Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 29. Juni 2011

Der WWF und andere "Naturschutzmultis"

Nach der Ausstrahlung des Films kriegt sich der WWF nicht mehr ein mit Gegendarstellungen, Wilfried Huismann nimmt Stellung dazu auf seiner Seite. Ein schönes Interview mit Huismann hat übrigens auch SWR 1 gesendet.

Ein interessanter Text über die Unternehmensverquickung des WWF und eine Gegenüberstellung mit Greenpeace erschien bereits vor zehn Jahren in Brand eins. Ein weiterer Beleg für die Intransparenz des WWF ist übrigens "Saufen für den Regenwald": gern brüstet sich der WWF damit, 83 MILLIONEN Quadratmeter Regenwald im Kongobecken zu schützen. Nun ist ja "schützen" ein vager Begriff. Der Krombacher-Kunde würde womöglich davon ausgehen, dass der WWF, der durch die Aktion vier Millionen Euro bekommen hat (Stand 2009), die Bäume im Dzanga-Sangha-Schutzgebiet auf dieser enorm riesig klingenden Fläche vor der Abholzung schützt. Doch erstens sind 83 Millionen Quadratmeter sind 83 Quadratkilomter - das ist ein bisschen größer als der Chiemsee (79 Quadratkilomter) und macht nur zwei Prozent des 4000 Quadratkilomter großen Schutzgebietes im Kongobecken aus. Dort ist übrigens nicht die Regenwaldabholzung das Problem, sondern die Wilderei. Seit kein Holz mehr abgeholzt wird, wird Geld mit Elefantenfleisch. 2008 ging der SWR dieser Kooperation nach und fand heraus, dass 2007 dort 100 der 870 Tiere Wilderern zum Opfer fielen. Die Parkranger machten das Wildern zwar schwieriger, könnten es aber nicht verhindern. Ein ortsbekannter Wilderer lebe gar direkt neben dem WWF-Zentrum. Im Interview mit WWF-Wildtier-Experte Christoph Hein ("Wilderei gibt es außerhalb der Schutzgebiete wesentlich mehr als innerhalb der Schutzgebiete" bzw. "Wir glauben ganz einfach, dass es wichtig ist, nicht immer nur die Probleme auf den Tisch zu packen sondern dort, wo wir Erfolge haben und auch mal was Gutes erreicht haben, das auch mal darzustellen." - äh.... was denn genau????), zeigt sich wieder die bekannte Abwiegelei des WWF. 

Ans Herz legen möchte ich heute auch das Buch "Naturschutz und Profit. Menschen zwischen Vertreibung und Naturzerstörung"  von Klaus Pedersen. Dort wird aufschlussreich beschrieben, wie kommerzielle Umweltorganisationen (Pedersen nennt sie treffend "Naturschutzmultis") wie der WWF grüne Kolonialisierung betreiben Naturschutz und Menschenrechte gegeneinander ausspielen. Es geht vornehmlich um die grüne Kolonisierung der "großen Drei", nämlich Conservation International (CI),  The Nature Conservancy (TNC) und, ja den WWF.

Man muss sich einfach nur die Unternehmenspartenerschaften anschauen: Die CI kooperiert mit  Starbucks, weitere illustre Spender sind Coca Cola, Kraft Foods, Cargill,  Goldman Sachs, Monsanto, Shell, BP, McDonalds, Walt Disney Company, die Bergbau-Gesellschaft Rio Tinto, Wilmar International - Kurzum: Konzerne, denen die schlimmsten Menschenrechts- und Umweltverbrechen vorgeworfen werden. Und zu den Unterstützern gehört natürlich auch DER WWF!

Die Partnerliste von TNC ist nicht weniger illuster: auch hier finden wir Monsato, Coca Cola, Cargill, BP,  Nestlé-Waters, ExxonMobil, Dow Chemicals, die zusammen mit Monsanto Agent Orange hergesetllt haben - und zwar in der Section International Leadership Council. Ach ja, fast hätt ichs vergessen, so logisch ist das: auch mit dem WWF und der CI wird zusammengearbeitet.

