Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Glossar

 

A

Agrarwende

Wurde 2001 von Renate Künast, Bundesverbraucherministerin der rot-grünen Regierung, angeschoben. Eines der Ziele war die Förderung der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland. Bis 2010 sollten 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche nach den Kriterien der EU-Ökoverordnung wirtschaften. Trotz >Bio-Boom sind es bis jetzt nur 5,4 Prozent. Die Agrarwende war eine Reaktion auf die Rinderseuche BSE.

American Apparel

US-amerikanischer T-Shirt-Produzent, der nach eigener Aussage nicht in >Sweatshops herstellen lässt und teilweise Bio-Baumwolle benutzt. AA lässt Baumwollkleidung in Los Angeles nähen, den Beschäftigten, überwiegend Migranten aus Lateinamerika, zahlt er mehr als den kalifornischen Mindestlohn von 6,25 Dollar. Die Mitarbeiter bekommen einen Akkordlohn und im Schnitt 12 Dollar pro Stunde. Allerdings bezieht American Apparel 70 Prozent seiner Stoffe von Drittanbietern, zwei Drittel der Rohware werden nicht in L.A. gefärbt. Firmenchef Dov Charney, der seine langweiligen Baumwollklamotten mit sexuell anzüglicher Werbung aufhübscht, wurde von Mitarbeiterinnen vier Mal wegen sexueller Belästigung angezeigt.

Arm & Reich

Nach Angaben der UN haben die 500 reichsten Menschen der Welt ein höheres Jahreseinkommen als die ärmsten 416 Millionen Erdenbürger zusammen. Zwei Prozent der weltweiten Privathaushalte besitzen mehr als die Hälfte des Geld- und Privatvermögens, den reichsten zehn Prozent gehören 85 Prozent. In Deutschland besitzen die reichsten zehn Prozent mittlerweile 60 Prozent des gesamten deutschen Vermögens.

Atmosfair

>Non-Profit-Organisation, die den freiwilligen Emissionsausgleich von Flügen anbietet. Atmosfair investiert ausschließlich in Projekt mit >Gold Standard und nicht in fragwürdige Maßnahmen wie Bäumepflanzen. Die Kunden können auf der Atmosfair-Webseite Abflug- und Zielflughafen ihres Flugs eingeben. Ein Emissionsrechner berechnet die Menge an CO2 des eingegebenen Fluges und berücksichtigt außerdem andere schädliche Emissionen. Der Kompensationsbetrag, den Atmosfair ausrechnet, wird ausschließlich in Projekte mit >Gold Standard investiert. Die Anzahl der Flüge, die freiwillig kompensiert werden, liegt bei unter einem Prozent.

Attitude Behaviour Gap

So nennt man die Lücke, die zwischen Bewusstsein sowie behaupteter Handlungsbereitschaft und tatsächlichem Handeln klafft. Diesen fördert fast jede Studie zutage, die ethischen Konsum oder Umweltschutzverhalten untersucht: Ethischen Konsum und umweltfreundliches Verhalten findet fast jeder toll, es setzen aber die wenigsten tatsächlich in ihrem Alltag um. 

B

Basic

1997 gegründete Bio-Supermarktkette. Im Juli 2007 war die Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl gehört, eine Minderheitsbeteiligung an der nicht börsennotierten Basic AG eingegangen. Langfristig wurde eine Mehrheitsbeteiligung angestrebt. In der Folge stellten einige Bio-Anbieter ihre Lieferungen ein und die Kundschaft boykottierte Basic. Mit Erfolg: Im November 2007 gab die Schwarz-Gruppe ihre Beteiligung wieder zurück.

Bio-Boom

Deutschland bildet mit einem Umsatz von 5,8 Milliarden Euro 2008 den größten Biomarkt in Europa. Der Umsatz hat sich binnen zehn Jahren vervierfacht. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung GFK von 2008 haben 94 Prozent aller deutschen Haushalte 2007 einmal ein Bio-Produkt gekauft, im Vergleich zum Vorjahr haben die Deutschen ihre Ausgaben für Bio-Produkte um 21 Prozent gesteigert. Insgesamt bringen 3.273 Unternehmen 54.199 Produkte mit dem sechseckigen deutschen >Bio-Siegel auf den Markt. Der Umsatz von Bio-Lebensmitteln macht aber gerade mal vier Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes aus. Zwar ist der Absatz von Bio-Ware um 15 bis 20 Prozent gestiegen, die entsprechenden Anbauflächen in Deutschland haben aber nur um drei bis fünf Prozent zugelegt. Nur 5,4 Prozent der Agrarflächen in Deutschland werden biologisch bebaut. 2007 erwirtschaftete die deutsche Landwirtschaft 36,18 Milliarden Euro – nur 3,2 Prozent macht damit der Umsatz der Bio-Landwirte von 1,16 Milliarden Euro aus. Gewinner des Bio-Booms sind die >Discounter: Sie verkaufen 28 Prozent der Bio-Produkte.

Bionade

Laut Eigenwerbung das „Offizielle Getränk einer besseren Welt“. Bionade ist das Emblem der >Lohas, obwohl es niemals ein Bio-Getränk sein wollte. „Bio“ bezeichnete ursprünglich nur den biotechnologischen Herstellungsprozess. Weil aufgrund der EU-Ökoverordnung nur Bio drauf stehen darf, wo Bio drin ist, musste der Hersteller Peter Bräu in Ostheim an der Rhön entsprechend seine Rohstoffe aus biologischem Anbau beziehen. Bis heute stammen die Zutaten nicht zu 100 Prozent aus biologischem Anbau. Bionade lebt von dem schönen Märchen der kurz vor der Insolvenz stehenden Familienbrauerei, die sich aus eigener Kraft mit einem guten Produkt selbst gerettet hat, und sich erfolgreich gegen die Übernahme durch den Getränkeriesen Coca Cola gewehrt hat. Im Oktober 2009 verkaufte Peter Bräu Bionade an die Radeberger-Brauerei, die zum Oetker-Konzern gehört.

Bio-Anbauverbände

Die acht Bio-Anbauverbände Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Ecoland, Ecovin, GÄA und Naturland haben strengere Anbau-Richtlinien als die EU-Öko-Verordnung. Nach ihren Richtlinien ist keine Teilumstellung landwirtschaftlicher Betriebe erlaubt. Nach der EU-Richtlinie erhalten auch die Produkte von Bauern ein Siegel, die nur zum Teil ökologisch wirtschaften. Die biologisch bebauten Flächen müssen dabei räumlich voneinander getrennt sein. So kann ein Landwirt Bio-Getreide anbauen, seine Tiere aber konventionell halten. Darüber hinaus gibt es auch einen wesentlichen Unterschied in der Tierhaltung und der Verwendung von Zusatzstoffen: Die EU-Öko-Verordnung sieht einen „maximalen Tierbesatz“ von 14 Schweinen, 580 Masthühnern oder 230 Legehennen je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche vor, die Verbandsrichtlinien zehn Schweine, 280 Hühner oder 140 Legehennen je Hektar. Auch das Futter für die Tiere muss nach den Verbandsrichtlinien mindestens zu 50 Prozent aus dem eigenen Betrieb stammen.

Bio-Siegel

Das sechseckige Bio-Siegel wird nur an Produkte vergeben, die den strengen Richtlinien der EU-Öko-Verordnung folgen. Die Verordnung trat 1992 in Kraft und wurde 2001 überarbeitet, sie regelt Kontrollen, Verarbeitung und Importe. Sie enthält die Grundsätze ökologischer Landwirtschaft: keine Pestizide, keine Gentechnik, keine radioaktive Bestrahlung, eine artgerechte Haltung der Tiere (die Größe der Ställe und Auslaufmöglichkeiten ist festgelegt), die Einhaltung bestimmter Fruchtfolgen, Verwendung von Öko-Saatgut und -Futter, die Behandlung kranker Tiere möglichst mit homöopathischen oder pflanzlichen Arzneimitteln, keine Antibiotika. Es gibt eine Positivliste mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Düngern, die Bio-Landwirt anwenden dürfen, erlaubt sind außerdem 47 Zusatz- und Hilfsstoffe (in der konventionellen Produktion sind es 360). Die EU-Öko-Verordnung lässt allerdings zu, dass bei verarbeiteten Produkten nur 95 Prozent aus ökologischer Erzeugung stammen müssen. Fünf Prozent dürfen, sofern es keine Bio-Alternative gibt, aus konventioneller Produktion stammen. 2007 wurde die EU-Verordnung abermals geändert, sie ist seit Januar 2009 gültig. Die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen bleibt grundsätzlich verboten, doch die Obergrenze zugelassener gentechnisch veränderter Rohstoffe wurde von 0,1 auf 0,9 Prozent angehoben. Der Wasserverbrauch ist weiterhin nicht über die Verordnung geregelt, obwohl ein großer Teil des Obsts und Gemüses aus wasserarmen südlichen Ländern kommt und intensiv künstlich bewässert wird. Das Bio-Siegel wird nur für Lebensmittel vergeben.

