Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Dienstag, 27. September 2011

B.A.U.M.- und BAUM-AB-Preis für Unilever

Greenwashing ist nicht nur die Kehrseite sondern das Wesen des "verantwortlichen Wirtschaftens". Damit auch alle Konzerne unter dem Grünen Deckmantel weiter machen können wie bisher, gibt es Nachhaltigkeitspreise, die sich die Industrie praktisch selber gegenseitig verleiht. Dass vor allem Unternehmen einen solchen Preis bekommen, die in Wahrheit alles andere als nachhaltig wirtschaften, ist Absicht: das Märchen der wundersamen Wandlung der Wirtschaft zum Weltretter muss weiter erzählt werden - das geht am besten mit Saulus-Paulus- und  Hättste-nicht-gedacht-Geschichten.

Der B.A.U.M.-Preis ist so einer. Er wird verliehen vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, ein Verein, in dem rund 500 Fördermitglieder aus der Wirtschaft vertreten sind - darunter auch Öko-Konzerne wie Adidas, Airbus, Bayer, Beiersdorf, Daimler, Danone, Deutsche Bank, Eon Hanse, Edeka, Henkel, Ikea, Kik, Lufthansa, McDonalds, Procter&Gamble, Puma, Rewe, Siemens, Tchibo und Unilever. Den B.A.U-M-Preis erhielt in diesem Jahr unter anderen: Unilever. "Unilever führt bereits seit zwölf Jahren den Dow Jones Sustainability Index für den Lebensmittelsektor an und beweist damit sein langjähriges, kontinuierliches und erfolgreiches Engagement. Bei der Bewertung lag das Unternehmen in allen drei Kerndimensionen - Umwelt, Ökonomie und Gesellschaft - vorn", heißt es in der Pressemitteilung. Bepreist wird, wie bei fast jedem Industrie-Umweltpreis, vor allem ein Zukunftsversprechen: "Unilever hat sich zum Ziel gesetzt, die Umweltauswirkungen der Produkte zu halbieren, landwirtschaftliche Rohwaren zu 100 Prozent aus nachhaltigem Anbau zu beziehen sowie 1 Milliarde Menschen zu besserer Gesundheit und mehr Lebensqualität zu verhelfen. Damit verpflichtet sich Unilever, die Umweltbelastung entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis 2020 nachweislich zu reduzieren - von der Gewinnung der Rohmaterialien über die Produktion und Distribution bis hin zur Produktnutzung durch Verbraucher einschließlich der Abfallbeseitigung von Restverpackungen."


Schöne Worte sind das - doch die Realität sieht anders aus: Kosmetik- und Plastiknahrungsmittelhersteller Unilever gehört zu den weltweit größten Palmöl-Verbrauchern: er bezieht 1,3 Millionen Tonnen des Pflanzenfetts, für die der Regenwal in Indonesien brennt. Der Palmöl-Lieferant von Unilever, Wilmar International, ist einer der größten Palmölkonzerne der Welt. Brandrodungen, illegale Regenwaldabholzung, Vertreibung indigener Völker, Menschrechtsverletzung, Bestechung lokaler Politiker - all das gehört laut Rettet den Regenwald zum schmutzigen Geschäft von Wilmar. Der Konzern hat auf Borneo bereits eine Fläche von 240 000 Hektar gerodet und mit Monokulturen bepflanzt, ein Fläche so groß wie das Saarland. Konzessionen für weitere 220 000 Hektar hat Wilmar bereits erhalten. Das macht Indonesien mit 25 Millionen Tonnen zum drittgrößten CO2-Emittenten der Welt - mit freundlicher Unterstützung von Unilever. Das Unternehmen hat den B.A.U.M.-Preis unter anderen auch dafür bekommen, weil es in Deutschland seine CO2-Emissionen um 60 000 Tonnen pro Jahr gesenkt hat.

All das war für die NGO Rettet den Regenwald und Robin Wood Anlass genug, den wohl verdienten BAUM-AB-Preis an Unilever zu verleihen. Sie demonstrierten am vor dem Terminal des Hamburger Flughafens (B.A.U.M.-Fördermitglied!), wo der B.A.U.M.-Preis an Harry J. M. Brouwer von der Unilever Deutschland Holding GmbH verliehen wurde. Den BAUM-AB-Preis wollte er jedoch nicht entgegen nehmen (ach!) - musste aber die 30 000 Protestunterschriften einstecken.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Hilfe! Der Klimalügendetektor darf nicht sterben!

Eigentlich wollte ich mich hier gerade über den geplanten Atomeinstieg echauffieren und habe einmal schauen wollen, was die Kollegen Toralf Staud und Nick Reimer dazu schreiben. Und was muss ich zu meinem Entsetzen lesen??? Der Klimalügendetektor wird nach drei Jahren eingestellt! Der Klimalügendetektor-Partner, das Greenpeace-Magazin, hat sich aus nicht weiter genannten Gründen (vielleicht mal nachfragen? gpm@greenpeace.de) entschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden. Ich halte das Blog, das 2008 mit dem Medienpreis der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet wurde, für absolut unverzichtbar, denn es ist ja nicht so, dass der auch noch so schön gemachte Lügendetektor überflüssig wäre, ganz im Gegenteil: Greenwashing treibt weiterhin die tollsten Blüten - und kaum jemand kann die Industriebehauptungen so wunderbar und detailliert entkräften wie eben die Kollegen Staud und Reimer. Der Klimalügendetektor ist ein wichtiges Instrument der Gegenöffentlichkeit. Gerade in Zeiten, in denen die Medien Konzernkritik kaum noch auf dem Zettel haben - oder sich gleich zum Lautsprecher der Industrie machen. Wie zum Beispiel mal wieder das Springer-Blatt Welt, das, wie der Klimalügendetektor schreibt, dem "Klimaskeptiker" Günter Ederer aktuell eine Menge Platz zur Klimawandel-Leugnung einräumt. Das darf nicht der letzte Eintrag auf Klimalügendetektor sein! Deshalb müssen wir die Kollegen unterstützen. Zum Beispiel mit einer Spende, noch besser mit einer guten Idee, wie es weitergehen könnte. Diese bitte schicken an: hinweis@klima-luegendetektor.de.

