Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Mittwoch, 13. April 2011

Zu wenig Geld für Essen? Schwäche-Anfälle in Puma-Fabrik

In zwei Zulieferbetrieben des Sportartikelherstellers Puma in Kambodscha, Universal Apparel und Huey Chuen, kam es am Wochenende zu Schwächeanfällen von 800 Arbeiterinnen und Arbeitern. Die Behörden in Phnom Penh haben bereits die Ermittlungen aufgenommen und auch das Unternehmen Puma, das sich gerade in jüngster Zeit wieder zunehmend um ein sauberes Image bemüht, will den Fall untersuchen lassen. Christina Luginbühl von der NGO  Erklärung von Bern, die auch für die Kampagne Saubere Kleidung arbeitet, sieht die Ursache für die Schwächeanfälle im zu niedrigen Lohn und den teils exzessiven Überstunden. Die Arbeiterinnen und Arbeiter könnten sich davon schlicht zu wenig zu essen leisten und seien dann für die prekären Bedingungen in den stickig-heißen Fabriken sehr anfällig.
Das Unternehmen Puma, das sich, wie alle Bekleidungskonzerne, um ein soziales Image bemüht ist, rühmt sich, wie alle anderen Bekleidungskonzerne, den staatlichen Mindestlohn zu zahlen. Doch genau der ist nicht existenzsichernd:  Erst im vergangenen Herbst streikten kambodschanische Arbeiterinnen für eine Erhöhung des gegenwärtigen Mindestlohn von 62 Dollar. Daraufhin wurden 300 Textilarbeiter entlassen. Um halbwegs über die Runden zu kommen, bräuchten die Menschen mindestens 93 Dollar. Zwar ist Puma Mitglied bei der Fair Labour Association (FLA), einer Organisation, die sich für soziale Standards in der Textilindustrie einsetzt und wird von dieser geadelt, die FLA-Standards einzuhalten. Die orientieren sich an der ILO-Kernarbeitsnorm.

ABER: der existenzsichernde Mindestlohn gehört nicht zu den Forderungen der FLA.

Puma hat für die geplante (!) "Zukunftsstrategie" den Deutschen Nachhaltigkeitspreis haben und bereits an allerhand Vorzeigeprojekten teilgenommen. Doch an den Kernproblemen hat sich wenig geändert: es sind vor allem Hungerlöhne und die extrem kurzen Lieferzeiten (Just-in-time-Produktion), die die Zulieferbetribe unter Druck setzen, der bei den Arbeiterinnen und Arbeitern in Form von exzessiven (oft unbezahlten) Überstunden und Gewerkschaftsbehinderung ankommt.
Wie die meisten Konzerne gibt auch Puma zu bedenken, dass man das Lohnniveau nicht allein anheben könne. Doch vor einer sektorübergreifenden Zusammenarbeit in Sachen Mindestlohn und Lieferzeiten scheuen sich die Konzerne: Lieber tritt man mit im moralischen Wettebewerb gegeneinander an und versucht auch noch, sich mit schillernden Sozialprojekten gegenseitig zu übertrumpfen um die Konkurrenz zu festigen.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Protest gegen die FIFA und Puma

Und noch eine Protestaktion: die letzten fußballfreien Abend sind bald gezählt und auf die FIFA, die Sportartikelhersteller und viele Investoren warten gigantische Gewinne bei der Fußball-WM in Südafrika. Die FIFA darf mit einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro rechnen, Südafrika investierte umgerechnet drei Milliarden Euro in die Infrastruktur. Unter anderem Stadien wurden mit riesigen Investitionen - zu Löhnen weit unter dem Existenzminimum. Mit anderen Worten: die 20 Millionen Menschen, die in Südafrika in Armut leben (beinahe die Hälfte der 47 Millionen Einwohner des Landes) haben leider gar nichts von dem Monster-Event. Im Gegenteil: die Innenstädte wurden aufgehübscht und Straßenhändler vertrieben, Bauerabeiter haben die Stadien zu Hungerlöhnen gebaut und Armenviertel wurden einfach plattgewalzt. Desweiteren versucht die FIFA in Südafrika, die Pressefreiheit einzuschränken - Journalisten soll verboten werden, über Vorfälle zu berichten, die "die Reputation der Weltmeisterschaft beschädigen". Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH ruft zu einer Protestaktion an die FIFA auf.