Bobos

Abkürzung für bourgeois bohemians. So beschreibt der New York Times-Kolumnist David Brook in seinem populärwissenschaftlichen 2001 erschienen Buch „Bobos in Paradise. The new upper class and how they got there“ die US-amerikanische Elite. Deren Lebensstil führe zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört: Reichtum und Rebellion, ein guter Job und eine nonkonformistische Haltung, Konsumismus und Konsumkritik. Bobos werden von ihren Kritikern auch für solche Phänomene wie >Gentrifizierung verantwortlich gemacht.

BP

Der Mineralölkonzern BP gilt als Mutter des >Greenwashing. Die Umbenennung von British Petrolium in Beyond Petrolium soll suggerieren, dass das Unternehmen sich zunehmend mit alternativen Energien beschäftige. Die Gründung des Geschäftsbereiches „Alternative Energy“ (Windkraft, Wasserstoff, Erdgas und Solarenergie) bewarb der Mutterkonzern 2005 mit einer 200 Millionen Dollar teuren Kampagne. In den ersten drei Quartalen des Klimajahres 2007 machte BP satte 20,5 Milliarden Dollar Gewinn – 19 Milliarden stammen aus der Förderung und Verarbeitung von Öl. Der Bereich alternative Energien spielt also wirtschaftlich keine erwähnenswerte Rolle für den Konzern. Das Unternehmen besitzt weltweit mehr als 28.000 Tankstellen und bedient täglich 13 Millionen Kunden. Die Deutsche BP AG, zu der auch die Marke Aral gehört, ist führend im deutschen Tankstellennetz.

Bluewashing

Angelehnt an den Begriff >Greenwashing bezeichnet Bluewashing das moralische Ablenkungsmanöver der Konzerne. Bluewashing betreiben Konzerne, die sich freiwillig zur Einhaltung von Menschenrechten und Arbeitnehmerrechten verpflichten. Sie bauen dann in >CSR-Projekten zum Beispiel Kinderheime in der Ukraine, lassen aber trotzdem in >Sweatshops in Südostasiens produzieren. Der Name ist angelehnt an die Farbe der UN, die mit dem >Global Compact den Unternehmen die Möglichkeit dazu bietet.

Bio-Piraterie

Bezeichnet die private Aneignung von Pflanzen oder Tieren und ihren Bestandteilen oder Genen mit Hilfe sogenannter geistiger Eigentumsrechte. Das Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights, kurz TRIPS-Abkommen, macht z. B. die Patentierung von Saatgut, technischen Innovationen oder Medikamentenwirkstoffen weltweit rechtlich bindend, so dass jeder, der das Wissen anwendet, dem Konzern, der die Patenrechte hält, sehr viel Geld bezahlen muss. Das gilt auch für Saatgut, Pflanzen und Heilpflanzenwirkstoffe, die zuvor niemandem gehört haben.

Bio-Supermarkt

In Deutschland gibt es davon 550. Marktführer ist die Kette Allnatura, die ihr Segment auch in Drogeriemärkten und Supermärkten anbietet, gefolgt von >Basic. Nur 22 Prozent der Bio-Kunden kaufen in Bio-Supermärkten.

Baumwolle

Die Pflanze wird vor allem in trockenen Gegenden in armen Ländern angebaut. Zwar gedeiht die Baumwolle auf nährstoffarmen Böden, doch sie braucht Unmengen Wasser. 8.000 Liter Wasser werden benötigt, um eine Jeans herzustellen. Und weil die Baumwolle sehr anfällig ist für Schädlinge, wird fast ein Viertel der auf dem Weltmarkt erhältlichen Pestizide und elf Prozent der Insektizide auf den Baumwollfeldern eingesetzt. Die Schädlinge werden schnell resistent gegen das Gift, so greifen die Bauern zu immer mehr Pestiziden oder sprühen gefährliche Giftcocktails aus bis zu 30 verschiedenen Schädlingsbekämpfungsmitteln auf die Felder. Weltweit werden pro Jahr 25 Millionen Tonnen Baumwolle geerntet, ihr Anteil macht die Hälfte der Faserproduktion für den Textilmarkt aus. Mitte der 90er Jahre wurde der Rohstoff noch für zwei Euro auf dem Weltmarkt gehandelt, inzwischen ist er auf unter 40 Prozent gesunken. Der Anbau von Bio-Baumwolle hat zwar zugelegt, der Anteil der weltweit angebauten Bio-Baumwolle liegt aber bei verschwindend geringen 0,2 Prozent.

Best Alliance

REWE-Label für Vertragsanbau, das der Supermarkt für Erdbeeren und Paprika in Südspanien und für Weintrauben in Italien, Argentinien und Brasilien vergibt. Die Landwirte sind durch den Global Gap zertifiziert, eine freiwillige privatwirtschaftliche Organisation zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft. Die vorgegebenen Mindeststandards erlauben auch den Einsatz von Pestiziden aus einer „Positivliste“. Neben dem WWF gehören auch die Konzerne BASF und Bayer Crop Science zu den Global-Gap-Mitgliedern. Im Greenpeace-Report „Die schmutzigsten Portfolios der Pestizid-Industrie“ identifiziert die Umweltschutzorganisation Pestizide von Bayer im internationalen Konzernvergleich als die gefährlichsten für Umwelt und Gesundheit, auf Platz drei des Giftrankings befindet sich BASF. Die „Best Alliance“-Landwirte dürfen Pestizide einsetzen, die von REWE, WWF und BASF freigegeben werden.

Business Social Compliance Initiative (BSCI)

Ein Europäischer Zusammenschluss von Unternehmen aus dem Einzelhandel, der die Einhaltung sozialer Standards in allen Zuliefererländern gewährleisten soll. Gehört zum >Global Compact. Die Mitglieder akzeptieren freiwillig die >ILO-Kernarbeitsnormen, einen >existenzsichernden Mindestlohn gibt es nicht, auch keine unabhängigen Kontrollen. Zur BSCI gehören mehr als 80 Mitglieder aus zehn europäischen Ländern, darunter Lidl und Aldi, Esprit, Metro, Otto, Peek&Cloppenburg, Rewe, C&A. Die BSCI-Mitglieder lassen sich von der US-amerikanischen Social Accountability International (SAI) überprüfen, in der Nichtregierungsorganisationen, eine internationale Gewerkschaft und auch Unternehmen mitarbeiten. Arbeitnehmerorganisationen vor Ort werden nicht einbezogen.

C

Corporate Social Responsibility

Zu deutsch: Unternehmensverantwortung. CSR ist ein Instrument der Krisen-PR, die suggeriert, dass Unternehmen als Teil der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Zur CSR gehören Soziale Projekte, Klimaschutz im eigenen Unternehmen und auch die Förderung nachhaltigen Konsums. CSR ist ein freiwilliges Instrument, und meist haben die CSR-Projekte nichts mit dem umweltschädigenden oder menschenrechtsverletzenden Hauptgeschäft der Unternehmen zu tun. So kann ein Unternehmen Kinderheime in der Ukraine finanzieren, während es seine Produkte weiter in den >Sweatshops in Südostasien herstellen lässt. Zur CSR gibt es zwar ein paar Regeln, die aber alle nicht rechtlich bindend sind. Mit CSR wollen sich Konzerne aus der Schusslinie bringen und sich Standards und Gesetze vom Hals halten. Sie nennen sich auch Corporate Citizens und kommunizieren sich als Personen, die >Verantwortung übernehmen. Damit verschleiern sie, dass sie innerhalb von Systemen agieren, und stellen sich als „gute Bürger“ dar.

 

Clean Clothes Campaign

Eine >NGO, die sich für die Rechte der Arbeiter und faire Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungs- und Sportartikelindustrie einsetzt. Sie wurde 1990 in den  Niederlanden als Reaktion auf Berichte über skandalöse Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben von C&A gegründet. Heute gibt es in 12 europäischen Ländern derartige Kampagnen, in Deutschland ist es die Kampagne für saubere Kleidung. Die CCC ist ein Netzwerk, in dem über 300 Gewerkschaften und NGOs, Verbraucherorganisationen, kirchliche Gruppen, Eine-Welt-Läden, Recherche-Institutionen und Frauenrechtsorganisationen zusammenarbeiten. Zu den deutschen Trägerorganisationen gehören die Christliche Initiative Romero (CIR), die IG Metall, das INKOTA-Netzwerk, das Institut für Ökonomie und Ökumene Südwind-Institut, Terre des Femmes und die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Es existiert eine enge Kooperation mit Partnerorganisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die CCC deckt Missstände auf und macht sie publik. Etwa 30 Fälle pro Jahr kommen ans Tageslicht.

