Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Montag, 16. Januar 2012

Die Wahrheit hinter Fairtrade

Fairtrade dient eher den Händlern als den Kleinbauern im Süden. Richtig Profit mit gutem Gewissen machen die Supermärkte - während die Fairtrade-Bauern von ihrem Lohn gerade einmal leben können. Nur 25 Euro mehr im Monat bekommt zum Beispiel eine Kaffeebäuerin in Nicaragua, die sich trotz Fairem Handel aber kein gescheites Essen leisten kann. Das erzählt die Frau dem ORF-Redakteur Patrick Hafner, der einen fantastisch kritischen Film zum Thema Faitrade für die Sendung Weltjournal gemacht hat.

Er besucht eine Rosenplantage in Tansania, wo die Bauern knapp über dem staatlichen Mindestlohn bezahlt werden. Dafür bekommen sie Fußballtrikots und auch die Frauen können jetzt endlich bolzen! Hafner besucht in Costa Rica die größte Fairtrade-Bio-Ananas-Plantage der Welt. Auf der in riesigen Monokulturen arbeiten 400 Menschen. Sie klagen über Diskriminierung - und darüber, dass die Überprüfungen nur im Interesse des Unternehmens gemacht werde, nicht aber in dem der Arbeiter. Den Unternehmen, so sagt der Gewerkschaftsführer, ginge es nur um die Verbesserung des Image und die Markterweiterung. Auch hier bekommen die Arbeiter nur den staatlichen Mindestlohn. Gewerkschaftsmitglieder würden diskriminiert.

Also: Business as usual. Wer nicht nicht selbstbestimmt anbauen und vermarkten kann, wer nur Rohstoffe liefert, verliert: denn der höhere Supermarktpreis kommt nicht bei den Produzenten an, sondern bei Zwischenhändlern, Werbeagenturen, Vertrieb. Je größer der Faire Handel wird, je größer die Handelsketten und Konzerne, die sich mit dem Siegel schmücken - desto unfairer wird er. Während Rebellen und kleine Inititaiven, die die üblichen Verkaufsstrukturen umgehen, nur einen kleinen Markt bedienen und höhere Preise verlangen mussen.

Schön übrigens ist auch, dass Hafner außerdem das Fairtrade-Ersatzsiegel von Starbucks unter die Lupe nimmt: und wie ich schon lange vermutet habe, geht das natürlich nicht im geringsten weiter als der Faire Handel: Das hat mir Hans van Bochove, Ex-Director Public Affairs von Starbucks und jetzt bei Coca Cola, in einem Interview für Enorm versichert. Aber schauen Sie doch selbst den herrlichen Film Fairtrade: Das Geschäft mit dem guten Gewissen in der ORF-TV-Thek an. Und jetzt, wo ich ihn endlich selber gesehen habe, bin ich noch stolzer darauf, dass ich im Film zwei Mal meinen Senf dazu geben durfte!


Donnerstag, 12. Januar 2012

Hurra, ich bin nochmal im Fernsehen!

Leider hab ich gestern meinen eigenen Fernseh-Auftritt verpasst: ich war zu sehen im ORF Weltjournal zum Thema Fairtrade: das Geschäft mit dem guten Gewissen . Die Sendung wird am Freitag, 13. Januar, um 12.20 Uhr in ORF 2 wiederholt.

Wer wissen möchte, wie es bei mir daheim aussieht, kann sich das in der Dokumentation Faszination Wissen: Wir Menschen machen die Erde kaputt - kann ich die Welt davor retten? anschauen. Dort trete ich wie üblich als LOHAS-Kritikerin auf und zeige, weshalb Bio nicht zwingend öko ist und wieso man die Weltrettung nicht selber machen kann, sofern man regelmäßig nach Südafrika fliegt und wie einem der Vermieter den kleinsten CO2-Fußabdruck vergrößern kann.

Dienstag, 10. Januar 2012

Die Mikrokreditlüge

Ein herrliches neues Jahr wünsche ich uns allen! Lang hab ich hier nicht gewettert, denn ich war damit beschäftigt, mein neues Buch fertig zu schreiben. Voilà, hier ist es: "Wir müssen leider draußen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft". Das heißt, noch nicht ganz, es erscheint am 12. März.

Heute in der FR gibt es jedoch einen kleinen Vorgeschmack. In meinem neuen Buch beschäftige ich mich nicht nur mit Armut in Deutschland, sondern auch mit den globalen Strukturen von Armut, wie die Verbreitung der Konsumgesellschaft Armut und Ausschluss vorantreibt, wer von Armut profitiert und warum Konzerne und Wirtschaftselite ein Interesse haben, Armut zu halten. Darin beschäftige ich mich auch mit der Quatsch-Idee ökonomischer Weltrettung via Social Business und Mikrokrediten. Über letztere habe ich in der Frankfurter Rundschau heute eine Analyse geschrieben.

