Khorshed Alam gestorben

Es ist erschütternd, dass der neue Eintrag in diesem Blog schon wieder ein Nachruf sein muss. Denn schon wieder haben mich entsetzliche Nachrichten aus Bangladesch erreicht: Khorshed Alam, der Arbeitsforscher, Aktivist und Kämpfer für die Rechte der Textilarbeiterinnen, ist vor zwei Tagen völlig unerwartet im Alter von 46 in einem Krankenhaus in Dhaka gestorben. Eine Kieferoperation hatte zu einer sich rasch ausbreitenden Entzündung geführt, die sein Herz zum Stillstand brachte.

Khorshed Alam, Gründer des Alternative Movement for Resources and Freedom Society war ein unverzichtbarer Partner und Unterstützer der internationalen NGO wie etwa der Kampagne Saubere Kleidung oder die britischen NGO War on Want, die gegen die verheerenden Bedingungen in den Sweatshops Bangladeschs kämpfen. Die Aufdeckung von Missständen und Skandalen in den dortigen Fabriken wäre ohne ihn kaum möglich gewesen, Khorshed verfasste zahlreiche Untersuchungen zu den verheerenden Arbeitsbedingungen und der Beteiligung transnationaler Konzerne am Elend der Näherinnen – zuletzt etwa die Studie Race to the Bottom anlässlich der Olympiade in London. Auch war es Khorshed, mit dessen Hilfe Lidl medienwirksam des unlauteren Wettbewerbs angeklagt werden konnte: der Discounter hatte in einem Prospekt behauptet, dass die Textilien sozialverträglich produziert worden seien – das Gegenteil war der Fall, wie Khorshed ein weiteres Mal herausgefunden hatte. Khorshed war, aller Widerstände und harter Gegner zum Trotz, ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit. Er war es auch, der dafür sorgte, dass die Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen, die jeden Tag und jede Sekunde in den Sweatshops Bangladeshs geschehen, in die Weltöffentlichkeit gelangten, denn er war ein wichtiger Ansprechpartner  für die Medien. Er stellte Kontakte zu ausgebeuteten und geschundenen Näherinnen her und schleuste Journalisten in Sweatshops. Die vielbeachtete NDR-Reportage „Die Kik-Story“ etwa hätte es ohne seine Hilfe nicht gegeben.

Auch ich habe Khorshed in Bangladesch kennen lernen dürfen. Auch meine Recherchen hat Khorshed unterstützt, wo er nur konnte. Er war einer der tollsten, klügsten, herzlichsten, verbindlichsten und hilfsbereitesten Menschen, denen ich auf meiner Reise begegnet bin. Sein Büro war ein wunderbarer, heiterer und warmer Ort, an dem ich interessante Menschen traf, tolle Gespräche führte und, trotz voller Schreibtische und nie enden wollender Arbeit, immer herzlich willkommen war. Ich habe die Zeit dort sehr genossen und ich hatte mich darauf gefreut, Khorshed dort wiederzutreffen. Dass dies nie mehr passieren wird, das macht mich sehr traurig.
Mein Beileid gilt seiner Familie, seinen Freunden, den NGO, mit denen er arbeitete – und den Millionen Textilarbeiterinnen und -arbeitern Bangladeschs und ihren Familien, die einen unendlich mutigen und leidenschaftlichen Kämpfer verloren haben.

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