Toll und aufschlussreich ist auch die Seite "The wrong kind of green" die sich kritisch mit dem WWF und den anderen Kandidaten auseinandersetzt sowie der Text des britischen konzernkritischen Journalisten Johann Hari im Magazin The Nation und der Artikel "A Challenge to Conservationists" des Antropologen Mac Chapin, der 2004 im World Watch Magazine erschienen ist. Wie es auch jetzt der WWF mit Huismanns Beitrag macht, "bezichtigten die 'großen Drei' den Artikel, inhaltlich nicht korrekt zu sein (ohne konkrete Beispiele anzuführen), während Vertreter der Südhalbkugel den Beitrag nahezu einhellig als mutig und ihren eigenen Erfahrungen entsprechend begrüßten." (Pedersen S.57)

All das zeigt, wie perfide Großkonzerne den Naturschutz zu ihren Zwecken unterwandern. Großkonzerne haben einzig und allein Interesse an krisensicherem Profit. Es gibt keine Wandel zum Guten und "Dialoge", am besten noch "auf Augenhöhe", sind bloß Augenwischerei - das kuschelige Geschwätz hat nur den einen Sinn, Protest und Widerstand gegen die zerstörerische Weltmacht der Konzerne, besser gesagt, den "wirtschaftlichen Weltkrieg" (Jean Ziegler), abzublocken. Mag sein, dass manche Konzerne von Klimaschutzmaßnahmen profitieren - aber Menschen- und Arbeitsrechte sind nie und nimmer profitabel.

Freitag, 24. Juni 2011

WWF wehrt sich

Leider lief der aufschlussreiche Film "Der Pakt mit dem Panda" am Mittwoch erst spätabends (hier kann er angeschaut werden, falls ihn jemand verpasst hat), dennoch hat er erfreulicherweise für großes Medienecho gesorgt. In einem "Faktencheck" widerspricht der WWF nun den Vorwürfen der Dokumentation von Wilfried Huisman (man hat sich ja schon während des Film gefragt, wieso der WWF nicht professioneller reagiert und stattdessen Dörte Bieler vor die Kamera setzt, die sich jämmerlich um Kopf und Kragen redet - Psychologen dürften allein beim Anblick der Mimik und Gestik ihre Freude gehabt haben). Schon die ersten drei Statemens sind natürlich gelogen.

1: Der WWF lehnt Gentechnik grundsätzlich ab

Blödsinn. Der WWF sitzt zusammen mit unter anderem Monsanto, Syngenta, Nestlé und Bayer Crop Science im Round Table on Sustainable Soy Association, eine ähnliche Greenwashing-Institution wie der Roundtable on Sustainable Palmoil. Dieser verleiht das RTRS-Zertifikat. Abgesehen davon, das fast 80 Prozent der Mitglieder aus der Industrie (57 Prozent Konzerne, 20 Prozent Produzenten) stammen, gehört zu den fünf Hauptkriterien "verantwortungsvollen Anbaus" (Legal compliance & good  business practice, Responsible labor conditions, Responsible community relations, Environmental responsibility, Good agriculture practices - windelweicher geht es kaum) nicht der Verzicht auf Gentechnik. Im Gegenteil: in den RTRS-Standards steht geschrieben:

"This standard applies to all kinds of soybeans, including conventionally grown, organic, and genetically modified (GM). It has been designed to be used for all scales of soy production and all the countries where soy is produced."

hochinteressant ist auch dieser Zusatz:

"When a change in soybean production practices is introduced which could impact on neighboring production systems, it is the responsibility of the producer making the change to implement a buffer strip of 30 m (e.g. in areas where production is generally GM, it is the responsibility of an organic or non-GM farmer to maintain the buffer around his own production. In areas where production is mainly non-GM or organic, a farmer planting GM or using chemicals should maintain a buffer)."