Wer noch mehr zum Thema Mikrokredite wissen möchte, dem will ich hier das fabelhafte Buch "Die Mikrofinanzindustrie. Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut" von Gerhard Klas ans Herz legen. Der Journalist, der bereits in der grandiosen Radio-Reportage "Ein Märchen aus Bangladesch" den Mythos der Mikrokredite zerpflückt hat, hat mit diesem Buch die erste umfassende und fundamentale Kritik der Mikrokredite auf Deutsch vorgelegt. Sein Fazit: Mikrokredite machen die Armen noch ärmer. Er ist nach Indien und Bangaldesch gereist und hat dort mit den Opfern gesprochen, mit Kritikern, Wissenschaftlern und Ex-Bankern. Er hat Studien untersucht und verglichen, den Mythos um den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus beleuchtet und analysiert, warum Großbanken und NGO gleichermaßen begeistert von der Idee sind - obwohl es bis heute keinen Beleg dafür gibt, dass sich die soziale Situation der Menschen durch die Kredite verbessert hätte. Das belegte jüngst auch die groß angelegte Studie „What is the evidence of the impact of microfinance on the well-being of poor people?“britischer Wissenschaftler um Maren Duvendack. Danach gibt es keine Belege dafür, dass Mikrokredite den Armen nützen. Die positiven Studien gründeten auf zu weichen Untersuchungsmethoden und unzureichendem Datenmaterial. Der Mythos vom Erfolg der Mikrokredit werde allenfalls durch Anekdoten und begeisterte Geschichten aufrechterhalten, die die Mikrokredit-Industrie in Umlauf brächte.

Wer immer noch glaubt, Mikrokredite hätten "Millionen Menschen aus der Armut befreit", wie permanent behauptet wird, wer immer noch denkt, die Selbstmordwelle der hoch verschuldeten indischen Mikrokreditnehmerinnen sei lediglich ein Sonderfall, ein Ausrutscher gewesen, wer meint, Mikrokredite seien allenfalls kein Allheil- aber ein dennoch probates Mittel zur Armutsbekämpfung, wer denkt, Schulden seien ein Menschenrecht, wer denkt, Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus habe in irgendeiner Form zur Herstellung irgendeines Friedens beigetragen - der wird in diesem Buch klare Belege für das Gegenteil finden.

Freitag, 25. November 2011

Hahahah: Lohas-Erfinder schreibt Anti-Lohas-Manifest

Nun hab ich mein Blog erschütternd lang nicht mehr gepflegt. Das liegt nicht daran, dass es keine Nachrichten mehr aus der Welt des Greenwashings gibt, sondern daran, dass ich gerade mein neues Buch (erscheint am 12. März im Blessing-Verlag) zuende schreibe. Grad hab ich aber doch ziemlich mit den Ohren geschlackert, denn die taz hat kürzlich ein Anti-Lohas-Manifest veröffentlicht. Ich kann mir nicht helfen, aber die Thesen darin kommen mir irgendwie wahnsinnig bekannt vor. Aber woher denn bloß?

"Nie war es so einfach, ein besserer Mensch zu sein: Wir trinken für den guten Zweck, wir essen Brot für die Dritte Welt, veranlassen die eigene Krötenwanderung zur nächstgelegenen Sozialbank. Wir sind fair, leben bio, fahren öko. Doch das neue Bewusstsein ist nur eine Fassade, hinter der die alte, schmutzige Konsumwirtschaft quicklebendig ist."

oder

"Weder sie (die Unternehmen) noch ihre Kunden glauben noch an Ideologien, wie es die 68er taten, aber dieser Relativismus speist sich aus der fast kompletten Negierung von Komplexität: Tut dieses, kauft jenes, und die Welt wird ein Stückchen besser. Ökologische Neuerung ist kinderleicht."

oder

"Berufsbetroffene ersetzen Geist durch Moral. Der einst als alternativ konzipierte Lebensstil der Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) ist zur oberflächlichen hippen Modeerscheinung avanciert. Es gibt ein ganzes Heer von Beratern und Unternehmen, das - als moralische Avantgarde und neoökologischer Jetset - den ethisch-ökologisch korrekten Lebenswandel konsumierbar macht."

oder

"Sie haben keine Inhalte und keine Themen, die über das Bedienen einer diffusen Sehnsucht hinausgehen. Konzeptionelles Nirwana. Ein bisschen Askese hier, ein bisschen Hedonismus da, ein bisschen links-alternativ, ein bisschen werteverbunden. Die selbst ernannten grünen Vorreiter sind nicht mehr als Zeitgeist-Opportunisten, die auf subtile Weise das postindustrielle Produkt Gesinnung verkaufen."

beziehungsweise

"Wem es gelingt, Megatrends rechtzeitig und möglichst präzise zu analysieren und zu verstehen, der hält das Ticket für die Zukunft auf den weltweiten Märkten in der Hand."

