Archiv der Kategorie: Armut

Gated Community: Bill Gates und die Macht seiner Milliarden-Stiftung

Bill Gates, der Oligarch der Weltrettung, wird heute 60.  Und während die Journaille Presse jubelt, will ich der blinden Milliardärs-Verehrung gern mal ein paar Fakten gegenüberstellen.

Der Mythos Bill Gates speist sich aus den Märchen, die der Kapitalismus so schön erzählt:

Das uramerikanische Märchen vom Aufstieg des Tellerwäschers zum Millionär.

Das Märchen des Genies, dessen brillante Idee die Welt verändert.

Das Märchen des Zweitausendsassas, der in der Garage seiner Eltern Computer gebastelt und schon als Jugendlicher seine erste Firma gründet hat.

Das Märchen des Selfmade-Milliardärs, der die Ärmel hochgekrempelt und es aus eigener Kraft ganz nach oben schafft.

Das Märchen vom verantwortungsbewussten Philantropen, der der Gesellschaft etwas „zurückgibt“. Das Märchen von den Reichen, die den Armen helfen.

Das Märchen, dass Reiche ihren Reichtum nicht nur erworben, sondern auch verdient haben.

Aber Gates hat nie in einer Garage getüftelt. Seine reichen Eltern haben ihn auf eine Privatschule geschickt, um sein mathematisches Talent und sein Computer-Interesse zu fördern. Das Programmieren begann er mit Paul Allen und Monte Davidoff an der privaten Elite-Universität Harvard, mit Allen gründete er Microsoft. Sein grotesk hohes und stetig wachsendes Vermögen hat Gates nicht mit harter Arbeit und brillanten Ideen angehäuft – sondern mit der aggressiven Geschäftspolitik seines Unternehmens, das sich über Jahrzehnte am Rande der Legalität bewegte und damit zum Software-Monopolisten aufstieg: wegen Verstößen gegen das Kartell- und Wettbewerbsrecht war Microsoft in mehr als ein Dutzend Prozesse weltweit verwickelt und musste insgesamt fünf Milliarden Dollar Strafen und Entschädigung bezahlen. Ende der Neunziger Jahre stand das Unternehmen deshalb kurz vor der Zerschlagung. Selbstredend lässt Microsoft seine Produkte unter miserablen Bedingungen in chinesischen Zulieferfabriken wie Foxconn herstellen, wo sich 14 Arbeiter das Leben genommen und weitere 300 Arbeiter wegen der Hungerlöhne mit Massensuizid gedroht haben.

2008 stieg Bill Gates aus seiner Firma aus, um sich nur noch um seine wohltätige Stiftung kümmern zu können. Insgesamt 28 Milliarden Dollar hat er zwischen 2007 und 2013 der Bill&Melinda Gates-Foundation überlassen. Mit einem Stiftungskapital von 42,3 Milliarden US-Dollar ist sie die größte, vermögendste und einflussreichste Privatstiftung der Welt. Gates’ großzügige Spende ist die Blaupause der von ihm und dem amerikanischen Großinvestor Warren Buffet lancierten Kampagne „The Giving Pledge“, mit der sie andere Superreiche dazu anstiften wollten, ebenfalls einen Teil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Wenn Reiche behaupten, sie würden der Gesellschaft „etwas zurückgeben“ – sollte man, anstatt zu applaudieren, nicht eher fragen: Was haben sie ihr denn vorher weggenommen? Gated Community: Bill Gates und die Macht seiner Milliarden-Stiftung weiterlesen

Khorshed Alam gestorben

Es ist erschütternd, dass der neue Eintrag in diesem Blog schon wieder ein Nachruf sein muss. Denn schon wieder haben mich entsetzliche Nachrichten aus Bangladesch erreicht: Khorshed Alam, der Arbeitsforscher, Aktivist und Kämpfer für die Rechte der Textilarbeiterinnen, ist vor zwei Tagen völlig unerwartet im Alter von 46 in einem Krankenhaus in Dhaka gestorben. Eine Kieferoperation hatte zu einer sich rasch ausbreitenden Entzündung geführt, die sein Herz zum Stillstand brachte. Khorshed Alam gestorben weiterlesen

Landlosen-Aktivist Abdul Karim in Bangladesch ermordet

Abdul Karim, in Armut geboren, kämpfte für die Landrechte der Armen in Kurigram. In dieser Region im Nordosten Bangladeschs, die zu den ärmsten des Landes gehört, besetzen Kleinbauern um Abdul Karim unter Führung der Krishok Federations seit 2004 Brachland auf einer ehemaligen Bahnlinie, die die britischen Kolonialherren 1947 verlassen hatten. Das besetzte Land ist seit acht Jahren Lebensgrundlage und Heimat für 3000 Landlosen-Familien. Zuvor hatte Abdul Karim Protestmärsche organisiert und in Briefen die lokalen Behörden vergeblich dazu aufgefordert, das freistehende Land an die Landlosen zu verteilen. Jetzt erreichten mich entsetzliche Nachrichten von der bangladeschischen Kleinbauernbewegung Krishok Federation and Kishani Sabha (BKFS): Karim Abdul, BKFS-Präsident in Bhurungamari und Mitglied des BKFS-Zentralkomitees wurde am Samstag ermordet. Addur Rahim, ein Vertreter lokaler Eliten, die Interesse an jenem Boden haben, tötete Abdul Karim, als der Landkonflikt eskalierte.

Ich habe Abdul Karim bei meiner Reise nach Bangladesch im vergangenen Jahr kennen lernen dürfen und war beeindruckt von einem klugen, inspirierenden, warmherzigen und mutigen Mann und seinem Kampf für Gerechtigkeit. Er und seine Familie waren mir großzügige und herzliche Gastgeber. In seinem Dorf Joymonirhat, das ich in meinem Buch beschreibe, haben Sie ihr Essen mit mir geteilt und ich durfte in ihrer Hütte schlafen. Die Zeit mit ihnen werde ich nie vergessen. Meine aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Familie, seinen ungezählten Freunden und der Krishok Federation and Kishani Saba.

„Karim is survived by his wife and three children, along with lots of relatives and colleagues. He came from a very poor yet simple family. His struggle for the interest of the exploited people in our society will remain with us. We are extremely shocked of his killing, who was our comrade in the tough struggle for a genuine agrarian reform and food sovereignty in Bangladesh. We will remember him forever and his death will inspire us more to continue our struggle. Although he is not alive physically his work will be remembered among us for ever and inspired the people in the world who are fighting for the land rights, food sovereignty and their very existence. We expect that the people who are engaged with his sincere work will translate the condolence into power for the benefit of the common people. And may his bereaved family have much strength to carry the sudden blow on them.“

Aus dem Nachruf von Badrul Alam, Präsident der BKFS