Klimakiller Deutschland

Zur Eröffnung des Klimagipfels der Vereinten Nationen in Paris erklärte Angela Merkel im UN-blauen Jackett stolz die ehrgeizigen Klimaschutz-Ziele Deutschlands. Und wenn die Bundeskanzlerin das Wort zum Klimaschutz ergreift, lauscht die Welt gebannt, denn Merkel gilt als „Klimakanzlerin“ ihres Landes, das sich wiederum als „Vorreiter beim Klimaschutz“ feiert – zum Beispiel von Sigmar Gabriel, Jürgen Trittin, McKinsey, dem Verband der deutschen Automobilindustrie sowie dem Bundesverband der Deutschen Industrie . Deutschland ist es bereits gelungen, die Treibhausgase um 27 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Das klingt gewaltig. Doch die große Zahl kommt nur zustande, weil nach 1990 die ostdeutschen Industrien geschlossen wurden und Deutschland Teile der schmutzigen Produktion in Billiglohnländer nach Asien verlagerte. Danach hat sich wenig getan. Denn die Deutschen stoßen pro Kopf mehr als drei Mal so viel CO2 aus, als die Klimaerwärmung in einem erträglichen Maße halten kann. Deutschland gehört zu den zehn Ländern weltweit mit dem höchsten CO2-Ausstoß und führt die Liste der sechs größten Klimasünder in Europa an. Außerdem gehört Deutschland zu den sieben Ländern, die zusammen für 63 Prozent der Erderwärmung verantwortlich sind.
Zehn Gründe, warum Deutschland kein Klimaretter ist.

1. Autos
18 Prozent der deutschen Treibhausgase kommen aus dem Verkehr – 95 Prozent davon aus dem Straßenverkehr. Niemand in Europa hat so viele Autos wie die Deutschen: auf 1000 Einwohner kommen 530 PKW, jeder fünfte neu angemeldete Wagen ist ein SUV. Die von der Politik gehätschelten Autokonzerne haben in den letzten Jahren immer größere Spritschlucker und CO2-Schleudern gebaut, weil sich damit am meisten Profit machen lässt. Unterstützt wurden sie dabei stets von „Klimakanzlerin“ Angela Merkel, die wegen „nationaler Industrieinteressen“ stets verhindert hat, dass der Autoindustrie von der EU strengere Abgasobergrenzen auferlegt wurden. Zwar könnte der CO2-Ausstoß des Autoverkehrs um drei Prozent gesenkt werden, wenn auf Autobahnen ein Tempolimit von 120 km/h eingeführt würde. Aber dagegen wehren sich Autofahrer, Autoindustrie und Sigmar Gabriel mit Händen und Füßen, als wäre Raserei ein Menschenrecht.

2. Fleisch
Mit 60 Kilo pro Kopf und Jahr essen die Deutschen global überdurchschnittlich viel Fleisch (Weltdurchschnitt: 42 Kilo/Kopf und Jahr). Sein täglich Schnitzel lässt sich der Deutsche nicht nehmen: bei 85 Prozent der Deutschen kommt jeden Tag Fleisch auf den Tisch. Knapp 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen der Ernährung sind auf tierische Produkte zurückzuführen, auf pflanzliche Produkte nur knapp ein Drittel. Während der jährliche Fleischkonsum eines Durchschnittsdeutschen 1000 Quadratmeter beansprucht, benötigt der Kartoffelverbrauch nur 15 Quadratmeter pro Kopf und Jahr. Für die Erzeugung tierischer Produkte ist eine Fläche drei Mal so groß wie Mallorca nötig. Fleischkonsum und der dafür nötige Einsatz von Soja als Tierfutter sind ein Klimakiller: Über 80 Prozent des nach Deutschland importierten Sojas stammt aus Südamerika. Für die Soja-Monokulturen werden dort Regenwald und Savannen vernichtet.

