Ende der Märchenstunde - Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt

Donnerstag, 26. Januar 2012

Eine kleine Fairtrade-Anekdote...

... die ich hier doch noch zum Besten geben muss: gerade habe ich zwei Päckchen voll korrekten mexikanischen Rebellen-Kaffee erhalten, die ich online bestellt habe. Geliefert wurde mir das Paket ausgerechnet von DPD - einem Paketzusteller mit miesen Arbeitsbedingungen und katastrophalen Löhnen für Kurierfahrer. Das bringt jetzt meine Hauptthese ziemlich genau auf den Punkt: Es gibt kein richtiges Einkaufen im falschen Weltwirtschaftssytem. Denn unsere Konsumgesellschaft ist ohne Ausbeutung und Armut schlicht nicht denkbar. Und Ausbeutung gibt es nicht in gut.


Kommentare

#1 - herwig tretter, mount meru flowers said:
27.01.2012 05:10 - (Antwort)

wie soll denn das richtige weltwirtschaftssystem aussehen, frau hartmann? können sie das präzisieren?

#1.1 - Kathrin Hartmann 31.01.2012 17:33 - (Antwort)

Das habe ich in meiner Antwort (Stichworte: Ernährungsunabhängigkeit, Entschuldung, Postwachstumsökonomie) bereits versucht. Ich kann ihnen keinen Reissbrettplan eines Weltwirtschaftsssystems liefern - denn das müssen schon die Menschen in den armen Ländern selbst entscheiden. Damit sie dazu in der Lage sind, müssen aber die Strukturen der Armut beseitigt werden. Ohne Entschuldung der Entwicklungsländer, ohne Verbot von Agrar- und Lebensmittelspekulation, ohne Regulierungen zugunsten der Armen Länder, ohne eine Abkehr von Konsumgesellschaft und Wachstumswahnsinn wird all das nicht möglich sein. Und ich glaube auch nicht, dass ein schon wieder vom reichen Norden bzw. Westen oktroyiertes System Gerechtigkeit herbeiführt. Alle Pläne - von der Entwicklungshilfe, über die Strukturanpassungsprogramme bis hin zu Mikrokrediten dient nicht den Menschen vor Ort, sondern dem Norden, denn alles ist nichts anderes als ein Fortbestand des Kolonialismus, der nur funktioniert, so lange der Norden die Möglichkeit der Unterjochung hat. Ich würde die Frage aber gern mal umdrehen: Sie waren doch, wie Sie schreiben, selbst in vielen Entwicklungsländern unterwegs - haben Sie dort nicht mit den Menschen vor Ort gesprochen? Zum Beispiel darüber, welche Gesellschaft, welches Leben sie sich wünschen? Glauben Sie denn ernsthaft, das jetztige System, das ohne Armut und Elend gar nicht erst funktionieren würde, ist alternativlos?

#1.1.1 - herwig tretter, mount meru flowers said:
10.02.2012 10:14 - (Antwort)

