Archiv der Kategorie: Greenwashing

Fleisch essen für’s Karma – eine Gute-Schlacht-Geschichte

„Wer auf anonymes Massenfleisch verzichtet und stattdessen nur ab und zu Fleisch mit Gesicht von glücklichen Schweinen kauft, der bringt gutes Karma für sich, die Tiere und den Rest der Welt.“

So steht das auf der Internetseite Meine kleine Farm, dem Online-Schlachthaus für Lifestyle-Ökos (Motto: „Wir geben Fleisch ein Gesicht“). Ich stelle hier mal die kühne Behauptung auf, dass Schweine auf gutes Karma scheißen, sofern es bedeutet, dass sie dafür abgestochen und zu Wurst vermatscht werden, ja, selbst wenn die dann als „Meat on a Mission“ verkauft wird. Der Schnitzelfresser 2.0 kann sich aus einer Fotogalerie auf dieser Seite aussuchen, welchem der dort abgebildeten Schweine als nächstes der Garaus gemacht werden soll. Schlachten per Mausklick! Das ist für den natursehnsüchtigen Großstadt-Lohas bestimmt ein noch viel authentischeres Gefühl als nur den Basilikumtopf in der Designer-Küche zu gießen.

Das Tötungs-Casting klingt jedenfalls so:

„Deutschland sucht das Superschwein 2. Über den neuen Online-Shop kannst Du schon jetzt leckere Wurst von Schwein 2 vorbestellen (…). Aber noch ist gar nicht klar, welches Schwein sein Gesicht für die nächste Wurst hergeben soll. Deshalb kannst Du aus einem von fünf Schweinen wählen (die aber ohnehin alle geschlachtet werden).“

Zynisch? Ach wo! Sowas nennt man heute „unideologisch“. Der Wurstverkäufer Dennis Buchmann, so heißt es in einem begeisterten Report bei Spiegel Online, „ermöglicht seinen Käufern ökologischen Konsum ohne das Pathos der völligen Korrektheit.“ Denn schließlich soll das Ganze, „BeWurstsein schaffen“ und den „Respekt“ vor dem Tier fördern, wenn man ihm „in die Augen sehen“, es in Videos ein Leben lang (im Falle der Schweine: acht bis neun Monate) begleiten und in Gute-Schlacht-Geschichten schließlich lesen kann, wie schön ruhig, ja praktisch freiwillig, es für den Brotaufstrich gestorben ist: Fleisch essen für’s Karma – eine Gute-Schlacht-Geschichte weiterlesen

Hahahah: Lohas-Erfinder schreibt Anti-Lohas-Manifest

Grad hab ich aber doch ziemlich mit den Ohren geschlackert, denn die taz hat kürzlich ein Anti-Lohas-Manifest veröffentlicht. Ich kann mir nicht helfen, aber die Thesen darin kommen mir irgendwie wahnsinnig bekannt vor. Aber woher denn bloß?

„Nie war es so einfach, ein besserer Mensch zu sein: Wir trinken für den guten Zweck, wir essen Brot für die Dritte Welt, veranlassen die eigene Krötenwanderung zur nächstgelegenen Sozialbank. Wir sind fair, leben bio, fahren öko. Doch das neue Bewusstsein ist nur eine Fassade, hinter der die alte, schmutzige Konsumwirtschaft quicklebendig ist.“

oder

„Weder sie (die Unternehmen) noch ihre Kunden glauben noch an Ideologien, wie es die 68er taten, aber dieser Relativismus speist sich aus der fast kompletten Negierung von Komplexität: Tut dieses, kauft jenes, und die Welt wird ein Stückchen besser. Ökologische Neuerung ist kinderleicht.“

oder

„Berufsbetroffene ersetzen Geist durch Moral. Der einst als alternativ konzipierte Lebensstil der Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) ist zur oberflächlichen hippen Modeerscheinung avanciert. Es gibt ein ganzes Heer von Beratern und Unternehmen, das – als moralische Avantgarde und neoökologischer Jetset – den ethisch-ökologisch korrekten Lebenswandel konsumierbar macht.“

oder

„Sie haben keine Inhalte und keine Themen, die über das Bedienen einer diffusen Sehnsucht hinausgehen. Konzeptionelles Nirwana. Ein bisschen Askese hier, ein bisschen Hedonismus da, ein bisschen links-alternativ, ein bisschen werteverbunden. Die selbst ernannten grünen Vorreiter sind nicht mehr als Zeitgeist-Opportunisten, die auf subtile Weise das postindustrielle Produkt Gesinnung verkaufen.“

