Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Dienstag, 27. September 2011

B.A.U.M.- und BAUM-AB-Preis für Unilever

Greenwashing ist nicht nur die Kehrseite sondern das Wesen des "verantwortlichen Wirtschaftens". Damit auch alle Konzerne unter dem Grünen Deckmantel weiter machen können wie bisher, gibt es Nachhaltigkeitspreise, die sich die Industrie praktisch selber gegenseitig verleiht. Dass vor allem Unternehmen einen solchen Preis bekommen, die in Wahrheit alles andere als nachhaltig wirtschaften, ist Absicht: das Märchen der wundersamen Wandlung der Wirtschaft zum Weltretter muss weiter erzählt werden - das geht am besten mit Saulus-Paulus- und  Hättste-nicht-gedacht-Geschichten.

Der B.A.U.M.-Preis ist so einer. Er wird verliehen vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, ein Verein, in dem rund 500 Fördermitglieder aus der Wirtschaft vertreten sind - darunter auch Öko-Konzerne wie Adidas, Airbus, Bayer, Beiersdorf, Daimler, Danone, Deutsche Bank, Eon Hanse, Edeka, Henkel, Ikea, Kik, Lufthansa, McDonalds, Procter&Gamble, Puma, Rewe, Siemens, Tchibo und Unilever. Den B.A.U-M-Preis erhielt in diesem Jahr unter anderen: Unilever. "Unilever führt bereits seit zwölf Jahren den Dow Jones Sustainability Index für den Lebensmittelsektor an und beweist damit sein langjähriges, kontinuierliches und erfolgreiches Engagement. Bei der Bewertung lag das Unternehmen in allen drei Kerndimensionen - Umwelt, Ökonomie und Gesellschaft - vorn", heißt es in der Pressemitteilung. Bepreist wird, wie bei fast jedem Industrie-Umweltpreis, vor allem ein Zukunftsversprechen: "Unilever hat sich zum Ziel gesetzt, die Umweltauswirkungen der Produkte zu halbieren, landwirtschaftliche Rohwaren zu 100 Prozent aus nachhaltigem Anbau zu beziehen sowie 1 Milliarde Menschen zu besserer Gesundheit und mehr Lebensqualität zu verhelfen. Damit verpflichtet sich Unilever, die Umweltbelastung entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis 2020 nachweislich zu reduzieren - von der Gewinnung der Rohmaterialien über die Produktion und Distribution bis hin zur Produktnutzung durch Verbraucher einschließlich der Abfallbeseitigung von Restverpackungen."


Schöne Worte sind das - doch die Realität sieht anders aus: Kosmetik- und Plastiknahrungsmittelhersteller Unilever gehört zu den weltweit größten Palmöl-Verbrauchern: er bezieht 1,3 Millionen Tonnen des Pflanzenfetts, für die der Regenwal in Indonesien brennt. Der Palmöl-Lieferant von Unilever, Wilmar International, ist einer der größten Palmölkonzerne der Welt. Brandrodungen, illegale Regenwaldabholzung, Vertreibung indigener Völker, Menschrechtsverletzung, Bestechung lokaler Politiker - all das gehört laut Rettet den Regenwald zum schmutzigen Geschäft von Wilmar. Der Konzern hat auf Borneo bereits eine Fläche von 240 000 Hektar gerodet und mit Monokulturen bepflanzt, ein Fläche so groß wie das Saarland. Konzessionen für weitere 220 000 Hektar hat Wilmar bereits erhalten. Das macht Indonesien mit 25 Millionen Tonnen zum drittgrößten CO2-Emittenten der Welt - mit freundlicher Unterstützung von Unilever. Das Unternehmen hat den B.A.U.M.-Preis unter anderen auch dafür bekommen, weil es in Deutschland seine CO2-Emissionen um 60 000 Tonnen pro Jahr gesenkt hat.

All das war für die NGO Rettet den Regenwald und Robin Wood Anlass genug, den wohl verdienten BAUM-AB-Preis an Unilever zu verleihen. Sie demonstrierten am vor dem Terminal des Hamburger Flughafens (B.A.U.M.-Fördermitglied!), wo der B.A.U.M.-Preis an Harry J. M. Brouwer von der Unilever Deutschland Holding GmbH verliehen wurde. Den BAUM-AB-Preis wollte er jedoch nicht entgegen nehmen (ach!) - musste aber die 30 000 Protestunterschriften einstecken.

