Artikel mit Tag co2
Sonntag, 16. Mai 2010
Lufthansa: Weltzerstörung für den Umweltschutz
Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa will noch grüner werden und mit Agrosprit fliegen. Bis zum Jahr 2020 sollen dem fossilen Kerosin fünf bis zehn Prozent Agrosprit beigemischt werden. Lufthansa verbrauchte im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Tonnen Flugtreibstoff. Daraus folgt ein Agrosprit-Einsatz von 385.000 bis 770.000 Tonnen pro Jahr. Der Treibstoffverbrauch stellt mit 15 Prozent einen der wesentlichen Kostenfaktoren für die Airline dar. Bei weiter steigenden Ölpreisen sieht der Konzern in Agrosprit eine kostengünstigere Alternative. Außerdem hofft Lufthansa nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Mayrhuber, dadurch bei den Ausgaben für den Emissionshandel Vorteile zu haben. Ab 2012 bezieht die Europäische Union die Fluggesellschaften in den Handel mit Verschmutzungsrechten ein. Derzeit schlagen 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid bei der Lufthansa zu Buche. Lufthansa schätzt die dadurch entstehenden Kosten auf 150 bis 350 Millionen Euro pro Jahr. Durch die Beimischung des Agrosprits würde die Lufthansa zumindest buchhalterisch ihre CO2-Bilanz verbessern und Ausgaben sparen. Eine Win-Win-Situation, bei der Mensch, Natur und Klima wieder einmal auf der Verlierer-Seite stehen. Als Hoffnungsträger bezeichnet Lufthansa Algen und "Energiegewächse" wie Jatropha. Treibstoff aus Algen ist allerdings Zukunftsmusik - und die tropische Pflanze Jatropha bringt nur dann Erträge, wenn sie, gut bewässert, auf fruchtbaren Böden wächst. Damit steht die "Energiepflanze" in direkter Konkurrrenz zur Nahrungsmittelproduktion: Um das heute verbrauchte Kerosin durch Jatropha zu ersetzen, bräuchte man 1,4 Millionen Quadratkilometer Fläche, das ist die doppelte Fläche von Frankreich. Außerdem fallen pro Liter Agrarsprit aus Jatropha 20 000 Liter Wasser an. Agrosprit, sagt der ehemalige UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung und Mirglied im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats, Jean Ziegler, sei "ein Verbrechen gegen die Menschenlichkeit". Für die Anlage der Jatropha-Plantagen werden direkt und indirekt natürliche Ökosysteme gerodet, vor allem sehr arten- und kohlenstoffreiche Savannengebiete. Die Umwandlung dieser Ökosysteme in Monokulturen vernichtet die Biodiversität und heizt durch die massive Freisetzung des in Vegetation und Böden gebundenen Kohlenstoffs den globalen Treibhauseffekt an. Noch dazu ist die Einsparung von Klimagasen nicht einmal nachgewiesen, wie Toralf Staud in seinem ausführlichen Beitrag zu diesem Thema in seinem Blog Klima-Lügendetektor darlegt.
Die NGO Rettet den Regenwald ruft deshalb zum Online-Protest auf.
Sonntag, 21. März 2010
Flugzeuge sind (tier-)lieb! Greenwashing mit Airbus
Der Flugzeughersteller Airbus hat seinen A380 zum "Botschafter des Internationalen Jahres der Artenvielfalt" gemacht. Das weltgrößte Passagierflugzeug trägt das offizielle Logo der UN-Initiative. Dabei stehe der A380 nicht nur "stellvertretend für ökoeffizientes Fliegen" sondern wolle auch die UN unterstützen und "Kinder und Jugendliche für die Bedeutung der Biodiversität interessieren". Schade nur, dass diese, wenn sie mal groß sind, kaum mehr Artenvielfalt erleben werden, wenn der zunehmende Flugverkehr zur Zerstörung derselben beiträgt. Denn Fliegen ist die mit Abstand klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen.
Dass die Luftfahrtindustrie alles unternimmt, um den Beitrag der Klimaerwärmung kleinzureden, ist nichts als Greenwashing. So behauptet Airbus-Sprecher Rainer Ohler etwa folgendes: "Der Luftfahrtsektor unternimmt enorme Anstrengungen, um seinen Beitrag von zwei Prozent zu dem vom Menschen verursachten Kohlendioxidausstoß weiter zu reduzieren. Die Flugzeugemissionen sind in den letzten 40 Jahren bereits um 70 Prozent und die Lärmemissionen um 75 Prozent gesenkt worden. Als globales Unternehmen sieht sich Airbus in der Verantwortung, auch diejenigen zu unterstützen, die sich für die Senkung der übrigen 98 Prozent einsetzen."
