Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 13. Juli 2011

Greenwashing selber machen!

Eine sehr schöne Form des kreativen Protests haben sich die Kampagne Saubere Kleidung, Bewegungsstiftung und I shop fair ausgedacht: Auf der Seite Schönfärben jetzt! kann man Werbeplakate von Aldi, Lidl und Kik selbst gestalten und auf die Seite stellen. Bitte ausprobieren, das macht wirklich Spaß - und da geht noch so einiges! Bitte auch den Appell an Angela Merkel unterschreiben für Transparenz in den Lieferketten der Unternehmen. Nur weil sich die Konzerne weigern, ihre Lieferanten und Sublieferanten preiszugeben (Standard-Argument: "das können wir nicht wegen der Konkurrenz"), können Menschenrechstverletzungen, Lohndumping und Ausbeitung unbehelligt von statten gehen und die Konzerne ihr "soziales Engagement" trotzdem in die Welt hinein lügen. Wie es in den Textilfabriken, die für Lidl und Kik arbeiten, wirklich zugeht, steht in der Untersuchung "Wer zahlt unsere Kleidung bei Lidl und Kik?".

Montag, 17. Januar 2011

QS-Siegel: Verbrauchertäuschung und Dioxin

"Qualität und Sicherheit" - das soll das QS-Siegel garantieren. Spätestens der Dioxin-Skandal  belegt: QS schützt vor allem die Fleisch- und Geflügelindustrie. So war laut der Tierrechtsorganisation PETA selbst der kriminelle Futtermittelhersteller Harles&Jentzsch QS-zertifiziert (QS-ID: 4031735944402), der 3000 Tonnen verseuchtes Futter an 25 Betriebe verkaufte. Denn die QS-GmbH ist ein Zusammenschluss der konventionellen Lebensmittelindustrie: zu den Gründungsmitglieder zählen der Verband der Fleischwirtschaft, der Deutsche Bauernverband, die CMA (die 2009 als verfassungswidrig eingestuft und liquidiert wurde), die Handelsvereinigung für Marktwirtschaft und der Deutsche Raiffeisenverband. Laut eigener Aussage würde bei QS-Betrieben "110 400 Kriterien des Tierschutzes" überprüft. "Gut für den Verbraucher. Gut für die Wirtschaft", ist das Motto der Vereinigung. Das ist genauso lustig wie der Spruch, den Sascha Hehn einmal in einem Welt-Interview fallen ließ ("Geht es dem Unternehmer gut, geht es auch dem Arbeiter gut") und die Aufschwung-Fieberträume der Bundesregierung. Aber natürlich verhält es sich genau andersrum: Geht es der (Lebensmittel-)wirtschaft gut, geht es dem Verbraucher schlecht. So einfach ist das. "QS ist die größte Verbrauchertäuschung, die Deutschland je erlebt hat", sagt Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater von PETA, die bei Undercover-Aktionen in QS-Betrieben immer wieder katastrophale Zustände entdeckte. Auch die Organisation Foodwatch stellte bereits 2004 fest, dass das Label, mit dem sich Handelskonzerne wie REWE, LIDL, ALDI, Metro, Edeka, und Netto schmücken, nichts als Beschiss ist - bzw. "ein Versuch der Lebensmittelwirtschaft, unter Beibehaltung ihrer allzu oft Qualität verhindernden Strukturen herkömmliche Massenware zu adeln." Und was haben wir jetzt wieder gelernt über die Freiwiligkeit und Eigenverantwortung der Industrie? Genau. Deshalb ruft Campact zum Protest gegen Ilse Aigners Industriepolitik und Verbraucherverarsche auf.





Donnerstag, 8. Oktober 2009

Supermarkt-Initiative kritisiert Auszeichnung

Der Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher „Die Verbraucherinitiative“ hat mehrere Einzelhändler verschiedener Branchen mit der Auszeichnung „Nachhaltiges Einzelhandelsunternehmen 2009“ prämiert. Darunter die fünf größten Supermarktketten Aldi, Kaufland (Schwarzgruppe, zu der Lidl gehört), Edeka, Rewe und Metro (real), daneben Konzerne wie Adidas, H&M, Ikea (Gold!), Otto, Puma und Tchibo. All jene Unternehmen also, die sich in der Folge der massiven Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsorganisation an ihren verantwortungslosen Geschäftspraktiken offenbar ganz hervorragende CSR-Abteilungen eingerichtet haben. Ihr Geschäftsgebahren haben diese allenfalls punktuell geändert. Wirklich nachhaltig wirtschaftet indessen keines der Unternehmen. Die Supermarkt-Initiative, ein Zusammenschluss mehrerer NGOs, die gegen den Missbrauch der Einkaufsmacht vor allem der großen Supermarktketten vorgeht, kritisiert die Auszeichnung. „Uns sind Arbeitsrechte-Verletzungen in jedem dieser fünf Unternehmen bekannt“, erklärt Oxfams Handelsexpertin Marita Wiggerthale. „Die Selbstdarstellungen und Hochglanzbroschüren der Supermarktketten verstellen den Blick für die sozialen Missstände im Einzelhandel und in der Lieferkette“, so Wiggerthale. Eine Bewertung der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit auf der Grundlage von vereinzelten Initiativen und Absichtserklärungen sei zweifelhaft und irreführend.