Montag, 11. Juli 2011

WWF und Gen-Soja/Wiederholung "Der Pakt mit dem Panda"

In diesen Tagen werden erstmals 80 000 Tonnen des angeblich "nachhaltig" produzierten Sojas in Europa ankommen - bestimmt für Landwirte der Großmolkerei Friesland-Campina und des Fleischkonzerns Vion. 5000 weitere Tonnen gehen in die USA zum Lebensmittelkonzern Unilever. Mit im Gepäck: gentechnisch verändertes Soja, dass der vom WWF 2006 gegründete Round Table on Responsible Soy Association, zu dem auch die Saagut- und Gentechnik-Multis BayerCropscience und Monsanto sowie umstrittene Konzerne wie Unilever gehören, gegründet haben. Einen sehr interessanten Artikel zum "nachhaltigen" Gensoja und den WWF hat Stephan Börnecke heute in der Frankfurter Rundschau geschrieben.

Am Mittwoch, 13. Juli, wiederholt der der SWR Wilfried Huismans WWF-Doku "Der Pakt mit dem Panda" um 20.15 Uhr.

Gleichzeitig wird der WWF sich in einem Live-Chat online zu den Vorwürfen äußern.

Freitag, 24. Juni 2011

WWF wehrt sich

Leider lief der aufschlussreiche Film "Der Pakt mit dem Panda" am Mittwoch erst spätabends (hier kann er angeschaut werden, falls ihn jemand verpasst hat), dennoch hat er erfreulicherweise für großes Medienecho gesorgt. In einem "Faktencheck" widerspricht der WWF nun den Vorwürfen der Dokumentation von Wilfried Huisman (man hat sich ja schon während des Film gefragt, wieso der WWF nicht professioneller reagiert und stattdessen Dörte Bieler vor die Kamera setzt, die sich jämmerlich um Kopf und Kragen redet - Psychologen dürften allein beim Anblick der Mimik und Gestik ihre Freude gehabt haben). Schon die ersten drei Statemens sind natürlich gelogen.

1: Der WWF lehnt Gentechnik grundsätzlich ab

Blödsinn. Der WWF sitzt zusammen mit unter anderem Monsanto, Syngenta, Nestlé und Bayer Crop Science im Round Table on Sustainable Soy Association, eine ähnliche Greenwashing-Institution wie der Roundtable on Sustainable Palmoil. Dieser verleiht das RTRS-Zertifikat. Abgesehen davon, das fast 80 Prozent der Mitglieder aus der Industrie (57 Prozent Konzerne, 20 Prozent Produzenten) stammen, gehört zu den fünf Hauptkriterien "verantwortungsvollen Anbaus" (Legal compliance & good  business practice, Responsible labor conditions, Responsible community relations, Environmental responsibility, Good agriculture practices - windelweicher geht es kaum) nicht der Verzicht auf Gentechnik. Im Gegenteil: in den RTRS-Standards steht geschrieben:

"This standard applies to all kinds of soybeans, including conventionally grown, organic, and genetically modified (GM). It has been designed to be used for all scales of soy production and all the countries where soy is produced."

hochinteressant ist auch dieser Zusatz:

"When a change in soybean production practices is introduced which could impact on neighboring production systems, it is the responsibility of the producer making the change to implement a buffer strip of 30 m (e.g. in areas where production is generally GM, it is the responsibility of an organic or non-GM farmer to maintain the buffer around his own production. In areas where production is mainly non-GM or organic, a farmer planting GM or using chemicals should maintain a buffer)."

Als es 2009 Vorwürfe von NGO wie Save our Seeds hagelte, der WWF unterstütze Gentechnik, rechtfertigte sich der WWF, er stünde ja nicht hinter allen Entscheidungen des RTRS (das ist ungefähr so, als wäre ich als Vegetarier Mitglied bei der Fleischerinnung, um mit den Mitgliedern das Ende der Fleischproduktion voranzubringen) und adelt seine Greenwashing-Dienstleistung für Monsanto & Kollegen folgendermaßen:

"WWF believes that the RTRS cannot be effective in helping to prevent the environmental impacts of soy production, such as forest conversion, habitat loss, soil degradation, water use and pesticide use, unless it applies both to GM soy and GM-free soy. Eliminating GM soy producers from the RTRS would greatly limit its potential to mitigate critical environmental impacts of soy production."

