Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 13. Juli 2011

Greenwashing selber machen!

Eine sehr schöne Form des kreativen Protests haben sich die Kampagne Saubere Kleidung, Bewegungsstiftung und I shop fair ausgedacht: Auf der Seite Schönfärben jetzt! kann man Werbeplakate von Aldi, Lidl und Kik selbst gestalten und auf die Seite stellen. Bitte ausprobieren, das macht wirklich Spaß - und da geht noch so einiges! Bitte auch den Appell an Angela Merkel unterschreiben für Transparenz in den Lieferketten der Unternehmen. Nur weil sich die Konzerne weigern, ihre Lieferanten und Sublieferanten preiszugeben (Standard-Argument: "das können wir nicht wegen der Konkurrenz"), können Menschenrechstverletzungen, Lohndumping und Ausbeitung unbehelligt von statten gehen und die Konzerne ihr "soziales Engagement" trotzdem in die Welt hinein lügen. Wie es in den Textilfabriken, die für Lidl und Kik arbeiten, wirklich zugeht, steht in der Untersuchung "Wer zahlt unsere Kleidung bei Lidl und Kik?".

Sonntag, 19. Juni 2011

Selbst geschrieben: Ikea im Interview

In der aktuellen Magazin Enorm habe ich Sabine Nold von Ikea interviewt, das Interview ist auch bei Spiegel online zu lesen. Nold äußert sich zum Thema Ikea und Kinderarbeit, illegalem Holzeinschlag und zum Palmöl in Kerzen: die NGO Rettet den Regenwald, die in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag feiert, hat herausgefunden, dass Ikea Palmöl von dem Unternehmen Wilmar International in Indonesien bezieht, dem weltweit größten Palmölverarbeiter. Wilmar hat das RSPO-Siegel, obwohl der Konzern illegal Urwald niederbrennt und Menschenrechte verletzt. "Rettet den Regenwald" hat 2010 einen Film über Wilmar gedreht und die Missstände öffentlich gemacht.

Samstag, 8. Mai 2010

ILO-Bericht: Kinderarbeit hat kaum abgenommen

Die Internationale Arbeiterorganisation (ILO) hat laut Frankfurter Rundschau einen Bericht die Halbzeitbilanz des Zehn-Jahres-Plans veröffentlicht, nach dem zwischen 2006 und 2016 zumindest die schlimmsten und gesundheitschädlichsten Formen der Kinderarbeit eleminiert werden sollen. Das vorläufige Ergebnis ist ernüchternd. 215 Millionen Kinder zwischen fünf (!) und 17 Jahren arbeiten. Das sind nur sieben Millionen weniger als 2004, die Zahl der arbeitenden Kinder ist gerade mal um drei Prozent gesunken.  "Der Fortschritt ist weder schnell noch umfassend genug, um das Ziel zu erreichen, das wir uns gesteckt haben", sagt ILO-Generaldirektor Juan Somavia. Zwar sank die Zahl der unter 15-Jährigen (die Mehrheit Kinderarbeiter) um ein Zehntel, stieg aber im Alter zwischen 15 und 17 um zehn Millionen auf 62 Millionen an. Mehr als die Hälfte, 115 Millionen, müssen müssen noch immer noch gefährlich und krank machende Arbeiten verrichten. Abgenommen hat die Kinderarbeit in Asien und Lateinamerika, gestiegen ist sie in Afrika: jedes vierte Kind geht arbeiten anstatt zur Schule, 60 Prozent arbeiten in der Landwirtschaft. "Die wesentliche Ursache von Kinderarbeit ist Armut", sagt Constance Thomas, die Direktorin des Internationalen Programms zur Abschaffung der Kinderarbeit (IPEC) der ILO. "Daraus leitet sich ab, wie sie zu bekämpfen ist: Wir müssen dafür sorgen, dass alle Kinder in die Schule gehen können. Wir brauchen soziale Schutzsysteme zur Unterstützung armer Familien, ganz besonders in Zeiten der Krise. Und wir müssen gewährleisten, dass es genügend menschenwürdige Arbeit für die Erwachsenen gibt. ese Maßnahmen in Verbindung mit effektiven Gesetzen zum Schutz der Kinder weisen den Weg vorwärts."