Zwei Prozent klingen natürlich toll, sind aber geschönt: zum einen ist der CO2-Ausstoß eines Flugzeugs nicht mit dem eines Autos vergleichbar. Denn der CO2-Ausstoß in den oberen Schichten der Atmosphäre ist drei- bis fünf Mal so schädlich wie der Ausstoß am Boden. Zum anderen stoßen Flugzeuge noch weitere klimaschädliche Stoffe wie Stickoxide und Wasserdampf aus. Erstere bilden in der Atmosphäre das starke Treibhausgas Ozon. Letzterer wiederum führt zu Kondesstreifen und Zirruswolken. Beide reflektieren die Wärmestrahlung der Erde und verstärken den Treibhauseffekt.
Airbus beschreibt weiter seinen A380 als "Symbol für die Entschlossenheit der Luftfahrtindustrie, dem Luftverkehrswachstum mit einer weiteren Reduktion des Carbon Footprint zu begegnen." Das ist natürlich großer Blödsinn. Grundsätzlich funktioniert Reduktion bei gleichzeitigem Wachstum nicht: Wer ein Drei-Liter-Auto kauft und damit doppelt so viel fährt als vorher, hat der Umwelt keinen Dienst erwiesen. Man nennt das auch Rebound-Effekt. "Mit einem Treibstoffverbrauch von nicht einmal drei Litern pro Passagier und 100 km, entsprechend weniger als 75 g CO2 pro Passagier und Kilometer, setzt die A380 einen neuen Maßstab für Ökoeffizienz im Luftverkehr." Damit suggeriert Airbus, ihr 275-Tonnen-Koloss sei klimafreundlicher als ein gewöhnliches Auto. Warum das wiederum Quatsch ist, hat Toralf Staud sehr schön in seinem Greenwashing-Blog Klima-Lügendetektor aufgezeigt.
Montag, 11. Januar 2010
Umfrage: Greenwashing funktioniert bestens
Dass Greenwashing ganz fantastisch funktioniert, belegt eine aktuelle Umfrage, die der Bundesverband der Verbraucherzentrale in Auftrag gegeben hat. Danach glaubt fast ein Viertel (23,5 Prozent) der Befragten, dass ein Produkt, auf dem „klimaneutral“ steht, das Klima nicht belastet. 40,8 Prozent sind überzeugt, dass es für das Klima weniger schädlich ist und jeder Zehnte ist der Meinung, dass auch eine "klimafreundliche" Ware das Klima gar nicht belastet. Dabei wird bei den meisten Produkten, die diese nicht geschützte Kennzeichnung tragen, CO2 nicht vermieden, sondern allenfalls kompensiert. Besonders verblüffend ist dabei aber, wie sehr sich Verbraucher täuschen lassen: Elf Prozent der Befragten denken bei dem Wort „klimafreundlich“ an neue Autos. Insbesondere die Autoindustrie und die Energieriesen bedienen sich des Greenwashings. Dass es mit der Aufgeklärtheit und Mündigkeit des Verbrauchers womöglich gar nicht so weit her ist, belegen die Antworten auf die Frage, welche Dinge sie für explizit nicht klimafreundlich halten: nur vier Prozent halten die Flugzeuge für nicht klimafreundlich, obwohl fliegen das klimaschädlichste überhaupt ist. Und nur sieben Prozent halten Klimakiller Kohlekraft für nicht klimafreundlich. Die Verbraucherzentrale hat deshalb die Website Verbraucher fürs Klima geschaltet, auf der jeder (auch anonym) Werbung mit zweifelhaften oder irreführenden Klima- oder Ökoversprechen melden kann. Die VBZ wird diese Wrbung prüfen und juristische Schritte einleiten. Die schönsten Fälle werden außerdem auf der überaus empfehlenswerten Seite Klima-Lügendetektor vorgestellt, auf der man sich anschauen kann, wie Greenwashing funktioniert und welche Konzeren (va. Energie-, Flug- und Autokonzerne) dieses betreiben.
Samstag, 9. Januar 2010
Heute Lesen: SZ-Wochenende, Seite1!