beziehungsweise

„Wem es gelingt, Megatrends rechtzeitig und möglichst präzise zu analysieren und zu verstehen, der hält das Ticket für die Zukunft auf den weltweiten Märkten in der Hand.“

und

„Ein Unternehmen, das nicht über seine Corporate Social Responsibility nachdenkt, wird in Zukunft mit Sicherheit an dem vielversprechenden LOHAs-Markt vorbeiproduzieren.“

und

„Konsum und Kunst, Kommerz und Kultur rücken für die Lohas auf die gleiche Stufe, denn sie haben allesamt die gleiche Aufgabe: Lebensqualität zu steigern.“

 und

„Sie (die Lohas) haben gelernt, dass nur im Sowohl-als-Auch Entwicklung und Selbstbestimmung möglich ist und das Entweder-oder in den Kalten Krieg der Ideologien zurückführt. (…) Am Ende der Ideologien steht eine neu Lebenslust, Unvoreingenommenheit und Spontaneität“ 

sowie

„Wir misstrauen den Apokalyptikern, die mit Schaum vor dem Mund den nächsten Untergang verkünden. Wir wissen nicht, wie es dem Wald geht. So richtig weiß das niemand. Der deutsche Wald ist immer noch nicht tot.“

Aua, da hab ich mich jetzt vertan, die letzten fünf Zitate stammen ja gar nicht aus dem Anti-Lohas-Manifest in der taz, sondern aus dem durch und durch neoliberalen Pro-Lohas-Manifest Lohas. Bewusst grün -alles über die neuen grünen Lebenswelten“! Denn der Autor des Anti-Lohas-Manifests ist niemand anderes als Eike Wenzel, ja genau, DER Eike Wenzel, der mit seiner damals mehr als 200 Euro teuren Studie „Zielgruppe Lohas – Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert“ die Lohas und deren Kaufkraft für den deutschen Markt erst interessant gemacht und die Kommerzialisierung der Weltrettung überhaupt mitangestoßen hat.

Macht ja nichts! Jeder kann sich mal täuschen! Umso mehr freut mich, dass Eike Wenzel mein Buch jetzt ein bisschen aufmerksamer gelesen hat als damals –  da hat er das „Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereeinnahmt“ gar als „Zyniker-Feuilleton“, „stylisher Glaubenskrieg“, „Bohlenisierung der Bücher“ und „Salon-Antikapitalismus“ beschimpft. Dabei bin ich doch allerhöchstens Dreieinhalbzimmerwohnungs-Sozialistin!

PS: „Ehrlichkeit: Mehr brauchen wir nicht“, schreibt Wenzel in der taz. Drum ganz echt, ehrlich und extra für Eike Wenzel: der aktuelle Waldschadensbericht.

Bayer, BASF, E.on und BP sponsern Klima-Leugner in den USA

Machen Sie sich doch mal den Spaß, zuzuordnen, zu welchem der oben genannten Konzerne jeweils die folgende Verantwortungsbehauptung gehört (Auflösung siehe unten):

1. „Wir begrüßen daher die intensive Auseinandersetzung mit dem Klimaschutz, zumal wir diese ökonomische und ökologische Herausforderung seit langem selbst sehr ernst nehmen.“
2. „Klimaschutz ist Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Zur
Umsetzung haben wir uns konkrete Ziele gesetzt, die wir konsequent
verfolgen.“

3. „Wir bekennen uns zu unserer Rolle als Schrittmacher beim Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft.“
4. „Als nachhaltiges Unternehmen wollen wir Energie auf eine Weise gewinnen und nutzen, die unserem Planeten und seiner Bevölkerung langfristig nicht schadet.“

Ist eigentlich völlig wurscht, gelogen sind sie alle. Denn diese Konzerne wollen nur eins: globale Klimapolitik verhindern. Deshalb unterstützen BP, BASF, Eon, Bayer und andere Konzerne mit insgesamt 240 200 US-Dollar vor den US-Kongresswahlen jene Senatoren, die den Klimawandel leugnen und Barack Obamas Klimapolitik verhindern wollen. Der Schweizer Tagesanzeiger zitiert einen Bericht des Climate Action Network Europe, nachdem 80 Prozent der Wahlkampfspenden der dort genannten Konzerne an Senatskandidaten fließt, die sich gegen die Klimapolitik der USA aussprechen. Der großzügigste Spende stammt vom Chemiekonzern Bayer: der ließ seinem Wunschkandidaten 108 100 Dollar zukommen.  Zu den Begünstigten gehören vor allem Angehörige der konservativen Tea-Party-Bewegung, die sich gegen jedwede Regulierung bei Umweltfragen und gegen Finanzmarktkontrolle einsetzen.

Lösung: 1: Bayer, 2: BASF, 3: E.on 4: BP