Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Freitag, 12. November 2010

Selbst geschrieben: Lufthansa-Interview in Enorm

In der Enorm-Ausgabe Nummer vier habe ich für meine Interview-Kolumne "Hartmann!" die Lufthansa befragt: das Gespräch dreht sich um Agrartreibstoffe, die Behauptung des scheidenden LH Chefs Wolfgang Mayrhuber, Fliegen sei auf langen Strecken umweltfreundlicher als Auto fahren, und die "Vier Säulen Strategie" zur CO2-Reduktion . Eine meiner liebsten Stellen im Interview:  

Enorm: Was soll der Verbraucher tun?

LH: Er ist immer frei in der Entscheidung, ob er das umweltfreundliche oder etwa das preisgünstige Produkt wählt.

Enorm: Dementsprechend sollte er am besten gar nicht fliegen - jedenfalls so wenig wie möglich.

LH: Wo haben Sie denn das gehört?

Weiters habe ich in dieser Enorm-Ausgabe einen Text über die Jäger der Greenwasher, Verbraucherzentralen, Toralf Staud und Foodwatch geschrieben.



Montag, 25. Oktober 2010

Bayer, BASF, E.on und BP sponsern Klima-Leugner in den USA

Machen Sie sich doch mal den Spaß, zuzuordnen, zu welchem der oben genannten Konzerne jeweils die folgende Verantwortungsbehauptung gehört (Auflösung siehe unten):

1. "Wir begrüßen daher die intensive Auseinandersetzung mit dem Klimaschutz, zumal wir diese ökonomische und ökologische Herausforderung seit langem selbst sehr ernst nehmen."
2. "Klimaschutz ist Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Zur
Umsetzung haben wir uns konkrete Ziele gesetzt, die wir konsequent
verfolgen."

3. "Wir bekennen uns zu unserer Rolle als Schrittmacher beim Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft."
4. "Als nachhaltiges Unternehmen wollen wir Energie auf eine Weise gewinnen und nutzen, die unserem Planeten und seiner Bevölkerung langfristig nicht schadet."

Ist eigentlich völlig wurscht, gelogen sind sie alle. Denn diese Konzerne wollen nur eins: globale Klimapolitik verhindern. Deshalb unterstützen BP, BASF, Eon, Bayer und andere Konzerne mit insgesamt 240 200 US-Dollar vor den US-Kongresswahlen jene Senatoren, die den Klimawandel leugnen und Barack Obamas Klimapolitik verhindern wollen. Der Schweizer Tagesanzeiger zitiert einen Bericht des Climate Action Network Europe, nachdem 80 Prozent der Wahlkampfspenden der dort genannten Konzerne an Senatskandidaten fließt, die sich gegen die Klimapolitik der USA aussprechen. Der großzügigste Spende stammt vom Chemiekonzern Bayer: der ließ seinem Wunschkandidaten 108 100 Dollar zukommen.  Zu den Begünstigten gehören vor allem Angehörige der konservativen Tea-Party-Bewegung, die sich gegen jedwede Regulierung bei Umweltfragen und gegen Finanzmarktkontrolle einsetzen.