und

"Ein Unternehmen, das nicht über seine Corporate Social Responsibility nachdenkt, wird in Zukunft mit Sicherheit an dem vielversprechenden LOHAs-Markt vorbeiproduzieren."

und

"Konsum und Kunst, Kommerz und Kultur rücken für die Lohas auf die gleiche Stufe, denn sie haben allesamt die gleiche Aufgabe: Lebensqualität zu steigern."

 und

"Sie (die Lohas) haben gelernt, dass nur im Sowohl-als-Auch Entwicklung und Selbstbestimmung möglich ist und das Entweder-oder in den Kalten Krieg der Ideologien zurückführt. (...) Am Ende der Ideologien steht eine neu Lebenslust, Unvoreingenommenheit und Spontaneität" 

sowie

"Wir misstrauen den Apokalyptikern, die mit Schaum vor dem Mund den nächsten Untergang verkünden. Wir wissen nicht, wie es dem Wald geht. So richtig weiß das niemand. Der deutsche Wald ist immer noch nicht tot."

Aua, da hab ich mich jetzt vertan, die letzten fünf Zitate stammen ja gar nicht aus dem Anti-Lohas-Manifest in der taz, sondern aus dem durch und durch neoliberalen Pro-Lohas-Manifest "Lohas. Bewusst grün -alles über die neuen grünen Lebenswelten"! Denn der Autor des Anti-Lohas-Manifests ist niemand anderes als Eike Wenzel, ja genau, DER Eike Wenzel, der mit seiner damals mehr als 200 Euro teuren Studie "Zielgruppe Lohas - Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert" die Lohas und deren Kaufkraft für den deutschen Markt erst interessant gemacht und die Kommerzialisierung der Weltrettung überhaupt mitangestoßen hat.

Macht ja nichts! Jeder kann sich mal täuschen! Umso mehr freut mich, dass Eike Wenzel mein Buch jetzt ein bisschen aufmerksamer gelesen hat als damals -  da hat er das "Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereeinnahmt" gar als "Zyniker-Feuilleton", "stylisher Glaubenskrieg", "Bohlenisierung der Bücher" und "Salon-Antikapitalismus" beschimpft. Dabei bin ich doch allerhöchstens Dreieinhalbzimmerwohnungs-Sozialistin!


PS: "Ehrlichkeit: Mehr brauchen wir nicht", schreibt Wenzel in der taz. Drum ganz echt, ehrlich und extra für Eike Wenzel: der aktuelle Waldschadensbericht.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Rewe: Diskussion im ORF (mit mir!), Interview in Enorm

Am vergangenen Mittwoch war ich zu Gast im legendären Club2 des ORF. Thema der Sendung: Letzte Rettung oder Ökoromantik: Kann man umweltfreundlich leben? Dort habe ich diskutiert mit Werner Boote, Autor des Films Plastic Planet, Barbara Strauch, Mitbegründerin des Naturhofs Pramtal, Martin Strele, Geschäftsführer der Kairos GmbH und Mitbegründer der Aktion Ein guter Tag hat 100 Punkte, Heinz Schratt, Generalsekretär Plastics Europe Austria, mit Freda Meissner-Blau, Gründerin der Grünen in Österreich und Tanja Dietrich-Hübner, Leiterin Nachhaltigkeit bei Rewe, mit 30 Prozent Anteil am Lebensmitteinzelhandel Marktführer in Österreich, die ihre Nachhaltigkeitsbemühungen gerade ganz besonders hervorheben. Noch bis kommenden Mittwoch kann man die Diskussionsrunde in der ORF TVthek anschauen.

Das Nachhaltigkeitsengagement von Rewe betrachte ich natürlich sehr kritisch: Rewe möchte den Massenmarkt zB.mit dem Pro Planet Label nachhaltiger gestalten. Doch das Problem ist der Massenmarkt als solcher: er ist gekennzeichnet durch Überproduktion und Wegwerfen, das hat mit Nachhaltigkeit gar nichts zu tun. Ein Drittel bis die Hälfte der weltweit geernteten und hergestellte Lebensmittel landet im Müll - und daran sind die Einzelhandelsketten nicht unschuldig. Valtentin Thurn etwa interviewt in seiner ARD Dokumentation "Frisch auf den Müll" ein Mitarbeiterin von Rewe, die dazu angehalten ist, einen Salat schon auszusortieren, wenn er ein braunes Blatt hat. Sein Film "Taste the Waste" läuft derzeit im Kino. Welche verheerenden Auswirkungen der Massenmarkt hat, kann man etwa in dem Buch von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn, "Die Essensvernichter" nachlesen. Welche Auswirkungen die extreme Macht der Supermarktetten auf die Produzenten in armen Ländern haben, belegen die Initiative Supermarktmacht und Oxfam in der Untersuchung "Endstation Ladentheke" am Beispiel von Bananen- und Ananas-Bauern in Costa Rica und Ecuador: Menschenrechtsverletzungen sind am zweithäufigsten bei der Produktion von Lebensmitteln dokumntiert - als Ergebnis des Preisdrucks aus dem Norden.

