Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 19. Mai 2010

Protest gegen die FIFA und Puma

Und noch eine Protestaktion: die letzten fußballfreien Abend sind bald gezählt und auf die FIFA, die Sportartikelhersteller und viele Investoren warten gigantische Gewinne bei der Fußball-WM in Südafrika. Die FIFA darf mit einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro rechnen, Südafrika investierte umgerechnet drei Milliarden Euro in die Infrastruktur. Unter anderem Stadien wurden mit riesigen Investitionen - zu Löhnen weit unter dem Existenzminimum. Mit anderen Worten: die 20 Millionen Menschen, die in Südafrika in Armut leben (beinahe die Hälfte der 47 Millionen Einwohner des Landes) haben leider gar nichts von dem Monster-Event. Im Gegenteil: die Innenstädte wurden aufgehübscht und Straßenhändler vertrieben, Bauerabeiter haben die Stadien zu Hungerlöhnen gebaut und Armenviertel wurden einfach plattgewalzt. Desweiteren versucht die FIFA in Südafrika, die Pressefreiheit einzuschränken - Journalisten soll verboten werden, über Vorfälle zu berichten, die "die Reputation der Weltmeisterschaft beschädigen". Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH ruft zu einer Protestaktion an die FIFA auf.

Die Kampagne Saubere Kleidung ruft zum Protest gegen den Sportartikelhersteller Puma auf. Denn während sportlicher Großereignisse wie der WM steigt in vielen Produktionsstätten der großen Sportartikelunternehmen die Nachfrage – bei gleichzeitig extrem kurzen Lieferfristen. Während dieser Auftragsspitzen prägen exzessive Überstunden den Arbeitsalltag in den Fabriken. Die Arbeiterinnen müssen dann bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiten. Dafür erhalten sie von Puma einen Bruttolohn von 122 Euro im Monat - obwohl zur Existenzischerung mindestens das dreifache nötig wäre.

Donnerstag, 12. November 2009

Otto und Yunus gründen Textilfabrik in Bangaldesh

Der Otto-Konzern lässt mit dem Säulenheiligen der Moralwirtschaft, Muhammad Yunus, in Bangladesh eine Textilfabrik nach sozialen und ökologischen Kriterien bauen. Von einem „Leuchtturmprojekt“ spricht der Otto-Konzern über das „moderne Social Business“. Das „CO2-neutrale“Gebäude werde mit energiesparender Beleuchtung, optimierter Lüftung und „unter besonderer Berücksichtigung der Nutzung erneuerbarer Energien“ ausgestattet.  Die Gewinne des Werkes sollen an eine Stiftung gehen, daraus solle den Arbeitern Essen, Gesundheitsversorgung, Aus- und Weiterbildung zukommen, auch die umliegenden Gemeinden sollen bei der Gesundheitsversorgung und Weiterbildung unterstüützt werden. Die Angestellten würden eine „angemessenen Lohn“ und „gute Sozialleistungen“ bekommen. Mit den Erträgen solle zugleich die geplante Expansion des Unternehmens in Bangladesch und anderen Ländern finanziert werden. Der Otto-Konzern wolle mit diesem Projekt zeigen, „dass es durchaus möglich ist, ökologische und soziale Kriterien mit ökonomischen Zielen in Einklang zu bringen“, sagt Michael Otto. Das Projekt, das Muhammad Yunus als „Symbol, das die Welt verändern kann“ preist, dient vor allem dem Otto-Konzern, der damit sein Wohltäter-Image ausbauen kann: denn Otto (Jahresumsatz 2008: 1,7 Milliarden Euro) finanziert die Fabrik nicht, sondern stellt ein zinsloses Darlehen für 15 Jahre zur Verfügung. Der „angemessene Lohn“ ist wiederum kein existenzsichernder, sondern orientiert sich am gesetzlichen Mindestlohn Bangladeshs, der umgerechnet 19 Euro pro Monat beträgt und auch in den so genannten Sweatshops gezahlt wird. Man zahle den Arbeiterinnen „zwischen 19 und 65 Euro pro Monat“, heißt es bei Otto. Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, die mit der Kampagne Saubere Kleidung zusammenarbeitet, sagt: „Beunruhigend ist die Spannbreite der Löhne: denn das bedeute ja, dass sie zumindest teilweise auch nur den staatlichen Mindestlohn zahlen.“


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Samstag, 7. November 2009

Nachhaltig ist nicht Fair - Heute: Illy Café

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung redet der Triester Esspressofabrikant Andrea Illy über „Unternehmenswerte“ und „nachhaltiges Wirtschaften“. Seine Aussagen zum „nachhaltigen“ Anbau und Handel mit den Kaffebauern formuliert Illy genauso schwammig, wie es die Homepage des Unternehmens tut. Man zahle den Kaffebauern „im Schnitt einen Aufpreis von 30“ Prozent, sagt Illy, man arbeite mit Produzenten direkt vor Ort. Das klingt sehr nach Fairem Handel, hat aber wieder einmal nicht das Geringste damit zu tun. Illy arbeitet zwar mit Produzenten zusammen und schult Bauern:„Je mehr die Bauern lernen, desto besser wird ihr Produkt und desto teurer können sie die Bohnen verkaufen“. Der Aufpreis wird für die bessere Qualität gezahlt, nicht um Kleinbauern ihre Existenz zu sichern. Zum Fairen Handel und warum sich sein Unternehmen nicht nach dessen Prinzipien verpflichten lässt, sagt Illy: „Diese Zertifizierungen prüfen generell nur, wie viel man bezahlt. Ich halte nichts von reiner Charity. Der Verbraucher greift zum fair gehandelten Kaffee, weil er sich gut fühlen will. Mit Markt hat das nichts zu tun. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage besagt: mehr Geld für höheren Wert.“

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Mittwoch, 4. November 2009

Bluewashing mit Danone und Grameen Bank

Im Herbst fallen nicht nur Blätter von den Bäumen, es hagelt auch gelegentlich – zum Beispiel Nachhaltigkeitspreise. Im November gibt es eine Reihe von Nachhaltigkeistkongressen, auf denen eben solche Preise verliehen werden. Etwa der Utopia-Kongress, der Deutsche Nachhaltigkeitspreis oder Vision Summit am 8. November in Berlin. Der Hauptpreis des Vision-Summit geht dieses Jahr an das Gemeinschaftsprojekt der Grameen Bank und dem französischen Nahrungsmittel-Multi  Danone. Die Grameen-Bank wurde gegründet von Muhammad Yunus, dem Messias der Generation Gut, der für seine Mikrokredit-Idee 2006 den Friedensnobelpreis verliehen bekam. „Grameen Danone Foods“ heißt das Projekt in Bangladesh, für das sich Danone jetzt kurzerhand „Sozialunternehmen“ nennt.

 

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