Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Freitag, 8. Juli 2011

GRD äußert sich zu Edeka- und WWF-Reaktion

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine hat auf die Stellungnahme von Edeka und WWF zum "Killerthunfisch" reagiert. Und erwähnt, dass die Einfuhr von Fischprodukten, die mit  AIDCP (agreement on the international dolphin conservation programme)-Label, das von EU, Greenpeace und WWF unterstützt wird, in den USA verboten ist. Ich persönlich möchte allerdings betonen, dass ich auch vom SAFE-Label der GRD wenig halte. Schließlich ist das Töten von Thunfischen genauso grausam wie das Töten von Delphinen. Und Delphine sind nicht die besseren Tiere, nur weil Esoteriker sie für irgendwie höhere Wesen halten und Thunfische leider keine Hauptrolle in "Flipper" angeboten bekommen haben, nicht so lustige Quietschgeräusche machen, nicht so lieb gucken und auch keine drolligen Kunststückchen können. Und deswegen ist auch das Wort "Delphinkiller-Thunfisch" ziemlich zynisch, denn dass beim Thunfischfang auch noch Delphine kläglich sterben ist wohl eher nicht die Schuld des Thunfischs. Der mag nämlich ziemlich sicher selber nicht kläglich ersticken oder schwer verletzt dahinsiechen, damit er als Matsch in Dosen und auf der Pizza landet. Wer die Meerestiere wirklich mag, der schaut nicht auf MSC-, AIDCP-, SAFE- oder sonstige Label, sondern geht gar nicht erst an die Fischtheke. Denn wer gar keinen Fisch isst, killt sowas von hundertprozentig keine Delphine. Kann man eigentlich drauf kommen. Wie damals Kafka, der beim Betrachten eines Aquarium zu den Fischen sagte: "Nun kann ich euch in Frieden betrachten; ich esse euch nicht mehr!"



Freitag, 12. März 2010

Greenwashing mit WWF und MSC: Film "Lachsfieber" in der ARD Mediathek

Leider hab ich die überaus tolle Reportage selbst zu spät entdeckt - nämlich erst, als sie am Mittwoch (leider im Spätprogramm!) lief. Ein Jahr langen haben die WDR-Autoren Wilfrid Huismann und Arno Schumann den norwegischen Industriefischer und Reeder John Fredriksen begleitet, der zu den reichsten Menschen der Welt gehört. Ihm gehört das weltgrößte Tankerimperium "Frontline" und die Firma "Marine Harvest": die produziert jedes Jahr mehr als 100 Millionen Zuchtlachse in Chile und Norwegen. Alles, was in Europa durch Umweltgesetze verboten ist, kann Fredriksen in Ruhe in Chile erledigen: zum Beispiel tonnenweise Chemie, Farbstoffe und Antibiotika ins Futter mischen und damit die chilenischen Fjorde verseuchen. Wenn diese ökologisch tot sind, ziehen die Industriellen weiter. Nebenbei werden noch tonnenweise Seefische zu Fischfutter für die Lachse verarbeitet.  2008 dann ging Fredriksen eine Partnerschaft mit dem WWF ein - gegen 100  000 Euro darf "Marine Harvest" Zuchtlachs  mit dem Pandabär verkaufen - geändert hat das sein durch und durch dreckiges Geschäft in Chile jedoch nicht, denn verbindliche Verbesserungen sind im Abkommen nicht festgelegt. Der Film zeigt die katastrophalen Folgen der Lachszucht für Menschen, Tier und Umwelt so eindringlich, dass einem schlecht wird. Und auch, welche Industrien sich hinter dem MSC-Siegel verbergen können: Denn auch Marine Harvest-Produkte haben schon das MSC-Siegel getragen - etwa der chilenische Wolfsbarsch, von dessen Verzehr Greenpeace übrigens abrät. Wer den Film verpasst hat, kann ihn sich in der ARD-Mediathek online anschauen.