Cotton made in Africa

Industriesiegel für „nachhaltigen“ Baumwollanbau, der weder mit  Bio noch mit >fairem Handel zu tun hat. Die Initiative wurde 2005 von der Deutschen Welthungerhilfe, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung, der >Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), dem >WWF, dem Naturschutzbund (Nabu) und den Bekleidungsunternehmen Otto und Tom Tailor gegründet. Das Projekt soll nachhaltigen und umweltfreundlichen Baumwollanbau in Afrika fördern. Cotton made in Africa beruht auf Marktprinzipien und freiwilliger Selbstverpflichtung. Investiert wird vor allem in Schulungen der Baumwollbauern. Das Projekt soll mit seinen beteiligten Unternehmen für eine stärkere Nachfrage nach „nachhaltig“ produzierter Baumwolle sorgen, damit die Produzenten sich auf dem Markt behaupten können. Die Nachfrage nach dieser Baumwolle – und nicht, wie beim fairen Handel, eine Abnahmegarantie und ein festgelegter Mindestpreis – sollen die Existenz der Bauern sichern. Im Projekt sind Kinderarbeit nach den >ILO-Kernarbeitsnormen verboten, die Baumwolle darf außerdem nur auf Land angebaut werden, das nicht unter Naturschutz steht. Pestizide sind – bis auf die verbotenen – erlaubt, Gentechnik ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Im Projekt sind momentan 130.000 afrikanische Kleinbauern, jährlich werden 85.000 Tonnen Rohbaumwolle produziert. Einkäufer sind die üblichen Verdächtigen, die nicht bereit sind, wirklich faire Preise zu bezahlen: Otto, Rewe, Tchibo, Heine und Puma. Sie alle verarbeiten die Baumwolle aus Afrika aber nur zum Teil. Und für die weitere Verarbeitung gibt es keine Kriterien.

Cause Related Marketing

Das “zweckgebundene Marketing” knüpft karitative Versprechen an den Verkauf von Produkten. Unternehmen gehen dazu für eine bestimmte Zeit eine Kooperation mit einer >NGO ein und spenden eine Teil des Erlöses pro Packung an die Organisation. Bekanntestes Beispiel in Deutschland ist die Aktion „Ein Kasten Bier für einen Quadratmeter Regenwald“ der >Krombacher-Brauerei. Nach einer Studie haben seither mehr als 90 Unternehmen in Deutschland ein Produkt angeboten, bei dem nur durch den Kauf und ohne weiteren Aufwand des Konsumenten eine Spende einem guten Zweck zugeführt wurde. 96 Prozent dieser Unternehmen kooperierten dazu mit gemeinnützigen Organisationen. 52 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie durch entsprechende Kampagnen Absatzsteigerungen verbucht haben. Und 70,5 Prozent der Konsumenten fanden es toll, mit dem Kauf eines Produktes mühelos etwas Gutes bewirken zu können.

Common Code for the Coffee Companies (4C)

Eine Art Fair-Kaffee light, der nach denselben Prinzipien funktioniert, wie >Cotton made in Africa. Der 4C-Kodex wurde 2004 von der Deutschen >Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ),  dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und dem Deutschen Kaffeeverband in Zusammenarbeit mit >NGOs und Gewerkschaften entwickelt und 2007 umgesetzt. Er richtet sich an die Händler und Röster von Mainstream-Kaffee, die sich freiwillig einem rechtlich nicht verbindlichen Verhaltenskodex verpflichten sollen, der Menschenrechte und Umweltschutz achtet. Mitglieder der Initiative sind 30 Kaffeehändler- und Röster, darunter Nestlé, Kraft Foods, Jacobs-Kaffee, Tchibo, Neumann Kaffee, Sarah Lee, Dallmayer, LIDL und Melitta, die ansonsten dafür bekannt sind, Kaffee in Entwicklungsländern zu Dumpingpreisen einzukaufen. Auch beim 4C-Kodex gibt es weder Abnahmegarantie noch eine festgelegten Mindestpreis wie beim fairen Handel. 4C richtet sich vor allem an große Plantagen und will dort Basisstandards gemäß den >ILO-Kernarbeitsnormen durchsetzen. 32 Produzenten mit 90.000 Kaffeebauern in elf Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas arbeiten nach dem 4C-Kodex. Die 4C-Mitglieder der Kaffee-Industrie verpflichten sich, „steigende Mengen“ des 4C-Kaffees abzunehmen. Zwar dürfen die Händler und Röster das Logo nicht auf die Packung drucken, um dem fairen Handel nicht zur Konkurrenz zu werden. Sie dürfen es aber bewerben – um damit ihrer Verpflichtung der Absatzförderung des 4C-Kaffees nachzukommen. Außerdem dürfen sie dem 4C-Kaffee konventionellen Kaffee beimischen. 

 

Code of Conduct

Ein freiwilliger Verhaltenskodex, innerhalb dessen eine Unternehmen seine „Kultur“ (z.B. die Einhaltung der Menschenrechte) rühmt. Ein Code of Conduct ist, wie CSR, nicht rechtlich bindend, sondern eine Selbstverpflichtung, die oft keinen Tropfen der Tinte wert ist, mit dem sie geschrieben ist.

Cultural Creatives

Der Soziologe Paul Ray und die Psychologin Ruth Anderson fassten in dem Buch „Cultural Creatives. How 50 Million People are changing the World“ die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zum Wertewandel in den USA in den vergangenen 12 Jahren zusammen. Basierend auf den Aussagen von 100.000 US-Amerikanern stellten Ray und Anderson eine neue Gesellschaftsform fest: Die „kulturell Kreativen“ sind eine Ansammlung aus höher gebildeten, kreativen, verantwortungsbewussten, gesundheitsorientierten und Genuss suchenden Menschen, die ihren Lebensstil zwischen Hedonismus und Materialismus reflektieren und neu bestimmen. Diesen Lebensstil bezeichnen Ray und Anderson als Lifestyle of Health and Sustainability, kurz >Lohas.

Clean Developement Mechanism (CDM)

Zu deutsch: Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung. Ein vom Kyoto-Protokoll vorgesehener flexibler Mechanismus, mithilfe dessen die Kosten gesenkt werden sollen, die den Industrieländern durch die vertraglich festgelegte Reduktion der Treibhausgase entstehen, und gleichzeitig den Entwicklungsländern eine ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung durch einen Zufluss an Geld und Technologie ermöglichen soll. Ein Reduktionsverpflichtungen unterliegendes Industrieland, das im Anhang B des Kyoto-Protokolls aufgeführt wird, kann bei einem Land, welches dort nicht aufgeführt wird, Emissionzertifikate (>Emissionshandel) einkaufen. Eine CER belegt eine Emissionsreduktion um eine Tonne CO2-Äquivalente. Damit besteht die Möglichkeit, Treibhausgas-Emissionen in Entwicklungsländern zu verringern, wo dies häufig günstiger möglich ist als im Investorland.

D

Distinktion

Sich von anderen unterscheiden und abheben. Konsum dient immer der Distinktion. Insbesondere den >Lohas, die sich mit ihren ausgewählten Produkten für besser halten als alle anderen, die nur Plastikschrott kaufen und Fastfood essen.  

Dialog

Eines der Schlagworte, die - wie Verantwortung und >Nachhaltigkeit - im simulierten Moral-Wettbewerb der Unternehmen fallen. Unternehmen suchen diesen mit Politik und Zivilgesellschaft, und suggerieren damit, dass alle drei Beteiligten gleichberechtigte Gesprächspartner seien. Unternehmen sind aber keine Personen, sondern Systeme. Eine Dialog wird meistens da gebraucht, wo es eigentlich einen Konflikt geben müsste, weil die Interessen der angeblichen Dialogpartner höchst unterschiedlich sind.