Dass nun das Pro Planet Label also ausgerechnet auf Produkten klebt, die gar nicht nachhaltig sein KÖNNEN, ist zynisch und logisch zugleich: so etwa auf südspanischen Erdbeeren, die man im Winter kaufen kann (mehr dazu in meinem Buch, Kapitel "Der rote Wahnsinn"). Man kann das drehen, wie man will: Erdbeeren im Winter sind eine ökologische Katastrophe: in Spanien werden dafür jede Saison 4500 Tonnen Plastikplanen und hochgiftige Pestizide eingesetzt, aus mehr als 1000 illegalen Brunnen wird so viel Wasser für die durstigen Früchte abgepumpt, dass der Grundwasserspiegel beinahe schon um die Hälfte gesunken ist. Zwar investiert Rewe dort in Vertragsanbau und eine Tröpfchenbewässerung, die 20 Prozent Wasser einspart. Trotzdem ist das einzige Argument, weshalb die Erdbeeren im Winter im Supermarkt stehen: "wenn wir sie nicht haben, dann kauft sie der Kunde woanders."

Mit dem Zusatz "soziale Bedinungen verbessert" klebt das Label ausgerechnet auch auf südspanischen Tomaten. Gerade die Arbeitsbedingungen auf den Gemüsefeldern Südspaniens sind wiederum eine einzige soziale Katastrophe: zehntausende afrikanische Flüchtlinge arbeiten als moderne Sklaven in der Plastikhölle Andalusiens, sie schuften unter abscheulichen Bedinungen, sind ohne Schutzkleidung dem Pestizidregen ausgesetzt und leben rechtlos in slumartigen Barracken. Kollege Tobias Zick hat darüber in Neon eine ganz hervorragende Reportage geschrieben. Nun hat sich also Rewe einfallen lassen, den Arbeitern dort für drei Monate eine anständige Unterkunft zu stellen und für ein SOS-Kinderdorf im Senegal zu spenden, damit die Generation von morgen nicht mehr auf klapprigen Booten auf der Flucht nach Europa ihr Leben aufs Spiel setzen muss. Das ist schon mehr Heuchelei denn Zynismus: denn natürlich profitieren Handelsketten genau von diesen Zuständen - die billigen Preise für das Gemüse sind ja nur möglich, wenn man den Arbeitern kaum Geld bezahlt. Albert Widmer vom Europäischen Bürgerforum nennt die Zustände auf den Gemüsefeldern "keine unfreiwilligen Nebenerscheinungen, sondern festen Bestandteil des heute weltweit dominierenden agroindustriellen Modells. Nur billigste Saisonarbeiter, ohne Rechte und jederzeit verfügbar, ermöglichen niedrige Erzeugerpreise. Um diese Produktionsform am Leben zu erhalten, ist es nötig, die verschiedenen Gruppen von Landarbeitern gegeneinander auszuspielen und ein Überangebot an Arbeitskräften - eine Reservearmee - zu schaffen." Und dass die Wirtschaft im Senegal am Boden liegt, das ist kein Schicksal, sondern eine Folge der europäischen Exportpolitik, von der wiederum Lebensmittel- und Handelskonzerne profitiert haben: Auf den Märkten im Senegal und in anderen armen Ländern wird europäisches Gemüse billiger verkauft als es einheimische Bauern erzeugen können. Eine lächerliche Spende und eine Unterkunft kostet Rewe praktisch nichts - aber gerechte Löhne und vernünftige Verträge wären ein echter Wettebewerbsnachteil.

Über solche Dinge habe ich mit Rewe auch in meiner Enorm-Interviewserie "Hartmann!" diskutiert, es ist in der aktuellen Ausgabe von Enorm nachzulesen.

Dienstag, 27. September 2011

Interview mit Thilo Bode

A propos Plastiknahrungsmittel: für die aktuelle Ausgabe von Nido habe ich Thilo Bode von Foodwatch zum Thema "Kindernahrungsmittel" interviewt. Ein Gespräch über Macht und Lügen der Lebensmittelndustrie, wie es den Konzernen (Danone, Unilever, Ferrero ua) gelingt, uns ihre Zucker- und Fettbomben als gesunde Ernährung anzudrehen und insbesonder Eltern verwirrt und Kinder mästet.