Montag, 11. Juli 2011

WWF und Gen-Soja/Wiederholung "Der Pakt mit dem Panda"

In diesen Tagen werden erstmals 80 000 Tonnen des angeblich "nachhaltig" produzierten Sojas in Europa ankommen - bestimmt für Landwirte der Großmolkerei Friesland-Campina und des Fleischkonzerns Vion. 5000 weitere Tonnen gehen in die USA zum Lebensmittelkonzern Unilever. Mit im Gepäck: gentechnisch verändertes Soja, dass der vom WWF 2006 gegründete Round Table on Responsible Soy Association, zu dem auch die Saagut- und Gentechnik-Multis BayerCropscience und Monsanto sowie umstrittene Konzerne wie Unilever gehören, gegründet haben. Einen sehr interessanten Artikel zum "nachhaltigen" Gensoja und den WWF hat Stephan Börnecke heute in der Frankfurter Rundschau geschrieben.

Am Mittwoch, 13. Juli, wiederholt der der SWR Wilfried Huismans WWF-Doku "Der Pakt mit dem Panda" um 20.15 Uhr.

Gleichzeitig wird der WWF sich in einem Live-Chat online zu den Vorwürfen äußern.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Der WWF und andere "Naturschutzmultis"

Nach der Ausstrahlung des Films kriegt sich der WWF nicht mehr ein mit Gegendarstellungen, Wilfried Huismann nimmt Stellung dazu auf seiner Seite. Ein schönes Interview mit Huismann hat übrigens auch SWR 1 gesendet.

Ein interessanter Text über die Unternehmensverquickung des WWF und eine Gegenüberstellung mit Greenpeace erschien bereits vor zehn Jahren in Brand eins. Ein weiterer Beleg für die Intransparenz des WWF ist übrigens "Saufen für den Regenwald": gern brüstet sich der WWF damit, 83 MILLIONEN Quadratmeter Regenwald im Kongobecken zu schützen. Nun ist ja "schützen" ein vager Begriff. Der Krombacher-Kunde würde womöglich davon ausgehen, dass der WWF, der durch die Aktion vier Millionen Euro bekommen hat (Stand 2009), die Bäume im Dzanga-Sangha-Schutzgebiet auf dieser enorm riesig klingenden Fläche vor der Abholzung schützt. Doch erstens sind 83 Millionen Quadratmeter sind 83 Quadratkilomter - das ist ein bisschen größer als der Chiemsee (79 Quadratkilomter) und macht nur zwei Prozent des 4000 Quadratkilomter großen Schutzgebietes im Kongobecken aus. Dort ist übrigens nicht die Regenwaldabholzung das Problem, sondern die Wilderei. Seit kein Holz mehr abgeholzt wird, wird Geld mit Elefantenfleisch. 2008 ging der SWR dieser Kooperation nach und fand heraus, dass 2007 dort 100 der 870 Tiere Wilderern zum Opfer fielen. Die Parkranger machten das Wildern zwar schwieriger, könnten es aber nicht verhindern. Ein ortsbekannter Wilderer lebe gar direkt neben dem WWF-Zentrum. Im Interview mit WWF-Wildtier-Experte Christoph Hein ("Wilderei gibt es außerhalb der Schutzgebiete wesentlich mehr als innerhalb der Schutzgebiete" bzw. "Wir glauben ganz einfach, dass es wichtig ist, nicht immer nur die Probleme auf den Tisch zu packen sondern dort, wo wir Erfolge haben und auch mal was Gutes erreicht haben, das auch mal darzustellen." - äh.... was denn genau????), zeigt sich wieder die bekannte Abwiegelei des WWF. 

Ans Herz legen möchte ich heute auch das Buch "Naturschutz und Profit. Menschen zwischen Vertreibung und Naturzerstörung"  von Klaus Pedersen. Dort wird aufschlussreich beschrieben, wie kommerzielle Umweltorganisationen (Pedersen nennt sie treffend "Naturschutzmultis") wie der WWF grüne Kolonialisierung betreiben Naturschutz und Menschenrechte gegeneinander ausspielen. Es geht vornehmlich um die grüne Kolonisierung der "großen Drei", nämlich Conservation International (CI),  The Nature Conservancy (TNC) und, ja den WWF.

Man muss sich einfach nur die Unternehmenspartenerschaften anschauen: Die CI kooperiert mit  Starbucks, weitere illustre Spender sind Coca Cola, Kraft Foods, Cargill,  Goldman Sachs, Monsanto, Shell, BP, McDonalds, Walt Disney Company, die Bergbau-Gesellschaft Rio Tinto, Wilmar International - Kurzum: Konzerne, denen die schlimmsten Menschenrechts- und Umweltverbrechen vorgeworfen werden. Und zu den Unterstützern gehört natürlich auch DER WWF!

Die Partnerliste von TNC ist nicht weniger illuster: auch hier finden wir Monsato, Coca Cola, Cargill, BP,  Nestlé-Waters, ExxonMobil, Dow Chemicals, die zusammen mit Monsanto Agent Orange hergesetllt haben - und zwar in der Section International Leadership Council. Ach ja, fast hätt ichs vergessen, so logisch ist das: auch mit dem WWF und der CI wird zusammengearbeitet.