Discounter

Billigsupermärkte, die 43 Prozent  (2007) des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland ausmachen. Nirgendwo gibt es so viele Discounter wie in Deutschland. Der gemessen am Umsatz größte Discounter in Deutschland ist Aldi mit etwa 27 Milliarden Euro Umsatz (2007) und 4.200 Filialen in Deutschland und 8.000 weltweit. Zweitgrößter Discounter ist Lidl, der in seinen 2.900 Filialen 2007 13,3 Milliarden Euro umsetzte. Discounter werden für ihre Dumpingpreis-Politik scharf kritisiert. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung GFK kaufen 98 Prozent der Deutschen regelmäßig im Discounter ein.

E

Emissionshandel

Der Emissionsrechtehandel ist ein Instrument der Umweltpolitik mit dem Ziel, Schadstoffemissionen weltweit mit möglichst geringen volkswirtschaftlichen Kosten zu verringern. In der Europäischen Union wurde der EU-Emissionshandel für Kohlendioxidemissionen 2005 gesetzlich eingeführt. Dafür muss zuerst eine Obergrenze für bestimmte Emissionen (z. B. Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Stickoxid) innerhalb eines konkreten Gebiets (regional, national, international) und eines konkreten Zeitraums (z. B. Kalenderjahr) politisch festgelegt werden. Dann werden, entsprechend dieser Obergrenze, sogenannte Umweltzertifikate ausgegeben, die zur Emission einer bestimmten Menge berechtigen. Da diese Zertifikate frei handelbar sind, wird der Preis für diese Zertifikate durch die Nachfrage bestimmt. Momentan gibt es zwei Handelssysteme für Treibhausgase: Den im Kyoto-Protokoll vereinbarten bilateralen Handel zwischen Staaten und innerhalb Europas den EU-Emissionshandel für Unternehmen.

Existenzsichernder Mindestlohn

Die Höhe der Mindestlöhne in Entwicklungs- und Schwellenländern wird von den jeweiligen Regierungen zwar festgelegt, doch reicht dieser nicht zum Überleben, sondern treibt die armen Ländern in eine Konkurrenzsituatiion. Je niedriger der Mindestlohn, desto größer der Standortvorteil für ausländische Investoren. In El Salvador liege der Mindestlohn bei 175 Dollar im Monat – zum Leben bräuchte aber eine Näherin, zumal, wenn sie Kinder hat, mindestens 600 Dollar. Die Frauen sind dazu gezwungen, mehrere Jobs anzunehmen und viele Überstunden zu leisten, die sie oft nicht ausbezahlt bekommen.

 

F

Fairer Handel

Entwicklungspolitische Bewegung, die eine Alternative zum ungerechten konventionellen Welthandel bietet. Ihr Ansatz ist ein kontrollierter Handel zwischen Entwicklungs- und Industrieländern, der den Erzeugern von Kaffee, Tee, Kakao, Gewürzen, Zucker, Bananen, Reis, Baumwolle, Getreide und exotischen Früchten einen gleichbleibenden Mindestpreis garantiert, der über dem Weltmarktpreis liegt. Das Geld kommt direkt bei den Produzenten an. Das Ziel sind langfristige Lieferverträge vor allem mit Kleinbauern, die Abnehmer zahlen außerdem eine Prämie, die direkt in Bildungs- und Sozialprogramme vor Ort fließt und, sofern die Produkte biologisch angebaut sind, eine zusätzliche Bio-Prämie. Im Unterschied zum >Bio-Siegel gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, fairer Handel ist auch kein geschützter Begriff. Die Grundsätze des fairen Handels hat 2001 der informelle Arbeitskreis FINE definiert. Der Name setzt sich zusammen aus den vier internationalen Organisationen des fairen Handels: Fairtrade Labelling Organization (FLO), International Fairtrade Association (IFAT), Network of European Worldshops (NEWS!) und European Fair Trade Association (EFTA).  Die Fairtrade Labelling Organisation (FLO) ist ein Zusammenschluss von 20 nationalen Siegelinitiativen, sie stellt international gültige und einheitliche Kriterien auf, zu denen sich Zertifikate wie das deutsche >Transfair-Siegel und Fairhandelsorganisationen wie Gepa verpflichten. 870 Produzenten-Organisationen in 55 Ländern arbeiten nach diesen Standards. Das deutsche Transfair-Siegel hat 36 Mitgliedsorganisationen und 110 Lizenznehmer in Deutschland, rund 800 Produkte tragen das Siegel. Zwei Drittel stammen aus ökologischem Anbau: 50 Prozent der Schokolade, 60 Prozent des Kaffees und 70 Prozent des Tees und Kakaos aus fairem Handel tragen zusätzlich das Bio-Siegel. Der Marktanteil ist gering: kaum ein Produkt erreicht zwei Prozent.

Fair Wear Foundation

Die Fair Wear Foundation, ein Zusammenschluss von Gewerkschaften und NGOs, in der auch die Kampagne Saubere Kleidung Mitglied ist, ist die einzige, die einen >existenzsichernden Mindestlohn fordert und unabhängig von Unternehmen Zulieferbetriebe in Zusammenarbeit mit lokalen Arbeiterorganisationen danach überprüft. Nur 68 Bekleidungsunternehmen weltweit lassen sich von der Fair Wear Foundation zertifizieren.

Fair Labour Association (FLA)

Ein Zusammenschluss von Handelsunternehmen mit Universitäten und NGOs, zu der H&M, Nike, Asics, Puma und Reebok gehören. Die FLA berät Unternehmen und kontrolliert Betriebe, Beschwerden und Verstöße werden berichtet, aber nicht geahndet. Enthält keinen existenzsichernden Mindestlohn, unabhängige Kontrollen gibt es ebenfalls nicht.

G

Gold Standard

Der Gold Standard ist ein Siegel mit einer Reihe von freiwilligen Vorgaben für >Clean Developement Mechanisms(CDM)-Projekte. Es ist der höchste Standard von etwa CO2-Kompensationen, der auch soziale und ökologische Kriterien vor Ort berücksichtigt und so versucht, eine hohe und langfristig gesicherte Qualität  bei Umwelt- und Entwicklungszielen im Gastland sicherzustellen. Seit seiner Einführung 2003 haben sich über 55 Nichtregierungsorganisationen zu den Prinzipien dieses gemeinnützigen Vereins bekannt. Etwa 200 Projekte mit einer potentiellen Emissionsreduktion von 15 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr werden derzeit bearbeitet.

Gentrifizierung

Leitet sich her vom englischen „gentry“ (niederer Adel), wird auch Yuppisierung genannt. Stadtsoziologen nennen so den Umstrukturierungsprozess vom Arbeiter- zum Szene- und schließlich Besserverdienenden-Viertel. Die Entwicklung folgt immer dem gleichen Muster: Sie geschieht in innenstadtnahen Vierteln mit hohem Altbautenbestand, in denen die Wohnungen günstig sind. Das zieht zuerst Studenten, Freischaffende und Künstler an, die Spuren von Subkultur legen. Diese linksromantische Stimmung zieht Menschen an, die für die Aura des Authentischen viel Geld bezahlen. In der Folge steigen die Quadratmeterpreise, Mietwohnungen werden zu Eigentumswohnungen, ältere Menschen, weniger Wohlhabende und Migranten können sich das Viertel nicht mehr leisten und weichen in günstigere innenstadtferne Stadtteile aus. So entsteht ein Stilghetto, in dem sich alle Zugehörigen an ihrem ähnlichen Lebensdesign erkennen können, das sich vor allem durch ihren Konsumstil ausdrückt.

Global Gap

Siehe >Best Alliance

Global Compact

Pakt, der zwischen Unternehmen und der UN geschlossen wird, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten. Wurde 1999 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan den Konzernchefs angeboten. Mittlerweile sind darin 5.000 multinationale Unternehmen versammelt sind, die sich freiwillig dazu verpflichten, zehn Prinzipien einzuhalten, darunter die Einhaltung von Menschenrechten, die Rechte ihrer Beschäftigten anzuerkennen, an der Abschaffung von Kinderarbeit mitzuwirken, Zwangsarbeit auszuschließen, Diskriminierung zu unterlassen, die Umwelt nicht zu gefährden, gegen Korruption einzutreten. Die Einhaltung der Kriterien ist freiwillig; wenn ein Unternehmen diese Ziele nicht erreicht hat, gibt es keine Sanktionen. Die einzige Verpflichtung der Teilnehmer ist es, einmal im Jahr einen Bericht über die Entwicklung der Unternehmen in dieser Hinsicht zu verfassen. Die einzige Sanktion: wenn ein Unternehmen einen solchen Bericht nicht vorlegt, wird es auf der Global-Compact-Seite unter „Non-Communicating Participants“ aufgeführt, beim zweiten Versäumnis wird die Teilnahme beendet. Derzeit finden sich 1.057 Mitglieder auf dieser schwarzen Liste. Eine Überprüfung der Unternehmen oder deren Berichte gibt es allerdings nicht; ob ein Unternehmen die Richtlinien einhält oder nicht, bleibt offen. Der Global Compact empfiehlt seinen Mitgliedern, ihre Berichte nach dem Leitfaden der Global Reporting Initiative zu erstellen. 1.100 Mitglieder haben sich freiwillig der GRI verpflichtet.