3. Reisen
Die Anzahl interkontinentaler Flüge von Deutschland aus hat seit 2004 um 43 Prozent zugenommen. Der Anteil des Flugverkehrs an der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung wird auf fünf bis zwölf Prozent geschätzt, denn der Luftverkehr stößt pro Personenkilometer fast 20 Mal so viel Treibhausgase aus als der Bahn-Fernverkehr. Die CO2Emissionen des Flugverkehrs haben sich in Deutschland seit 1999 verdoppelt. Bei einem Flug von Frankfurt in die Dominikanische Republik entstehen pro Passagier rund 2,8 Tonnen CO2. Wer einmal in die Karibik und zurück fliegt, hat sein klimaverträgliches Jahresbudget somit schon deutlich überschritten. Den Rekord beim Vielfliegen halten in Deutschland ausgerechnet die Wähler der Grünen.

5. Müll
Angeblich trennt niemand auf der Welt den Müll so besessen wie die Deutschen. Tatsächlich verursachen die Deutschen mehr Müll als die meisten anderen in der EU, nämlich 617 kg pro Einwohner. Das sind 136 kg mehr als im EU-Durchschnitt. Denn die Deutschen sind fleißige Konsumenten: in den vergangenen 15 Jahren ist der Konsum um ein Drittel gestiegen. Und wo viel gekauft wird, wird auch viel weggeworfen. Ein Drittel des Mülls machen Verpackungen aus: Jeder Deutsche wirft heute knapp 213 Kilogramm davon weg – 25 Kilo mehr vor zehn Jahren. Der Grund dafür sind eine Zunahme von Mehrwegverpackungen, Konsum von Fertiggerichten, Coffee-to-go, Online-Bestellungen und der wahnwitzige Kapsel-Kaffee-Trend. Mit 11,5 Millionen Tonnen verbraucht in Europa kein anderes Land soviel Plastik wie Deutschland. Recycelt werden lediglich 42 Prozent des Plastikmülls. 56 Prozent werden verbrannt. Pro verbranntem Kilo Plastik entweichen etwa zwei Kilo CO2 in die Atmosphäre.

6. Essensverschwendung
Weil die reichen Länder, auch Deutschland, das „Recht auf Nahrung“ mit dem Anspruch verwechseln, dass im Supermarkt alles zu jeder Zeit zu haben sein muss, werden laut der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO jedes Jahr 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel zwischen Acker und Teller vernichtet. Mit einem Ausstoß von 3,3 Gigatonnen CO2 stünde die Lebensmittelverschwendung im weltweiten CO2-Emissionensvergleich auf Platz 3 nach USA und China. In Deutschland landen jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Nahrung im Müll. Alleine deutsche Verschwendung setzt global insgesamt 48 Millionen Tonnen Treibhausgase frei. Das ist etwa so viel, wie alle Bewohner Bangladeschs zusammen in einem Jahr ausstoßen. 

7. Energie
Der Energiesektor ist mit circa 85 Prozent im Jahr 2014 die größte Quelle menschengemachter Treibhausgasemissionen in Deutschland. Kohle ist mit Abstand der klimaschädlichste Energieträger, der mit einem Anteil von über 45 Prozent die deutsche Stromversorgung dominiert. Bis Januar 2015 sind in Deutschland sieben neue Kohle-Meiler in Betrieb gegangen. Zusammen mit den im Bau befindlichen Kraftwerken werden diese während ihrer gesamten Lebensdauer zwei Milliarden Tonnen CO2 ausstoßen, die die Emissionsbilanz Deutschlands zusätzlich belasten.

8. Landwirtschaft
2013 war die deutsche Landwirtschaft für die Emission von rund 64 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Die Emissionen aus der Landwirtschaft sind damit der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland. Die industrielle Landwirtschaft in Deutschland ist für elf bis 14 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Grund dafür ist vor allem die zu starke Düngung, die Lachgas freisetz. Lachgasemissionen haben einen geschätzen Anteil von fünf Prozent an den menschengemachten Emissionen .