Als es 2009 Vorwürfe von NGO wie Save our Seeds hagelte, der WWF unterstütze Gentechnik, rechtfertigte sich der WWF, er stünde ja nicht hinter allen Entscheidungen des RTRS (das ist ungefähr so, als wäre ich als Vegetarier Mitglied bei der Fleischerinnung, um mit den Mitgliedern das Ende der Fleischproduktion voranzubringen) und adelt seine Greenwashing-Dienstleistung für Monsanto & Kollegen folgendermaßen:

"WWF believes that the RTRS cannot be effective in helping to prevent the environmental impacts of soy production, such as forest conversion, habitat loss, soil degradation, water use and pesticide use, unless it applies both to GM soy and GM-free soy. Eliminating GM soy producers from the RTRS would greatly limit its potential to mitigate critical environmental impacts of soy production."

Nun ist es nicht nur so, dass der Roundtable Gen-Soja-Anbau schützt und zertifiziert, sondern auch Agro-Sprit. Damit würde der WWF unter anderem dafür sorgen, dass Verbrecher-Konzerne wie Monsanto für genmodifiziertes Soja auch noch CO2-Zertifikate bekommen, kritisierte 2009 die Jury des dänischen Angry Mermaid Award und verlieh den Negativpreis an Monsanto.

Eine weitere GMO-Quelle, die der WWF schützt, ist das zweifelhafte Projekt Better Cotton Initiative, in der auch Ikea und H&M Mitglied sind. Dort ist gentechnisch veränderte Baumwolle erlaubt. Wenn man also sagt, dass man sich in Sachen Gentechnik "technologieneutral" ("GMO technology: BCI does not wish to dictate to growers which technologies are best for them") verhalte und auch Bauern erlaube, gentechnisch verändertes Saatgut zu verwenden - lehnt man dann wirklich Gentechnick grundsätzlich ab? Lehnt man ferner allen Ernstes Gentechnik grundsätzlich ab, wenn man zulässt, dass es innerhalb der BCI Feldversuche mit gentchenisch verändertem Saatgut gibt und weiterhin geben soll?

Abgesehen davon ist scheints auch die Behauptung, der WWF habe von Monsanto kein Geld genommen, gelogen: Auf Anfrage der SZ gab der Verband zu, Monstao-Spenden entgegegn genommen zu haben.


2. Der WWF ist nicht käuflich

"Der WWF schließt keine Kooperation, wenn ein Unternehmen nicht bereit ist, unsere Standards im Umweltschutz und im Bereich der Nachhaltigkeit zu akzeptieren. Wir kritisieren wenn nötig Kooperationspartner auch öffentlich." Schreibt der WWF. Wann hat der WWF zuletzt einen Konzern kritisert? Wie kann man behaupten, nicht mit Wilmar zusammenzuarbeiten, wenn doch der Vize-Chef des Roundtable on Sustainable Palmoil ein Wilmar-Abteilungsleiter und ein WWF-Mitarbeiter sind? Seltsam, dass keine einzige Konzernkritik zu Wilmar von Seiten des WWF irgendwo zu finden ist, im Gegenteil. Ein kleiner Blick auf die Sponsorenliste ist immer wieder erhellend. Die letzte Konzern-Kritik des WWF an Henkel, die jedenfalls ich gefunden habe, stammt von 2003 - und schon im Jahr darauf war Henkel Mitglieder beim RSPO.

