Archiv der Kategorie: Konsum

Boss-Bullshit-Bingo: H&M-Chef Persson im Interview

Es ist zwar schon wieder was her, das Interview mit H&M-Chef Karl-Johan Persson im Spiegel, aber weil ich deswegen immer noch Schaum vorm Mund habe und es ein fast schon historisches Dokument dafür ist, mit welcher Scheinheiligkeit und mit welchen Zynismus sich der Textilindustrie-Boss angesichts der jüngsten Katastrophen aus der Affäre zieht, will ich mir das Interview jetzt doch mal vornehmen.

Hier ein paar kommentierte Auszüge aus dem besten Bullshit-Bingo des Sommers: Boss-Bullshit-Bingo: H&M-Chef Persson im Interview weiterlesen

20 Jahre Tafeln

Dieser Text erschien 2013 als Essay im Feuilleton der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung. Eine ausführliche Reportage zu den Tafeln ist in minem Buch „Wir müssen leider draußen bleiben. Die neu Armut in der Konsumgesellschaft“ (Blessing 2012) zu lesen. Eine Lesung daraus bei den Aktionstagen des Kritischen Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln im April 2013 sind genug gibt es hier als Video.

Solange der Vorrat reicht

Überschuss für die Überflüssigen: Vor 20 Jahren eröffnete die erste Tafel in Berlin. Doch Almosen-Ökonomie etabliert Armut, anstatt sie abzuschaffen

Von Kathrin Hartmann

Menschen in Lumpen, die durch riesige dunstige Müllkippen an den Rändern der Städte pflügen und sich dort ihre Existenz zusammenklauben: Solche beklemmenden Bilder kennt man nur aus Entwicklungsländern. Aber auch im reichen Land Deutschland ernährt sich eine zunehmende Zahl Menschen von den Müllbergen der Wohlhabenden. Doch hier ist dieses Bild retuschiert, die störenden Teile sind entfernt: Die Abfallhaufen sind überdacht, geordnet und verwaltet, der verzweifelt wühlende Müllsucher ist verschwunden. An den Tafeln, die überschüssige Lebensmittel an Bedürftige verteilen, ist Armut ist kein Skandal mehr, sondern gut aufgehoben. 20 Jahre Tafeln weiterlesen

Fleisch essen für’s Karma – eine Gute-Schlacht-Geschichte

„Wer auf anonymes Massenfleisch verzichtet und stattdessen nur ab und zu Fleisch mit Gesicht von glücklichen Schweinen kauft, der bringt gutes Karma für sich, die Tiere und den Rest der Welt.“

So steht das auf der Internetseite Meine kleine Farm, dem Online-Schlachthaus für Lifestyle-Ökos (Motto: „Wir geben Fleisch ein Gesicht“). Ich stelle hier mal die kühne Behauptung auf, dass Schweine auf gutes Karma scheißen, sofern es bedeutet, dass sie dafür abgestochen und zu Wurst vermatscht werden, ja, selbst wenn die dann als „Meat on a Mission“ verkauft wird. Der Schnitzelfresser 2.0 kann sich aus einer Fotogalerie auf dieser Seite aussuchen, welchem der dort abgebildeten Schweine als nächstes der Garaus gemacht werden soll. Schlachten per Mausklick! Das ist für den natursehnsüchtigen Großstadt-Lohas bestimmt ein noch viel authentischeres Gefühl als nur den Basilikumtopf in der Designer-Küche zu gießen.

Das Tötungs-Casting klingt jedenfalls so:

„Deutschland sucht das Superschwein 2. Über den neuen Online-Shop kannst Du schon jetzt leckere Wurst von Schwein 2 vorbestellen (…). Aber noch ist gar nicht klar, welches Schwein sein Gesicht für die nächste Wurst hergeben soll. Deshalb kannst Du aus einem von fünf Schweinen wählen (die aber ohnehin alle geschlachtet werden).“

Zynisch? Ach wo! Sowas nennt man heute „unideologisch“. Der Wurstverkäufer Dennis Buchmann, so heißt es in einem begeisterten Report bei Spiegel Online, „ermöglicht seinen Käufern ökologischen Konsum ohne das Pathos der völligen Korrektheit.“ Denn schließlich soll das Ganze, „BeWurstsein schaffen“ und den „Respekt“ vor dem Tier fördern, wenn man ihm „in die Augen sehen“, es in Videos ein Leben lang (im Falle der Schweine: acht bis neun Monate) begleiten und in Gute-Schlacht-Geschichten schließlich lesen kann, wie schön ruhig, ja praktisch freiwillig, es für den Brotaufstrich gestorben ist: Fleisch essen für’s Karma – eine Gute-Schlacht-Geschichte weiterlesen