Toll und aufschlussreich ist auch die Seite "The wrong kind of green" die sich kritisch mit dem WWF und den anderen Kandidaten auseinandersetzt sowie der Text des britischen konzernkritischen Journalisten Johann Hari im Magazin The Nation und der Artikel "A Challenge to Conservationists" des Antropologen Mac Chapin, der 2004 im World Watch Magazine erschienen ist. Wie es auch jetzt der WWF mit Huismanns Beitrag macht, "bezichtigten die 'großen Drei' den Artikel, inhaltlich nicht korrekt zu sein (ohne konkrete Beispiele anzuführen), während Vertreter der Südhalbkugel den Beitrag nahezu einhellig als mutig und ihren eigenen Erfahrungen entsprechend begrüßten." (Pedersen S.57)

All das zeigt, wie perfide Großkonzerne den Naturschutz zu ihren Zwecken unterwandern. Großkonzerne haben einzig und allein Interesse an krisensicherem Profit. Es gibt keine Wandel zum Guten und "Dialoge", am besten noch "auf Augenhöhe", sind bloß Augenwischerei - das kuschelige Geschwätz hat nur den einen Sinn, Protest und Widerstand gegen die zerstörerische Weltmacht der Konzerne, besser gesagt, den "wirtschaftlichen Weltkrieg" (Jean Ziegler), abzublocken. Mag sein, dass manche Konzerne von Klimaschutzmaßnahmen profitieren - aber Menschen- und Arbeitsrechte sind nie und nimmer profitabel.

Freitag, 24. Juni 2011

WWF wehrt sich

Leider lief der aufschlussreiche Film "Der Pakt mit dem Panda" am Mittwoch erst spätabends (hier kann er angeschaut werden, falls ihn jemand verpasst hat), dennoch hat er erfreulicherweise für großes Medienecho gesorgt. In einem "Faktencheck" widerspricht der WWF nun den Vorwürfen der Dokumentation von Wilfried Huisman (man hat sich ja schon während des Film gefragt, wieso der WWF nicht professioneller reagiert und stattdessen Dörte Bieler vor die Kamera setzt, die sich jämmerlich um Kopf und Kragen redet - Psychologen dürften allein beim Anblick der Mimik und Gestik ihre Freude gehabt haben). Schon die ersten drei Statemens sind natürlich gelogen.

1: Der WWF lehnt Gentechnik grundsätzlich ab

Blödsinn. Der WWF sitzt zusammen mit unter anderem Monsanto, Syngenta, Nestlé und Bayer Crop Science im Round Table on Sustainable Soy Association, eine ähnliche Greenwashing-Institution wie der Roundtable on Sustainable Palmoil. Dieser verleiht das RTRS-Zertifikat. Abgesehen davon, das fast 80 Prozent der Mitglieder aus der Industrie (57 Prozent Konzerne, 20 Prozent Produzenten) stammen, gehört zu den fünf Hauptkriterien "verantwortungsvollen Anbaus" (Legal compliance & good  business practice, Responsible labor conditions, Responsible community relations, Environmental responsibility, Good agriculture practices - windelweicher geht es kaum) nicht der Verzicht auf Gentechnik. Im Gegenteil: in den RTRS-Standards steht geschrieben:

"This standard applies to all kinds of soybeans, including conventionally grown, organic, and genetically modified (GM). It has been designed to be used for all scales of soy production and all the countries where soy is produced."

hochinteressant ist auch dieser Zusatz:

"When a change in soybean production practices is introduced which could impact on neighboring production systems, it is the responsibility of the producer making the change to implement a buffer strip of 30 m (e.g. in areas where production is generally GM, it is the responsibility of an organic or non-GM farmer to maintain the buffer around his own production. In areas where production is mainly non-GM or organic, a farmer planting GM or using chemicals should maintain a buffer)."

Als es 2009 Vorwürfe von NGO wie Save our Seeds hagelte, der WWF unterstütze Gentechnik, rechtfertigte sich der WWF, er stünde ja nicht hinter allen Entscheidungen des RTRS (das ist ungefähr so, als wäre ich als Vegetarier Mitglied bei der Fleischerinnung, um mit den Mitgliedern das Ende der Fleischproduktion voranzubringen) und adelt seine Greenwashing-Dienstleistung für Monsanto & Kollegen folgendermaßen:

"WWF believes that the RTRS cannot be effective in helping to prevent the environmental impacts of soy production, such as forest conversion, habitat loss, soil degradation, water use and pesticide use, unless it applies both to GM soy and GM-free soy. Eliminating GM soy producers from the RTRS would greatly limit its potential to mitigate critical environmental impacts of soy production."

Nun ist es nicht nur so, dass der Roundtable Gen-Soja-Anbau schützt und zertifiziert, sondern auch Agro-Sprit. Damit würde der WWF unter anderem dafür sorgen, dass Verbrecher-Konzerne wie Monsanto für genmodifiziertes Soja auch noch CO2-Zertifikate bekommen, kritisierte 2009 die Jury des dänischen Angry Mermaid Award und verlieh den Negativpreis an Monsanto.

