Artikel mit Tag msc
Freitag, 12. März 2010
Greenwashing mit MSC: Film "Lachsfieber" in der ARD Mediathek
Leider hab ich die überaus tolle Reportage selbst zu spät entdeckt - nämlich erst, als sie am Mittwoch (leider im Spätprogramm!) lief. Ein Jahr langen haben die WDR-Autoren Wilfrid Huismann und Arno Schumann den norwegischen Industriefischer und Reeder John Fredriksen begleitet, der zu den reichsten Menschen der Welt gehört. Ihm gehört das weltgrößte Tankerimperium "Frontline" und die Firma "Marine Harvest": die produziert jedes Jahr mehr als 100 Millionen Zuchtlachse in Chile und Norwegen. Alles, was in Europa durch Umweltgesetze verboten ist, kann Fredriksen in Ruhe in Chile erledigen: zum Beispiel tonnenweise Chemie, Farbstoffe und Antibiotika ins Futter mischen und damit die chilenischen Fjorde verseuchen. Wenn diese ökologisch tot sind, ziehen die Industriellen weiter. Nebenbei werden noch tonnenweise Seefische zu Fischfutter für die Lachse verarbeitet. 2008 dann ging Fredriksen eine Partnerschaft mit dem WWF ein - gegen 100 000 Euro darf "Marine Harvest" Seelachs mit dem MSC-Siegel verkaufen - geändert hat das sein durch und durch dreckiges Geschäft in Chile jedoch nicht, denn verbindliche Verbesserungen sind im Abkommen nicht festgelegt. Der Film zeigt die katastrophalen Folgen der Lachszucht für Menschen, Tier und Umwelt so eindringlich, dass einem schlecht wird - und damit auch, was sich alles hinter dem MSC-Siegel verbergen kann. Wer den Film verpasst hat, kann ihn sich in der ARD-Mediathek online anschauen.
Samstag, 9. Januar 2010
Heute Lesen: SZ-Wochenende, Seite1!
Welche katastrophalen Folgen für Armut und Klima der Fleischverzehr hat, wie ethisch verheerend Massentierhaltung und industrialisiertes Töten sind: all das ist längst bekannt. Zwar sorgt der Klimawandel dafür, dass der Fleischverzehr endlich ein wenig in Misskredit gerät: selbst Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner rät zu weniger Fleisch (leider ohne politische Taten folgen zu lassen). Und doch sind die Bemühungen seitens Industrie und Gesellschaft, am Fleischkonsum festzuhalten, ungebrochen. Seit Sommer gibt es die angeblich klimaneutrale „Superwurst“, die aus Bio-Schweinfleisch besteht und die Welt retten soll. McDonald’s Grünwerdung wird gelobt, obwohl der Fastfoodkonzern allein in Deutschland täglich (!!!) 100 000 Kilo Rindfleisch verarbeitet. Im Herbst erschien mit Beef eine archaische Männer-Kochzeitschrift, die über Seiten hinweg Steakrezepte veröffentlicht – und auch die modernsten Kochbücher, Bio-Restaurants, Lifestyle-Magazine orientieren sich überwiegend am Fleischgenuss. Am beliebtesten sind technische Innovationen, die dazu beitragen sollen, dass alles so bleiben soll, wie es ist: etwa die Idee der Uni Hohenheim, das Methan-Problem bei Kühen durch eine besondere Diät, andere Fütterungszeiten und einem Vormagen-Bolus in den Griff zu bekommen. Dass der Fischkonsum nicht weniger verheerend ist, ist, obwohl die Meere fast leergefischt sind, ist offenbar noch gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen (der Fischverzehr ist mit 22 Kilo pro Kopf sogar noch angestiegen) – und wird es auch nicht, so lange das zweifelhafte MSC-Siegel das Verbrauchgewissen beruhigt, Aquakulturen als Alternative gefeiert werden und sich nicht einmal Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF einig werden darüber, welcher Fisch nun überfischt ist oder nicht. Wie wunderbar deutlich wird in der heutigen Ausgabe des SZ-Wochenendes Petra Steinberger in ihrem Essay „Nicht Fisch! Nicht Fleisch!“, in dem die Autorin nicht nur zusammenfasst, was der Fleisch- und Fischkonsum anrichtet auf der Welt, sondern auch die ethische Kompenente miteinbezieht – und zu dem Schluss kommt, dass wir uns diesen Irrsinn nicht mehr leisten können. Ihr schönes Fazit lautet: „Gelüste bleiben. Aber ihre Akzeptanz kann verändert werden. Wir brauchen neue Tabus.“
Sonntag, 8. November 2009
Märchenstunde mit Claudia Langer: FAS-Interview über Fleisch, Fisch und Bio
„Sie wünschen – wir schreiben: Ist das Klima noch zu retten?“ Das bietet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ihren Lesern an. Diese sollen dabei entscheiden, worüber die FAS anlässlich des Klimagipfels in Kopenhagen schreiben soll, verschiedene Themen stehen zu Auswahl. Dass die FAZ die Berichterstattung über das drängendste Problem unserer Zeit, den Klimawandel, als schlichte Dienstleistung versteht, ist schon bemerkenswert. Die FAS-Leser haben sich diesmal eine Antwort auf die Frage „Sind Vegetarier die besseren Klimaschützer?“ gewünscht. Für das Interview zum Thema hat sich die FAS aber nicht etwa einen Ernährungswissenschaftler oder Klimaforscher ausgesucht, sondern ausgerechnet Ex-Werberin und Utopia-Chefin Claudia Langer, die mit ihren Antworten dafür gesorgt hat, dass dem FAS-Leser ganz bestimmt nicht die Gabel mit Sonntagsbraten vor Schreck aus der Hand gefallen ist, sondern dieser ihm weiterhin lecker schmecken wird.
