Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Freitag, 8. Juli 2011

GRD äußert sich zu Edeka- und WWF-Reaktion

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine hat auf die Stellungnahme von Edeka und WWF zum "Killerthunfisch" reagiert. Und erwähnt, dass die Einfuhr von Fischprodukten, die mit  AIDCP (agreement on the international dolphin conservation programme)-Label, das von EU, Greenpeace und WWF unterstützt wird, in den USA verboten ist. Ich persönlich möchte allerdings betonen, dass ich auch vom SAFE-Label der GRD wenig halte. Schließlich ist das Töten von Thunfischen genauso grausam wie das Töten von Delphinen. Und Delphine sind nicht die besseren Tiere, nur weil Esoteriker sie für irgendwie höhere Wesen halten und Thunfische leider keine Hauptrolle in "Flipper" angeboten bekommen haben, nicht so lustige Quietschgeräusche machen, nicht so lieb gucken und auch keine drolligen Kunststückchen können. Und deswegen ist auch das Wort "Delphinkiller-Thunfisch" ziemlich zynisch, denn dass beim Thunfischfang auch noch Delphine kläglich sterben ist wohl eher nicht die Schuld des Thunfischs. Der mag nämlich ziemlich sicher selber nicht kläglich ersticken oder schwer verletzt dahinsiechen, damit er als Matsch in Dosen und auf der Pizza landet. Wer die Meerestiere wirklich mag, der schaut nicht auf MSC-, AIDCP-, SAFE- oder sonstige Label, sondern geht gar nicht erst an die Fischtheke. Denn wer gar keinen Fisch isst, killt sowas von hundertprozentig keine Delphine. Kann man eigentlich drauf kommen. Wie damals Kafka, der beim Betrachten eines Aquarium zu den Fischen sagte: "Nun kann ich euch in Frieden betrachten; ich esse euch nicht mehr!"



Montag, 20. Juni 2011

Filmtipp: Die WWF-Lüge am Mittwoch in der ARD!

Was man schon lange ahnen konnte hat der WDR-Autor Wilfried Huismann nun endlich zur bitteren Gewissheit gemacht: der WWF richtet vermutlich mehr Schaden an als er durch Kampagnen und Öko-Projekte wieder repariert. Am Mittwoch, 22. Juni, sendet die ARD um 23.30 Uhr Huismanns Film "Der Pakt mit dem Panda. Was uns der WWF verschweigt". Huismann und Arno Schumann haben 2010 den erschütternden Film "Lachsfieber" gedreht, in dem es um das schmutzige Geschäft mit Zuchtlachs geht. Der Film nahm vor allem den multinationalen, in Norwegen ansässigen Konzern Marine Harvest unter die Lupe, der mit seine Zuchtstationen in Chile nachhaltig die Fjorde zerstört. Für eine Jahresspende von 100 000 Euro, so heißt es im Film, darf der Konzern das Pandabärchen auf seine Produkte kleben und sich mit Kooperationen mit dem WWF Norwegen grün waschen. Eine Win-Win-Situation für Wirtschaft und WWF, die, wie immer, für Mensch, Tier und Natur eine Lose-Situation darstellen.

Während der Recherchen für Lachsfieber ist Huismann auf die zweifelhaften Kooperatione des WWF aufmerksam geworden und ist diesen nachgegangen. Der WWF, so ist mir zu Ohren gekommen, habe sogar versucht, die Ausstrahlung des Films zu verhindern. Kein Wunder: Keine andere Umweltorganisation arbeitet so eng mit der Industrie zusammen wie der WWF - und verschafft damit vor allem jenen Konzernen ein grünes Image, deren Kerngeschäft besonders dreckig ist.

