Montag, 22. März 2010
Fernsehtipp heute: Report Mainz
Heute abend zeigt das Magazin Report Mainz zwei sehenswerte wenngleich erschütternde Beiträge: einmal über die überaus quälende Massentierhaltung von Kaninchen, deren Fleisch (und Fell!) zunehmend beliebt wird, für deren Haltung es aber keinerlei Tierschutzvorschriften gibt. Und einen Bericht über Palmöl in deutschen Bio-Produkten, für deren Ölpalmenanbau in Kolumbien Regenwald abgeholzt wird und Ureinwohner vertrieben werden.
ARD, 21.45 Uhr
Mittwoch, 20. Januar 2010
Einfach dahinbehauptet (1): "Kaum einer traut sich noch mit Pelz auf die Straße"
Weil ich mich immer wieder darüber ärgere, dass Lohas nur das Gute betonen und das Schlechte verschweigen – und dabei im Übereifer des positiven Denkens mitunter Dinge schlicht behaupten, die aber gar nicht stimmen, werde ich solche Beispiele nun in der Rubrik „Einfach dahinbehauptet“ sammeln.
Den Anfang macht ein vorweihnachtlicher Eintrag im Stern-Blog „Saubere Sachen“. „Faux-Pas mit Pelz“ heißt er und darin steht, dass Pelz heute so verpönt sei, dass sich ein Verbot von selbst erledige: „Pelz ist so weit unten in der Hölle der gesellschaftlichen Ächtung angekommen, dass Menschen das Verkaufen von Pelzen für gesetzlich verboten halten. Dass edle Modemarken wie Prada und Dolce&Gabbana in der aktuellen Herbst-Winterkollektion Nerztaschen und Breitschwanz-Jacken mit Chincilla-Kragen zeigen, ändert daran gar nichts! Kaum noch jemand traut sich mit Pelz auf die Straße. Anders gesagt: Pelze müssen nicht verboten werden, weil sie sich von selbst verbieten“, schreibt Kirsten Brodde, Autorin des Buchs „Saubere Sachen“. Dies zeige, so Brodde, „dass nicht wirklich alle nötigen Konsumveränderungen per Ordre mufti verordnet werden müssen.“ Dass es auch ohne funktioniere, weil es der Verbraucher es aktiv selbst regle, das zeige das Beispiel Pelz.
Das wäre zwar wunderschön. Aber leider stimmt es ganz und gar nicht, dass sich kaum einer mit Pelz auf die Straße traut. Das Gegenteil ist leider wahr: Seit Mitte der 90er Jahre ist der Umsatz von Pelzen um elf Prozent gestiegen: 2007 vermeldete das Deutsche Pelzinstitut einen Umsatz von einer Milliarde Euro, weltweit lag der Umsatz der Pelzindustrie bei 15 Milliarden Dollar (zum Vergleich: McDonalds macht eine Umsatz von 22,78 Milliarden Dollar)! Die Kürschner jubeln aktuell über eine hervorragend Auftragslage und rechnen mit einer Umsatzsteigerung von einem Prozent in 2009. Alle großen Designer haben wieder Pelze im Programm – selbst Benetton und Hallhuber verkaufen Winterjacken mit Echtpelzkragen und Echtfellwesten. Innerhalb der EU gibt es etwa 6000 Pelzfarmen. Pelz erlebt seit Jahren ein Comeback – gerade bei jüngeren Menschen, die eben KEINE moralischen Bedenken mehr haben. Dazu muss man aber noch nicht mal die Zahlen kennen, es reicht eigentlich schon, mit offenen Augen durch den Winter zu laufen (oder die Kommentare unter dem Pelz-Blog eintrage lesen): die Fußgängerzonen sind voll von Menschen, die Pelz tragen. Und weil ich mich so wahnsinnig geärgert habe über den Beitrag, habe ich mir den „Spaß“ erlaubt, mal zu zählen, wie viele Pelzträger mir über den Weg laufen. Dazu bin ich nur sehr kurz aus dem Haus und eine Station S-Bahn gefahren. Das Ergebnis in etwa 15 Minuten: 23 Pelze! Krägen, Mäntel, Mützen! Wahrlich und wahrhaftig! Und das war nicht in der Maximilanstraße oder am Marienplatz, sondern rund um den Münchner Ostbahnhof!
Ein Verbot von Pelzfarmen ist nicht nur dringend nötig, sondern auch möglich: in der Schweiz sind Pelztierfarmen seit 1991 verboten, in Österreich seit 1998, in Großbritannien seit 2003, ein EU-weites Verbot ist im Gespräch. In Deutschland gibt es immer noch Pelzfarmen - und die haben sich deshalb von 170 auf 26 reduziert, weil (sehr laxe) Auflagen und Gesetze dazu geführt haben, dass sich die unvorstellbar grausame und quälende Pelztierzucht nicht mehr so richtig lohnt. Leider gelten solche Gesetze weder in Russland noch in China, woher aber ein nicht geringer Teil der Pelze kommt, die hier wieder verstärkt nachgefragt werden.
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