Die Kampagne Saubere Kleidung ruft zum Protest gegen den Sportartikelhersteller Puma auf. Denn während sportlicher Großereignisse wie der WM steigt in vielen Produktionsstätten der großen Sportartikelunternehmen die Nachfrage – bei gleichzeitig extrem kurzen Lieferfristen. Während dieser Auftragsspitzen prägen exzessive Überstunden den Arbeitsalltag in den Fabriken. Die Arbeiterinnen müssen dann bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiten. Dafür erhalten sie von Puma einen Bruttolohn von 122 Euro im Monat - obwohl zur Existenzischerung mindestens das dreifache nötig wäre.

Protest gegen Triumph - Eilaktion!

Im Sommer 2009 hatte der Dessoushersteller Triumph 3660 Arbeiterinnen und Arbeiter in Thailand und auf den Philippinen - angeblich aus Gründen der Wirtschaftskrise - entlassen, ohne Gewerkschaften einzubeziehen oder Sozialpläne auszuhandeln. Auffällig war, dass sich unter den Entlassenen viele Kranke, Behinderte und Gewerkschaftsmitglieder befanden. Die ehemaligen Triumph-Beschäftigten legten bei der OECD Beschwerde gegen das Vorgehen ein und protestierten in Camps unweit des Triumph-Geländes ein. Nun ist eine Mahnwache der Triumph-Arbeiterinnen und -arbeiter auf den Philippinen gewaltsam aufgelöst worden. Mehr als 200 Sicherheitskräfte schüchterten die Protestierenden ein, zerstörten Zelte und Protestmaterial und verletzten mehrere Frauen. Die Gruppen von Sicherheitskräfte setzte sich aus Polizisten der "Philippine National Police", Sicherheitspersonal der Zonenverwaltung "Food Terminal Incorporated" sowie aus Mitarbeitern einer nationalen Sicherheitsagentur zusammen. Sie beriefen sich auf eine einstweilige Verfügung gegen die Arbeiterinnen der Triumph-Gewerkschaft, die am 23. April 2010 durch das Amtsgericht der Taguig City, Philippinen ausgestellt wurde. Obwohl die protestierenden Arbeiterinnen erneute Einschüchterungen und Angriffe befürchten, haben sie sich zu einer neuen Mahnwache unweit der ehemaligen Triumph-Fabrik zusammengefunden. Triumph International lehnt Verhandlungen weiterhin ab. Die NGO Inkota ruft zu einer Protestaktion auf. 

 

Mittwoch, 21. April 2010

Lidl muss Werbung zurückziehen

Das ist doch mal eine wirklich gute Nachricht: Lidl muss nach der Klage der Veranbraucherzentrale Hamburg die irreführende Werbung mit angeblich fairen Arbeitsbedingungen einstellen. Der Discounter, der im Januar in Prospeketen damit geworben hatte, sich "weltweit für faire Arbeitsbedingungen" einzusetzen und "Non-Food-Aufträge nur an ausgewählte Lieferanten und Produzenten" zu vergeben, "die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen" hat sich nun zu einer Unterlassungserklärung verpflicht. Die Kampagne Saubere Kleidung und das European Center for Constitutional Human Rights gingen dieser Behauptung nach und fanden in vier für Lidl tätigen Textilfabriken in Bangladesch unmenschliche Arbeitsbedingungen vor. Beide NGOs unterstützten die Klage. Der Fall Lidl zeige, wie riskant es für Unternehmen sei, sich ein Sozialmäntelchen umzuhängen, sagt Gisela Burkhardt von die Kampagne Sauber Kleidung in Spiegel Online. Der Fall zeigt aber auch etwas anderes: zum einen, dass freiwilliges Engagement von großen Konzerne grundsätzlich zu hinterfragen ist, weil meistens nichts dahinter steckt (beziehungsweise diese keiner Überprüfung standhält). Und zum anderen, dass es falsch ist, Konzerne für ihr vermeintliches Engagement zu loben. Weil es sehr viel mehr bringt, diese und die Politik weiter öffentlich unter Druck zu setzen. Eben zum Beispiel mit Klagen. Die Verbraucherzentrale sammelt übrigens auf der Seite Verbraucher fürs Klima auch Beispiel für zweifelhafte Öko-Werbung und Greenwashing.