Mittwoch, 28. Oktober 2009
Nürnberg will 3500 Bänke aus Tropenholz aufstellen
Das Gartenbauamt der Stadt Nürnberg will ingesamt 3500 Bänke im Stadtgebiet auf Sapelli-Holz aus dem Kongo umrüsten. Der Nürnberegr Dienstleistungsbetrieb Service Öffentlicher Raum (SÖR) begründet den Schritt damit, dass Tropenholz 25 Jahre länger halte. Die Stadt wolle damit in den nächsten 25 Jahren 11,9 Millionen Euro sparen. Das Tropenholz für die Parkbänke ist zwar FSC-zertifiziert, das Forest Stewardship Council für „nachhaltige Forstwirtschaft“ ist, ähnlich wie das Marine Stewartship Council, unter Umweltscützern umstritten. FSC, das mit NGOs zusammen angetreten ist, den Waldeinschalg zu kontrollieren, lässt zunehmend große Holzplantagen zertifizieren. Nach Berichten der britischen Umwweltorganisation Rainforest Foundation wurde das Siegel auch an Unternehmen vergeben, die in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt waren, außerdem an an Planategn auf gerodetem Urwaldboden. Zunehmend sieht sich FSC dem Vorwurf des Greenwashing ausgesetzt. Nach den Recherchen des Vereins Rettet den Regenwald stammt das FSC-zertifiziert Sapelli-Holz aus Primärregenwald in der Republik Kongo. Der Baum stehe als vom Aussterben bedroht auf der Liste der International Union for Conservation of Nature. Das Holz stammt nach Angaben des Vereins von der Firma Congolaise Industrielle des Bois (CIB), die Einschlagskonzessionen auf einer Regenwaldfläche so groß wie Schleswig Holstein (1,3 Millionen Hektar) besitze.
Am Mittwoch, 28. Oktober um 19 Uhr lädt das Umweltreferat der Stadt zu einer Podiumsksdiskussion zum Thema ein. Eine Online-Petition gibt es bei Rettet den Regenwald, ausführliche Informationen zu FSC-Skandalen bei FSC-Watch.
Dienstag, 27. Oktober 2009
Utopia.de lobt Iglo zum Fischstäbchen-Geburtstag
Pünktlich zum Geburtstag der Iglo-Fischstäbchen hat die Plattform für „strategischen Konsum“ utopia.de ein schönes Geburtstagsgeschenk: sie adelt den Fischstäbchen- und Tiefkühlfisch-Marktführer Iglo (500 Millionen Fischstäbchen/Jahr, TK-Fisch-Marktanteil: 32,4 Prozent) als „verantwortungsvoll wirtschaftendes Unternehmen“, das aber an manchen Stellen „noch einen Schritt weiter gehen könnte“. Iglo hat nämlich zwei (!) Bio-Gerichte im Programm und knapp die Hälfte des Tiefkühlfischs trägt das MSC-Siegel. Das Marine Stewardship Council steht für „nachhaltige Fischerei“ und wurde 1997 von der industrienahen Umweltorganisation WWF und dem gloabl agierenden Lebensmittelkonzern Unilever gegründet, zu dem Iglo bis 2006 gehörte. Seit 1999 ist MSC eine unabhängige Zertfizierungseinrichtung, die Unbedenklichkeitsiegel für Meeresfisch vergibt. Das Siegel ist zwar das einzige für nachhaltige Fischerei, wird aber unter anderem von Greenpeace heftig kritisiert.
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Termine zu Lesungen und Diskussions-
veranstaltungen mit Kathrin Hartmann finden sie hier.


