Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 3. November 2010

Lachen über Lohas

Einen sehr lustigen Sketch über (britische) Lohas gibt es in der sehr, sehr lustigen Armstrong and Miller-Show auf BBC! Das tolle daran ist nicht nur, dass es die Interessen meines Mannes und die meinen trefflichst vereint - es spielt auch noch Morten Harket von a-ha mit, deren Song "Take on me" ich voll nachhaltig schon seit 25 Jahren als Lieblingslied gebrauche! Meine Lieblingszeile im Song "The Farmer's Market" aus dem Sketch ist aber die: "We have sugar-mice like a normal shop - but not as nice". Da muss ich nämlich immer an meinen kleinen Bioladen ums Eck denken, der auch immer mehr ausssieht wie ein normaler Supermarkt. Wo nämlich einst der Pfandflaschenautomat stand, steht jetzt ein riesiger beleuchteter Kühlschrank, in dem es so eine Art Bio-Energie-Drink gibt (im Sommer gab es dazu ein paar Badelatschen aus aufgeschäumtem Plastik), daneben steht ein Kühltruhe mit verzehrfertig gewaschen und gezupftem Bio-Salat in Plastiktüten und winzige Ananasstückchen abgepackt in kleinen Plastikschalen. Noch dazu muss die arme Frau, die an der Bäckerei- und Wärmetheke steht, auch noch zusätzlich das Pfand annehmen. Im Tiefkühlschrank weiter hinten gibt es dann Pommes, Fleischbällchen, Pizza und sonstige Fertiggerichte, die das Klima zerstören, in der Gemüseabteilung Kartoffeln aus Ägypten, Paprika aus Israel und bald schon wieder Spargel aus Peru und Erdbeeren aus Südspanien. Das ist das Ergebnis der Konsumentedemokratie: alles bleibt, wie es ist. Und das ist doch voll nachhaltig, oder nicht?

Montag, 31. Mai 2010

Heute im Radio: Wieviel Bio verträgt die Natur?

SWR 2 sendet heute von 17:05 bis 17:50 Uhr eine Diskussionsrunde mit dem Thema Wachstum über alles - wieviel bio verträgt die Natur? Darin diskutiere ich mit Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und Detlef Stoffel, Mitbegründer der Naturkostbewegung in Deutschland.

Die Antwort ist ganz klar: 100 Prozent! Dass eine ökologische Landwirtschaft die Welt ernähren kann, ist von dutzenden Studien belegt, man kann sie in der ausführlichen Broschüre des BÖLW nachlesen. Es ist die konventionelle Landwirtschaft, die Natur und Klima zerstört, Armut und Hunger vorantreibt und die Gesundheit des Menschen zerstört:  Ressourcenverbrauch vor allem fossiler Energien (Stickstoffdünger!), Ausstoß klimaschädlicher Gase, brutaleste Ausbeutung von Tieren, Monokultur und Pestizideinsatz, die Böden, Wasser (deren  Aufbereitung und Sanierung wir mit unseren Steuern bezahlen - nur deshalb sind konventionelle Lebensmittel billiger!!!) und Artenvielfalt zerstören. Und ein gigantischer Flächenverbrauch: weil der Fleischverzehr in den Industrieländern gigantisch hoch ist, wird das Tierfutter auf Böden in Entwicklungsländern geerntet, wo Essen für Menschen wachsen kann: 70 Prozent des Tierfutters wird importiert, 30 Prozent der eisfreien Flächen wird für Tierzucht verschwendet. Und weil die konventionelle Landwirtschaft wie alle Industrien ihre Profite auch durch Export macht, werden Milchpulver, Fleischabfälle, Tomatenmark und anderer Überschuss teils hochsubventioniert auf die Märkte der Entwicklungsländer gebracht, wo sie die lokalen Märkte zerstören und die Armut weiter vorantreiben. Was also die konventionelle Landwirtschaft anrichtet, lässt sich auch im Weltagrarbericht nachlesen: Die industrielle Überproduktion hat den Hunger nicht beseitigt, sondern verstärkt. Eine Milliarde Menschen hungert, eine Milliarde Menschen ist fehlernährt - und eine weitere leidet an krankhaften Übergewicht.
Dass konservative Autoren wie etwa das Propagandisten-Duo Dirk Maxeiner und Michael Miersch Bio mit noch so absurden und falschen Behauptungen diskreditieren, hat dem Ruf arg geschadet. Dass immer wieder Berichte oder Studien auftauchen, die belegen wollen,  dass Bio ja gar nicht gesünder ist oder gar nicht besser schmeckt oder gar nicht mehr Vitamine hat, wie die jüngste Untersuchung der Stiftung Warentest, ist fatal. Dass der Ruf von Bio derart beschädigt ist, daran sind die Lohas leider nicht unschuldig: ihnen war Bio NUR durch Ego-Aspekte wie Genuss, Glamour und (eigene) Gesundheit zu verkaufen, NICHT durch die Idee des ökologischen Landbaus. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass selbst Erdbeeren, Pfirsiche und Spargel im Winter in Bioqualität zu haben sein müssen, Verzicht ist ja nicht angesagt bei Lohas, egal, wie sehr solche Produkte (Wasserverbrauch, Transport) trotz bio der Umwelt schaden. Die Glamour-Bio-Idee hat leider auch dazu geführt, dass Bio einen Ruf des Elitären bekommen hat - obwohl der ökologische Landbau ein solidarischer Ansatz ist und große gesellschaftliche Leistungen zu erbringen vermag. Die Umsetzung und Verbreitung von Bio bedarf politischer Entscheidungen, die wir als Bürger vorantreiben müssen, nicht als Konsumenten an der Einkaufskasse!





