-Siegel auf Produkte aus Entwicklungsländern klebt, handelt es sich um Greenwashing. Denn sich dem fairen Handel anzuschließen, wäre auf Dauer wesentlich teurer als ein bisschen Gesundheitsvorsorge usw. für die Bauern. Armut und Elend auf Plantagen in Entwicklungsländern gibt es nur und ausschließlich, weil diese Unternehmen nicht bereit sind, einen fairen Preis zu zahlen.

Der Mars-Konzern engagiert sich auch gegen Kinderarbeit. Die ist besonders auf Kakao-Plantagen üblich. Auch Nestlé und Ferrero mahnen ihre Lieferanten an, auf Kinderarbeit zu verzichten. Laut des Siegburger Instituts Südwind hat sich die Situation der Kakao-Bauern dadurch eher verschlechtert, statt verbessert. Sie lassen ihre Kinder ja nicht auf den Feldern arbeiten, weil sie böse sind, sondern weil sie auf ihre Arbeit angewiesen sind. Andernfalls gibt es weniger Erträge – und weniger Geld. Die Lösung des Problems liegt nicht in einem Verbot von Kinderarbeit, sondern in einer gerechten, existenzsichernden Bezahlung der Bauern. Die Südwind-Studie "Die dunkle Seite der Schokolade" gibt es zum kostenlosen Download.


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