Während der WWF etwa zeitgleich mit niedlichen Orang-Utan-Babies für Spenden wirbt, sorgt er Hand in Hand mit der Palmölindustrie vor allem dafür, dass der Lebensraum der Tiere für immer verschwindet: der WWF ist Mitbegründer des Round Table on Sustainable Palmoil, der das Greenwashing-Siegel RSPO verleiht - vor allem an die Verschwender des Rohstoffs wie Unilever, Henkel, Ikea. Dazu gesellt sich das FSC-Siegel für Holz, das ebenos umstritten ist, wie RSPO: Menschrechtsverletzungen, ja sogar Mord, gab es bereits auf FSC-Plantagen, ebenso Vetreibung von indigenen Völkern sowie Kahlschlag.

Ebenso umstritten: das MSC-Siegel für "nachhaltige Fischerei": das Siegel, mit dem Verbraucher meinen, nun guten Gewissens die Meere leerfuttern zu dürfen, wir an ganz und gar nicht nachhaltige Großfischereien mit ungenügenden Umweltstandards vergeben, auch Fisch aus überfischten Gewässern erhält das Siegel, ebenso überfischet Arten wie der Nordsee-Hering und Alaska-Seelachs (Fischstäbchen!). Weitehin erlaubt MSC Treib- und Grundschleppnetze (hohe Beifangquote) sowie Langleinen, an denen sich Seevögel und Meeressäuger strangulieren. Kein Wunder, dass MSC - lustiges Motto: "Machen Sie mit beim Meeresschutz auf dem Teller" - keine messbare Verbesserung bewirkt.

Aber weil's so schön ist, gesellt sich zum MSC künftig auch noch ASC, das Siegel für Aquakulturen von Schrimps, Lachs, Pangasius und Forelle. Das Problem ist aber nur: es gibt keine nachhaltige Aquakultur, schon gleich nicht für derart gigantische Mengen - und eine Alternative zum Seefang ist Aquakultur auch nicht, ganz im Gegenteil: für ein Kilo Lachs braucht es fünf Kilo Lebenfutter aus dem Meer. Interessant aber vor allem ist wieder einmal die Teilnehmerliste: Im Hauptausschuss des "Dialogs" sitzen Vertreter etwa von Marine Harvest und Skretting (Weltmarktführer für Farmfischfutter).

Einen schönen Beitrag zur neuen WWF-Kinderfang-Großkampagne bei REWE hat übrigens Toralf Staud im Klimalügendetektor geschrieben.

Freitag, 12. März 2010

Greenwashing mit WWF und MSC: Film "Lachsfieber" in der ARD Mediathek

Leider hab ich die überaus tolle Reportage selbst zu spät entdeckt - nämlich erst, als sie am Mittwoch (leider im Spätprogramm!) lief. Ein Jahr langen haben die WDR-Autoren Wilfrid Huismann und Arno Schumann den norwegischen Industriefischer und Reeder John Fredriksen begleitet, der zu den reichsten Menschen der Welt gehört. Ihm gehört das weltgrößte Tankerimperium "Frontline" und die Firma "Marine Harvest": die produziert jedes Jahr mehr als 100 Millionen Zuchtlachse in Chile und Norwegen. Alles, was in Europa durch Umweltgesetze verboten ist, kann Fredriksen in Ruhe in Chile erledigen: zum Beispiel tonnenweise Chemie, Farbstoffe und Antibiotika ins Futter mischen und damit die chilenischen Fjorde verseuchen. Wenn diese ökologisch tot sind, ziehen die Industriellen weiter. Nebenbei werden noch tonnenweise Seefische zu Fischfutter für die Lachse verarbeitet.  2008 dann ging Fredriksen eine Partnerschaft mit dem WWF ein - gegen 100  000 Euro darf "Marine Harvest" Zuchtlachs  mit dem Pandabär verkaufen - geändert hat das sein durch und durch dreckiges Geschäft in Chile jedoch nicht, denn verbindliche Verbesserungen sind im Abkommen nicht festgelegt. Der Film zeigt die katastrophalen Folgen der Lachszucht für Menschen, Tier und Umwelt so eindringlich, dass einem schlecht wird. Und auch, welche Industrien sich hinter dem MSC-Siegel verbergen können: Denn auch Marine Harvest-Produkte haben schon das MSC-Siegel getragen - etwa der chilenische Wolfsbarsch, von dessen Verzehr Greenpeace übrigens abrät. Wer den Film verpasst hat, kann ihn sich in der ARD-Mediathek online anschauen.