Eine weitere GMO-Quelle, die der WWF schützt, ist das zweifelhafte Projekt Better Cotton Initiative, in der auch Ikea und H&M Mitglied sind. Dort ist gentechnisch veränderte Baumwolle erlaubt. Wenn man also sagt, dass man sich in Sachen Gentechnik "technologieneutral" ("GMO technology: BCI does not wish to dictate to growers which technologies are best for them") verhalte und auch Bauern erlaube, gentechnisch verändertes Saatgut zu verwenden - lehnt man dann wirklich Gentechnick grundsätzlich ab? Lehnt man ferner allen Ernstes Gentechnik grundsätzlich ab, wenn man zulässt, dass es innerhalb der BCI Feldversuche mit gentchenisch verändertem Saatgut gibt und weiterhin geben soll?

Abgesehen davon ist scheints auch die Behauptung, der WWF habe von Monsanto kein Geld genommen, gelogen: Auf Anfrage der SZ gab der Verband zu, Monstao-Spenden entgegegn genommen zu haben.


2. Der WWF ist nicht käuflich

"Der WWF schließt keine Kooperation, wenn ein Unternehmen nicht bereit ist, unsere Standards im Umweltschutz und im Bereich der Nachhaltigkeit zu akzeptieren. Wir kritisieren wenn nötig Kooperationspartner auch öffentlich." Schreibt der WWF. Wann hat der WWF zuletzt einen Konzern kritisert? Wie kann man behaupten, nicht mit Wilmar zusammenzuarbeiten, wenn doch der Vize-Chef des Roundtable on Sustainable Palmoil ein Wilmar-Abteilungsleiter und ein WWF-Mitarbeiter sind? Seltsam, dass keine einzige Konzernkritik zu Wilmar von Seiten des WWF irgendwo zu finden ist, im Gegenteil. Ein kleiner Blick auf die Sponsorenliste ist immer wieder erhellend. Die letzte Konzern-Kritik des WWF an Henkel, die jedenfalls ich gefunden habe, stammt von 2003 - und schon im Jahr darauf war Henkel Mitglieder beim RSPO.

3. Der WWF setzt sich weltweit für den Erhalt der Regenwälder ein

Muss man das noch kommentieren? Ich verweise hiermit abermals auf die NGO FSC-Watch, die die Machenschaften des Forest Stewartship Council kritisiert (zu denen unter anderem seit Jahren Kahlschlag, illegale Regenwaldabholzung, Vertreibung indigener Völker und sogar Mord gehört - aktueller Skandal übrigens: auf südafrikanischen Holz-Monokulturen, die FSC-zertifiziert sind, werden hunderte Affen abgeknallt), den der WWF mibegründet hat, sowie selbstverständlich auf den Roundtable on Sustainable Palmoil, dessen Existenz mehr als 250 internationale Umweltschutzorganisationen als Greenwashing ablehnen. Und ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass sich der WWF 2003 nicht entblödet hat, mit der Fluggesellschaft LTU zusammenzuarbeiten und unter dem wunderschönen Titel "Fliegen für den Regenwald" pro Flugticket an den WWF spenden zu lassen: mit den geplanten 20 Millionen sollten 25 Quadratkilometer Regenwald geschützt werden - weil das grad mal halb so viel Fläche ist wie der Starnberger See hat, behalf sich der WWF wie schon auch bei "Saufen für den Regenwald" (Krombacher) eines billigen Umrechnungstricks und sprach von 25 Millionen Quadratmetern - dabei wird, mit freundlicher Unterstützung des WWF, weltweit so viel Fläche Regenwald binnen dreineinhalb Stunden vernichtet.

Das Magazin Enorm sucht übrigens Aufklärer, die nach dem Vorbild "Guttenplag" Hinweise für die Machenschaften des WWF haben.



Montag, 20. Juni 2011

Filmtipp: Die WWF-Lüge am Mittwoch in der ARD!

Was man schon lange ahnen konnte hat der WDR-Autor Wilfried Huismann nun endlich zur bitteren Gewissheit gemacht: der WWF richtet vermutlich mehr Schaden an als er durch Kampagnen und Öko-Projekte wieder repariert. Am Mittwoch, 22. Juni, sendet die ARD um 23.30 Uhr Huismanns Film "Der Pakt mit dem Panda. Was uns der WWF verschweigt". Huismann und Arno Schumann haben 2010 den erschütternden Film "Lachsfieber" gedreht, in dem es um das schmutzige Geschäft mit Zuchtlachs geht. Der Film nahm vor allem den multinationalen, in Norwegen ansässigen Konzern Marine Harvest unter die Lupe, der mit seine Zuchtstationen in Chile nachhaltig die Fjorde zerstört. Für eine Jahresspende von 100 000 Euro, so heißt es im Film, darf der Konzern das Pandabärchen auf seine Produkte kleben und sich mit Kooperationen mit dem WWF Norwegen grün waschen. Eine Win-Win-Situation für Wirtschaft und WWF, die, wie immer, für Mensch, Tier und Natur eine Lose-Situation darstellen.

Während der Recherchen für Lachsfieber ist Huismann auf die zweifelhaften Kooperatione des WWF aufmerksam geworden und ist diesen nachgegangen. Der WWF, so ist mir zu Ohren gekommen, habe sogar versucht, die Ausstrahlung des Films zu verhindern. Kein Wunder: Keine andere Umweltorganisation arbeitet so eng mit der Industrie zusammen wie der WWF - und verschafft damit vor allem jenen Konzernen ein grünes Image, deren Kerngeschäft besonders dreckig ist.

Während der WWF etwa zeitgleich mit niedlichen Orang-Utan-Babies für Spenden wirbt, sorgt er Hand in Hand mit der Palmölindustrie vor allem dafür, dass der Lebensraum der Tiere für immer verschwindet: der WWF ist Mitbegründer des Round Table on Sustainable Palmoil, der das Greenwashing-Siegel RSPO verleiht - vor allem an die Verschwender des Rohstoffs wie Unilever, Henkel, Ikea. Dazu gesellt sich das FSC-Siegel für Holz, das ebenos umstritten ist, wie RSPO: Menschrechtsverletzungen, ja sogar Mord, gab es bereits auf FSC-Plantagen, ebenso Vetreibung von indigenen Völkern sowie Kahlschlag.