Montag, 12. April 2010

Verbraucherzentrale klagt gegen Lidl

In einem Januar-Prospekt behauptete Lidl, sich "weltweit für faire Arbeitsbedingungen" einzusetzen und "Non-Food-Aufträge nur an ausgewählte Lieferanten und Produzenten" zu vergeben, "die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen." Lidl verweist auf seine Mitgliedschaft in der Business Compliance Initiative (BSCI), in der 475 Firmen Mitglied sind. Die BSCI ist eine freiwillige unternehmensfreundliche Inititiative, der BSCI-Kodex enthält Angaben zu Arbeitszeit, Löhne und Gewerkschaftsfreiheit, eine Verpflichtung zur Einhaltung der Sozialstandrads oder eine unabhängige Kontrolle gibt es aber nicht. Die BSCI, die von der Otto-Group mitbegründet wurde, wird von NGOS als schwächster Standard heftig kritisiert, die Kampagne Saubere Kleidung bezeichnet die Initiative als "Sozialmäntelchen", unter dem genauso verheerend gewirtschaftet wird, wie eh und je. Das belegen auch die zahlreichen Arbeitsrechtsverletzungen und die schlimmen Unfälle, die trotz BSCI-Mitgliedschaft immer wieder in den Textilfabriken der Entwicklungs- und Schwellenländer passieren. Die Kampagne Saubere Kleidung zusammen mit dem European Center for Constitutional Rights haben eine Studie in Auftrag gegeben, die die Arbeitsverhältnisse in vier  Zulieferbetrieben von Lidl in Bangladesch untersucht. Wie zu erwarten ergab die Recherche unmenschliche Arvbeistbedingungen: überlange Arbeitseiten, Lohnabzug als Strafe, intransparente Vergütung von Überstunden, Verhinderung von Gewerkschaften und Diskriminierung von Frauen. Alles eindeutige Verstöße gegen die ILO-Kernarbeitsnormen, auf die sich auch die BSCI bezieht. Im Zuge der Studie hat nun die Verbraucherzentrale Hamburg Klage wegen irreführender Werbung eingereicht. Die Klage hat einen Streiwert von 50 000 Euro. Die Kampagne Saubere Kleidung ruft deshalb zu Spenden auf - für den Prozess aber auch für Recherche und Öffentlichkeitsarbeit: CCC,  KTO 1 555 000 029, KD Bank, BLZ 350 601 90, Stichwort: Lidl Kampagne.

 

Dienstag, 22. Dezember 2009

Triumph setzt Näherinnen in Thailand und auf den Philippinen vor die Tür

Ist das nicht schön? Für jedes verkaufte Dessous-Set der X-Mas-Collection spendet der Schweizer Unterwäsche-Fabrikant Triumph an die Kampagne Tribute to Bambi, die hilfsbedürftige Kinder unterstützt. Im Spätsommer aber schickte das Unternehmen 3660 Textilarbeiter und –arbeiterinnen in die Armut: Triumph hat die Beschäftigen aus den Zulieferer-Fabriken in Thailand und den Philippinen entlassen, angeblich aus Gründen der Wirtschaftskrise. Darunter vor allem Behinderte, Kranke und Gewerkschaftsmitglieder. Das Netzwerk Inkota, zu der auch die Kampagne Saubere Kleidung gehört (CCC) geht davon aus, dass Triumph gezielt gegen Gewerkschaften vorgeht. Laut Inkota und CCC ist Triumph immer noch nicht bereit, mit Gewerkschaften zu verhandeln. Inkota und CCC rufen deshalb zu einer Online-Protesaktion auf. Weiters verkauft Inkota so genante Protestunterwäsche: die Unterhosen haben die Arbeiterinnen in ihrem Protestcamp genäht, sie tragen den Namen „Try Arm“ als Symbol des Widerstands. Der Verkauf der Unterwäsche sichert den Arbeiterinne und Arbeitern zumindest ein kleines Einkommen.


