Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Sonntag, 21. März 2010

Flugzeuge sind (tier-)lieb! Greenwashing mit Airbus

Der Flugzeughersteller Airbus hat seinen A380 zum "Botschafter des Internationalen Jahres der Artenvielfalt" gemacht. Das weltgrößte Passagierflugzeug trägt das offizielle Logo der UN-Initiative. Dabei stehe der A380 nicht nur "stellvertretend für ökoeffizientes Fliegen" sondern wolle auch die UN unterstützen und "Kinder und Jugendliche für die Bedeutung der Biodiversität interessieren". Schade nur, dass diese, wenn sie mal groß sind, kaum mehr Artenvielfalt erleben werden, wenn der zunehmende Flugverkehr zur Zerstörung derselben beiträgt. Denn Fliegen ist die mit Abstand klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen.
Dass die Luftfahrtindustrie alles unternimmt, um den Beitrag der Klimaerwärmung kleinzureden, ist nichts als Greenwashing. So behauptet Airbus-Sprecher Rainer Ohler etwa folgendes: "Der Luftfahrtsektor unternimmt enorme Anstrengungen, um seinen Beitrag von zwei Prozent zu dem vom Menschen verursachten Kohlendioxidausstoß weiter zu reduzieren. Die Flugzeugemissionen sind in den letzten 40 Jahren bereits um 70 Prozent und die Lärmemissionen um 75 Prozent gesenkt worden. Als globales Unternehmen sieht sich Airbus in der Verantwortung, auch diejenigen zu unterstützen, die sich für die Senkung der übrigen 98 Prozent einsetzen."
Zwei Prozent klingen natürlich toll, sind aber geschönt: zum einen ist der CO2-Ausstoß eines Flugzeugs nicht mit dem eines Autos vergleichbar. Denn der CO2-Ausstoß in den oberen Schichten der Atmosphäre ist drei- bis fünf Mal so schädlich wie der Ausstoß am Boden. Zum anderen stoßen Flugzeuge noch weitere klimaschädliche Stoffe wie Stickoxide und Wasserdampf aus. Erstere bilden in der Atmosphäre das starke Treibhausgas Ozon. Letzterer wiederum führt zu Kondesstreifen und Zirruswolken. Beide reflektieren die Wärmestrahlung der Erde und verstärken den Treibhauseffekt.
Airbus beschreibt weiter seinen A380 als "Symbol für die Entschlossenheit der Luftfahrtindustrie, dem Luftverkehrswachstum mit einer weiteren Reduktion des Carbon Footprint zu begegnen." Das ist natürlich großer Blödsinn. Grundsätzlich funktioniert Reduktion bei gleichzeitigem Wachstum nicht: Wer ein Drei-Liter-Auto kauft und damit doppelt so viel fährt als vorher, hat der Umwelt keinen Dienst erwiesen. Man nennt das auch Rebound-Effekt. "Mit einem Treibstoffverbrauch von nicht einmal drei Litern pro Passagier und 100 km, entsprechend weniger als 75 g CO2 pro Passagier und Kilometer, setzt die A380 einen neuen Maßstab für Ökoeffizienz im Luftverkehr." Damit suggeriert Airbus, ihr 275-Tonnen-Koloss sei klimafreundlicher als ein gewöhnliches Auto. Warum das wiederum Quatsch ist, hat Toralf Staud sehr schön in seinem Greenwashing-Blog Klima-Lügendetektor aufgezeigt.

Montag, 11. Januar 2010

Umfrage: Greenwashing funktioniert bestens

Dass Greenwashing ganz fantastisch funktioniert, belegt eine aktuelle Umfrage, die der Bundesverband der Verbraucherzentrale in Auftrag gegeben hat. Danach glaubt fast ein Viertel (23,5 Prozent) der Befragten, dass ein Produkt, auf dem „klimaneutral“ steht, das Klima nicht belastet. 40,8 Prozent sind überzeugt, dass es für das Klima weniger schädlich ist und jeder Zehnte ist der Meinung, dass auch eine "klimafreundliche" Ware das Klima gar nicht belastet. Dabei wird bei den meisten Produkten, die diese nicht geschützte Kennzeichnung tragen, CO2 nicht vermieden, sondern allenfalls kompensiert. Besonders verblüffend ist dabei aber, wie sehr sich Verbraucher täuschen lassen: Elf Prozent der Befragten denken bei dem Wort „klimafreundlich“ an neue Autos. Insbesondere die Autoindustrie und die Energieriesen bedienen sich des Greenwashings. Dass es mit der Aufgeklärtheit und Mündigkeit des Verbrauchers womöglich gar nicht so weit her ist, belegen die Antworten auf die Frage, welche Dinge sie für explizit nicht klimafreundlich halten: nur vier Prozent halten die Flugzeuge für nicht klimafreundlich, obwohl fliegen das klimaschädlichste überhaupt ist. Und nur sieben Prozent halten Klimakiller Kohlekraft für nicht klimafreundlich. Die Verbraucherzentrale hat deshalb die Website Verbraucher fürs Klima geschaltet, auf der jeder (auch anonym) Werbung mit zweifelhaften oder irreführenden Klima- oder Ökoversprechen melden kann. Die VBZ wird diese Wrbung prüfen und juristische Schritte einleiten. Die schönsten Fälle werden außerdem auf der überaus empfehlenswerten Seite Klima-Lügendetektor vorgestellt, auf der man sich anschauen kann, wie Greenwashing funktioniert und welche Konzeren (va. Energie-, Flug- und Autokonzerne) dieses betreiben.