3. Der WWF setzt sich weltweit für den Erhalt der Regenwälder ein

Muss man das noch kommentieren? Ich verweise hiermit abermals auf die NGO FSC-Watch, die die Machenschaften des Forest Stewartship Council kritisiert (zu denen unter anderem seit Jahren Kahlschlag, illegale Regenwaldabholzung, Vertreibung indigener Völker und sogar Mord gehört - aktueller Skandal übrigens: auf südafrikanischen Holz-Monokulturen, die FSC-zertifiziert sind, werden hunderte Affen abgeknallt), den der WWF mibegründet hat, sowie selbstverständlich auf den Roundtable on Sustainable Palmoil, dessen Existenz mehr als 250 internationale Umweltschutzorganisationen als Greenwashing ablehnen. Und ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass sich der WWF 2003 nicht entblödet hat, mit der Fluggesellschaft LTU zusammenzuarbeiten und unter dem wunderschönen Titel "Fliegen für den Regenwald" pro Flugticket an den WWF spenden zu lassen: mit den geplanten 20 Millionen sollten 25 Quadratkilometer Regenwald geschützt werden - weil das grad mal halb so viel Fläche ist wie der Starnberger See hat, behalf sich der WWF wie schon auch bei "Saufen für den Regenwald" (Krombacher) eines billigen Umrechnungstricks und sprach von 25 Millionen Quadratmetern - dabei wird, mit freundlicher Unterstützung des WWF, weltweit so viel Fläche Regenwald binnen dreineinhalb Stunden vernichtet.

Das Magazin Enorm sucht übrigens Aufklärer, die nach dem Vorbild "Guttenplag" Hinweise für die Machenschaften des WWF haben.



Montag, 20. Juni 2011

Filmtipp: Die WWF-Lüge am Mittwoch in der ARD!

Was man schon lange ahnen konnte hat der WDR-Autor Wilfried Huismann nun endlich zur bitteren Gewissheit gemacht: der WWF richtet vermutlich mehr Schaden an als er durch Kampagnen und Öko-Projekte wieder repariert. Am Mittwoch, 22. Juni, sendet die ARD um 23.30 Uhr Huismanns Film "Der Pakt mit dem Panda. Was uns der WWF verschweigt". Huismann und Arno Schumann haben 2010 den erschütternden Film "Lachsfieber" gedreht, in dem es um das schmutzige Geschäft mit Zuchtlachs geht. Der Film nahm vor allem den multinationalen, in Norwegen ansässigen Konzern Marine Harvest unter die Lupe, der mit seine Zuchtstationen in Chile nachhaltig die Fjorde zerstört. Für eine Jahresspende von 100 000 Euro, so heißt es im Film, darf der Konzern das Pandabärchen auf seine Produkte kleben und sich mit Kooperationen mit dem WWF Norwegen grün waschen. Eine Win-Win-Situation für Wirtschaft und WWF, die, wie immer, für Mensch, Tier und Natur eine Lose-Situation darstellen.

Während der Recherchen für Lachsfieber ist Huismann auf die zweifelhaften Kooperatione des WWF aufmerksam geworden und ist diesen nachgegangen. Der WWF, so ist mir zu Ohren gekommen, habe sogar versucht, die Ausstrahlung des Films zu verhindern. Kein Wunder: Keine andere Umweltorganisation arbeitet so eng mit der Industrie zusammen wie der WWF - und verschafft damit vor allem jenen Konzernen ein grünes Image, deren Kerngeschäft besonders dreckig ist.

Während der WWF etwa zeitgleich mit niedlichen Orang-Utan-Babies für Spenden wirbt, sorgt er Hand in Hand mit der Palmölindustrie vor allem dafür, dass der Lebensraum der Tiere für immer verschwindet: der WWF ist Mitbegründer des Round Table on Sustainable Palmoil, der das Greenwashing-Siegel RSPO verleiht - vor allem an die Verschwender des Rohstoffs wie Unilever, Henkel, Ikea. Dazu gesellt sich das FSC-Siegel für Holz, das ebenos umstritten ist, wie RSPO: Menschrechtsverletzungen, ja sogar Mord, gab es bereits auf FSC-Plantagen, ebenso Vetreibung von indigenen Völkern sowie Kahlschlag.