 

Sonntag, 15. November 2009

Ökonomisierung von Armut: Adidas, BASF und schon wieder Yunus

Der Zynismus des "Social Businnes" hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Adidas kooperiert mit Muhammad Yunus und will Markenturnschuhe in Bangladesch entwickeln und herstellen und zu einem Preis verkaufen, den sich die Bangaldescher leisten können. Adidas Turnschue sollen machen, dass Bangeledscher nicht mehr barfuß herumlaufen und sich Erkarnkungen durch Würmer holen müssen. Muhammad Yunus posaunte bei einem Moralkongress der Wirtschaft in Wolfsburg vergangene Woche heraus, die Schuhe würden unter eine Euro kosten - worauf sich Adidas aber nicht einlassen wollte. Egal, denn auch 50 Cent wären zu viel, da ein großer Teil der Menschen in Bangladesch zu katastrophalen Bedingungen in den Sweatshops der Textilindustrie arbeitet und für umgerechnet 19 Euro im Monat für andere Weltkonzerne Kleider zusammennäht. Da bleibt für Schuhe nicht mehr viel übrig. Was Bangladesh vor der Armut retten würde, ist ein gerechtes Weltwirtschaftssystem, das Konzernen wie Adidas nicht die Möglichkeit gibt, seine Produkte so billig wie möglich in eben solchen Sweatshops in anderen Ländern herstellen zu lassen. Aber sicher nicht ein Konzern, der aus Imagegründen "ethische Turnschuhe" herstellt, um von seinen sonstigen Sauereien abzulenken: Bei Adidas-Zulieferern in El Salvador wurden Frauen, die die sich gewerkschaftlich organisieren wollten, entlassen, manche von ihnen landeten auf "schwarzen Listen" und fanden gar keine Arbeit mehr. Und das, obwohl Adidas im eigenen Kodex das Recht auf Organisation garantiert. Adidas gehört außerdem trotz schillernder PR-Aktionen und CSR-Abteilung zu den schlimmsten Preisdrückern: weil China den staatlichen Mindestlohn erhöhte (und auch das bedeutete keine existenzsichernden Lohn), zog Adidas seine Aufträge zurück und ließ im billigeren, noch ärmeren Vietnam produzieren.

» Artikel vollständig lesen

 

Donnerstag, 12. November 2009

Otto und Yunus gründen Textilfabrik in Bangaldesh

Der Otto-Konzern lässt mit dem Säulenheiligen der Moralwirtschaft, Muhammad Yunus, in Bangladesh eine Textilfabrik nach sozialen und ökologischen Kriterien bauen. Von einem „Leuchtturmprojekt“ spricht der Otto-Konzern über das „moderne Social Business“. Das „CO2-neutrale“Gebäude werde mit energiesparender Beleuchtung, optimierter Lüftung und „unter besonderer Berücksichtigung der Nutzung erneuerbarer Energien“ ausgestattet.  Die Gewinne des Werkes sollen an eine Stiftung gehen, daraus solle den Arbeitern Essen, Gesundheitsversorgung, Aus- und Weiterbildung zukommen, auch die umliegenden Gemeinden sollen bei der Gesundheitsversorgung und Weiterbildung unterstüützt werden. Die Angestellten würden eine „angemessenen Lohn“ und „gute Sozialleistungen“ bekommen. Mit den Erträgen solle zugleich die geplante Expansion des Unternehmens in Bangladesch und anderen Ländern finanziert werden. Der Otto-Konzern wolle mit diesem Projekt zeigen, „dass es durchaus möglich ist, ökologische und soziale Kriterien mit ökonomischen Zielen in Einklang zu bringen“, sagt Michael Otto. Das Projekt, das Muhammad Yunus als „Symbol, das die Welt verändern kann“ preist, dient vor allem dem Otto-Konzern, der damit sein Wohltäter-Image ausbauen kann: denn Otto (Jahresumsatz 2008: 1,7 Milliarden Euro) finanziert die Fabrik nicht, sondern stellt ein zinsloses Darlehen für 15 Jahre zur Verfügung. Der „angemessene Lohn“ ist wiederum kein existenzsichernder, sondern orientiert sich am gesetzlichen Mindestlohn Bangladeshs, der umgerechnet 19 Euro pro Monat beträgt und auch in den so genannten Sweatshops gezahlt wird. Man zahle den Arbeiterinnen „zwischen 19 und 65 Euro pro Monat“, heißt es bei Otto. Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, die mit der Kampagne Saubere Kleidung zusammenarbeitet, sagt: „Beunruhigend ist die Spannbreite der Löhne: denn das bedeute ja, dass sie zumindest teilweise auch nur den staatlichen Mindestlohn zahlen.“


» Artikel vollständig lesen