9. Biosprit
Alleine die 140 000 Tonnen Palmöl, die 2014 in deutschen Dieseltanks verbrannt wurde, benötigen 500 Quadratkilometer Palmölplantagen – eine Fläche so groß wie der Bodensee.
Weil die nicht zuletzt von den deutschen Grünen vorangetriebene verpflichtende Beimischungsquote von Biosprit der EU dafür gesorgt hat, dass in Malaysia und Indonesien gigantische Flächen Regenwald für Palmöl-Monokulturen weichen mussten – bei den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte Indonesiens sind in diesem Jahr Regenwälder von der Fläche mindestens so groß wie Teneriffa vernichtet worden -, hat sich die Bundesregierung die harmlos klingende „Treibhausgasquote“ ausgedacht. Seit Januar 2015 sollen 3,5 Prozent der durch den Kraftstoffverbrauch ausgestoßenen Treibhausgase eingespart werden. Bis 2020 sollen es sieben Prozent sein – und dieses Reduktionsziel soll auch mit Biokraftstoffen erreicht werden. Die Einsparung von 3,5 Prozent bis Ende 2015 bedeutet einen Einsatz von 2,4 Millionen Tonnen Biosprit pro Jahr in Deutschland. Dafür ist eine Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe wie Palmöl und Soja von 2500 Quadratkilometer nötig. Das entspricht der Deutschen liebstem Größenbezug, dem Saarland. wurden in Deutschland  Wenn im Jahr 2020 die Treibhausgasquote sieben Prozent betragen soll, entspräche das einem Anteil von Biokraftstoffen am Gesamtenergieverbrauch im Verkehr von zwölf Prozent. Das ist fast doppelt so viel wie heute. Dabei stößt ein Liter Biodiesel aus Palmöl bis zu 2000 Prozent mehr Treibhausgase aus als ein Liter Diesel aus fossilen Rohstoffen. Wenn man nämlich den Klimaschaden durch Abholzung von Wäldern und die Zerstörung von Torfmooren einrechnet – was weder die EU noch die Bundesregierung tun, schließlich gehören nachwachsende Rohstoffe zur „Dekarbonisierungsstrategie“.

10. Politik und Wirtschaft
Anstatt die Wirtschaft ordnungspolitisch zur Treibhausgasreduktion zu zwingen, belohnt die deutsche Regierung die größten Verschmutzer seit Jahren.  Zuletzt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel: er hat mit den Energiekonzerne jüngst eine Vereinbarung unterschrieben, wonach Energiekonzerne die als besonders unökologisch geltenden Meiler von 2016 an schrittweise bis 2019 vom Netz nehmen. Solange aber bleiben sie als Reserve und können jederzeit wieder ans Netz gehen. Dafür werden die Konzerne vom Staat sieben Jahre lang entschädigt – mit insgesamt 1,6 Milliarden Euro. Das bezahlen die Verbraucher über einen Anstieg der Netzentgelte. Laut BUND müssten „dreimal so viele Kraftwerksblöcke, Kraftwerkskapazität stillgelegt werden, um annähernd in die Liga zu kommen, die es gebraucht hätte, um auch nur das deutsche Klimaziel 2020 erreichbar zu machen.“ Währenddessen versuchen E.on und RWE den Erhalt ihrer bereits abgeschriebene Meiler, mit denen sie besonders viel Profit machen, anders abzusichern: nach einer Recherche vom Denkhaus Bremen kaufen die Stromriesen weltweit Holz auf, um dieses als Biomasse in Kraftwerken zu verfeuern. Das verursacht Kahlschläge von Wäldern in Nordamerika und Südfrankreich.
Auch die klimavernichtende Luftfahrtindustrie erhält Unterstützung von der Politik: durch die Befreiung von der Kerosinsteuer wird diese jedes Jahr mit mindestens sieben Milliarden Euro subventioniert. Die Bahn hingegen muss den vollen Umsatzsteuersatz zahlen.

 

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