Greenwashing

Wörtlich „grün färben“ analog zum „weiß waschen“. Kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsvolles Image zu verleihen. Je umweltschädlicher das Verhalten, desto grüner die Konzerne: vor allem Energie-, Mineralöl- und Chemiekonzerne sowie Fluggesellschaften wenden dieses Mittel gern an. Ähnlich CSR, gängiges Instrument der Verschleierung. Bekanntestes Beispiel: >BP.

Generation

Ursprünglich bezeichnet der Begriff entweder Gruppen von Menschen, die zur selben Zeit geboren sind oder zur selben Zeit leben. Da die Gesellschaft nicht mehr nach soziologischen Kategorien geordnet ist, werden Teile der weit gefassten, inhomogenen Altersgruppe zwischen Anfang Zwanzig und Ende Vierzig immer mal wieder etwas hilflos als Generation zusammengefasst, sobald diese durch ein neues oder abweichendes Verhalten auffallen. Generation X. Generation Golf. Generation Bundeswehr. Generation Praktikum. Generation Doof. Generation Umhängetasche. Eine solche Einteilung folgt einer ähnlichen Logik wie die Einteilung nach Lebensstilen: Sie schafft Labels für aktuelle Phänomene, Konsumtrends oder Lebensstile.                                              

GTZ

Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH ist ein weltweit tätiges Unternehmen der Internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung. Hauptauftraggeber der GTZ ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Mit Zustimmung der Bundesregierung kann die GTZ auch im Auftrag von Organisationen wie Weltbank, EU oder den Entwicklungsländern selbst beauftragt werden. Die GTZ unterhält 2.300 Entwicklungsprojekte und -programme in 126 Ländern. Die GTZ finanziert Fachkräfte, Studien, Lieferung von Sachgütern oder stellt diese selbst her.

H

Hess Natur

Einziges deutsches Bekleidungsunternehmen, dass sich den Prinzipien der >Fair Wear Foundation verpflichtet hat. Einen >existenzsichernden Mindestlohn zahlt das Unternehmen indes noch nicht, befindet sich aber auf dem Weg dahin.

I

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Sonderorganisation der UN und Schwesterorganisation der Weltbank. Der IWF wird daher zusammen mit der Weltbank-Gruppe als Bretton-Woods-Institutionen bezeichnet. Zu seinen Aufgaben gehören: Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik, Ausweitung des Welthandels, Stabilisierung von Wechselkursen, Kreditvergabe, Überwachung der Geldpolitik und Technische Hilfe. Der IWF hat zurzeit 186 Mitgliedsländer, deren Stimmrecht sich an ihrem Kapitalanteil orientiert. Die Mitgliedsstaaten mit den größten Stimmanteilen sind: USA, Japan, DeutschlandFrankreich, Großbritannien und China. Da die Beschlüsse im IWF mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden müssen, verfügen sowohl die USA als auch die gemeinsam handelnden EU-Staaten de facto über eine Sperrminorität. Der IWF vergibt unter Auflagen befristete Kredite an Staaten, die unter wirtschaftlichen Problemen leiden. Bedingungen für die Gewährung von Krediten sind zum Beispiel: Kürzung der Staatsausgaben, Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, niedrige Inflation, Steigerung des Exports, Abbau von Handelsschranken, sowie die Liberalisierung des Bankenwesens. Das Wirtschaftswachstum soll dann dazu beitragen, die Schulden zu senken. Von den Privatisierungen profitieren allerdings nur Konzerne der westlichen Industrienationen. Nach einer Studie habe die von IWF und Weltbank geforderten Strukturanpassungen die Situation der Menschen in den Entwicklungsländern verschlechtert, Kinderarbeit und fragwürdige Erwerbspraktiken hätten zugenommen.

IPCC-Bericht

Das Intergouvernmental Panel on Climate Change ist ein Zusammenschluss der Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie. Eine Kurzfassung des Berichts von 2007 findet sich unter http://www.bmbf.de/pub/IPCC_kurzfassung.pdf. Darin findet sich auch die Bestätigung, dass der Klimawandel keine natürliche Angelegenheit ist, sondern vom Menschen verschuldet.

International Labour Organisation (ILO)

Die Internationale Arbeitsorganisation ist eine Sonderorganisation der >Vereinten Nationen. Sie wurde im Jahr 1919 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Genf. Die ILO verfügt über eine dreigliedrige Struktur: Die 183 Mitgliedsstaaten sind durch Repräsentanten sowohl von Regierungen als auch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Organen der ILO vertreten. Schwerpunkte der Arbeit der ILO sind die Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialnormen, insbesondere der Kernarbeitsnormen, die soziale und faire Gestaltung der Globalisierung sowie die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit als einer zentralen Voraussetzung für die Armutsbekämpfung. Die ILO arbeitet rechtsverbindliche Konventionen sowie Empfehlungen an die Mitgliedstaaten aus. Insgesamt existieren bis heute 188 Übereinkommen und 198 Empfehlungen. Die vier Grundprinzipien sind Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen, Beseitigung der Zwangsarbeit, Abschaffung der Kinderarbeit, Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Sie sind auch Teil der Kernarbeitsnormen.

Ivy

Deutschlands erstes Lohas-Magazin, das 2007 im Burda-Verlag erschien und nach einer Nullnummer und einer Ausgabe eingestellt wurde.

Image

Bezeichnet den Gesamteindruck und das Stimmungsbild, den eine Mehrzahl von Menschen von einem Meinungsgegenstand hat, etwa von einer Person, einer Organisation, einem Unternehmen oder einer Marke. Das Image ist die eigentliche Größe, der eigentliche Wert eines Produkts. Es unterscheidet sich von anderen durch seinen emotionalen und ästhetischen Mehrwert. Entsprechend wird ein bestimmtes Image von Unternehmen selbst und deren Produkten angestrebt. Zuständig für die Imagepflege sind Marketingabteilungen und PR-Unternehmen.

K

Karmakonsum

Konsumplattform (Motto: „Do good with your money”), betrieben von Christoph Harrach. Soll nachhaltigen Konsum und nachhaltiges Wirtschaften fördern. Einmal im Jahr gibt es die Karmakonsum-Konferenz, die sich an Unternehmen richtet, die am Öko-Lifestyle verdienen wollen.

Krombacher

Familienbrauerei  im Siegerland, die zu den Marktführern der Getränkehersteller in Deutschland gehört. Verdankt Marktposition und Erfolg unter anderem der Krombacher Regenwald-Aktion (>Cause Related Marketing). Nach der ersten Aktion 2002 stand Krombacher wegen unlauteren Wettbewerbs vor Gericht, weil der Konzern nicht einen Quadratmeter Regenwald pro Kasten Bier rettete, sondern nur 6,7 Cent an die Umweltschutzorganisation WWF weiterleitete. Seit 2006 darf Krombacher seinen Claim wieder verwenden. Nach Angaben des Unternehmens sei seit 2002 so viel Geld in das WWF-Regenwald-Projekt geflossen, dass dieser im zentralafrikanischen Dzanga-Sangha in der Lage sei, 83 Millionen Quadratmeter zu schützen. Das hört sich viel an, entspricht aber in etwa der Fläche des Chiemsees. So viel Regenwald wird umgerechnet in binnen fünf Stunden weltweit vernichtet.

L

Lohas

Lifestyle of Health and Sustainability. Der gesunde und nachhaltige Lebensstil geht einher mit einem Einkaufsverhalten, das Luxus, Ästhetik und ethische Ideen vereinen soll. Lohas gehören der besser verdienenden Bildungselite an, die nichts mit den alten Ökos gemein hat. Sie verzichten nicht, sondern verbannen die etwas schlechteren Produkte zugunsten solcher, die sich ökologisch oder sonstwie ethisch korrekt geben, aus ihrem Einkaufswagen. Lohas ist keine politische Bewegung sondern propagiert die Macht des Konsumenten. Wenn nur alle „gute“ Produkte kaufen würden, dann würden auch alle Unternehmen nur noch „gute“ Produkte herstellen.