Dienstag, 23. März 2010

Palmöl: Protest gegen Alnatura, Allos, Rapunzel und Body Shop

Gestern berichtete das Magazin Report Mainz in der ARD über Palmöl in Bio-Lebensmitteln, das von Ölplantagen des zweifelhaften kolumbianischen Konzerns Daabon stammt. Zwar wirbt der Konzern mit elf Ökosiegeln, besitzt aber 5350 Hektar Ölpalmen-Monokultur (Monokultur ist im ökologischen Anbau nicht erlaubt). Nach Recherchen der Organisation Rettet den Regenwald ließ Daabon in Las Pavas 2009 mindest 123 Kleinbauern-Familien gewaltsam vertreiben (laut Report Mainz sogar 500), die dort für ihr Auskommen Kakao angebaut hatten, um auf ihren Feldern Ölplantagen zu errichten. Daarboon wird die illegale Rodung geschützer Ufervegatation zur Last gelegt, der Konzern ist außerdem verantwortlich für zwei katastrophale Unfälle, bei denen Palmöl ins karibische Meer floss und dort Korallenriffe zerstörte. Bei den Unfällen starben zwei Menschen. Daabon ist am Bau der größten Palmöl-Dieselraffinerie Kolumbiens beteiligt. Rettet den Regenwald hatte bereits im März 2009 zahlreiche Hersteller angefragt - 500 Bio-Produkte verschiedener Hersteller enthalten Palmöl -, woher das Palmöl stamme. Viele Firmen hätten gar nicht reagiert oder nichtssagende Antworten geschickt. Schließlich nannten Rapunzel, Alnatura, Allos und The Body Shop den Konzern Daabon. Auf Anfrage des SWR sagte die Firma Rapunzel, die Räumung sei legal. Dem widerspricht die kolumbianische Menschenrechtsbehörde - mittlerweile beschäftigt sich auch die UNO mit dem Fall.

Nach dem Beitrag  veröffentlichten Alnatura, Allos und Rapunzel jeweils Stellungnahmen. Rettet den Regenwald hat eine Protestaktion gegen jene gestartet mit der Aufforderung, Palmöl durch heimische Öle zu ersetzen.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Südwind untersucht kleine ökosoziale Modelabels