Ebenso umstritten: das MSC-Siegel für "nachhaltige Fischerei": das Siegel, mit dem Verbraucher meinen, nun guten Gewissens die Meere leerfuttern zu dürfen, wir an ganz und gar nicht nachhaltige Großfischereien mit ungenügenden Umweltstandards vergeben, auch Fisch aus überfischten Gewässern erhält das Siegel, ebenso überfischet Arten wie der Nordsee-Hering und Alaska-Seelachs (Fischstäbchen!). Weitehin erlaubt MSC Treib- und Grundschleppnetze (hohe Beifangquote) sowie Langleinen, an denen sich Seevögel und Meeressäuger strangulieren. Kein Wunder, dass MSC - lustiges Motto: "Machen Sie mit beim Meeresschutz auf dem Teller" - keine messbare Verbesserung bewirkt.

Aber weil's so schön ist, gesellt sich zum MSC künftig auch noch ASC, das Siegel für Aquakulturen von Schrimps, Lachs, Pangasius und Forelle. Das Problem ist aber nur: es gibt keine nachhaltige Aquakultur, schon gleich nicht für derart gigantische Mengen - und eine Alternative zum Seefang ist Aquakultur auch nicht, ganz im Gegenteil: für ein Kilo Lachs braucht es fünf Kilo Lebenfutter aus dem Meer. Interessant aber vor allem ist wieder einmal die Teilnehmerliste: Im Hauptausschuss des "Dialogs" sitzen Vertreter etwa von Marine Harvest und Skretting (Weltmarktführer für Farmfischfutter).

Einen schönen Beitrag zur neuen WWF-Kinderfang-Großkampagne bei REWE hat übrigens Toralf Staud im Klimalügendetektor geschrieben.

Sonntag, 28. November 2010

Ikea: Advent, Advent, der Regenwald brennt!

Zur Vorweihnachtszeit verkauft Ikea massenhaft Kerzen und Teelichter aus Palmöl. Das schwedische Möbelhaus gibt zu, jedes Jahr 32 000 Tonnen Palmöl allein für seine Kerzen zu importieren. Für 32 000 Tonnen Palmöl verlieren 130 Orang-Utans in Indonesien ihren Lebenraum in den meisten Fällen sogar ihr Leben. Rettet den Regenwald hat bereits im Februar zum Protest gegen Ikea aufagerufen - 28 000 Menschen haben unterschrieben. Ikea redet sich seither auf das RSPO-Siegel heraus, ein Industrielabel, das nur der Imagepflege der Konzerne, nicht aber dem Regenwald nützt.  Um zu belegen, dass das RSPO-Siegel nichts als Greenwashing ist, hat sich Rettet den Regenald die angeblich nachhaltige Palmölproduktion angeschaut. "Die Nachhaltigkeitslüge - wie die Palmölindsutrie die Welt betrügt" heißt der Film, der daraus entstanden ist. Rettet den Regenwald ruft deshalb erneut zum Protest gegen Ikea auf.

Dienstag, 23. März 2010

Palmöl: Protest gegen Alnatura, Allos, Rapunzel und Body Shop

Gestern berichtete das Magazin Report Mainz in der ARD über Palmöl in Bio-Lebensmitteln, das von Ölplantagen des zweifelhaften kolumbianischen Konzerns Daabon stammt. Zwar wirbt der Konzern mit elf Ökosiegeln, besitzt aber 5350 Hektar Ölpalmen-Monokultur (Monokultur ist im ökologischen Anbau nicht erlaubt). Nach Recherchen der Organisation Rettet den Regenwald ließ Daabon in Las Pavas 2009 mindest 123 Kleinbauern-Familien gewaltsam vertreiben (laut Report Mainz sogar 500), die dort für ihr Auskommen Kakao angebaut hatten, um auf ihren Feldern Ölplantagen zu errichten. Daarboon wird die illegale Rodung geschützer Ufervegatation zur Last gelegt, der Konzern ist außerdem verantwortlich für zwei katastrophale Unfälle, bei denen Palmöl ins karibische Meer floss und dort Korallenriffe zerstörte. Bei den Unfällen starben zwei Menschen. Daabon ist am Bau der größten Palmöl-Dieselraffinerie Kolumbiens beteiligt. Rettet den Regenwald hatte bereits im März 2009 zahlreiche Hersteller angefragt - 500 Bio-Produkte verschiedener Hersteller enthalten Palmöl -, woher das Palmöl stamme. Viele Firmen hätten gar nicht reagiert oder nichtssagende Antworten geschickt. Schließlich nannten Rapunzel, Alnatura, Allos und The Body Shop den Konzern Daabon. Auf Anfrage des SWR sagte die Firma Rapunzel, die Räumung sei legal. Dem widerspricht die kolumbianische Menschenrechtsbehörde - mittlerweile beschäftigt sich auch die UNO mit dem Fall.

