Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Freitag, 12. November 2010

Selbst geschrieben: Lufthansa-Interview in Enorm

In der Enorm-Ausgabe Nummer vier habe ich für meine Interview-Kolumne "Hartmann!" die Lufthansa befragt: das Gespräch dreht sich um Agrartreibstoffe, die Behauptung des scheidenden LH Chefs Wolfgang Mayrhuber, Fliegen sei auf langen Strecken umweltfreundlicher als Auto fahren, und die "Vier Säulen Strategie" zur CO2-Reduktion . Eine meiner liebsten Stellen im Interview:  

Enorm: Was soll der Verbraucher tun?

LH: Er ist immer frei in der Entscheidung, ob er das umweltfreundliche oder etwa das preisgünstige Produkt wählt.

Enorm: Dementsprechend sollte er am besten gar nicht fliegen - jedenfalls so wenig wie möglich.

LH: Wo haben Sie denn das gehört?

Weiters habe ich in dieser Enorm-Ausgabe einen Text über die Jäger der Greenwasher, Verbraucherzentralen, Toralf Staud und Foodwatch geschrieben.



Sonntag, 16. Mai 2010

Lufthansa: Weltzerstörung für den Umweltschutz

Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa will noch grüner werden und mit Agrosprit fliegen. Bis zum Jahr 2020 sollen dem fossilen Kerosin fünf bis zehn Prozent Agrosprit beigemischt werden. Lufthansa verbrauchte im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Tonnen Flugtreibstoff. Daraus folgt ein Agrosprit-Einsatz von 385.000 bis 770.000 Tonnen pro Jahr. Der Treibstoffverbrauch stellt mit 15 Prozent einen der wesentlichen Kostenfaktoren für die Airline dar. Bei weiter steigenden Ölpreisen sieht der Konzern in Agrosprit eine kostengünstigere Alternative. Außerdem hofft Lufthansa nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Mayrhuber, dadurch bei den Ausgaben für den Emissionshandel Vorteile zu haben. Ab 2012 bezieht die Europäische Union die Fluggesellschaften in den Handel mit Verschmutzungsrechten ein. Derzeit schlagen 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid bei der Lufthansa zu Buche. Lufthansa schätzt die dadurch entstehenden Kosten auf 150 bis 350 Millionen Euro pro Jahr. Durch die Beimischung des Agrosprits würde die Lufthansa zumindest buchhalterisch ihre CO2-Bilanz verbessern und Ausgaben sparen. Eine Win-Win-Situation, bei der Mensch, Natur und Klima wieder einmal auf der Verlierer-Seite stehen. Als Hoffnungsträger bezeichnet Lufthansa Algen und "Energiegewächse" wie Jatropha. Treibstoff aus Algen ist allerdings Zukunftsmusik - und die tropische Pflanze Jatropha bringt nur dann Erträge, wenn sie, gut bewässert, auf fruchtbaren Böden wächst. Damit steht die "Energiepflanze" in direkter Konkurrrenz zur Nahrungsmittelproduktion: Um das heute verbrauchte Kerosin durch Jatropha zu ersetzen, bräuchte man 1,4 Millionen Quadratkilometer Fläche, das ist die doppelte Fläche von Frankreich. Außerdem fallen pro Liter Agrarsprit aus Jatropha 20 000 Liter Wasser an. Agrosprit, sagt der ehemalige UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung und Mirglied im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats,  Jean Ziegler, sei "ein Verbrechen gegen die Menschenlichkeit". Für die Anlage der Jatropha-Plantagen werden direkt und indirekt natürliche Ökosysteme gerodet, vor allem sehr arten- und kohlenstoffreiche Savannengebiete. Die Umwandlung dieser Ökosysteme in Monokulturen vernichtet die Biodiversität und heizt durch die massive Freisetzung des in Vegetation und Böden gebundenen Kohlenstoffs den globalen Treibhauseffekt an. Noch dazu ist die Einsparung von Klimagasen nicht einmal nachgewiesen, wie Toralf Staud in seinem ausführlichen Beitrag zu diesem Thema in seinem Blog Klima-Lügendetektor darlegt.