M

MSC-Siegel

Der Marine Stewardship Council (MSC) ist eine unabhängige und gemeinnützige Organisation, die ein Umweltsiegel für Fisch aus nachhaltiger Fischerei vergibt. Ziel ist es, die weltweite Überfischung der Meere zu verringern. Durch die Anerkennung nachhaltiger Praktiken im Fischfang, die Beeinflussung von Verbraucherentscheidungen beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten und die Zusammenarbeit mit Partnern, will die Organisation dazu beitragen, Fischerei und Fischwirtschaft in nachhaltige Wirtschaftssektoren zu verwandeln. Gegründet wurde MSC ursprünglich von Unilever, zu denen damals auch Iglo gehörte, und dem WWF. Im deutschsprachigem Raum sind über 300 Produkte mit dem blauen MSC-Zeichen in Supermärkten, Großhandelsketten und Kantinen erhältlich. Weltweit gibt es derzeit über 2.000 MSC-gekennzeichnete Fisch- und Seafood-Erzeugnisse. Das Siegel, das auch an Großproduzenten verliehen wird, ist dennoch umstritten. Das Logo wird auch für Fisch aus überfischten Gebieten vergeben. Ferner wird die hochproblematische Grundschleppnetzfischerei nicht eingeschränkt.

Manufactum

Nostalgie-Versand und Kaufhaus, das sich dem Erhalt handwerklicher Traditionen verschrieben hat und den Massenkonsum kritisiert: „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ ist das Motto, unter dem Manufactum Haushaltswaren, Gartengeräte, Spielzeug, Bürobedarf, Kleider, Kosmetik und Lebensmittel aus zum Teil kleinen Handwerksbetrieben oder auch Klöstern teuer verkauft. Das Unternehmen wurde 1988 von Thomas Hoof, dem ehemaligen Landesgeschäftsführer der Grünen in Nordrhein-Westfalen, gegründet. Mittlerweile gibt es neben dem Versandhandel sieben Manufactum-Kaufhäuser in Waltrop, Stuttgart, Hamburg, Berlin, Köln, München und Düsseldorf. Seit 2007 gehört das Nostalgie-Kaufhaus ausgerechnet zur Otto-Group, zu der auch das weltweit größte Versandhaus gehört. Kaum etwas anderes symbolisiert so sehr den Billig- und Massenkonsum wie der Otto-Versand.

McKinsey

McKinsey & Company ist eine in 52 Ländern vertretene Unternehmens- und Strategieberatung. McKinsey berät nach eigenen Angaben mehr als zwei Drittel der 1.000 größten amerikanischen und die Mehrzahl der im DAX vertretenen deutschen Unternehmen. Zu den Klienten gehören aber auch private und öffentliche Institutionen sowie Regierungsstellen. McKinsey wird oft als Prototyp der am Shareholder Value orientierten Unternehmensberatungen gesehen, und ist synonym mit Rationalisierungen und Massenentlassungen. Heute gehört McKinsey zu den Beratungsunternehmen, die einstimmen in den Chor derer, die sagen, dass Moral ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen sei.

N

Nachhaltigkeit

Der Begriff ist mehr als 200 Jahre alt und stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Er bedeutet in diesem Zusammenhang, dass dem Wald nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann, so dass sich der Wald immer wieder regeneriert. Allgemein geht es um ein begrenztes Nutzen von Ressourcen, damit die Bestände nachwachsen. Heute ist Nachhaltigkeit ein Begriff, der inflationär gebraucht wird, weil er positiv klingt und in die Zukunft gerichtet ist. Vieles von dem, was als nachhaltig bezeichnet ist, hat damit nichts zu tun. Etwa der „nachhaltige“ Anbau von Palmöl (>RSPO) oder Holzskier aus nachwachsenden Rohstoffen, mit denen man zumindest nachhaltig die Berge kaputt fahren kann.

Nachhaltigkeitspreise

Nachhaltigkeitspreise werden meistens unter Beteiligung der Industrie an Unternehmen verliehen. Sie orientieren sich aber meistens nur an den Projekten oder an deren Eigenaussagen in den >Nachhaltigkeitsberichten. Diese Preise ehren meist nur das isolierte Engagement, ziehen aber nicht die gesamten Auswirkungen des Konzernhandelns mit ein. So kommt es, dass der Auto-Konzern VW und die Chemieriesen BASF und Henkel Träger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises sind.

Nachhaltigkeitsberichte

Eine Weiterentwicklung der in den 1990er Jahren von Unternehmen veröffentlichten Umweltberichte. Sie behandeln die wichtigsten Themengebiete der >Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Der Nachhaltigkeitsbericht ist neben dem Geschäftsbericht ein wichtiger Bestandteil der Informationspolitik eines Unternehmens. Die Maßnahme ist aber im Gegensatz zum Geschäftsbericht freiwillig und ein Instrument des Marketings. Inzwischen veröffentlichen vor allem Großunternehmen aller Branchen jährlich – zum Teil orientiert an den Richtlinien der Global Reporting Initiative (>Global Compact) – derartige Berichte. Das eigene Engegement wird meist überbetont.

Nichtregierungsorganisation (NGO)

Unabhängige, nicht gewinngerichtete, gemeinnützige Organisation. Die Anzahl von NGOs ist weltweit zwischen 1991 und 2004 kontinuierlich von 4.620 auf mehr als 7.300 gestiegen. Laut der globalen Umfrage der PR-Agentur Edelman für das Trust-Barometer 2009 vertrauen weltweit 53 Prozent der Befragten NGOs und nur 43 Prozent den Regierungen. Dem Jugendreport der EU von 2007 zufolge ist nur ein Viertel der befragten Deutschen zwischen 15 und 30 Jahren der Ansicht, dass man in politischen Parteien Entscheidungsprozesse beeinflussen kann. Nur 4,3 Prozent von ihnen engagieren sich für ihre Ziele in einer Partei, 14,6 hingegen in einer Umwelt- oder Menschenrechtsorganisation.

O

OECD

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung  ist eine Internationale Wirtschaftsorganisation mit 30 Mitgliedsstaaten. Die meisten OECD-Mitglieder gehören zu den Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen. Ziel der OECD ist eine „optimale Wirtschaftsentwicklung“ und die Förderung des Wirtschaftswachstums in den Mitgliedsstaaten und den Entwicklungsländern. Die OECD vertritt eine liberale, marktwirtschaftliche und effiziente Wirtschaftsordnung. In Bezug auf die Arbeits- und Produktmärkte spricht sich die Organisation für den Abbau von Schranken und für mehr Wettbewerb aus. In den internationalen Wirtschaftsbeziehungen sind ein freier Waren- und Kapitalverkehr Kernziele der Organisation. Gleichzeitig gibt die OECD Leitsätze und Empfehlungen für „verantwortungsvolles Wirtschaften“ aus, die allerdings nicht mehr Bindendes vorgibt, als sich an Gesetze zu halten. Rund 40 Länder haben diese unterschrieben. Auch diese Prinzipien sind freiwillig, die Nichteinhaltung kann nicht sanktioniert werden. Bei Verstößen kann allerdings bei einer Kontaktstelle (in Deutschland das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) Beschwerde eingelegt werden, die wiederum nur die Einhaltung der Leitsätze empfiehlt.

P

Plant for the Planet

Diese Initiative wurde 2003 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mit dem Ziel gestartet, Gemeinden und Kindern das Aufforsten und die Sorge um Bäume nahe zu bringen. Geplant war, zusammen mit anderen Kindern und Schulen in Deutschland bis Ende 2009 eine Million Bäume zu pflanzen, die CO2 kompensieren sollen. Die Idee stammt von dem Starnberger Schüler Felix Finkbeiner, der UNEP-Kindervorstand ist. Hauptsponsor des Projekts ist der Automobilkonzern Toyota. Die Aktion hat allerdings eher symbolischen Wert, denn zur CO2-Kompensation taugt das Pflanzen von Bäumen nicht. Während wir heute CO2 in die Luft blasen, sind neu gepflanzte Bäume erst nach Jahrzehnten in der Lage, genug CO2 aufzunehmen. Bis der Baum groß genug ist, steigen die Treibhausgasemissionen netto weiter an. Während der Baum über seine Blätter Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt, setzt er aber an den Wurzeln den im Boden gespeicherten Kohlenstoff bei der Aufnahme von Nährstoffen frei – vor allem in jungen Jahren. Darüber hinaus gibt es keine Garantie, dass die Bäume überhaupt so lange stehen – denn die Gefahr von Waldbränden steigt weltweit mit der Erwärmung des Klimas. Und wenn die Bäume brennen, blasen sie genau die Menge CO2 auf einmal wieder in die Luft, die sie über Jahre gebunden haben.