Nach dem Beitrag  veröffentlichten Alnatura, Allos und Rapunzel jeweils Stellungnahmen. Rettet den Regenwald hat eine Protestaktion gegen jene gestartet mit der Aufforderung, Palmöl durch heimische Öle zu ersetzen.

Montag, 22. März 2010

Fernsehtipp heute: Report Mainz

Heute abend zeigt das Magazin Report Mainz zwei sehenswerte wenngleich erschütternde Beiträge: einmal über die überaus quälende Massentierhaltung von Kaninchen, deren Fleisch (und Fell!) zunehmend beliebt wird, für deren Haltung es aber keinerlei Tierschutzvorschriften gibt. Und einen Bericht über Palmöl in deutschen Bio-Produkten, für deren Ölpalmenanbau in Kolumbien Regenwald abgeholzt wird und Ureinwohner vertrieben werden. 

ARD, 21.45 Uhr

Freitag, 19. März 2010

Greenpeace-Gruselvideo gegen Palmöl

Ein sehr schönes Ekelvideo von Greenpace ist derzeit in Umlauf. Die Umweltschutzorganisation prangert darin den Lebensmitttelkonzern Nestlé an, in ihren Schokoriegeln Palmöl zu verwenden - zum Beispiel im Riegel Kitkat (Fairer Handel hin oder her). Nestlé gab bekannt, die Zusammenarbeit mit einem besonders skruplellosen Lieferanten eingestellt zu haben und den "nachhaltigen" Palmölanbau zu unterstützen. Gemeint ist das industriefreundlichen Unbedenklichkeitssiegel RSPO (Präsident des Round table on sustainable palmoil  ist ausgerechnet Unilever-Manager Jan Kees, dessen Konzern der weltgrößte Abnehmer des Rohstoffs Palmöl ist), das im Herbst 2008 250 internationale Umweltschutzorganisationen in einer Resolution als Greenwashing bezeichneten, darunter der BUND und Greenpeace.
Palmöl befindet sich nicht nur in Schokolade, Putzmitteln (Henkels Terra Activ), Kerzen (Ikea) und Fertiggerichten, es wird außerdem in Kraftwerken zur Energiegewinnung schlicht verbrannt - subventioniert von der Bundesregierung. Nun will die Europäische Union sogar Palmölplantagen, für die in Südamerika und Südostasien wertvoller Regenwald gerodet wird, als Wälder deklarieren.
Viele detaillierte Informationen zum Thema Palmölplantagen und eine ganze Reihe von Protestaktionen hat Rettet den Regenwald erarbeitet. Die jüngste Aktion richtet sich gegen die rigorose Abholzung peruanischen Amazonas-Urwalds, der einhergeht mit der brutalen Vertreibung der Ureineinwohner.

