Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Sonntag, 15. November 2009

Ökonomisierung von Armut: Adidas, BASF und schon wieder Yunus

Der Zynismus des "Social Businnes" hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Adidas kooperiert mit Muhammad Yunus und will Markenturnschuhe in Bangladesch entwickeln und herstellen und zu einem Preis verkaufen, den sich die Bangaldescher leisten können. Adidas Turnschue sollen machen, dass Bangeledscher nicht mehr barfuß herumlaufen und sich Erkarnkungen durch Würmer holen müssen. Muhammad Yunus posaunte bei einem Moralkongress der Wirtschaft in Wolfsburg vergangene Woche heraus, die Schuhe würden unter eine Euro kosten - worauf sich Adidas aber nicht einlassen wollte. Egal, denn auch 50 Cent wären zu viel, da ein großer Teil der Menschen in Bangladesch zu katastrophalen Bedingungen in den Sweatshops der Textilindustrie arbeitet und für umgerechnet 19 Euro im Monat für andere Weltkonzerne Kleider zusammennäht. Da bleibt für Schuhe nicht mehr viel übrig. Was Bangladesh vor der Armut retten würde, ist ein gerechtes Weltwirtschaftssystem, das Konzernen wie Adidas nicht die Möglichkeit gibt, seine Produkte so billig wie möglich in eben solchen Sweatshops in anderen Ländern herstellen zu lassen. Aber sicher nicht ein Konzern, der aus Imagegründen "ethische Turnschuhe" herstellt, um von seinen sonstigen Sauereien abzulenken: Bei Adidas-Zulieferern in El Salvador wurden Frauen, die die sich gewerkschaftlich organisieren wollten, entlassen, manche von ihnen landeten auf "schwarzen Listen" und fanden gar keine Arbeit mehr. Und das, obwohl Adidas im eigenen Kodex das Recht auf Organisation garantiert. Adidas gehört außerdem trotz schillernder PR-Aktionen und CSR-Abteilung zu den schlimmsten Preisdrückern: weil China den staatlichen Mindestlohn erhöhte (und auch das bedeutete keine existenzsichernden Lohn), zog Adidas seine Aufträge zurück und ließ im billigeren, noch ärmeren Vietnam produzieren.

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Donnerstag, 12. November 2009

Otto und Yunus gründen Textilfabrik in Bangaldesh

Der Otto-Konzern lässt mit dem Säulenheiligen der Moralwirtschaft, Muhammad Yunus, in Bangladesh eine Textilfabrik nach sozialen und ökologischen Kriterien bauen. Von einem „Leuchtturmprojekt“ spricht der Otto-Konzern über das „moderne Social Business“. Das „CO2-neutrale“Gebäude werde mit energiesparender Beleuchtung, optimierter Lüftung und „unter besonderer Berücksichtigung der Nutzung erneuerbarer Energien“ ausgestattet.  Die Gewinne des Werkes sollen an eine Stiftung gehen, daraus solle den Arbeitern Essen, Gesundheitsversorgung, Aus- und Weiterbildung zukommen, auch die umliegenden Gemeinden sollen bei der Gesundheitsversorgung und Weiterbildung unterstüützt werden. Die Angestellten würden eine „angemessenen Lohn“ und „gute Sozialleistungen“ bekommen. Mit den Erträgen solle zugleich die geplante Expansion des Unternehmens in Bangladesch und anderen Ländern finanziert werden. Der Otto-Konzern wolle mit diesem Projekt zeigen, „dass es durchaus möglich ist, ökologische und soziale Kriterien mit ökonomischen Zielen in Einklang zu bringen“, sagt Michael Otto. Das Projekt, das Muhammad Yunus als „Symbol, das die Welt verändern kann“ preist, dient vor allem dem Otto-Konzern, der damit sein Wohltäter-Image ausbauen kann: denn Otto (Jahresumsatz 2008: 1,7 Milliarden Euro) finanziert die Fabrik nicht, sondern stellt ein zinsloses Darlehen für 15 Jahre zur Verfügung. Der „angemessene Lohn“ ist wiederum kein existenzsichernder, sondern orientiert sich am gesetzlichen Mindestlohn Bangladeshs, der umgerechnet 19 Euro pro Monat beträgt und auch in den so genannten Sweatshops gezahlt wird. Man zahle den Arbeiterinnen „zwischen 19 und 65 Euro pro Monat“, heißt es bei Otto. Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, die mit der Kampagne Saubere Kleidung zusammenarbeitet, sagt: „Beunruhigend ist die Spannbreite der Löhne: denn das bedeute ja, dass sie zumindest teilweise auch nur den staatlichen Mindestlohn zahlen.“


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Mittwoch, 4. November 2009

Bluewashing mit Danone und Grameen Bank

Im Herbst fallen nicht nur Blätter von den Bäumen, es hagelt auch gelegentlich – zum Beispiel Nachhaltigkeitspreise. Im November gibt es eine Reihe von Nachhaltigkeistkongressen, auf denen eben solche Preise verliehen werden. Etwa der Utopia-Kongress, der Deutsche Nachhaltigkeitspreis oder Vision Summit am 8. November in Berlin. Der Hauptpreis des Vision-Summit geht dieses Jahr an das Gemeinschaftsprojekt der Grameen Bank und dem französischen Nahrungsmittel-Multi  Danone. Die Grameen-Bank wurde gegründet von Muhammad Yunus, dem Messias der Generation Gut, der für seine Mikrokredit-Idee 2006 den Friedensnobelpreis verliehen bekam. „Grameen Danone Foods“ heißt das Projekt in Bangladesh, für das sich Danone jetzt kurzerhand „Sozialunternehmen“ nennt.

 

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