Palmöl

Palmöl ist die Grundlage von Kosmetika, Waschmitteln, Süßigkeiten und Fertiggerichten. In Malaysia und Indonesien wird zunehmend Regenwald gerodet, um darauf Ölpalmen anzupflanzen. Nestlé, Unilever und der Chemiekonzern Henkel gehören zu den drei größten Verbrauchern von Palmöl. >RSPO

R

Rainforest Alliance

Internationale Umweltschutzorganisation, die Zertifikate an Unternehmen vergibt, die vorgegebene Standards erfüllen. Die Rainforest-Alliance-Zertifizierung gibt es für Kaffee, Kakao, Bananen, Zitrusfrüchte, Blumen und Grünpflanzen. Das Zertifizierungssymbol ist ein grüner Frosch. Prominente Konzerne mit von der Rainforest-Alliance zertifizierten Produkten sind etwa Tchibo, Chiquita, Kraft Foods, Nestlé und McDonald’s. Die Siegel haben aber weder etwas mit >Bio zu tun oder mit >fairem Handel. Oftmals wird der NGO vorgeworfen, Unternehmen zum >Greenwashing zu verhelfen. Es wird lediglich erwartet, dass die Beteiligung an dem Zertifizierungsprogramm es ermöglicht, auf dem freien Markt bessere Preise zu erzielen. Grundsätzlich müssen mindestens 90 Prozent der Inhaltsbestandteile zertifiziert sein, um das Logo ohne Zusatz führen zu dürfen. Wenn es deutlich kommuniziert wird (Zusatz beim Logo) genügen aber auch schon 30 Prozent.

Rugmark

>NGO, die 1995 gemeinsam von indischen NGOs, deutschen und internationalen Hilfswerken und der >GTZ ins Leben gerufen wurde. Das Ziel ist die Bekämpfung der illegalen Kinderarbeit in der Teppichindustrie in Indien. Dies wird erreicht, indem Webstühle und Fabriken in Produktionszentren durch überraschende und zufällige Inspektionen kontrolliert werden. Seit der Gründung ist die Kinderarbeit (für Kinder unter 14 Jahren) in der Teppichindustrie um etwa zwei Drittel gesunken. Rugmark vergibt international ein registriertes Siegel für Teppiche, die nach den Rugmark-Kriterien geknüpft wurden. Das Konzept verfolgt zwei Strategien: Kontrolle und Zertifizierung der Produktion vor Ort, Sozialprogramme für (ehemalige) Kinderarbeiter und deren Familien.

RSPO

Der Roundtable on Sustainable Palmoil wurde 2001 zum nachhaltigen Anbau von Palmöl gegründet. Präsident ist ausgerechnet Unilever-Manager Jan Kees, dessen Konzern mit 1,6 Millionen Tonnen >Palmöl pro Jahr der weltgrößte Verbraucher dieses Rohstoffs ist.  Sechs Jahre stritten die 340 Mitglieder über die Standards zur Zertifizierung. Das Ergebnis: Wald darf weiter gerodet werden, nur nicht „besonders erhaltenswerte Wälder“. Werden diese aber etwa von einem Holzproduzenten gerodet, darf ein Ölplantagenbetreiber diese kaufen oder pachten und Ölpalmen darauf anbauen, das auf solchen Flächen gewonnene Palmöl erhält ebenfalls ein Unbedenklichkeitssiegel. Die Einhaltung der kaum vorhandenen, weil selbst gewählten Standards ist nicht überprüfbar, Umweltschutzgruppen machten immer wieder Verstöße selbst gegen diese Minimalauflagen aus. In einer Erklärung vom Herbst 2008 stellten 250 Umwelt- und Sozialorganisationen, darunter Greenpeace und der BUND, fest, dass das RSPO-Siegel nichts als Greenwashing sei, das dem Raubbau am Regenwald nur einen grünen Anstrich verpasse.

S

Sinus-Milieus

In der Soziologie ist an die Stelle der Milieuforschung die Lebensstilforschung gerückt. Sie fasst Gruppen von Menschen zusammen, deren Werteorientierung, Alltagsverhalten, Geschmack, Lebensziele und ihre Konsummuster sich ähneln. Eine solche Analyse versucht, den ganzen Menschen zu erfassen und diesen nicht nur nach Schichtzugehörigkeit, Einkommen oder Berufsgruppe einzuordnen: Die subjektiven Merkmale wie Geschmack, Werteorientierung Freizeitverhalten und Einstellung zur Arbeit sollen zusammen mit den objektiven Merkmalen wie soziale Situation, Beruf, Wohnort und Familie die soziokulturelle Identität des Konsumenten ergeben. Auf dieser Grundlage entstanden 1980 die so genannten Sinus-Milieus. Jörg Ueltzhöffer, heute Geschäftsführer des SIGMA-Instituts, und Berthold Bodo Flaig, Geschäftsführer des Sinus-Instituts, legten 1980 unter dem Titel „Lebensweltanalyse: Explorationen zum Alltagsbewusstsein und Alltagshandeln“ ein Gutachten vor. Das Modell der darin beschriebenen sozialen Milieus teilte die Gesellschaft in neue Zielgruppen ein, die heute die Grundlage der Markt-, Sozial- und Konsumforschung bilden. Seit 2001 geht das Sinus-Sociovisions-Institut von folgenden zehn Sinus-Milieus in Deutschland aus:

  • Traditionsverwurzelte
  • Konservative
  • DDR-Nostalgiker
  • Etablierte
  • Bürgerliche Mitte
  • Konsummaterialisten
  • Postmaterielle
  • Moderne Performer
  • Hedonisten
  • Experimentalisten
Sinnmärkte

Sinnmärkte sind ein Gegenkonzept zum Massenmarkt. Diesen Begriff hat das Kelkheimer >Zukunftsinstitut geprägt: „Die modernen Konsumenten beginnen, das Sein über dem Haben zu privilegieren. Wir erleben gerade die Entstehung des Zeitalters der Sinnmärkte. In enttraditionalisierten Gesellschaften wird Lebenssinn zum permanenten Mangel, der seit einiger Zeit auf vielen neuen Märkten in neue Bahnen gelenkt wird. Kauften wir uns früher Mehrheitskultur, geht es heute um immaterielle Werte.“ Die Studie Sinnmärkte. Wertewandel in den Konsummärkten, zeigt Geschäftsfelder auf, die sich für diesen Konsumtrend eignen. Nämlich Regionalität, Tourismus, Spiritualität, Bildung, Genuss, Körper und Gesundheit.

Selfness

Ebenfalls eine Begriff, den das >Zukunftsinstitut erfunden hat. Es versteht darunter „einen Zustand, der proaktiven Balance und des Wohlfühlens“, der erreichbar ist durch „bewusstes interaktives Arbeiten am Selbst“. Es ist eine Weiterentwicklung von >Wellness und bedeutet Eigenverantwortung, Individualität und das Einbeziehen von Geist und Seele auf dem Weg zu Gesundheit und einem glücklichen Leben. Man kann es aber auch böswillig mit Egozentrismus übersetzen.

Sweatshop

Sweatshop ist eine abwertende Bezeichnung für Fabriken in Entwicklungsländern, in denen Menschen unter katastrophalen Bedingungen und für zu niedrige Löhnen arbeiten. Multinationale Konzerne lagern ihre Produktion meist in solche Fabriken aus, weil sie dort günstiger ist. Es gibt keine Tarifverträge, Gewerkschaften werden behindert, Frauen missbraucht, Schwangere gekündigt, Überstunden werden nicht ausbezahlt. Es gibt gewalttätige Übergriffe, keinen Arbeitsschutz und die Arbeitsbedingungen in den maroden Fabriken sind teilweise lebensgefährlich.

Schwarzbuch Markenfirmen

Das „Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne“ von den Autoren Klaus Werner-Lobo und Hans Weiss erschien 2001 und 2006 in überarbeiteter Auflage, eine weitere Neuauflage erscheint im März 2010. Die beiden Autoren decken darin die Machenschaften und Verstrickungen von nahezu allen Weltkonzernen auf und machen in der Reihung deutlich, dass diese zum wirtschaftlichen Handlungsprinzip gerade der gängigen, bekanntesten und auch beliebtesten Marken, die den Alltag der allermeisten Konsumenten bestimmen, gehören. Adidas, Coca-Cola, Disney, H&M, Kraft, Nestlé, Levi’s, Ikea, ALDI, Chiquita, Tchibo – sie alle haben demnach ihren Massenerfolg und Profit nur durch Menschenrechtsverbrechen und Umweltzerstörung erreicht. Allein im deutschsprachigen Raum verkaufte sich das Buch 150.000 Mal, in Mexiko und Argentinien stand das Enthüllungswerk, das in zwölf Sprachen übersetzt wurde, wochenlang auf der Bestsellerliste.