Welche katastrophalen Folgen für Armut und Klima der Fleischverzehr hat, wie ethisch verheerend Massentierhaltung und industrialisiertes Töten sind: all das ist längst bekannt. Zwar sorgt der Klimawandel dafür, dass der Fleischverzehr endlich ein wenig in Misskredit gerät: selbst Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner rät zu weniger Fleisch (leider ohne politische Taten folgen zu lassen). Und doch sind die Bemühungen seitens Industrie und Gesellschaft, am Fleischkonsum festzuhalten, ungebrochen. Seit Sommer gibt es die angeblich klimaneutrale „Superwurst“, die aus Bio-Schweinfleisch besteht und die Welt retten soll. McDonald’s Grünwerdung wird gelobt, obwohl der Fastfoodkonzern allein in Deutschland täglich (!!!) 100 000 Kilo Rindfleisch verarbeitet. Im Herbst erschien mit Beef eine archaische Männer-Kochzeitschrift, die über Seiten hinweg Steakrezepte veröffentlicht – und auch die modernsten Kochbücher, Bio-Restaurants, Lifestyle-Magazine orientieren sich überwiegend am Fleischgenuss. Am beliebtesten sind technische Innovationen, die dazu beitragen sollen, dass alles so bleiben soll, wie es ist: etwa die Idee der Uni Hohenheim, das Methan-Problem bei Kühen durch eine besondere Diät, andere Fütterungszeiten und einem Vormagen-Bolus in den Griff zu bekommen. Dass der Fischkonsum nicht weniger verheerend ist, ist, obwohl die Meere fast leergefischt sind, ist offenbar noch gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen (der Fischverzehr ist mit 22 Kilo pro Kopf sogar noch angestiegen) – und wird es auch nicht, so lange das zweifelhafte MSC-Siegel das Verbrauchgewissen beruhigt, Aquakulturen als Alternative gefeiert werden und sich nicht einmal Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF einig werden darüber, welcher Fisch nun überfischt ist oder nicht. Wie wunderbar deutlich wird in der heutigen Ausgabe des SZ-Wochenendes Petra Steinberger in ihrem Essay „Nicht Fisch! Nicht Fleisch!“, in dem die Autorin nicht nur zusammenfasst, was der Fleisch- und Fischkonsum anrichtet auf der Welt, sondern auch die ethische Kompenente miteinbezieht – und zu dem Schluss kommt, dass wir uns diesen Irrsinn nicht mehr leisten können. Ihr schönes Fazit lautet: „Gelüste bleiben. Aber ihre Akzeptanz kann verändert werden. Wir brauchen neue Tabus.“
Sonntag, 8. November 2009
Märchenstunde mit Claudia Langer: FAS-Interview über Fleisch, Fisch und Bio
„Sie wünschen – wir schreiben: Ist das Klima noch zu retten?“ Das bietet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ihren Lesern an. Diese sollen dabei entscheiden, worüber die FAS anlässlich des Klimagipfels in Kopenhagen schreiben soll, verschiedene Themen stehen zu Auswahl. Dass die FAZ die Berichterstattung über das drängendste Problem unserer Zeit, den Klimawandel, als schlichte Dienstleistung versteht, ist schon bemerkenswert. Die FAS-Leser haben sich diesmal eine Antwort auf die Frage „Sind Vegetarier die besseren Klimaschützer?“ gewünscht. Für das Interview zum Thema hat sich die FAS aber nicht etwa einen Ernährungswissenschaftler oder Klimaforscher ausgesucht, sondern ausgerechnet Ex-Werberin und Utopia-Chefin Claudia Langer, die mit ihren Antworten dafür gesorgt hat, dass dem FAS-Leser ganz bestimmt nicht die Gabel mit Sonntagsbraten vor Schreck aus der Hand gefallen ist, sondern dieser ihm weiterhin lecker schmecken wird.
Dienstag, 27. Oktober 2009
Neue Studie: Bio-Kraftstoffe sind klimaschädlich
Spiegel Online berichtet über eine Studie, nach der der Anbau von Agrar-Kraftstoffen dem Klima genauso massiv schadet wie fossile Brennstoffe. Forscher des amerikanischen Marine Biological Laboratory um Jerry Melillo kamen in zwei Szenarien zu diesem Schluss. Beide basieren auf der Annahme, dass der Bedarf an Biokraftstoffen in den nächsten Jahren steigen wird. Im ersten Modell untersuchen die Wissenschaftler die Auswirkungen der Rodung von Regenwald zugunsten von Anbauflächen für Energie-Pflanzen. Dabei gehen nicht nur massive Flächen von CO2-Speicher verloren: bei der Rodung gelangen auch große Mengen von CO2 in die Atmosphäre. Im zweiten Szenario beschäftigten sich die Forscher mit bereits vorhandenen Anbauflächen, für die zwar kein Regenwald abgeholzt wird. Da auf diesen Flächen aber keine Lebensmittel angebaut werden können, wird für diese wiederum Regenwald fallen. In beiden Fällen aber werden die Pflanzen gedüngt, was zusätzlich klimaschädlich sei: der Dünger führe zu chemischen Reaktionen im Boden, in deren Folge das klimaschädliche N2O(Lachgas) in die Atmosphäre entweiche, das diese noch stärker belasten könnte als CO2.