Sonntag, 8. November 2009

Märchenstunde mit Claudia Langer: FAS-Interview über Fleisch, Fisch und Bio

„Sie wünschen – wir schreiben: Ist das Klima noch zu retten?“ Das bietet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ihren Lesern an. Diese sollen dabei entscheiden, worüber die FAS anlässlich des Klimagipfels in Kopenhagen schreiben soll, verschiedene Themen stehen zu Auswahl. Dass die FAZ die Berichterstattung über das drängendste Problem unserer Zeit, den Klimawandel, als schlichte Dienstleistung versteht, ist schon bemerkenswert. Die FAS-Leser haben sich diesmal eine Antwort auf die Frage „Sind Vegetarier die besseren Klimaschützer?“ gewünscht. Für das Interview zum Thema hat sich die FAS aber nicht etwa einen Ernährungswissenschaftler oder Klimaforscher ausgesucht, sondern ausgerechnet Ex-Werberin und Utopia-Chefin Claudia Langer, die mit ihren Antworten dafür gesorgt hat, dass dem FAS-Leser ganz bestimmt nicht die Gabel mit Sonntagsbraten vor Schreck aus der Hand gefallen ist, sondern dieser ihm weiterhin lecker schmecken wird.

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Samstag, 7. November 2009

Öko-Putzmittel killt Regenwald: Protest gegen Henkel

Vor etwa einem Jahr brachte der Chemiekonzern Henkel seine Öko-Putzmittel-Serie Terra Activ auf den Markt, um damit die Zielgruppe der Lohas anzusprechen. Die Produkte der Terra-Activ-Serie bestehen aus 85 Prozent nachwachsenden Rohstoffen – und für die Konsumplattform Utopia.de war dies Grund genug, Henkel zum „strategischen Partner“ zu machen: „Ausgezeichnete Produktleistung mit hoher Umweltverträglichkeit zu verbinden, ist seit jeher der Anspruch von Henkel“, heißt es in der Pressemitteilung von Utopia.de, und das ist leider glatt gelogen: Henkel gehört, neben Unilever und Nestlé, zu den drei weltgrößten Verbrauchern von Palmöl: allein Henkel verbraucht pro Jahr rund 400 000 Tonnen des Rohstoffs, der Grundlage von Süßigkeiten, Ptzmitteln, Fertiggerichten und Kosmetik ist. Für die Ölpalmenplantagen werden in Malaysia und Indonesien gigantischen Flächen von Regenwald gerodet. Weltweit wachsen Ölpalmen auf 12 Millionen Hektar, allein Henkel beansprucht 100 000 Hektar. Die Terra-Activ-Serie besteht ebenfalls aus Palmöl und trägt das RSPO-Siegel für „nachhaltigen“ Palmölanbau. Das Siegel ist aber nichts als Greenwashing.

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Mittwoch, 28. Oktober 2009

Nürnberg will 3500 Bänke aus Tropenholz aufstellen

Das Gartenbauamt der Stadt Nürnberg will ingesamt 3500 Bänke im Stadtgebiet auf Sapelli-Holz aus dem Kongo umrüsten. Der Nürnberegr Dienstleistungsbetrieb Service Öffentlicher Raum (SÖR) begründet den Schritt damit, dass Tropenholz 25 Jahre länger halte. Die Stadt wolle damit in den nächsten 25 Jahren 11,9 Millionen Euro sparen. Das Tropenholz für die Parkbänke ist zwar FSC-zertifiziert, das Forest Stewardship Council für „nachhaltige Forstwirtschaft“ ist, ähnlich wie das Marine Stewartship Council, unter Umweltscützern umstritten. FSC, das mit NGOs zusammen angetreten ist, den Waldeinschalg zu kontrollieren, lässt zunehmend große Holzplantagen zertifizieren. Nach Berichten der britischen Umwweltorganisation Rainforest Foundation wurde das Siegel auch an Unternehmen vergeben, die in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt waren, außerdem an an Planategn auf gerodetem Urwaldboden. Zunehmend sieht sich FSC dem Vorwurf des Greenwashing ausgesetzt. Nach den Recherchen des Vereins Rettet den Regenwald stammt das FSC-zertifiziert Sapelli-Holz aus Primärregenwald in der Republik Kongo. Der Baum stehe als vom Aussterben bedroht auf der Liste der International Union for Conservation of Nature. Das Holz stammt nach Angaben des Vereins von der Firma Congolaise Industrielle des Bois (CIB), die Einschlagskonzessionen auf einer Regenwaldfläche so groß wie Schleswig Holstein (1,3 Millionen Hektar) besitze.
Am Mittwoch, 28. Oktober um 19 Uhr lädt das Umweltreferat der Stadt zu einer Podiumsksdiskussion zum Thema ein. Eine Online-Petition gibt es bei Rettet den Regenwald, ausführliche Informationen zu FSC-Skandalen bei FSC-Watch.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Neue Studie: Bio-Kraftstoffe sind klimaschädlich