Nun ist es nicht nur so, dass der Roundtable Gen-Soja-Anbau schützt und zertifiziert, sondern auch Agro-Sprit. Damit würde der WWF unter anderem dafür sorgen, dass Verbrecher-Konzerne wie Monsanto für genmodifiziertes Soja auch noch CO2-Zertifikate bekommen, kritisierte 2009 die Jury des dänischen Angry Mermaid Award und verlieh den Negativpreis an Monsanto.

Eine weitere GMO-Quelle, die der WWF schützt, ist das zweifelhafte Projekt Better Cotton Initiative, in der auch Ikea und H&M Mitglied sind. Dort ist gentechnisch veränderte Baumwolle erlaubt. Wenn man also sagt, dass man sich in Sachen Gentechnik "technologieneutral" ("GMO technology: BCI does not wish to dictate to growers which technologies are best for them") verhalte und auch Bauern erlaube, gentechnisch verändertes Saatgut zu verwenden - lehnt man dann wirklich Gentechnick grundsätzlich ab? Lehnt man ferner allen Ernstes Gentechnik grundsätzlich ab, wenn man zulässt, dass es innerhalb der BCI Feldversuche mit gentchenisch verändertem Saatgut gibt und weiterhin geben soll?

Abgesehen davon ist scheints auch die Behauptung, der WWF habe von Monsanto kein Geld genommen, gelogen: Auf Anfrage der SZ gab der Verband zu, Monstao-Spenden entgegegn genommen zu haben.


2. Der WWF ist nicht käuflich

"Der WWF schließt keine Kooperation, wenn ein Unternehmen nicht bereit ist, unsere Standards im Umweltschutz und im Bereich der Nachhaltigkeit zu akzeptieren. Wir kritisieren wenn nötig Kooperationspartner auch öffentlich." Schreibt der WWF. Wann hat der WWF zuletzt einen Konzern kritisert? Wie kann man behaupten, nicht mit Wilmar zusammenzuarbeiten, wenn doch der Vize-Chef des Roundtable on Sustainable Palmoil ein Wilmar-Abteilungsleiter und ein WWF-Mitarbeiter sind? Seltsam, dass keine einzige Konzernkritik zu Wilmar von Seiten des WWF irgendwo zu finden ist, im Gegenteil. Ein kleiner Blick auf die Sponsorenliste ist immer wieder erhellend. Die letzte Konzern-Kritik des WWF an Henkel, die jedenfalls ich gefunden habe, stammt von 2003 - und schon im Jahr darauf war Henkel Mitglieder beim RSPO.

3. Der WWF setzt sich weltweit für den Erhalt der Regenwälder ein

Muss man das noch kommentieren? Ich verweise hiermit abermals auf die NGO FSC-Watch, die die Machenschaften des Forest Stewartship Council kritisiert (zu denen unter anderem seit Jahren Kahlschlag, illegale Regenwaldabholzung, Vertreibung indigener Völker und sogar Mord gehört - aktueller Skandal übrigens: auf südafrikanischen Holz-Monokulturen, die FSC-zertifiziert sind, werden hunderte Affen abgeknallt), den der WWF mibegründet hat, sowie selbstverständlich auf den Roundtable on Sustainable Palmoil, dessen Existenz mehr als 250 internationale Umweltschutzorganisationen als Greenwashing ablehnen. Und ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass sich der WWF 2003 nicht entblödet hat, mit der Fluggesellschaft LTU zusammenzuarbeiten und unter dem wunderschönen Titel "Fliegen für den Regenwald" pro Flugticket an den WWF spenden zu lassen: mit den geplanten 20 Millionen sollten 25 Quadratkilometer Regenwald geschützt werden - weil das grad mal halb so viel Fläche ist wie der Starnberger See hat, behalf sich der WWF wie schon auch bei "Saufen für den Regenwald" (Krombacher) eines billigen Umrechnungstricks und sprach von 25 Millionen Quadratmetern - dabei wird, mit freundlicher Unterstützung des WWF, weltweit so viel Fläche Regenwald binnen dreineinhalb Stunden vernichtet.