Für eine dieser Lügen hat Foodwatch den Preis für dreisteste Werbelüge "Goldener Windbeutel" an die Kindermilchschnitte von Ferrero verliehen. Bode dazu im Nido-Interview: "Die berühmte 'Extra-Portion' Milch soll suggerieren, dass dass Fett- und Zuckerbomben natürlich und gesund sind. Ferreros Milchschnitte, die als 'Zwischenmahlzeit' mit dem 'Besten aus Eiern, Butter, Weizen, Honig un dviel frischer Vollmilch' beworben wird aber aus 30 Prozent Zucker und 27 Prozent Fett besteht. Sie ist etwa so gehaltvoll wie ein Stück Schokoladentorte. Das ist Körperbverletzung durch Irreführung." Sein Resumée: "Es geht um einen Machtkampf mit der Industrie, den wir gewinnen müssen. Sonst macht sie unsere Kinder kaputt."



B.A.U.M.- und BAUM-AB-Preis für Unilever

Greenwashing ist nicht nur die Kehrseite sondern das Wesen des "verantwortlichen Wirtschaftens". Damit auch alle Konzerne unter dem Grünen Deckmantel weiter machen können wie bisher, gibt es Nachhaltigkeitspreise, die sich die Industrie praktisch selber gegenseitig verleiht. Dass vor allem Unternehmen einen solchen Preis bekommen, die in Wahrheit alles andere als nachhaltig wirtschaften, ist Absicht: das Märchen der wundersamen Wandlung der Wirtschaft zum Weltretter muss weiter erzählt werden - das geht am besten mit Saulus-Paulus- und  Hättste-nicht-gedacht-Geschichten.

Der B.A.U.M.-Preis ist so einer. Er wird verliehen vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, ein Verein, in dem rund 500 Fördermitglieder aus der Wirtschaft vertreten sind - darunter auch Öko-Konzerne wie Adidas, Airbus, Bayer, Beiersdorf, Daimler, Danone, Deutsche Bank, Eon Hanse, Edeka, Henkel, Ikea, Kik, Lufthansa, McDonalds, Procter&Gamble, Puma, Rewe, Siemens, Tchibo und Unilever. Den B.A.U-M-Preis erhielt in diesem Jahr unter anderen: Unilever. "Unilever führt bereits seit zwölf Jahren den Dow Jones Sustainability Index für den Lebensmittelsektor an und beweist damit sein langjähriges, kontinuierliches und erfolgreiches Engagement. Bei der Bewertung lag das Unternehmen in allen drei Kerndimensionen - Umwelt, Ökonomie und Gesellschaft - vorn", heißt es in der Pressemitteilung. Bepreist wird, wie bei fast jedem Industrie-Umweltpreis, vor allem ein Zukunftsversprechen: "Unilever hat sich zum Ziel gesetzt, die Umweltauswirkungen der Produkte zu halbieren, landwirtschaftliche Rohwaren zu 100 Prozent aus nachhaltigem Anbau zu beziehen sowie 1 Milliarde Menschen zu besserer Gesundheit und mehr Lebensqualität zu verhelfen. Damit verpflichtet sich Unilever, die Umweltbelastung entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis 2020 nachweislich zu reduzieren - von der Gewinnung der Rohmaterialien über die Produktion und Distribution bis hin zur Produktnutzung durch Verbraucher einschließlich der Abfallbeseitigung von Restverpackungen."


Schöne Worte sind das - doch die Realität sieht anders aus: Kosmetik- und Plastiknahrungsmittelhersteller Unilever gehört zu den weltweit größten Palmöl-Verbrauchern: er bezieht 1,3 Millionen Tonnen des Pflanzenfetts, für die der Regenwal in Indonesien brennt. Der Palmöl-Lieferant von Unilever, Wilmar International, ist einer der größten Palmölkonzerne der Welt. Brandrodungen, illegale Regenwaldabholzung, Vertreibung indigener Völker, Menschrechtsverletzung, Bestechung lokaler Politiker - all das gehört laut Rettet den Regenwald zum schmutzigen Geschäft von Wilmar. Der Konzern hat auf Borneo bereits eine Fläche von 240 000 Hektar gerodet und mit Monokulturen bepflanzt, ein Fläche so groß wie das Saarland. Konzessionen für weitere 220 000 Hektar hat Wilmar bereits erhalten. Das macht Indonesien mit 25 Millionen Tonnen zum drittgrößten CO2-Emittenten der Welt - mit freundlicher Unterstützung von Unilever. Das Unternehmen hat den B.A.U.M.-Preis unter anderen auch dafür bekommen, weil es in Deutschland seine CO2-Emissionen um 60 000 Tonnen pro Jahr gesenkt hat.

All das war für die NGO Rettet den Regenwald und Robin Wood Anlass genug, den wohl verdienten BAUM-AB-Preis an Unilever zu verleihen. Sie demonstrierten am vor dem Terminal des Hamburger Flughafens (B.A.U.M.-Fördermitglied!), wo der B.A.U.M.-Preis an Harry J. M. Brouwer von der Unilever Deutschland Holding GmbH verliehen wurde. Den BAUM-AB-Preis wollte er jedoch nicht entgegen nehmen (ach!) - musste aber die 30 000 Protestunterschriften einstecken.