Junge ökosoziale Modelabels schießen wie Pilze aus dem Boden, die Magazine und Einkaufsratgeber sind voll von schicker korrekter Mode, Modemessen und -schauen suggerieren, das Ethik genauso trendtauglich ist, wie Rocklängen, Stoffmuster oder Farben und ökosoziale Mode kleiner schick klingender Labels gilt den Lohas als Beweis, dass ethischer korrekter Konsum vor allem sexy und lustig ist. Dabei gibt nicht nur die Textilindustrie, sondern vor allem NGOs wie die Kampagne für Saubere Kleidung zu bedenken, dass die globale Textilkette kaum zu 100 Prozent zurückzuverfolgen ist: wo die Baumwolle wächst, gewoben, gefärbt und zu Kleidern genäht wird, geschieht bei hunderten unterschiedlicher Zulieferer – und selbst ein Öko-T-Shirt kann unter verheerenden Bedingungen in Sweatshops genäht worden sein. Denn gerade in der Bekleidungsindustrie gilt: bio ist nicht fair – und fair ist nicht bio. Einmal diese kleinen Labels nach Anspruch und Wirklichkeit zu überprüfen, war also längst fällig – die NGO Südwind hat dies mit der Studie „Sozial-ökologische Mode auf dem Prüfstand“ nun erstmals getan und ganz bewusst nur kleine Unternehmen untersucht. Im Gegensatz zu den Einkaufstratgebern, die entweder den ökologischen oder den sozialen Aspekt berücksichtigen, nicht aber die gesamte Lieferkette, untersucht die Südwind-Studie, beide Aspekte. Das Ergebnis ist leider ernüchternd. Nicht nur, dass nur 23 von 204 angefragten Modelabels (63 davon aus Deutschland), die sich den Anspruch geben, ökosoziale Produkte herzustellen oder zu verkaufen, überhaupt an der Befreigung teilgenommen haben: mit nur wenigen Ausnahmen fallen die ökologischen aber vor allem die sozialen Anforderungen der meisten Anbieter hinter etablierte internationale Standards zurück.

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Sonntag, 8. November 2009

Märchenstunde mit Claudia Langer: FAS-Interview über Fleisch, Fisch und Bio

„Sie wünschen – wir schreiben: Ist das Klima noch zu retten?“ Das bietet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ihren Lesern an. Diese sollen dabei entscheiden, worüber die FAS anlässlich des Klimagipfels in Kopenhagen schreiben soll, verschiedene Themen stehen zu Auswahl. Dass die FAZ die Berichterstattung über das drängendste Problem unserer Zeit, den Klimawandel, als schlichte Dienstleistung versteht, ist schon bemerkenswert. Die FAS-Leser haben sich diesmal eine Antwort auf die Frage „Sind Vegetarier die besseren Klimaschützer?“ gewünscht. Für das Interview zum Thema hat sich die FAS aber nicht etwa einen Ernährungswissenschaftler oder Klimaforscher ausgesucht, sondern ausgerechnet Ex-Werberin und Utopia-Chefin Claudia Langer, die mit ihren Antworten dafür gesorgt hat, dass dem FAS-Leser ganz bestimmt nicht die Gabel mit Sonntagsbraten vor Schreck aus der Hand gefallen ist, sondern dieser ihm weiterhin lecker schmecken wird.

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Dienstag, 13. Oktober 2009

Otto-Group-Trend-Studie: Lohas boomt weiter

Es sind so schöne Zahlen, die die Untersuchungen zum Lifestyle of Health and Sustainability, kurz: Lohas, immer wieder hervorbringen. Im September erschienen ist die Otto-Group-Trendstudie, die der Handelsriese nach 2007 schon zum zweiten Mal beim Hamburger Trendbüro in Auftrag gegeben hat. Danach interessieren sich 90 Prozent der Befragten für ethischen Konsum, 82 Prozent geben so viel oder mehr Geld für moralisch veredelte Produkte aus wie vor der Krise, 65 Prozent wollen sich solche noch mehr kosten lassen. Die Studie heißt „Die Zukunft des ethischen Konsums“; und angesichts der Wirtschaftskrise möchten Konzerne wie Otto, die wegen ihres homöopathischen Angebots von Fairtrade- und Bio-Artikeln von den Lohas geschätzt werden, doch wissen, ob es sich lohnen wird, den Lifesyle-Ökotrend weiter zu bedienen. Das tut es offenbar. Wenn es jedoch ums Handeln geht, wird der Lohas schon wieder kleinlaut: 88 Prozent der Befragten wissen, dass sie mit ihrem Konsumverhalten Teil des Problems sind. Aber nur 25 Prozent der Befragten wollen ihr Konsumverhalten wirklich ändern. Die Studie steht hier zum Download.