Das Magazin Enorm sucht übrigens Aufklärer, die nach dem Vorbild "Guttenplag" Hinweise für die Machenschaften des WWF haben.



Montag, 25. Oktober 2010

Bayer, BASF, E.on und BP sponsern Klima-Leugner in den USA

Machen Sie sich doch mal den Spaß, zuzuordnen, zu welchem der oben genannten Konzerne jeweils die folgende Verantwortungsbehauptung gehört (Auflösung siehe unten):

1. "Wir begrüßen daher die intensive Auseinandersetzung mit dem Klimaschutz, zumal wir diese ökonomische und ökologische Herausforderung seit langem selbst sehr ernst nehmen."
2. "Klimaschutz ist Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Zur
Umsetzung haben wir uns konkrete Ziele gesetzt, die wir konsequent
verfolgen."

3. "Wir bekennen uns zu unserer Rolle als Schrittmacher beim Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft."
4. "Als nachhaltiges Unternehmen wollen wir Energie auf eine Weise gewinnen und nutzen, die unserem Planeten und seiner Bevölkerung langfristig nicht schadet."

Ist eigentlich völlig wurscht, gelogen sind sie alle. Denn diese Konzerne wollen nur eins: globale Klimapolitik verhindern. Deshalb unterstützen BP, BASF, Eon, Bayer und andere Konzerne mit insgesamt 240 200 US-Dollar vor den US-Kongresswahlen jene Senatoren, die den Klimawandel leugnen und Barack Obamas Klimapolitik verhindern wollen. Der Schweizer Tagesanzeiger zitiert einen Bericht des Climate Action Network Europe, nachdem 80 Prozent der Wahlkampfspenden der dort genannten Konzerne an Senatskandidaten fließt, die sich gegen die Klimapolitik der USA aussprechen. Der großzügigste Spende stammt vom Chemiekonzern Bayer: der ließ seinem Wunschkandidaten 108 100 Dollar zukommen.  Zu den Begünstigten gehören vor allem Angehörige der konservativen Tea-Party-Bewegung, die sich gegen jedwede Regulierung bei Umweltfragen und gegen Finanzmarktkontrolle einsetzen.

Lösung: 1: Bayer, 2: BASF, 3:E.on 4: BP

Montag, 12. Oktober 2009

Ist es zu fassen? Bayer AG erhält Klimaschutzpreis

Man denkt ja immer, es könnte nicht absurder werden. Kann es aber doch: Der Bayer-Konzern wurde als das weltweit beste Unternehmen in den „Carbon Disclosure Leadership Index“ aufgenommen. Mit der Höchstzahl von 95 bei 100 möglichen Punkten führt Bayer als alleiniger Spitzenreiter die Liste der insgesamt 50 im Leadership Index vertretenen Unternehmen an, die aus den 500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt ausgewählt wurden. Grundlage ist die fundierte und transparente Berichterstattung über die verfolgte Klimastrategie sowie über Treibhausgas-Emissionen. Mit anderen Worten: Bewertet wurde die freiwillige Selbstauskunft des Unternehmens über ihr Klima-Engagement. Bewertet wurde diese ausgerechnet von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die bereits Michail Chodorkowoskij, Chef des russischen Ölkonzerns Yukos, der wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt wurde, eine saubere Buchführung bescheinigte. Dass Bayer eine so katastrophal lange Liste an Umwelt- und Menschrechtsvergehen (einen Überblick kann man sich auf der Seite der Coordination gegen Bayer-Gefahren verschaffen oder in „Das neue Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne“ von Hans Weiss und Klaus Werner-Lobo) nachgewiesen werden kann, dass man damit Bücher vollschreiben könnte, ist das eine. Das andere ist, dass der Chemiekonzern sich schon vor drei Jahren den Vorwurf gefallen lassen musste, seine Klimabilanz schöngefärbt zu haben.

» Artikel vollständig lesen