Freitag, 19. August 2011

Unilvever-Lieferant schießt auf Menschen und zerstört Dörfer

Der Nahrungsmittelmulti Unilever gehört zu den größten Abnehmern von Palmöl, für das in Indonesien und Malaysia der Urwald gerodet wird. Unilever ist außerdem Mitinitiator des Greenwashing-Labels RSPO (Roundtable on Sustainable Palmoil), über das ich schon sehr oft geschrieben habe. Das Palmöl, das Unilever bezieht, stammt ausgerechnet von den Plantagen des skrupellosesten Herstellers in Indonesien, Wilmar. Der Konzern ist für seine Menschrechts- und Umweltverstöße, etwa die Vertreibung von indigenen Völkern und illegale Regenwaldrodung, längst bekannt. Nun hat der weltgrößte Palmölmulti - ebenfalls Mitglied bei RSPO - wieder zu besonders drastischen Maßnahmen gegriffen: Eines seiner Tochterunernehmen auf der indonesischen Insel Sumatra heuerte die Polizeibrigade Brimob an und ließ ein ganzes Dorf verwüsten und auf die indigene Bevölkerung schießen. Der Anlass: Ein Mann wollte Palmölfrüchte verkaufen, die die Firma für sich beansprucht. Rettet den Regenwald wirft Unilever vor, dass der Konzern längst über die Verbrechen von Wilmar bescheid wüsste und ruft zu einer Protestaktion auf.
Weiterhin bittet Rettet den Regenwald um Spenden für die Menschen, deren Dorf zerstört wurde. Einige von Ihnen sitzen im Gefängnis, andere stehen auch so vor dem Nichts. Geld wird außerdem für Anwaltskosten, Pflege der Verletzten und Protest in der Provinzhauptstadt Jambi auf Sumatra gesammelt.

Lustig übrigens ist, dass sich Unilever, der sich durch die Geschäftsbeziehungen zu Wilmar an den Geschehen mitschuldig macht und dadurch Armut und Elend in Indonesien befördert, sich zum Retter der Armen aufspielt, wie das auf einmal viele Konzerne tun, die mit Greenwashing schon durch sind. So engagiert sich Unilever-Marke Rama, deren Margarine-Produkte aus Palmöl bestehen, etwa in einem Sozialprojekt des World Food Programms und finanziert Schulspeisungen für arme Kinder - unter anderem in Indonesien! Was für ein gigantischer Zynismus: der Konzern sorgt für die systematische Zerstörung ihres Landes - und dafür gibt es dann ein kostenloses Mittagessen. Womöglich ein Margarinebrot, das aus Palmöl besteht. Ich muss gleich kotzen.


Donnerstag, 14. Juli 2011

Rettungskampagne Klima-Lügendetektor

Hurra, überredet! Der Klima-Lügendetektor startet einen Rettungsaufruf: wenn bis Oktober 1000 Leute zusammenkommen, die bereit sind, monatlich 5 Euro oder 50 Euro im Jahr zu bezahlen, wird weitergemacht. Weitere Rettungshinweise werden gern unter hinweis@klima-luegendetektor.de entgegen genommen.

NACHTRAG: Das Enorm-Blog hat Toralf Staud zur (vorläufigen) Schließung des Klima-Lügedetektors interviewt.

Lufthansa tankt Regenwald: Demo am Freitag in Hamburg

Am Freitag startet am Hamburger Flughafen um 11.15 Uhr der erste Linienflug der Lufthansa mit Treibstoff aus Pflanzenölen. Welche Öle dem Kerosin letztendlich beigemischt werden sollen und woher sie stammen, will die Lufthansa erst zum Start am Freitag bekanntgeben. Bisher war die Rede von Palm- und Jatrophaöl. Die verheerden menschenverachtenden, umwelt- und klimaschädlichen Auswirkungen von Agro-Sprit, der zum "Bio-Sprit" umgegrünt wurde, sind weithin bekannt. Selbst Weltbank und IWF, die nun nicht gerade für gesteigertes Öko-Engagement bekannt sind, fordern in einer Studie, Subventionen von Agro-Sprit zu stoppen. Eine EU-Studie belegt darüber hinaus, dass der Ersatz fossiler Brennstoffe sich nicht mal mit den EU-Klimazielen vereinbaren lässt. Rettet den Regenwals ruft dieses Mal nicht nur zum Online-Protest, sondern auch zur Demo auf. Beginn ist am Freitag, 15. Juli, um 10 Uhr am Hamburger Flughafen.

Für das Magazin Enorm hab ich unlängst die Lufthansa unter anderem zum Thema Agrar-Sprit interviewt.