Ebenso umstritten: das MSC-Siegel für "nachhaltige Fischerei": das Siegel, mit dem Verbraucher meinen, nun guten Gewissens die Meere leerfuttern zu dürfen, wir an ganz und gar nicht nachhaltige Großfischereien mit ungenügenden Umweltstandards vergeben, auch Fisch aus überfischten Gewässern erhält das Siegel, ebenso überfischet Arten wie der Nordsee-Hering und Alaska-Seelachs (Fischstäbchen!). Weitehin erlaubt MSC Treib- und Grundschleppnetze (hohe Beifangquote) sowie Langleinen, an denen sich Seevögel und Meeressäuger strangulieren. Kein Wunder, dass MSC - lustiges Motto: "Machen Sie mit beim Meeresschutz auf dem Teller" - keine messbare Verbesserung bewirkt.

Aber weil's so schön ist, gesellt sich zum MSC künftig auch noch ASC, das Siegel für Aquakulturen von Schrimps, Lachs, Pangasius und Forelle. Das Problem ist aber nur: es gibt keine nachhaltige Aquakultur, schon gleich nicht für derart gigantische Mengen - und eine Alternative zum Seefang ist Aquakultur auch nicht, ganz im Gegenteil: für ein Kilo Lachs braucht es fünf Kilo Lebenfutter aus dem Meer. Interessant aber vor allem ist wieder einmal die Teilnehmerliste: Im Hauptausschuss des "Dialogs" sitzen Vertreter etwa von Marine Harvest und Skretting (Weltmarktführer für Farmfischfutter).

Einen schönen Beitrag zur neuen WWF-Kinderfang-Großkampagne bei REWE hat übrigens Toralf Staud im Klimalügendetektor geschrieben.

Montag, 17. Januar 2011

QS-Siegel: Verbrauchertäuschung und Dioxin

"Qualität und Sicherheit" - das soll das QS-Siegel garantieren. Spätestens der Dioxin-Skandal  belegt: QS schützt vor allem die Fleisch- und Geflügelindustrie. So war laut der Tierrechtsorganisation PETA selbst der kriminelle Futtermittelhersteller Harles&Jentzsch QS-zertifiziert (QS-ID: 4031735944402), der 3000 Tonnen verseuchtes Futter an 25 Betriebe verkaufte. Denn die QS-GmbH ist ein Zusammenschluss der konventionellen Lebensmittelindustrie: zu den Gründungsmitglieder zählen der Verband der Fleischwirtschaft, der Deutsche Bauernverband, die CMA (die 2009 als verfassungswidrig eingestuft und liquidiert wurde), die Handelsvereinigung für Marktwirtschaft und der Deutsche Raiffeisenverband. Laut eigener Aussage würde bei QS-Betrieben "110 400 Kriterien des Tierschutzes" überprüft. "Gut für den Verbraucher. Gut für die Wirtschaft", ist das Motto der Vereinigung. Das ist genauso lustig wie der Spruch, den Sascha Hehn einmal in einem Welt-Interview fallen ließ ("Geht es dem Unternehmer gut, geht es auch dem Arbeiter gut") und die Aufschwung-Fieberträume der Bundesregierung. Aber natürlich verhält es sich genau andersrum: Geht es der (Lebensmittel-)wirtschaft gut, geht es dem Verbraucher schlecht. So einfach ist das. "QS ist die größte Verbrauchertäuschung, die Deutschland je erlebt hat", sagt Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater von PETA, die bei Undercover-Aktionen in QS-Betrieben immer wieder katastrophale Zustände entdeckte. Auch die Organisation Foodwatch stellte bereits 2004 fest, dass das Label, mit dem sich Handelskonzerne wie REWE, LIDL, ALDI, Metro, Edeka, und Netto schmücken, nichts als Beschiss ist - bzw. "ein Versuch der Lebensmittelwirtschaft, unter Beibehaltung ihrer allzu oft Qualität verhindernden Strukturen herkömmliche Massenware zu adeln." Und was haben wir jetzt wieder gelernt über die Freiwiligkeit und Eigenverantwortung der Industrie? Genau. Deshalb ruft Campact zum Protest gegen Ilse Aigners Industriepolitik und Verbraucherverarsche auf.





Sonntag, 28. November 2010

Ikea: Advent, Advent, der Regenwald brennt!

Zur Vorweihnachtszeit verkauft Ikea massenhaft Kerzen und Teelichter aus Palmöl. Das schwedische Möbelhaus gibt zu, jedes Jahr 32 000 Tonnen Palmöl allein für seine Kerzen zu importieren. Für 32 000 Tonnen Palmöl verlieren 130 Orang-Utans in Indonesien ihren Lebenraum in den meisten Fällen sogar ihr Leben. Rettet den Regenwald hat bereits im Februar zum Protest gegen Ikea aufagerufen - 28 000 Menschen haben unterschrieben. Ikea redet sich seither auf das RSPO-Siegel heraus, ein Industrielabel, das nur der Imagepflege der Konzerne, nicht aber dem Regenwald nützt.  Um zu belegen, dass das RSPO-Siegel nichts als Greenwashing ist, hat sich Rettet den Regenald die angeblich nachhaltige Palmölproduktion angeschaut. "Die Nachhaltigkeitslüge - wie die Palmölindsutrie die Welt betrügt" heißt der Film, der daraus entstanden ist. Rettet den Regenwald ruft deshalb erneut zum Protest gegen Ikea auf.