Samstag, 9. Januar 2010

Heute Lesen: SZ-Wochenende, Seite1!

Welche katastrophalen Folgen für Armut und Klima der Fleischverzehr hat, wie ethisch verheerend Massentierhaltung und industrialisiertes Töten sind: all das ist längst bekannt. Zwar sorgt der Klimawandel dafür, dass der Fleischverzehr endlich ein wenig in Misskredit gerät: selbst Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner rät zu weniger Fleisch (leider ohne politische Taten folgen zu lassen). Und doch sind die Bemühungen seitens Industrie und Gesellschaft, am Fleischkonsum festzuhalten, ungebrochen. Seit Sommer gibt es die angeblich klimaneutrale „Superwurst“, die aus Bio-Schweinfleisch besteht und die Welt retten soll. McDonald’s Grünwerdung wird gelobt, obwohl der Fastfoodkonzern allein in Deutschland täglich (!!!) 100 000 Kilo Rindfleisch verarbeitet. Im Herbst erschien mit Beef eine archaische Männer-Kochzeitschrift, die über Seiten hinweg Steakrezepte veröffentlicht – und auch die modernsten Kochbücher, Bio-Restaurants, Lifestyle-Magazine orientieren sich überwiegend am Fleischgenuss. Am beliebtesten sind technische Innovationen, die dazu beitragen sollen, dass alles so bleiben soll, wie es ist: etwa die Idee der Uni Hohenheim, das Methan-Problem bei Kühen durch eine besondere Diät, andere Fütterungszeiten und einem Vormagen-Bolus in den Griff zu bekommen. Dass der Fischkonsum nicht weniger verheerend ist, ist, obwohl die Meere fast leergefischt sind, ist offenbar noch gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen (der Fischverzehr ist mit 22 Kilo pro Kopf sogar noch angestiegen) – und wird es auch nicht, so lange das zweifelhafte MSC-Siegel das Verbrauchgewissen beruhigt, Aquakulturen als Alternative gefeiert werden und sich nicht einmal Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF einig werden darüber, welcher Fisch nun überfischt ist oder nicht.  Wie wunderbar deutlich wird in der heutigen Ausgabe des SZ-Wochenendes Petra Steinberger in ihrem Essay „Nicht Fisch! Nicht Fleisch!“, in dem die Autorin nicht nur zusammenfasst, was der Fleisch- und Fischkonsum anrichtet auf der Welt, sondern auch die ethische Kompenente miteinbezieht – und zu dem Schluss kommt, dass wir uns diesen Irrsinn nicht mehr leisten können. Ihr schönes Fazit lautet: „Gelüste bleiben. Aber ihre Akzeptanz kann verändert werden. Wir brauchen neue Tabus.“

Sonntag, 8. November 2009

Märchenstunde mit Claudia Langer: FAS-Interview über Fleisch, Fisch und Bio

„Sie wünschen – wir schreiben: Ist das Klima noch zu retten?“ Das bietet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ihren Lesern an. Diese sollen dabei entscheiden, worüber die FAS anlässlich des Klimagipfels in Kopenhagen schreiben soll, verschiedene Themen stehen zu Auswahl. Dass die FAZ die Berichterstattung über das drängendste Problem unserer Zeit, den Klimawandel, als schlichte Dienstleistung versteht, ist schon bemerkenswert. Die FAS-Leser haben sich diesmal eine Antwort auf die Frage „Sind Vegetarier die besseren Klimaschützer?“ gewünscht. Für das Interview zum Thema hat sich die FAS aber nicht etwa einen Ernährungswissenschaftler oder Klimaforscher ausgesucht, sondern ausgerechnet Ex-Werberin und Utopia-Chefin Claudia Langer, die mit ihren Antworten dafür gesorgt hat, dass dem FAS-Leser ganz bestimmt nicht die Gabel mit Sonntagsbraten vor Schreck aus der Hand gefallen ist, sondern dieser ihm weiterhin lecker schmecken wird.