Montag, 12. Oktober 2009
Ist es zu fassen? Bayer AG erhält Klimaschutzpreis
Man denkt ja immer, es könnte nicht absurder werden. Kann es aber doch: Der Bayer-Konzern wurde als das weltweit beste Unternehmen in den „Carbon Disclosure Leadership Index“ aufgenommen. Mit der Höchstzahl von 95 bei 100 möglichen Punkten führt Bayer als alleiniger Spitzenreiter die Liste der insgesamt 50 im Leadership Index vertretenen Unternehmen an, die aus den 500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt ausgewählt wurden. Grundlage ist die fundierte und transparente Berichterstattung über die verfolgte Klimastrategie sowie über Treibhausgas-Emissionen. Mit anderen Worten: Bewertet wurde die freiwillige Selbstauskunft des Unternehmens über ihr Klima-Engagement. Bewertet wurde diese ausgerechnet von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die bereits Michail Chodorkowoskij, Chef des russischen Ölkonzerns Yukos, der wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt wurde, eine saubere Buchführung bescheinigte. Dass Bayer eine so katastrophal lange Liste an Umwelt- und Menschrechtsvergehen (einen Überblick kann man sich auf der Seite der Coordination gegen Bayer-Gefahren verschaffen oder in „Das neue Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne“ von Hans Weiss und Klaus Werner-Lobo) nachgewiesen werden kann, dass man damit Bücher vollschreiben könnte, ist das eine. Das andere ist, dass der Chemiekonzern sich schon vor drei Jahren den Vorwurf gefallen lassen musste, seine Klimabilanz schöngefärbt zu haben.
Sonntag, 11. Oktober 2009
DHL pflanzt in Deutschland Bäume und zerstört Regenwald in Südostasien
Noch im Mai diesen Jahres ließ sich die Deutsche Post-DHL als Wald- und Klimaretter feiern, weil das Unternehmen der Inititiative Plant for the Planet 10.000 Bäume spendete. Das Projekt, das vor allem vom Autokonzern Toyota, DHL und der Konsum-Plattform Utopia.de unterstützt wird, lässt mit Hilfe der Industrie zur CO2-Kompensation Bäume von Kindern pflanzen. Bäume pflanzen bringt allenfalls was für’s gute Gewissen der Autofahrer und Konsumenten und für das Image der Konzerne. Fürs Klima bringt das nachweislich gar nichts, im Gegenteil: Bis ein Baum groß genug ist, um CO2 aufzunehmen, dauert es 60 bis 80 Jahre. Bis der Baum groß genug ist, steigen die Treibhausgase aber weiter an. Eine Garantie, dass der Baum überhaupt so lange stehen wird, gibt es indes nicht. Schon deshalb, weil durch das gestiegene Klima Waldbrände zunehmen werden. Und wenn ein Baum brennt, wird all das CO2, dass er über die Jahre der Atmosphäre entzogen hat, auf einen Schlag wieder frei. Für das Klima wirklich notwendig ist es, alte Wälder, also Ur- und Regenwälder zu erhalten. DHL trägt aber im Gegenteil dazu bei, Regenwald in Borneo, Malaysia und Sumatra abzuholzen. Der Logistik-Konzern lässt für einen Feldversuch innerhalb des GoGreen-Programms LKWs mit Palmöl fahren. Und für Palmöl, Rohstoff von Putzmitteln, Lebensmitteln und auch so genannten Bio-Kraftstoffe, wird auf dafür gerodeten Regenwaldflächen gepflanzt. Der Verein Rettet den Regenwald hat eine ausführlichen Bericht darüber veröffentlicht. Dort kann man sich außerdem per E-Mail an einer Protestaktion beteiligen.
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Termine zu Lesungen und Diskussions-
veranstaltungen mit Kathrin Hartmann finden sie hier.