Freitag, 12. November 2010

Selbst geschrieben: Lufthansa-Interview in Enorm

In der Enorm-Ausgabe Nummer vier habe ich für meine Interview-Kolumne "Hartmann!" die Lufthansa befragt: das Gespräch dreht sich um Agrartreibstoffe, die Behauptung des scheidenden LH Chefs Wolfgang Mayrhuber, Fliegen sei auf langen Strecken umweltfreundlicher als Auto fahren, und die "Vier Säulen Strategie" zur CO2-Reduktion . Eine meiner liebsten Stellen im Interview:  

Enorm: Was soll der Verbraucher tun?

LH: Er ist immer frei in der Entscheidung, ob er das umweltfreundliche oder etwa das preisgünstige Produkt wählt.

Enorm: Dementsprechend sollte er am besten gar nicht fliegen - jedenfalls so wenig wie möglich.

LH: Wo haben Sie denn das gehört?

Weiters habe ich in dieser Enorm-Ausgabe einen Text über die Jäger der Greenwasher, Verbraucherzentralen, Toralf Staud und Foodwatch geschrieben.



Mittwoch, 3. November 2010

Lachen über Lohas

Einen sehr lustigen Sketch über (britische) Lohas gibt es in der sehr, sehr lustigen Armstrong and Miller-Show auf BBC! Das tolle daran ist nicht nur, dass es die Interessen meines Mannes und die meinen trefflichst vereint - es spielt auch noch Morten Harket von a-ha mit, deren Song "Take on me" ich voll nachhaltig schon seit 25 Jahren als Lieblingslied gebrauche! Meine Lieblingszeile im Song "The Farmer's Market" aus dem Sketch ist aber die: "We have sugar-mice like a normal shop - but not as nice". Da muss ich nämlich immer an meinen kleinen Bioladen ums Eck denken, der auch immer mehr ausssieht wie ein normaler Supermarkt. Wo nämlich einst der Pfandflaschenautomat stand, steht jetzt ein riesiger beleuchteter Kühlschrank, in dem es so eine Art Bio-Energie-Drink gibt (im Sommer gab es dazu ein paar Badelatschen aus aufgeschäumtem Plastik), daneben steht ein Kühltruhe mit verzehrfertig gewaschen und gezupftem Bio-Salat in Plastiktüten und winzige Ananasstückchen abgepackt in kleinen Plastikschalen. Noch dazu muss die arme Frau, die an der Bäckerei- und Wärmetheke steht, auch noch zusätzlich das Pfand annehmen. Im Tiefkühlschrank weiter hinten gibt es dann Pommes, Fleischbällchen, Pizza und sonstige Fertiggerichte, die das Klima zerstören, in der Gemüseabteilung Kartoffeln aus Ägypten, Paprika aus Israel und bald schon wieder Spargel aus Peru und Erdbeeren aus Südspanien. Das ist das Ergebnis der Konsumentedemokratie: alles bleibt, wie es ist. Und das ist doch voll nachhaltig, oder nicht?

Montag, 25. Oktober 2010

Bayer, BASF, E.on und BP sponsern Klima-Leugner in den USA

Machen Sie sich doch mal den Spaß, zuzuordnen, zu welchem der oben genannten Konzerne jeweils die folgende Verantwortungsbehauptung gehört (Auflösung siehe unten):

1. "Wir begrüßen daher die intensive Auseinandersetzung mit dem Klimaschutz, zumal wir diese ökonomische und ökologische Herausforderung seit langem selbst sehr ernst nehmen."
2. "Klimaschutz ist Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Zur
Umsetzung haben wir uns konkrete Ziele gesetzt, die wir konsequent
verfolgen."

3. "Wir bekennen uns zu unserer Rolle als Schrittmacher beim Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft."
4. "Als nachhaltiges Unternehmen wollen wir Energie auf eine Weise gewinnen und nutzen, die unserem Planeten und seiner Bevölkerung langfristig nicht schadet."

Ist eigentlich völlig wurscht, gelogen sind sie alle. Denn diese Konzerne wollen nur eins: globale Klimapolitik verhindern. Deshalb unterstützen BP, BASF, Eon, Bayer und andere Konzerne mit insgesamt 240 200 US-Dollar vor den US-Kongresswahlen jene Senatoren, die den Klimawandel leugnen und Barack Obamas Klimapolitik verhindern wollen. Der Schweizer Tagesanzeiger zitiert einen Bericht des Climate Action Network Europe, nachdem 80 Prozent der Wahlkampfspenden der dort genannten Konzerne an Senatskandidaten fließt, die sich gegen die Klimapolitik der USA aussprechen. Der großzügigste Spende stammt vom Chemiekonzern Bayer: der ließ seinem Wunschkandidaten 108 100 Dollar zukommen.  Zu den Begünstigten gehören vor allem Angehörige der konservativen Tea-Party-Bewegung, die sich gegen jedwede Regulierung bei Umweltfragen und gegen Finanzmarktkontrolle einsetzen.

