Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 10. Februar 2010

Nein sowas aber auch! Mc Donald’s wird gar nicht grün!

Im November erzählte Mc Donald’s das wunderbare Märchen seiner Grünwerdung. Der Konzern kündigte an, die Hintergrundfarbe seines Logos von Rot nach Grün zu ändern, „als Bekenntnis zur und Respekt vor der Umwelt“, so der stellvertretende Deutschlandchef Holger Beeck. Im Wirtschaftsteil der gestrigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung nimmt nun McDonald’s-Deutschland-Chef Bane Knezevic dieses Bekenntnis zurück. Die Umstellung sei nur eine Frage des Designs und solle keinesfalls ein stärkeres Umweltbewusstsein signalisieren: „Das war nie Teil der Strategie. Wir sind kein grünes Unternehmen.“ Das sei von den Medien falsch interpretiert worden. Ja genau! Alles nur ein Missverständnis! Aber warum hat Mc-Donald’s dem Presse-Jubel dann nicht Einhalt geboten? „Wir haben keinen Anlass gesehen, diesen falschen Eindruck zu korrigieren“, sagt Knezevic, schließlich habe McDonald’s dadurch viel Publicity erhalten. Genau das ist ein beliebtes Mittel der Konzerne: erst eine riesige PR-Welle machen - und wenn dann ein bisschen später mal jemand nachfragt, sagen: oh, also nein, da hat man uns aber missverstanden, war nicht so gemeint. Und wie nennt man das jetzt nochmal? Na? Genau: Greenwashing. Beim nächsten bizarren Öko-Versprechen der Konzerne, liebe Menschen, liebe Medien: nicht jubeln sondern laut und herzlich lachen! Die Konzerne lachen ja auch - über uns.


Samstag, 9. Januar 2010

Heute Lesen: SZ-Wochenende, Seite1!

Welche katastrophalen Folgen für Armut und Klima der Fleischverzehr hat, wie ethisch verheerend Massentierhaltung und industrialisiertes Töten sind: all das ist längst bekannt. Zwar sorgt der Klimawandel dafür, dass der Fleischverzehr endlich ein wenig in Misskredit gerät: selbst Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner rät zu weniger Fleisch (leider ohne politische Taten folgen zu lassen). Und doch sind die Bemühungen seitens Industrie und Gesellschaft, am Fleischkonsum festzuhalten, ungebrochen. Seit Sommer gibt es die angeblich klimaneutrale „Superwurst“, die aus Bio-Schweinfleisch besteht und die Welt retten soll. McDonald’s Grünwerdung wird gelobt, obwohl der Fastfoodkonzern allein in Deutschland täglich (!!!) 100 000 Kilo Rindfleisch verarbeitet. Im Herbst erschien mit Beef eine archaische Männer-Kochzeitschrift, die über Seiten hinweg Steakrezepte veröffentlicht – und auch die modernsten Kochbücher, Bio-Restaurants, Lifestyle-Magazine orientieren sich überwiegend am Fleischgenuss. Am beliebtesten sind technische Innovationen, die dazu beitragen sollen, dass alles so bleiben soll, wie es ist: etwa die Idee der Uni Hohenheim, das Methan-Problem bei Kühen durch eine besondere Diät, andere Fütterungszeiten und einem Vormagen-Bolus in den Griff zu bekommen. Dass der Fischkonsum nicht weniger verheerend ist, ist, obwohl die Meere fast leergefischt sind, ist offenbar noch gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen (der Fischverzehr ist mit 22 Kilo pro Kopf sogar noch angestiegen) – und wird es auch nicht, so lange das zweifelhafte MSC-Siegel das Verbrauchgewissen beruhigt, Aquakulturen als Alternative gefeiert werden und sich nicht einmal Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF einig werden darüber, welcher Fisch nun überfischt ist oder nicht.  Wie wunderbar deutlich wird in der heutigen Ausgabe des SZ-Wochenendes Petra Steinberger in ihrem Essay „Nicht Fisch! Nicht Fleisch!“, in dem die Autorin nicht nur zusammenfasst, was der Fleisch- und Fischkonsum anrichtet auf der Welt, sondern auch die ethische Kompenente miteinbezieht – und zu dem Schluss kommt, dass wir uns diesen Irrsinn nicht mehr leisten können. Ihr schönes Fazit lautet: „Gelüste bleiben. Aber ihre Akzeptanz kann verändert werden. Wir brauchen neue Tabus.“

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Mars will Kakao aus „nachhaltigem Anbau“ verwenden

Der Lebensmittelkonzern Mars Incorporated will bis 2020 nur noch Kakao aus „verantwortungsvollem“ und „nachhaltigem“ Anbau für seine Schoko-Produkte verwenden. Das klingt mal wieder toll, denn als einer der weltgrößten Nahrungsmittel- und Süßwaren-Hersteller unterhält Mars (Mars, Twix, Bounty, Milky Way, Snickers) einen Anteil von 17 Prozent am weltweiten Umsatz von Schokolade und kakaohaltigen Süßigkeiten. Und nicht zuletzt sind es die sechs großen Lebensmittel- und Süßwarenkonzerne (Mars, Nestlé, Hershey's, Kraft Foods, Cadbury, Ferrero), die mit ihrem Preisdruck die Kakao-Kleinbauern der Südhalbkugel in die Armut getrieben haben. Gerade der Kakao ist größten Weltmarktpreisschwankungen ausgesetzt. Mit fairem Handel, der sich durch einen garantierten Mindestpreis auszeichnet, von dem die Bauern leben können, einer Abnahmegarantie und einer Vorfinanzierung von Saatgut, hat diese freiwillige Selbstverpflichtung von Mars leider nichts zu tun.

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