Lösung: 1: Bayer, 2: BASF, 3:E.on 4: BP

Sonntag, 21. März 2010

Flugzeuge sind (tier-)lieb! Greenwashing mit Airbus

Der Flugzeughersteller Airbus hat seinen A380 zum "Botschafter des Internationalen Jahres der Artenvielfalt" gemacht. Das weltgrößte Passagierflugzeug trägt das offizielle Logo der UN-Initiative. Dabei stehe der A380 nicht nur "stellvertretend für ökoeffizientes Fliegen" sondern wolle auch die UN unterstützen und "Kinder und Jugendliche für die Bedeutung der Biodiversität interessieren". Schade nur, dass diese, wenn sie mal groß sind, kaum mehr Artenvielfalt erleben werden, wenn der zunehmende Flugverkehr zur Zerstörung derselben beiträgt. Denn Fliegen ist die mit Abstand klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen.
Dass die Luftfahrtindustrie alles unternimmt, um den Beitrag der Klimaerwärmung kleinzureden, ist nichts als Greenwashing. So behauptet Airbus-Sprecher Rainer Ohler etwa folgendes: "Der Luftfahrtsektor unternimmt enorme Anstrengungen, um seinen Beitrag von zwei Prozent zu dem vom Menschen verursachten Kohlendioxidausstoß weiter zu reduzieren. Die Flugzeugemissionen sind in den letzten 40 Jahren bereits um 70 Prozent und die Lärmemissionen um 75 Prozent gesenkt worden. Als globales Unternehmen sieht sich Airbus in der Verantwortung, auch diejenigen zu unterstützen, die sich für die Senkung der übrigen 98 Prozent einsetzen."
Zwei Prozent klingen natürlich toll, sind aber geschönt: zum einen ist der CO2-Ausstoß eines Flugzeugs nicht mit dem eines Autos vergleichbar. Denn der CO2-Ausstoß in den oberen Schichten der Atmosphäre ist drei- bis fünf Mal so schädlich wie der Ausstoß am Boden. Zum anderen stoßen Flugzeuge noch weitere klimaschädliche Stoffe wie Stickoxide und Wasserdampf aus. Erstere bilden in der Atmosphäre das starke Treibhausgas Ozon. Letzterer wiederum führt zu Kondesstreifen und Zirruswolken. Beide reflektieren die Wärmestrahlung der Erde und verstärken den Treibhauseffekt.
Airbus beschreibt weiter seinen A380 als "Symbol für die Entschlossenheit der Luftfahrtindustrie, dem Luftverkehrswachstum mit einer weiteren Reduktion des Carbon Footprint zu begegnen." Das ist natürlich großer Blödsinn. Grundsätzlich funktioniert Reduktion bei gleichzeitigem Wachstum nicht: Wer ein Drei-Liter-Auto kauft und damit doppelt so viel fährt als vorher, hat der Umwelt keinen Dienst erwiesen. Man nennt das auch Rebound-Effekt. "Mit einem Treibstoffverbrauch von nicht einmal drei Litern pro Passagier und 100 km, entsprechend weniger als 75 g CO2 pro Passagier und Kilometer, setzt die A380 einen neuen Maßstab für Ökoeffizienz im Luftverkehr." Damit suggeriert Airbus, ihr 275-Tonnen-Koloss sei klimafreundlicher als ein gewöhnliches Auto. Warum das wiederum Quatsch ist, hat Toralf Staud sehr schön in seinem Greenwashing-Blog Klima-Lügendetektor aufgezeigt.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Neue Studie: Bio-Kraftstoffe sind klimaschädlich

Spiegel Online berichtet über eine Studie, nach der der Anbau von Agrar-Kraftstoffen dem Klima genauso massiv schadet wie fossile Brennstoffe. Forscher des amerikanischen Marine Biological Laboratory um Jerry Melillo kamen in zwei Szenarien zu diesem Schluss. Beide basieren auf der Annahme, dass der Bedarf an Biokraftstoffen in den nächsten Jahren steigen wird. Im ersten Modell untersuchen die Wissenschaftler die Auswirkungen der Rodung von Regenwald zugunsten von Anbauflächen für Energie-Pflanzen. Dabei gehen nicht nur massive Flächen von CO2-Speicher verloren: bei der Rodung gelangen auch große Mengen von CO2 in die Atmosphäre. Im zweiten Szenario beschäftigten sich die Forscher mit bereits vorhandenen Anbauflächen, für die zwar kein Regenwald abgeholzt wird. Da auf diesen Flächen aber keine Lebensmittel angebaut werden können, wird für diese wiederum Regenwald fallen. In beiden Fällen aber werden die Pflanzen gedüngt, was zusätzlich klimaschädlich sei: der Dünger führe zu chemischen Reaktionen im Boden, in deren Folge das klimaschädliche N2O(Lachgas) in die Atmosphäre entweiche, das diese noch stärker belasten könnte als CO2.