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Mittwoch, 28. Oktober 2009

Nürnberg will 3500 Bänke aus Tropenholz aufstellen

Das Gartenbauamt der Stadt Nürnberg will ingesamt 3500 Bänke im Stadtgebiet auf Sapelli-Holz aus dem Kongo umrüsten. Der Nürnberegr Dienstleistungsbetrieb Service Öffentlicher Raum (SÖR) begründet den Schritt damit, dass Tropenholz 25 Jahre länger halte. Die Stadt wolle damit in den nächsten 25 Jahren 11,9 Millionen Euro sparen. Das Tropenholz für die Parkbänke ist zwar FSC-zertifiziert, das Forest Stewardship Council für „nachhaltige Forstwirtschaft“ ist, ähnlich wie das Marine Stewartship Council, unter Umweltscützern umstritten. FSC, das mit NGOs zusammen angetreten ist, den Waldeinschalg zu kontrollieren, lässt zunehmend große Holzplantagen zertifizieren. Nach Berichten der britischen Umwweltorganisation Rainforest Foundation wurde das Siegel auch an Unternehmen vergeben, die in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt waren, außerdem an an Planategn auf gerodetem Urwaldboden. Zunehmend sieht sich FSC dem Vorwurf des Greenwashing ausgesetzt. Nach den Recherchen des Vereins Rettet den Regenwald stammt das FSC-zertifiziert Sapelli-Holz aus Primärregenwald in der Republik Kongo. Der Baum stehe als vom Aussterben bedroht auf der Liste der International Union for Conservation of Nature. Das Holz stammt nach Angaben des Vereins von der Firma Congolaise Industrielle des Bois (CIB), die Einschlagskonzessionen auf einer Regenwaldfläche so groß wie Schleswig Holstein (1,3 Millionen Hektar) besitze.
Am Mittwoch, 28. Oktober um 19 Uhr lädt das Umweltreferat der Stadt zu einer Podiumsksdiskussion zum Thema ein. Eine Online-Petition gibt es bei Rettet den Regenwald, ausführliche Informationen zu FSC-Skandalen bei FSC-Watch.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Utopia.de lobt Iglo zum Fischstäbchen-Geburtstag

Pünktlich zum Geburtstag der Iglo-Fischstäbchen hat die Plattform für „strategischen Konsum“ utopia.de ein schönes Geburtstagsgeschenk: sie adelt den Fischstäbchen- und Tiefkühlfisch-Marktführer Iglo (500 Millionen Fischstäbchen/Jahr, TK-Fisch-Marktanteil: 32,4 Prozent) als „verantwortungsvoll wirtschaftendes Unternehmen“, das aber an manchen Stellen „noch einen Schritt weiter gehen könnte“. Iglo hat nämlich zwei (!) Bio-Gerichte im Programm und knapp die Hälfte des Tiefkühlfischs trägt das MSC-Siegel. Das Marine Stewardship Council steht für „nachhaltige Fischerei“ und wurde 1997 von der industrienahen Umweltorganisation WWF und dem gloabl agierenden Lebensmittelkonzern Unilever gegründet, zu dem Iglo bis 2006 gehörte. Seit 1999 ist MSC eine unabhängige Zertfizierungseinrichtung, die Unbedenklichkeitsiegel für Meeresfisch vergibt. Das Siegel ist zwar das einzige für nachhaltige Fischerei, wird aber unter anderem von Greenpeace heftig kritisiert.

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