Spiegel Online berichtet über eine Studie, nach der der Anbau von Agrar-Kraftstoffen dem Klima genauso massiv schadet wie fossile Brennstoffe. Forscher des amerikanischen Marine Biological Laboratory um Jerry Melillo kamen in zwei Szenarien zu diesem Schluss. Beide basieren auf der Annahme, dass der Bedarf an Biokraftstoffen in den nächsten Jahren steigen wird. Im ersten Modell untersuchen die Wissenschaftler die Auswirkungen der Rodung von Regenwald zugunsten von Anbauflächen für Energie-Pflanzen. Dabei gehen nicht nur massive Flächen von CO2-Speicher verloren: bei der Rodung gelangen auch große Mengen von CO2 in die Atmosphäre. Im zweiten Szenario beschäftigten sich die Forscher mit bereits vorhandenen Anbauflächen, für die zwar kein Regenwald abgeholzt wird. Da auf diesen Flächen aber keine Lebensmittel angebaut werden können, wird für diese wiederum Regenwald fallen. In beiden Fällen aber werden die Pflanzen gedüngt, was zusätzlich klimaschädlich sei: der Dünger führe zu chemischen Reaktionen im Boden, in deren Folge das klimaschädliche N2O(Lachgas) in die Atmosphäre entweiche, das diese noch stärker belasten könnte als CO2.

Sonntag, 11. Oktober 2009

DHL pflanzt in Deutschland Bäume und zerstört Regenwald in Südostasien

Noch im Mai diesen Jahres ließ sich die Deutsche Post-DHL als Wald- und Klimaretter feiern, weil das Unternehmen der Inititiative Plant for the Planet 10.000 Bäume spendete. Das Projekt, das vor allem vom Autokonzern Toyota, DHL und der Konsum-Plattform Utopia.de unterstützt wird, lässt mit Hilfe der Industrie zur CO2-Kompensation Bäume von Kindern pflanzen. Bäume pflanzen bringt allenfalls was für’s gute Gewissen der Autofahrer und Konsumenten und für das Image der Konzerne. Fürs Klima bringt das nachweislich gar nichts, im Gegenteil: Bis ein Baum groß genug ist, um CO2 aufzunehmen, dauert es 60 bis 80 Jahre. Bis der Baum groß genug ist, steigen die Treibhausgase aber weiter an. Eine Garantie, dass der Baum überhaupt so lange stehen wird, gibt es indes nicht. Schon deshalb, weil durch das gestiegene Klima Waldbrände zunehmen werden. Und wenn ein Baum brennt, wird all das CO2, dass er über die Jahre der Atmosphäre entzogen hat, auf einen Schlag wieder frei. Für das Klima wirklich notwendig ist es, alte Wälder, also Ur- und Regenwälder zu erhalten. DHL trägt aber im Gegenteil dazu bei, Regenwald in Borneo, Malaysia und Sumatra abzuholzen. Der Logistik-Konzern lässt für einen Feldversuch innerhalb des GoGreen-Programms LKWs mit Palmöl fahren. Und für Palmöl, Rohstoff von Putzmitteln, Lebensmitteln und auch so genannten Bio-Kraftstoffe, wird auf dafür gerodeten Regenwaldflächen gepflanzt. Der Verein Rettet den Regenwald hat eine ausführlichen Bericht darüber veröffentlicht. Dort kann man sich außerdem per E-Mail an einer Protestaktion beteiligen.