Donnerstag, 12. November 2009

Otto und Yunus gründen Textilfabrik in Bangaldesh

Der Otto-Konzern lässt mit dem Säulenheiligen der Moralwirtschaft, Muhammad Yunus, in Bangladesh eine Textilfabrik nach sozialen und ökologischen Kriterien bauen. Von einem „Leuchtturmprojekt“ spricht der Otto-Konzern über das „moderne Social Business“. Das „CO2-neutrale“Gebäude werde mit energiesparender Beleuchtung, optimierter Lüftung und „unter besonderer Berücksichtigung der Nutzung erneuerbarer Energien“ ausgestattet.  Die Gewinne des Werkes sollen an eine Stiftung gehen, daraus solle den Arbeitern Essen, Gesundheitsversorgung, Aus- und Weiterbildung zukommen, auch die umliegenden Gemeinden sollen bei der Gesundheitsversorgung und Weiterbildung unterstüützt werden. Die Angestellten würden eine „angemessenen Lohn“ und „gute Sozialleistungen“ bekommen. Mit den Erträgen solle zugleich die geplante Expansion des Unternehmens in Bangladesch und anderen Ländern finanziert werden. Der Otto-Konzern wolle mit diesem Projekt zeigen, „dass es durchaus möglich ist, ökologische und soziale Kriterien mit ökonomischen Zielen in Einklang zu bringen“, sagt Michael Otto. Das Projekt, das Muhammad Yunus als „Symbol, das die Welt verändern kann“ preist, dient vor allem dem Otto-Konzern, der damit sein Wohltäter-Image ausbauen kann: denn Otto (Jahresumsatz 2008: 1,7 Milliarden Euro) finanziert die Fabrik nicht, sondern stellt ein zinsloses Darlehen für 15 Jahre zur Verfügung. Der „angemessene Lohn“ ist wiederum kein existenzsichernder, sondern orientiert sich am gesetzlichen Mindestlohn Bangladeshs, der umgerechnet 19 Euro pro Monat beträgt und auch in den so genannten Sweatshops gezahlt wird. Man zahle den Arbeiterinnen „zwischen 19 und 65 Euro pro Monat“, heißt es bei Otto. Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, die mit der Kampagne Saubere Kleidung zusammenarbeitet, sagt: „Beunruhigend ist die Spannbreite der Löhne: denn das bedeute ja, dass sie zumindest teilweise auch nur den staatlichen Mindestlohn zahlen.“


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Mittwoch, 14. Oktober 2009

Mars will Kakao aus „nachhaltigem Anbau“ verwenden

Der Lebensmittelkonzern Mars Incorporated will bis 2020 nur noch Kakao aus „verantwortungsvollem“ und „nachhaltigem“ Anbau für seine Schoko-Produkte verwenden. Das klingt mal wieder toll, denn als einer der weltgrößten Nahrungsmittel- und Süßwaren-Hersteller unterhält Mars (Mars, Twix, Bounty, Milky Way, Snickers) einen Anteil von 17 Prozent am weltweiten Umsatz von Schokolade und kakaohaltigen Süßigkeiten. Und nicht zuletzt sind es die sechs großen Lebensmittel- und Süßwarenkonzerne (Mars, Nestlé, Hershey's, Kraft Foods, Cadbury, Ferrero), die mit ihrem Preisdruck die Kakao-Kleinbauern der Südhalbkugel in die Armut getrieben haben. Gerade der Kakao ist größten Weltmarktpreisschwankungen ausgesetzt. Mit fairem Handel, der sich durch einen garantierten Mindestpreis auszeichnet, von dem die Bauern leben können, einer Abnahmegarantie und einer Vorfinanzierung von Saatgut, hat diese freiwillige Selbstverpflichtung von Mars leider nichts zu tun.

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