Mittwoch, 13. Juli 2011

Bundesnetzagentur will Atomeinstieg und Energiekonzerne wollen Kohle für Kohle

Dass dem schwarz-gelben Atomausstieg nicht recht zu trauen ist, hätte man sich denken können. Dass die hoch privilegierten Stromkonzerne nicht locker lassen werden, Staatsknete einzufordern, auch. Nun plant die Bundesregierung im Ernst, neue Kohlekraftwerke mit Geld aus dem staatlichen Klimafonds zu subventionieren, der eigentlich für die Förderung von Ökostrom eingerichtet wird. "Das Geld stammt aus dem CO2-Zertifikatehandel und wird offenbar von den Töpfen für „Energieeffizienz“ abgezweigt, in die laut Haushaltsentwurf von 2013 an rund 400 Millionen Euro pro Jahr fließen sollen. Dadurch werden die Subventionen dort fehlen, wo Wirtschaft und Verbraucher bei der echten Umstellung auf moderne und energiesparende Maschinen und Geräte unterstützt werden könnten", schreibt Steven Geyer heute in der Frankfurter Rundschau. Die Stromkonzerne dürfen sich zusätzlich über Geld aus der EU freuen: "Wie das Wirtschaftsministerium den Grünen ebenfalls mitteilte, will die EU-Kommission „spätestens bis Anfang nächsten Jahres“ erläutern, wie sie aus ihrem 2008 beschlossenen Energie- und Klimapaket ein „Kraftwerksförderprogramm in den Jahren 2013–2016“ finanzieren will. Geplant sei die Förderung von bis zu 15 Prozent der Investitionskosten pro Anlage. Allein für das geplante Braunkohlekraftwerk in Bergheim (NRW) könnte RWE so bis zu 330 Millionen Euro Baukostenzuschuss aus Öko-Fördertöpfen kassieren."

Zu allem Überfluss macht auch noch die Bundesnetzagentur die Deutschen wieder mal mit dem Panik-Märchen der Stromlücke, auch bekannt unter "Blackout"(klingt so schön nach einem Roland-Emmerich-Katastrophenfilm) bzw. "Versorgungslücke" (Lieblingswort von RWE-Boss Jürgen Großmann) verrückt. In den(!) kommenden Wintern, so ließ die Bundesnetzagentur verlauten, könne die Gefahr von Stromausfällen nur dann abgefangen werden, wenn eines der sieben bereits abgeschalteten ältesten und gefährlichsten Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen würde. Und natürlich "warnt" (wenn man "Jürgen Großmann warnt" bei Google eingibt, kriegt man 13700 Treffer!) auch wieder Jürgen Großmann vor Stromausfällen im Winter, denn so leicht wollen sich die Stromkonzerne natürlich nicht die täglich Million Euro wegnehmen lassen, die sie pro AKW netto Gewinn machen. In Frage kommen dafür: Neckarwestheim I (EnBW, 417 meldepflichtige Ereignisse), Philippsburg I (EnBW,337 meldepflichtige Ereigniss), Biblis A und B (RWE, zusammen mehr als 800 meldepflichtige Ereignisse) oder Isar I (E.on, 279 meldepflichtige Ereignisse). Das ist natürlich ein riesiger Blödsinn: Im ersten Quartal 2010 wurden 6,7 Prozent mehr Strom erzeugt als verbraucht, obwohl Krümmel und Brunsbüttel keinen Strom produzierten. Laut taz hätte Deutschland in diesem Quartal auf acht AKW verzichten können. 2007 waren sogar knapp die Hälfte der AKW wegen Zwischenfällen oder Wartungsarbeiten abgeschaltet, ohne dass es Versorgungsprobleme gegeben hätte. Hier geht es zum A-Z Atomausstieg, das ich einmal für Neon geschrieben habe.


Hilfe! Der Klimalügendetektor darf nicht sterben!

Eigentlich wollte ich mich hier gerade über den geplanten Atomeinstieg echauffieren und habe einmal schauen wollen, was die Kollegen Toralf Staud und Nick Reimer dazu schreiben. Und was muss ich zu meinem Entsetzen lesen??? Der Klimalügendetektor wird nach drei Jahren eingestellt! Der Klimalügendetektor-Partner, das Greenpeace-Magazin, hat sich aus nicht weiter genannten Gründen (vielleicht mal nachfragen? gpm@greenpeace.de) entschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden. Ich halte das Blog, das 2008 mit dem Medienpreis der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet wurde, für absolut unverzichtbar, denn es ist ja nicht so, dass der auch noch so schön gemachte Lügendetektor überflüssig wäre, ganz im Gegenteil: Greenwashing treibt weiterhin die tollsten Blüten - und kaum jemand kann die Industriebehauptungen so wunderbar und detailliert entkräften wie eben die Kollegen Staud und Reimer. Der Klimalügendetektor ist ein wichtiges Instrument der Gegenöffentlichkeit. Gerade in Zeiten, in denen die Medien Konzernkritik kaum noch auf dem Zettel haben - oder sich gleich zum Lautsprecher der Industrie machen. Wie zum Beispiel mal wieder das Springer-Blatt Welt, das, wie der Klimalügendetektor schreibt, dem "Klimaskeptiker" Günter Ederer aktuell eine Menge Platz zur Klimawandel-Leugnung einräumt. Das darf nicht der letzte Eintrag auf Klimalügendetektor sein! Deshalb müssen wir die Kollegen unterstützen. Zum Beispiel mit einer Spende, noch besser mit einer guten Idee, wie es weitergehen könnte. Diese bitte schicken an: hinweis@klima-luegendetektor.de.