frau hartmann, viele fragen, schwere antworten. ich hätte auch eine menge fragen und nicht so viele antworten, denn diese, sollen sie seriös sein, sind sehr schwierig. manchen ihrer bisherigen ausführungen kann ich zustimmen, zb spekulation mit lebensmitteln ist etwas durchaus fragwürdiges. dafür halte ich zb die kolonialisierungsaussage durch den (westlichen) norden für untreffend. sie schlagen zb eine reihe von massnahmen vor, die wer durchführen sollte und wie? ich bin ein nüchterner realist, praktiker und problemlöser. ich habe eine etwas andere sicht der dinge, als die der unterjochenden ausbeutung, wiewohl das in einzelfällen zutreffen mag. darüber später, nach lektüre ihres buches. komme erst am 13.2. wieder nach europa. sind sie eigentlich zur sendung "Konkret" des orf am selben Tag eingeladen? letzter punkt: habe mit vielen einfachen menschen in verschiedenen entwicklungsländern gesprochen, weniger mit "revolutionären". was die leute sich wünschen? gutes und ausreichend essen, gute kleidung, etwas geld auf der kante, einen guten job, ein auto, ein haus mit hübschen möbeln, sichere und geordnete verhältnisse und eine gute familie. das will der einfache bürger weltweit. das wollte meine liebe exfrau und deren familie aus kolumbien, das wollte mein ukrainischer buchhalter und meine ukrainisch-jüdische sekretärin, das wollen meine mitarbeiter in tanzania. das wollten meine bekannten in libyen, pakistan, saudi-arabien, bangla desh, aus den kibuzz in israel, irak-, palästina- und iranflüchtlinge, die ich kennengelernt habe, meine freunde in nicaragua und russland wollen das. das will der taxifahrer in cuba, die nicaraguanische studentin in der sowjetunion und der kellner in der dominikanischen rebublik. auch die kleinbauern in venezuela und tanzania, die ich kennengelernt habe, wollen das. kommt ihnen das bekannt vor? wie wollen sie das den leuten ermöglichen? durch befreiung von der westlich-nördlichen unterdrückung? wie ganz konkret? und wer soll es umsetzen? meine antwort ist simpel: förderung der freien marktwirtschaft mit limitierten regeln. darüber können wir uns gerne unterhalten. denn nur einfach höhere preise und jede menge verbote zu verlangen ist zu einfach. mfg herwig tretter

#1.1.1.1 - Karsten O. 13.12.2012 14:24 - (Antwort)

Hallo .... Auch wenn mein K.O.mentar nun reichlich spät kommt und vermutlich nicht mehr beachtet wird von demjenigen an dem sich mein Beitrag richtet, komme ich dennoch nicht umhin, diesen zu verfassen. Bezüglich des Argumentes der freie Markt wird es schon richten, sei gesagt, das ist leider ein Irrtum, um nicht zu sagen Blödsinn. Warum?! Was ist freier Markt?! Du willst was was ich habe, dann zahl den Preis den ich verlange - oder - Ich verlange was ich will denn es ist meine freie Entscheidung und wenn dir das nicht passt, dann mußt du ja nicht. So oder so ähnlich wird das dann gehändelt. Siehe die aktuelle Wohnungsmarktsituation etc...und genau deshalb ist der freie Markt überhaupt nicht so gut wie alle meinen. Siehe auch Stromgewinnung usw. Reglementierung "schadet" letztenendes nur denen, die durch die sogenannte freie Marktwirtschaft profitieren, nicht aber der Gesellschaft im Ganzen. Eine 4köpfige Familie weltweit, würde sich über gewisse Reglementierung oder Deckellung ganz sicher nicht beschweren. Und wenn ich dann vllt von Planwirtschaft anfangen würde, was ich nicht machen möchte, dann muß ich aber dennoch mal darauf eingehen, daß es allgemein zu unrecht verpönt ist, von einem sozialistischen Staat zu träumen. Was genau spricht gegen einen Demokratisch-Sozialistischen-Staat??? Und JA, das wäre sehrwohl möglich - man muß nur mal nachdenken wie sowas aussehen könnte. Als Gegenargument wird ja dann immer wieder die DDR angeführt. Niemand richtet den Blick mal auf Yugoslawien. Sicherlich auch dort war nicht alles Gut aber die Menschen hatten generell alles was sie brauchten und sie waren frei zu kommen und zu gehen wohin sie wollten. Das Land gehörte zu keinem Zeitpunkt dem Warschauer Pakt an, auch wenn es enge Geschäftsbeziehungen mit Russland hatte. Ich weiß das, denn meine Mutter kommt aus eben diesem nun nicht mehr existierenden Land (Sie ist Slowenin), und ich selbst bin eben durch die Familie, deren Nachbarn und Bekannte und Verwandte mit dem Land verwurzelt und bekannt geweorden und habe das ein oder andere durchaus miterlebt (ich bin Jahrgang 72, "kenne" Tito also nur vom lesen und Hörensagen). Ich will damit nur zum Ausdruck bringen, sorry wenn ich nicht so geschliffen daherschreiben kann^^, daß es immer verschiedene Sichtweisen gibt und EIN Grundbedürfniss, das was Sie ja schon gut und richtig beschrieben haben. Wir neigen jedoch dazu, alles abzulehnen was wir entweder nicht kennen oder schon mal dagewesen aber gescheitert ist. Selbst der Magnum-Schnäutzer ist wieder im Kommen, der Fokohila hoffentlich nicht^^. Jedenfalls wird etwas Stigmatisiert was einfach nur angepasst an die heutigen Umstände werden muß, damit es funzt. Es ist keineswegs zu einfach "nur" Verbote etc zu erheben, wie Sie schreiben, es ist vielmehr zu einfach alles auf den freien Markt und somit auf die freiwilligkeit der Konzerne aber auch der Menschen zu schieben! Ohne Druck der Politik - die wird dafür vom Steuerzahler beauftragt und bezahlt - gehts nicht. Auch btw, er Ausruf der Staat kann nicht alles für uns regeln ist Blödsinn - DENN ICH BIN der Staat! Freiwillig verzichtet Schumacher im übrigen auch nicht auf seine Entlohnung wenn der Arbeitgeber das bezahlt, würde aber sicherlich auch für weniger fahren wenn es niemals zu solchen Summen gekommen wäre. Uns Uwe Seeler hat sicherlich nicht das verdient was er verdient hätte, als er noch die Fußballschuhe geschnürt hat ;) @Kathrin Bezüglich des löschens eines Anonymen Schreibers etc Möchte ich einfach profilaktisch anmerken, daß ich keineswegs Anonym bin und meine eMail Adresse eine Funktion hat. Kontakt immer gern gesehen .... Nachname gibbet eben nur auf Nachfrage hehe PS.: Biedere ich mich zu sehr an?! Hmmmm Grüße Karsten