Seitenwechsel

Das „Personalaustauschprogramm Seitenwechsel“ initiierte der damalige Bundesminister der rot-grünen Regierung, Otto Schily, zusammen mit dem Personalvorstand der Deutschen Bank, Tessen von Heydebreck. Es startete im Oktober 2004. Damit Politik und Privatwirtschaft sich gegenseitig besser kennen lernen, durften Vertreter von Konzernen Schreibtische in Ministerien beziehen und Bundesbeamte sollten wiederum in die Unternehmen gehen. Zu den Teilnehmern der Wirtschaft gehörten Großkonzerne wie unter anderem Deutsche Bank, Siemens, BASF, SAP, Lufthansa, ABB, Daimler Chrysler, Volkswagen. AOK, EADS, Deutsche BP, Bayer, Deutsche Telekom und IBM. Die Teilnahme am Programm war freiwillig – und erfreute sich großen Zulaufs von Seiten der Wirtschaft. Elf Bundesministerien stellten zwischen drei und zwölf Monate lang Schreibtische und Telefone mit eigener Durchwahl für die Firmenangehörigen zur Verfügung. Die Vertreter der Wirtschaft wurden weiter von ihren Arbeitgebern bezahlt. Eine gesetzliche Regelung für externe Mitarbeiter oder eine unabhängige Kontrolle dieser gibt es nicht. In der Öffentlichkeit wurde der Vorgang kaum bekannt. 2007 fand die Organisation Lobbycontrol, die zur linksorientierten Bewegungsstiftung gehört, heraus, welche Unternehmens- und Verbandsvertreter in welchen Regierungsstellen sitzen. So arbeiteten etwa Beschäftigte von E.on und BP im Außenministerium mit – und zwar in dem Referat, in dem über strategische Energiepolitik entschieden wird. Lufthansa und der Rüstungskonzern EADS schickten Firmenangehörige ins Auswärtige Amt. Im Bundesfinanzministerium saßen Vertreter der Deutschen Bank, der Dresdner Bank, der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Deutschen Börse.

Suffizienz

Suffizienz steht in der Ökologie für das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch. Erreicht werden soll das durch eine geringe Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, insbesondere nach solchen, die einen hohen Ressourcenverbrauch erfordern. In der praktischen Nachhaltigkeitsdiskussion bedeute Suffizienz Verzicht. Etwa auf ressourcenintensive Produkte und Alltagshandlungen wie Fleisch essen, Fliegen und Auto fahren.

T

Transfair

Deutsches Siegel des >fairen Handels.

TRIPS-Abkommen

Siehe >Bio-Piraterie

TINA-Prinzip

Antonym für: There is no alternative,. Die Formulierung TINA-Prinzip stammt von dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu und bezeichnet das simple Muster, mit dem manche Politiker in der Öffentlichkeit Entscheidungen begründen. Eine rhetorische Floskel, die in Wahrheit nur ein propagandistisches Mittel ist, um Kritik in der Öffentlichkeit von vornherein zu delegitimieren und eine Diskussion zu unterbinden. Das TINA-Prinzip fand vor allem in den Sendungen von Sabine Christiansen Anwendung, in der Wirtschaftsbosse, Konzernvertreter und neoliberale Politiker den Abbau des Sozialstaates forderten.

U

Utopia

Konsumplattform, die „strategischen Konsum“ fördern will. Motto: „Kauf Dir eine andere Welt“. Gegründet wurde die Utopia AG 2008 in München von Claudia Langer und Gregor Wöltje, die zuvor eine erfolgreiche Werbeagentur besaßen. Utopia will nicht nur den „strategischen Konsum“ fördern, sondern auch die Wirtschaft zum guten Handeln anspornen. 45.000 „Utopisten“ haben sich auf Utopia.de angemeldet. Utopia finanziert sich durch Partnerschaften und Fördermitglieder aus der Industrie. Als Partner und Förderer kommen Unternehmen infrage, die sich „auf den Weg gemacht haben“ in Richtung Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz. Dazu zählen neben der ethischen Bank GLS, >Hess Natur und dem Ott-Konzern mittlerweile auch so zweifelhafte Konzerne wie BP (Solar) und Henkel, was Utopia den Vorwurf eingebracht hat, ein Greenwashing-Portal zu sein.

UTZ

Ein weites Ersatzsiegel für fairen Handel, das nachhaltigen Kakao und Kaffee auszeichnet. Ein Zertifizierungsprogramm wie der >Common Code for the Coffee Community und >Cotton made in Africa: Es gibt weder eine Abnahmegarantie noch einen Mindestpreis.

W

World Trade Organisation (WTO)

Die Welthandelsorganisation ist die Dachorganisation der Verträge >GATT, und >TRIPS. Ziel der WTO ist der Abbau von Handelshemmnissen und somit die Liberalisierung des internationalen Handels mit dem weiterführenden Ziel des internationalen Freihandels. Zudem ist sie zuständig für die Streitschlichtung bei Handelskonflikten. Den Kern dieser Anstrengungen bilden die WTO-Verträge, die durch die wichtigsten Handelsnationen ausgearbeitet und unterzeichnet wurden. Aufgabe der WTO ist es, die Mitgliedsländer in ihrer Handelspolitik zu beraten und anschließend die Politik der einzelnen Länder miteinander zu koordinieren. Eines ihrer Ziele ist, internationale Vorschriften zum Schutz von Menschenrechten und Umwelt möglichst zu verhindern, sofern diese den Profit der Unternehmen schmälern könnten. Die WTO hat 151 ständige Mitglieder, darunter globale Banken- und Konzernvertreter und die Vertreter großer transnationaler Wirtschaftslobby-Institutionen. Die WTO-Abkommen berühren nationales und europäisches Recht, da die Mitgliedsstaaten sich grundsätzlich verpflichtet haben, ihre nationalen Gesetze ihren Verpflichtungen aus den Welthandelsverträgen anzupassen. Die Mitglieder der WTO werden nicht gewählt, sondern von den Regierungen entsandt. Zwar vertreten die drei Organisationen fast alle Länder der Welt, das Sagen haben aber die reichen Industriestaaten, in denen die multinationalen Konzerne ihren Sitz haben. Die meisten Abstimmungen fallen zugunsten der reichen Industrieländer aus. Jedes Mitglied hat eine Stimme – gibt ein Mitglied keine ab, zählt dies als „ja“. Sofern ihre Stimmen nicht ohnehin mit Investitions- und Kreditversprechen erkauft wurden, trauen sich die von den reichen Ländern abhängigen armen Länder meist nicht, gegen diese zu stimmen.

Wellness

Der Begriff wurde in den 70er Jahren in den USA geprägt, als dort das Gesundheitswesen zu explodieren schien. Donald B. Ardell und John Travis entwickelten damals für die US-Regierung Gesundheitsmodelle, die auf Eigenverantwortung setzen. Nach Ardell besteht Wellness aus Selbstverantwortung, körperlicher Fitness, Stressmanagement und Umweltsensibilität. Eigenverantwortung für die Gesundheit propagieren auch in Deutschland Politik, Krankenkassen und die Wirtschaft.

Win-Win-Situation

Win-Win ist ein strategischer Begriff. Er bedeutet, dass in einem Konflikt, in dem es aufgrund ziemlich eindeutiger und unterschiedlicher Interessenlagen eigentlich Gewinner und Verlierer geben müsste, beide Parteien einen Sieg nach Hause tragen. Und zwar ohne, wie es bei einem Kompromiss der Fall wäre, Abstriche machen zu müssen. Die Win-Win-Strategie ist ein wirtschaftsethischer Ansatz, der versucht, moralische Probleme, Widersprüche und Konsequenzen aufzulösen, die wirtschaftliches Handeln mit sich bringt. Win-Win bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sowohl Unternehmen, Kunde und Umwelt- und Sozialbelange von einer Maßnahme profitieren. Mit anderen Worten: das Unternehmen verdient Geld, indem es moralischen Anforderungen nachkommt, die der Kunde nachfragt.

Z

Zukunftsinstitut

Von Matthias Horx gegründetes Trendforschungsinstitut. Eike Wenzel vom Zukunftstinstitut hat 2007 den >Lohas-Trend mit der Studie „Zielgruppe Lohas. Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert“ als erster in Deutschland untersucht und populär gemacht.