Die NGO Rettet den Regenwald ruft deshalb zum Online-Protest auf. 

Dienstag, 27. Oktober 2009

Neue Studie: Bio-Kraftstoffe sind klimaschädlich

Spiegel Online berichtet über eine Studie, nach der der Anbau von Agrar-Kraftstoffen dem Klima genauso massiv schadet wie fossile Brennstoffe. Forscher des amerikanischen Marine Biological Laboratory um Jerry Melillo kamen in zwei Szenarien zu diesem Schluss. Beide basieren auf der Annahme, dass der Bedarf an Biokraftstoffen in den nächsten Jahren steigen wird. Im ersten Modell untersuchen die Wissenschaftler die Auswirkungen der Rodung von Regenwald zugunsten von Anbauflächen für Energie-Pflanzen. Dabei gehen nicht nur massive Flächen von CO2-Speicher verloren: bei der Rodung gelangen auch große Mengen von CO2 in die Atmosphäre. Im zweiten Szenario beschäftigten sich die Forscher mit bereits vorhandenen Anbauflächen, für die zwar kein Regenwald abgeholzt wird. Da auf diesen Flächen aber keine Lebensmittel angebaut werden können, wird für diese wiederum Regenwald fallen. In beiden Fällen aber werden die Pflanzen gedüngt, was zusätzlich klimaschädlich sei: der Dünger führe zu chemischen Reaktionen im Boden, in deren Folge das klimaschädliche N2O(Lachgas) in die Atmosphäre entweiche, das diese noch stärker belasten könnte als CO2.

Sonntag, 11. Oktober 2009

DHL pflanzt in Deutschland Bäume und zerstört Regenwald in Südostasien

Noch im Mai diesen Jahres ließ sich die Deutsche Post-DHL als Wald- und Klimaretter feiern, weil das Unternehmen der Inititiative Plant for the Planet 10.000 Bäume spendete. Das Projekt, das vor allem vom Autokonzern Toyota, DHL und der Konsum-Plattform Utopia.de unterstützt wird, lässt mit Hilfe der Industrie zur CO2-Kompensation Bäume von Kindern pflanzen. Bäume pflanzen bringt allenfalls was für’s gute Gewissen der Autofahrer und Konsumenten und für das Image der Konzerne. Fürs Klima bringt das nachweislich gar nichts, im Gegenteil: Bis ein Baum groß genug ist, um CO2 aufzunehmen, dauert es 60 bis 80 Jahre. Bis der Baum groß genug ist, steigen die Treibhausgase aber weiter an. Eine Garantie, dass der Baum überhaupt so lange stehen wird, gibt es indes nicht. Schon deshalb, weil durch das gestiegene Klima Waldbrände zunehmen werden. Und wenn ein Baum brennt, wird all das CO2, dass er über die Jahre der Atmosphäre entzogen hat, auf einen Schlag wieder frei. Für das Klima wirklich notwendig ist es, alte Wälder, also Ur- und Regenwälder zu erhalten. DHL trägt aber im Gegenteil dazu bei, Regenwald in Borneo, Malaysia und Sumatra abzuholzen. Der Logistik-Konzern lässt für einen Feldversuch innerhalb des GoGreen-Programms LKWs mit Palmöl fahren. Und für Palmöl, Rohstoff von Putzmitteln, Lebensmitteln und auch so genannten Bio-Kraftstoffe, wird auf dafür gerodeten Regenwaldflächen gepflanzt. Der Verein Rettet den Regenwald hat eine ausführlichen Bericht darüber veröffentlicht. Dort kann man sich außerdem per E-Mail an einer Protestaktion beteiligen.