Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Montag, 11. Januar 2010

Umfrage: Greenwashing funktioniert bestens

Dass Greenwashing ganz fantastisch funktioniert, belegt eine aktuelle Umfrage, die der Bundesverband der Verbraucherzentrale in Auftrag gegeben hat. Danach glaubt fast ein Viertel (23,5 Prozent) der Befragten, dass ein Produkt, auf dem „klimaneutral“ steht, das Klima nicht belastet. 40,8 Prozent sind überzeugt, dass es für das Klima weniger schädlich ist und jeder Zehnte ist der Meinung, dass auch eine "klimafreundliche" Ware das Klima gar nicht belastet. Dabei wird bei den meisten Produkten, die diese nicht geschützte Kennzeichnung tragen, CO2 nicht vermieden, sondern allenfalls kompensiert. Besonders verblüffend ist dabei aber, wie sehr sich Verbraucher täuschen lassen: Elf Prozent der Befragten denken bei dem Wort „klimafreundlich“ an neue Autos. Insbesondere die Autoindustrie und die Energieriesen bedienen sich des Greenwashings. Dass es mit der Aufgeklärtheit und Mündigkeit des Verbrauchers womöglich gar nicht so weit her ist, belegen die Antworten auf die Frage, welche Dinge sie für explizit nicht klimafreundlich halten: nur vier Prozent halten die Flugzeuge für nicht klimafreundlich, obwohl fliegen das klimaschädlichste überhaupt ist. Und nur sieben Prozent halten Klimakiller Kohlekraft für nicht klimafreundlich. Die Verbraucherzentrale hat deshalb die Website Verbraucher fürs Klima geschaltet, auf der jeder (auch anonym) Werbung mit zweifelhaften oder irreführenden Klima- oder Ökoversprechen melden kann. Die VBZ wird diese Wrbung prüfen und juristische Schritte einleiten. Die schönsten Fälle werden außerdem auf der überaus empfehlenswerten Seite Klima-Lügendetektor vorgestellt, auf der man sich anschauen kann, wie Greenwashing funktioniert und welche Konzeren (va. Energie-, Flug- und Autokonzerne) dieses betreiben.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Puma macht auf Öko

Der Sportartikelhersteller bezieht neuerdings Öko-Strom von Lichtblick. Den Öko-Strom gibt es allerdings nur in der Hauptverwaltung in Herzogenaurach, in der Versandzentrale und in drei deutschen Puma-Geschäften. Der Großteil der Fabriken, in der Puma seine Sportartikel herstellen lasse, kritisiert das Greenwashing-Blog Klimalügendetektor, befände sich in China und würde mit Strom aus Kohlekraft versorgt. Von umweltfreundlicher Produktion kann also weiterhin keine Rede sein. Und wie es bei CSR-Projekten allgemein üblich ist, hat auch diese auf die Herstellungsbedingungen und Umweltauswirkungen in den Fabriken der Herstellerländer überhaupt keine Auswirkungen.

Montag, 12. Oktober 2009

Ist es zu fassen? Bayer AG erhält Klimaschutzpreis

Man denkt ja immer, es könnte nicht absurder werden. Kann es aber doch: Der Bayer-Konzern wurde als das weltweit beste Unternehmen in den „Carbon Disclosure Leadership Index“ aufgenommen. Mit der Höchstzahl von 95 bei 100 möglichen Punkten führt Bayer als alleiniger Spitzenreiter die Liste der insgesamt 50 im Leadership Index vertretenen Unternehmen an, die aus den 500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt ausgewählt wurden. Grundlage ist die fundierte und transparente Berichterstattung über die verfolgte Klimastrategie sowie über Treibhausgas-Emissionen. Mit anderen Worten: Bewertet wurde die freiwillige Selbstauskunft des Unternehmens über ihr Klima-Engagement. Bewertet wurde diese ausgerechnet von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die bereits Michail Chodorkowoskij, Chef des russischen Ölkonzerns Yukos, der wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt wurde, eine saubere Buchführung bescheinigte. Dass Bayer eine so katastrophal lange Liste an Umwelt- und Menschrechtsvergehen (einen Überblick kann man sich auf der Seite der Coordination gegen Bayer-Gefahren verschaffen oder in „Das neue Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne“ von Hans Weiss und Klaus Werner-Lobo) nachgewiesen werden kann, dass man damit Bücher vollschreiben könnte, ist das eine. Das andere ist, dass der Chemiekonzern sich schon vor drei Jahren den Vorwurf gefallen lassen musste, seine Klimabilanz schöngefärbt zu haben.

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