Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Samstag, 7. November 2009

Nachhaltig ist nicht Fair - Heute: Illy Café

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung redet der Triester Esspressofabrikant Andrea Illy über „Unternehmenswerte“ und „nachhaltiges Wirtschaften“. Seine Aussagen zum „nachhaltigen“ Anbau und Handel mit den Kaffebauern formuliert Illy genauso schwammig, wie es die Homepage des Unternehmens tut. Man zahle den Kaffebauern „im Schnitt einen Aufpreis von 30“ Prozent, sagt Illy, man arbeite mit Produzenten direkt vor Ort. Das klingt sehr nach Fairem Handel, hat aber wieder einmal nicht das Geringste damit zu tun. Illy arbeitet zwar mit Produzenten zusammen und schult Bauern:„Je mehr die Bauern lernen, desto besser wird ihr Produkt und desto teurer können sie die Bohnen verkaufen“. Der Aufpreis wird für die bessere Qualität gezahlt, nicht um Kleinbauern ihre Existenz zu sichern. Zum Fairen Handel und warum sich sein Unternehmen nicht nach dessen Prinzipien verpflichten lässt, sagt Illy: „Diese Zertifizierungen prüfen generell nur, wie viel man bezahlt. Ich halte nichts von reiner Charity. Der Verbraucher greift zum fair gehandelten Kaffee, weil er sich gut fühlen will. Mit Markt hat das nichts zu tun. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage besagt: mehr Geld für höheren Wert.“

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Donnerstag, 8. Oktober 2009

Supermarkt-Initiative kritisiert Auszeichnung

Der Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher „Die Verbraucherinitiative“ hat mehrere Einzelhändler verschiedener Branchen mit der Auszeichnung „Nachhaltiges Einzelhandelsunternehmen 2009“ prämiert. Darunter die fünf größten Supermarktketten Aldi, Kaufland (Schwarzgruppe, zu der Lidl gehört), Edeka, Rewe und Metro (real), daneben Konzerne wie Adidas, H&M, Ikea (Gold!), Otto, Puma und Tchibo. All jene Unternehmen also, die sich in der Folge der massiven Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsorganisation an ihren verantwortungslosen Geschäftspraktiken offenbar ganz hervorragende CSR-Abteilungen eingerichtet haben. Ihr Geschäftsgebahren haben diese allenfalls punktuell geändert. Wirklich nachhaltig wirtschaftet indessen keines der Unternehmen. Die Supermarkt-Initiative, ein Zusammenschluss mehrerer NGOs, die gegen den Missbrauch der Einkaufsmacht vor allem der großen Supermarktketten vorgeht, kritisiert die Auszeichnung. „Uns sind Arbeitsrechte-Verletzungen in jedem dieser fünf Unternehmen bekannt“, erklärt Oxfams Handelsexpertin Marita Wiggerthale. „Die Selbstdarstellungen und Hochglanzbroschüren der Supermarktketten verstellen den Blick für die sozialen Missstände im Einzelhandel und in der Lieferkette“, so Wiggerthale. Eine Bewertung der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit auf der Grundlage von vereinzelten Initiativen und Absichtserklärungen sei zweifelhaft und irreführend.