Lösung: 1: Bayer, 2: BASF, 3:E.on 4: BP

Sonntag, 16. Mai 2010

BP und Utopia: Greenwashing für Fortgeschrittene

BP, so versprach Vorstandsvorsitzender Tony Hayward bei seinem Antritt 2007, werde der sicherste Ölkonzern aller Zeiten. Zwei Jahre zuvor läutete der Konzern die Geburtstunde des Greenwashings ein: Die Umbenennung von British Petrolium in Beyond Petrolium sollte suggerieren, dass das Unternehmen sich zunehmend mit alternativen Energien beschäftige. Die Gründung des Geschäftsbereiches "Alternative Energy" (Windkraft, Wasserstoff, Erdgas und Solarenergie) bewarb der Mutterkonzern 2005 mit einer 200 Millionen Dollar teuren Kampagne. In den ersten drei Quartalen des Klimajahres 2007 machte BP satte 20,5 Milliarden Dollar Gewinn - nur 1,5  Milliarden stammten aus den alternativen Energien. Dazwischen: eine Ölkatastrophe in Alaska 2006, bei der eine Million Liter Öl aus einer defekten Leitung im Ölfeld Prudhoe Bay austrat und in den Pazifik strömte. Mehrere schwere Betriebsunfälle in der Raffinerie in Houston, Texas, mit 24 Todesopfern, zuletzt 2005, als bei einer Explosion weitere 15 Menschen starben. Und seit am 22. April die Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko nach einer Explosion sank, fließen täglich 700 Tonnen Erdöl ins Meer (Stand heute: ca. 800 000 Liter). Alle Versuche, das Leck zu stopfen und dem Ölteppich Herr zu werden, scheiterten bislang. Da ist es schön, wenn Hayward in einem Spiegel-Interview solche Sätze sagt: "Natürlich ist dieses Unglück eine Herausforderung für unseren Ruf" beziehungsweise noch schöner: "Wir sind entschlossen, den Ölteppich zu kontrollieren und das Leck zu schließen." Ach nein, das ist aber lieb von BP, "Verantwortung" zu übernehmen, wo man sie gar nicht mehr übernehmen kann - weil man sie noch nie und nirgends übernommen hat. Die allerbeste Krisen-PR - Hut ab, aber wirklich! - hat sich der Konzern mit einer Homepage einfallen lassen, auf der die Weltgemeinschaft aufgerufen ist, Ideen einzureichen, wie man der Katastrophe bekommen kann. Ja genau! Besser pragmatische Ideen liefern  anstatt am Ende auf die Idee zu kommen, BP zu boykottieren oder gar die Ölförderung und fossile Energieträger in Frage zu stellen! Anpacken statt Jammern! Schöner kann man Gegner gar nicht auf seine Seite ziehen und zu Komplizen machen - wir alle haben ja Verantwortung, als "mündige Verbraucher"! "Dialog" zwischen Verbraucher und Unternehmen - das gefällt den Machern von Utopia gut , zu deren Förderern BP Solar (100-prozentige Tochter des BP-Konzerns) bis März gehörte und sich damit das grüne Mäntelchen noch weiter über die Ohren ziehen konnte. Für den "Dialog" angesichts der Ölkatastrophe durfte BP dann Pressemitteilungen auf der Seite veröffentlichen - verfasst von einem BP-Mitarbeiter, der sich lustigerweise "Realist" nennt. Auf Druck der Utopisten, die langsam kein Verständnis mehr aufbringen für die Verquickungen des Greenwashing-Portals mit höchst zweifelhaften Konzernen wie Henkel und BP, und nach einigen Versuchen seitens der Redaktion, die Mitglieder mit fadenscheinigen Argumenten ruhig zu stellen, hat sich die Redaktion entschlossen, das Unternehmensprofil von BP von der Webseite zu nehmen. Begründung von Vorstand Meike Gebhard: "Nach Rücksprache mit BP Deutschland ist deutlich geworden, dass dort momentan weder die Zeit noch die personellen Kapazitäten für einen aktiven Dialog mit der Utopia Community vorhanden sind. Deswegen haben wir im beiderseitigen Einverständnis beschlossen, das Profil offline zu stellen."

Mittwoch, 21. April 2010

Lidl muss Werbung zurückziehen

Das ist doch mal eine wirklich gute Nachricht: Lidl muss nach der Klage der Veranbraucherzentrale Hamburg die irreführende Werbung mit angeblich fairen Arbeitsbedingungen einstellen. Der Discounter, der im Januar in Prospeketen damit geworben hatte, sich "weltweit für faire Arbeitsbedingungen" einzusetzen und "Non-Food-Aufträge nur an ausgewählte Lieferanten und Produzenten" zu vergeben, "die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen" hat sich nun zu einer Unterlassungserklärung verpflicht. Die Kampagne Saubere Kleidung und das European Center for Constitutional Human Rights gingen dieser Behauptung nach und fanden in vier für Lidl tätigen Textilfabriken in Bangladesch unmenschliche Arbeitsbedingungen vor. Beide NGOs unterstützten die Klage. Der Fall Lidl zeige, wie riskant es für Unternehmen sei, sich ein Sozialmäntelchen umzuhängen, sagt Gisela Burkhardt von die Kampagne Sauber Kleidung in Spiegel Online. Der Fall zeigt aber auch etwas anderes: zum einen, dass freiwilliges Engagement von großen Konzerne grundsätzlich zu hinterfragen ist, weil meistens nichts dahinter steckt (beziehungsweise diese keiner Überprüfung standhält). Und zum anderen, dass es falsch ist, Konzerne für ihr vermeintliches Engagement zu loben. Weil es sehr viel mehr bringt, diese und die Politik weiter öffentlich unter Druck zu setzen. Eben zum Beispiel mit Klagen. Die Verbraucherzentrale sammelt übrigens auf der Seite Verbraucher fürs Klima auch Beispiel für zweifelhafte Öko-Werbung und Greenwashing.