Greenwashing selber machen!

Eine sehr schöne Form des kreativen Protests haben sich die Kampagne Saubere Kleidung, Bewegungsstiftung und I shop fair ausgedacht: Auf der Seite Schönfärben jetzt! kann man Werbeplakate von Aldi, Lidl und Kik selbst gestalten und auf die Seite stellen. Bitte ausprobieren, das macht wirklich Spaß - und da geht noch so einiges! Bitte auch den Appell an Angela Merkel unterschreiben für Transparenz in den Lieferketten der Unternehmen. Nur weil sich die Konzerne weigern, ihre Lieferanten und Sublieferanten preiszugeben (Standard-Argument: "das können wir nicht wegen der Konkurrenz"), können Menschenrechstverletzungen, Lohndumping und Ausbeitung unbehelligt von statten gehen und die Konzerne ihr "soziales Engagement" trotzdem in die Welt hinein lügen. Wie es in den Textilfabriken, die für Lidl und Kik arbeiten, wirklich zugeht, steht in der Untersuchung "Wer zahlt unsere Kleidung bei Lidl und Kik?".

Montag, 11. Juli 2011

WWF und Gen-Soja/Wiederholung "Der Pakt mit dem Panda"

In diesen Tagen werden erstmals 80 000 Tonnen des angeblich "nachhaltig" produzierten Sojas in Europa ankommen - bestimmt für Landwirte der Großmolkerei Friesland-Campina und des Fleischkonzerns Vion. 5000 weitere Tonnen gehen in die USA zum Lebensmittelkonzern Unilever. Mit im Gepäck: gentechnisch verändertes Soja, dass der vom WWF 2006 gegründete Round Table on Responsible Soy Association, zu dem auch die Saagut- und Gentechnik-Multis BayerCropscience und Monsanto sowie umstrittene Konzerne wie Unilever gehören, gegründet haben. Einen sehr interessanten Artikel zum "nachhaltigen" Gensoja und den WWF hat Stephan Börnecke heute in der Frankfurter Rundschau geschrieben.

Am Mittwoch, 13. Juli, wiederholt der der SWR Wilfried Huismans WWF-Doku "Der Pakt mit dem Panda" um 20.15 Uhr.

Gleichzeitig wird der WWF sich in einem Live-Chat online zu den Vorwürfen äußern.

Freitag, 8. Juli 2011

GRD äußert sich zu Edeka- und WWF-Reaktion

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine hat auf die Stellungnahme von Edeka und WWF zum "Killerthunfisch" reagiert. Und erwähnt, dass die Einfuhr von Fischprodukten, die mit  AIDCP (agreement on the international dolphin conservation programme)-Label, das von EU, Greenpeace und WWF unterstützt wird, in den USA verboten ist. Ich persönlich möchte allerdings betonen, dass ich auch vom SAFE-Label der GRD wenig halte. Schließlich ist das Töten von Thunfischen genauso grausam wie das Töten von Delphinen. Und Delphine sind nicht die besseren Tiere, nur weil Esoteriker sie für irgendwie höhere Wesen halten und Thunfische leider keine Hauptrolle in "Flipper" angeboten bekommen haben, nicht so lustige Quietschgeräusche machen, nicht so lieb gucken und auch keine drolligen Kunststückchen können. Und deswegen ist auch das Wort "Delphinkiller-Thunfisch" ziemlich zynisch, denn dass beim Thunfischfang auch noch Delphine kläglich sterben ist wohl eher nicht die Schuld des Thunfischs. Der mag nämlich ziemlich sicher selber nicht kläglich ersticken oder schwer verletzt dahinsiechen, damit er als Matsch in Dosen und auf der Pizza landet. Wer die Meerestiere wirklich mag, der schaut nicht auf MSC-, AIDCP-, SAFE- oder sonstige Label, sondern geht gar nicht erst an die Fischtheke. Denn wer gar keinen Fisch isst, killt sowas von hundertprozentig keine Delphine. Kann man eigentlich drauf kommen. Wie damals Kafka, der beim Betrachten eines Aquarium zu den Fischen sagte: "Nun kann ich euch in Frieden betrachten; ich esse euch nicht mehr!"