Samstag, 9. Januar 2010

Heute Lesen: SZ-Wochenende, Seite1!

Welche katastrophalen Folgen für Armut und Klima der Fleischverzehr hat, wie ethisch verheerend Massentierhaltung und industrialisiertes Töten sind: all das ist längst bekannt. Zwar sorgt der Klimawandel dafür, dass der Fleischverzehr endlich ein wenig in Misskredit gerät: selbst Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner rät zu weniger Fleisch (leider ohne politische Taten folgen zu lassen). Und doch sind die Bemühungen seitens Industrie und Gesellschaft, am Fleischkonsum festzuhalten, ungebrochen. Seit Sommer gibt es die angeblich klimaneutrale „Superwurst“, die aus Bio-Schweinfleisch besteht und die Welt retten soll. McDonald’s Grünwerdung wird gelobt, obwohl der Fastfoodkonzern allein in Deutschland täglich (!!!) 100 000 Kilo Rindfleisch verarbeitet. Im Herbst erschien mit Beef eine archaische Männer-Kochzeitschrift, die über Seiten hinweg Steakrezepte veröffentlicht – und auch die modernsten Kochbücher, Bio-Restaurants, Lifestyle-Magazine orientieren sich überwiegend am Fleischgenuss. Am beliebtesten sind technische Innovationen, die dazu beitragen sollen, dass alles so bleiben soll, wie es ist: etwa die Idee der Uni Hohenheim, das Methan-Problem bei Kühen durch eine besondere Diät, andere Fütterungszeiten und einem Vormagen-Bolus in den Griff zu bekommen. Dass der Fischkonsum nicht weniger verheerend ist, ist, obwohl die Meere fast leergefischt sind, ist offenbar noch gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen (der Fischverzehr ist mit 22 Kilo pro Kopf sogar noch angestiegen) – und wird es auch nicht, so lange das zweifelhafte MSC-Siegel das Verbrauchgewissen beruhigt, Aquakulturen als Alternative gefeiert werden und sich nicht einmal Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF einig werden darüber, welcher Fisch nun überfischt ist oder nicht.  Wie wunderbar deutlich wird in der heutigen Ausgabe des SZ-Wochenendes Petra Steinberger in ihrem Essay „Nicht Fisch! Nicht Fleisch!“, in dem die Autorin nicht nur zusammenfasst, was der Fleisch- und Fischkonsum anrichtet auf der Welt, sondern auch die ethische Kompenente miteinbezieht – und zu dem Schluss kommt, dass wir uns diesen Irrsinn nicht mehr leisten können. Ihr schönes Fazit lautet: „Gelüste bleiben. Aber ihre Akzeptanz kann verändert werden. Wir brauchen neue Tabus.“

Sonntag, 8. November 2009

Märchenstunde mit Claudia Langer: FAS-Interview über Fleisch, Fisch und Bio

„Sie wünschen – wir schreiben: Ist das Klima noch zu retten?“ Das bietet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ihren Lesern an. Diese sollen dabei entscheiden, worüber die FAS anlässlich des Klimagipfels in Kopenhagen schreiben soll, verschiedene Themen stehen zu Auswahl. Dass die FAZ die Berichterstattung über das drängendste Problem unserer Zeit, den Klimawandel, als schlichte Dienstleistung versteht, ist schon bemerkenswert. Die FAS-Leser haben sich diesmal eine Antwort auf die Frage „Sind Vegetarier die besseren Klimaschützer?“ gewünscht. Für das Interview zum Thema hat sich die FAS aber nicht etwa einen Ernährungswissenschaftler oder Klimaforscher ausgesucht, sondern ausgerechnet Ex-Werberin und Utopia-Chefin Claudia Langer, die mit ihren Antworten dafür gesorgt hat, dass dem FAS-Leser ganz bestimmt nicht die Gabel mit Sonntagsbraten vor Schreck aus der Hand gefallen ist, sondern dieser ihm weiterhin lecker schmecken wird.

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