Montag, 12. April 2010

Verbraucherzentrale klagt gegen Lidl

In einem Januar-Prospekt behauptete Lidl, sich "weltweit für faire Arbeitsbedingungen" einzusetzen und "Non-Food-Aufträge nur an ausgewählte Lieferanten und Produzenten" zu vergeben, "die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen." Lidl verweist auf seine Mitgliedschaft in der Business Compliance Initiative (BSCI), in der 475 Firmen Mitglied sind. Die BSCI ist eine freiwillige unternehmensfreundliche Inititiative, der BSCI-Kodex enthält Angaben zu Arbeitszeit, Löhne und Gewerkschaftsfreiheit, eine Verpflichtung zur Einhaltung der Sozialstandrads oder eine unabhängige Kontrolle gibt es aber nicht. Die BSCI, die von der Otto-Group mitbegründet wurde, wird von NGOS als schwächster Standard heftig kritisiert, die Kampagne Saubere Kleidung bezeichnet die Initiative als "Sozialmäntelchen", unter dem genauso verheerend gewirtschaftet wird, wie eh und je. Das belegen auch die zahlreichen Arbeitsrechtsverletzungen und die schlimmen Unfälle, die trotz BSCI-Mitgliedschaft immer wieder in den Textilfabriken der Entwicklungs- und Schwellenländer passieren. Die Kampagne Saubere Kleidung zusammen mit dem European Center for Constitutional Rights haben eine Studie in Auftrag gegeben, die die Arbeitsverhältnisse in vier  Zulieferbetrieben von Lidl in Bangladesch untersucht. Wie zu erwarten ergab die Recherche unmenschliche Arvbeistbedingungen: überlange Arbeitseiten, Lohnabzug als Strafe, intransparente Vergütung von Überstunden, Verhinderung von Gewerkschaften und Diskriminierung von Frauen. Alles eindeutige Verstöße gegen die ILO-Kernarbeitsnormen, auf die sich auch die BSCI bezieht. Im Zuge der Studie hat nun die Verbraucherzentrale Hamburg Klage wegen irreführender Werbung eingereicht. Die Klage hat einen Streiwert von 50 000 Euro. Die Kampagne Saubere Kleidung ruft deshalb zu Spenden auf - für den Prozess aber auch für Recherche und Öffentlichkeitsarbeit: CCC,  KTO 1 555 000 029, KD Bank, BLZ 350 601 90, Stichwort: Lidl Kampagne.

 

Sonntag, 21. März 2010

Flugzeuge sind (tier-)lieb! Greenwashing mit Airbus

Der Flugzeughersteller Airbus hat seinen A380 zum "Botschafter des Internationalen Jahres der Artenvielfalt" gemacht. Das weltgrößte Passagierflugzeug trägt das offizielle Logo der UN-Initiative. Dabei stehe der A380 nicht nur "stellvertretend für ökoeffizientes Fliegen" sondern wolle auch die UN unterstützen und "Kinder und Jugendliche für die Bedeutung der Biodiversität interessieren". Schade nur, dass diese, wenn sie mal groß sind, kaum mehr Artenvielfalt erleben werden, wenn der zunehmende Flugverkehr zur Zerstörung derselben beiträgt. Denn Fliegen ist die mit Abstand klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen.
Dass die Luftfahrtindustrie alles unternimmt, um den Beitrag der Klimaerwärmung kleinzureden, ist nichts als Greenwashing. So behauptet Airbus-Sprecher Rainer Ohler etwa folgendes: "Der Luftfahrtsektor unternimmt enorme Anstrengungen, um seinen Beitrag von zwei Prozent zu dem vom Menschen verursachten Kohlendioxidausstoß weiter zu reduzieren. Die Flugzeugemissionen sind in den letzten 40 Jahren bereits um 70 Prozent und die Lärmemissionen um 75 Prozent gesenkt worden. Als globales Unternehmen sieht sich Airbus in der Verantwortung, auch diejenigen zu unterstützen, die sich für die Senkung der übrigen 98 Prozent einsetzen."
Zwei Prozent klingen natürlich toll, sind aber geschönt: zum einen ist der CO2-Ausstoß eines Flugzeugs nicht mit dem eines Autos vergleichbar. Denn der CO2-Ausstoß in den oberen Schichten der Atmosphäre ist drei- bis fünf Mal so schädlich wie der Ausstoß am Boden. Zum anderen stoßen Flugzeuge noch weitere klimaschädliche Stoffe wie Stickoxide und Wasserdampf aus. Erstere bilden in der Atmosphäre das starke Treibhausgas Ozon. Letzterer wiederum führt zu Kondesstreifen und Zirruswolken. Beide reflektieren die Wärmestrahlung der Erde und verstärken den Treibhauseffekt.
Airbus beschreibt weiter seinen A380 als "Symbol für die Entschlossenheit der Luftfahrtindustrie, dem Luftverkehrswachstum mit einer weiteren Reduktion des Carbon Footprint zu begegnen." Das ist natürlich großer Blödsinn. Grundsätzlich funktioniert Reduktion bei gleichzeitigem Wachstum nicht: Wer ein Drei-Liter-Auto kauft und damit doppelt so viel fährt als vorher, hat der Umwelt keinen Dienst erwiesen. Man nennt das auch Rebound-Effekt. "Mit einem Treibstoffverbrauch von nicht einmal drei Litern pro Passagier und 100 km, entsprechend weniger als 75 g CO2 pro Passagier und Kilometer, setzt die A380 einen neuen Maßstab für Ökoeffizienz im Luftverkehr." Damit suggeriert Airbus, ihr 275-Tonnen-Koloss sei klimafreundlicher als ein gewöhnliches Auto. Warum das wiederum Quatsch ist, hat Toralf Staud sehr schön in seinem Greenwashing-Blog Klima-Lügendetektor aufgezeigt.