#2 - Ka 31.01.2012 16:08 - (Antwort)

Mir hat mal ein DPD-Zusteller erzählt, dass er pro nicht ausgeliefertem Paket (sprich: wenn man grad nicht zu Hause ist und auch kein Nachbar) einen Euro Strafe zahlen muss.

#3 - Benzol 01.02.2012 19:24 - (Antwort)

[wegen anonymer Beleidigung habe ich diesen Beitrag gelöscht. Kathrin Hartmann]

#3.1 - Kathrin Hartmann 02.02.2012 11:27 - (Antwort)

IN EIGENER SACHE Liebe Kommentatoren, Sie wissen, ich diskutiere gerne und streite mich auch. Zur inhaltlichen Diskussion sind alle herzlich eingeladen. Aber beleidigen und anpöbeln lasse ich mich hier nicht, schon gleich nicht von feigen anonymen Kommentatoren, die noch nicht einmal eine Emailadresse angeben. Wer sich in meinem Blog schlecht benimmt, den schmeiße ich raus - so wie ich das auch in meinem Wohnzimmer machen würde. Liebe Kommentatoren, bitte geben Sie künftig eine richtige E-Mail-Adresse an, denn ich werde mir auch weiter vorbehalten, anonyme Anwürfe zu löschen. Es wäre mir sehr lieb, wenn Sie künftig Ihren Namen angeben würden, schließlich diskutiere ich hier auch unter meinem echten Namen. Vielen Dank, Kathrin Hartmann

#4 - Daniel 27.09.2012 17:04 - (Antwort)

Tja, da fällt mir nur ein: Man kann nicht richtig leben, im falschen System. ;) So, noch was Generelles: habe den Blog grade gefunden und werde hier jetzt öfter mitlesen / diskutieren. Darf man auch Werbung für andere Blogs / Beiträge machen? Z.B. Konsumpf, durch den ich erst hierher gekommen bin. Mir kann man auch emailen. Grüße


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